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Selbstständig machen mit einem Bioladen

Verkäuferin im Bioladen

Bioprodukte sind aus den Einkaufskörben vieler Deutsche nicht mehr wegzudenken. Was einst ein Nischenprodukt war, erreicht heute täglich viele Millionen Menschen. Insofern handelt es sich nicht um einen kurzlebigen Trend, sondern eher um einen nachhaltigen Megatrend, denn immer mehr Verbraucher setzen auf Regionalität und ökologische Erzeugung. Ein zunehmendes Gesundheitsbewusstsein ist sicherlich eine Erklärung für die boomende Bio-Branche. Angesichts dessen scheint die Ausgangslage vielversprechend zu sein, um sich mit einem Bioladen selbstständig zu machen. In diesem Beitrag sollen alle relevanten Themen, Handlungsfelder und formalen Voraussetzung praxisnah erörtert werden.
 

Bioladen eröffnen: Worüber dieser Beitrag praxisorientiert informiert

  • Faktencheck: Wie nachhaltig ist das Geschäft mit Bio-Erzeugnissen?
  • Standortfaktoren und Businessplan
  • Was bedeutet eigentlich Bio? => qualitative Anforderungen/Vorgaben
  • formale Voraussetzungen für die Eröffnung eines Bioladens
  • Geschäft ankurbeln: Anregungen für das Marketing
     

Umfeldbedingungen analysieren: nachhaltiger Erfolg mit einem Bioladen?

Um die Ausgangslage möglichst ganzheitlich und realistisch einzuschätzen, sei einleitend auf zentrale Fakten und Trends verwiesen. Im Jahr 2016 wurden mit Bioprodukten knapp 10 Milliarden Euro umgesetzt, wobei die Tendenz weiter auf einen anhaltenden Wachstumskurs verweist. Dazu passt, dass die Umsätze im Bio-Bereich von 2015 bis 2016 um 10 % kräftig angestiegen sind. Allerdings gibt es auch noch erhebliches Steigerungspotenzial, denn bis dato machen Erzeugnisse aus ökologischer Erzeugung nur gut 5 % aller verkauften Lebensmittel aus. Zum Vergleich: In Dänemark sind es schon knapp 10 %.
 

Der anhaltende Bio-Boom ist noch keine Garantie für ein laufendes Geschäft!

Ein Selbstläufer wird ein Bioladen angesichts dessen aber trotzdem nicht werden, denn der Branchenverband geht von ca. 2.500 Bioläden in Deutschland aus. Hinzu kommt, dass mittlerweile jeder Supermarkt und auch Discounter eine Vielzahl an Bioprodukten zugänglich macht. Insofern kann eine SWOT-Analyse helfen, Chancen und Risiken in diesem Markt zu bewerten und die Schwächen und Stärken des eigenen Geschäftsmodells daraufhin zu beleuchten. Was den typischen Biokunden angeht, so erweist er sich in der Regel als kaufkräftig und treu, wobei er sehr anspruchsvoll ist. Die Qualität bzw. Frische der Waren darf also keinen Anlass für Zweifel geben.

Praxistipp: Lotsendienst/Beratungsangebot der IHK nutzen
Mit dem Weg in die Selbstständigkeit mit einem Bioladen ergibt sich ohnehin eine Pflichtmitgliedschaft in der IHK. Das Beratungsangebot (in einigen Regionen auch als Lotsendienst bekannt) der IHK ermöglicht es, die Geschäftsidee von Anfang an mit Blick auf die Durchführbarkeit und Nachhaltigkeitsaspekte zu bewerten. Auch das Beratungsangebot mit Blick auf die Finanzierung kann sehr wertvoll sein, da mitunter viel Kapital für die Eröffnung eines Bioladens aufzubringen sein wird.

 

Standortanalyse und Einrichtung des Ladenlokals mit Blick auf die Zielgruppe und das Angebotsspektrum

Eine gründliche Standortanalyse ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Geschäftsbasis. Bei einem Bioladen sollte die Standortanalyse spezifisch mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe erfolgen: Was erwarten ökologisch orientierte Kunden? Eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch zu Fuß spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Neben der Lage des Ladenlokals und der unmittelbaren Konkurrenzsituation sollten der Schnitt und die Verkaufsfläche analysiert werden, auch mit Blick auf etwaige Kosten für Renovierungsarbeiten und die Einrichtung.

Letztlich spielt es auch eine Rolle, wie das Leistungsspektrum des Bioladens aussehen soll. Sollen nur frische Waren (Obst, Gemüse und Fleisch) verkauft werden oder sämtliche Produkte des täglichen Bedarfs? Bei der Einrichtung des Ladenlokals ist auf ein freundliches Ambiente Wert zu legen, das den Biocharakter wirkungsvoll hervorhebt. Die Gestaltung des Ladenlokals bzw. die Warenpräsentation werden einen großen Einfluss darauf haben, ob und wie viel Kunden im Bioladen einkaufen werden. Daher sollte dieser Aspekt sorgfältig geplant werden. Es ist ratsam, professionelle Dienstleistungen in diesem Bereich zu nutzen.
 

So sieht Bio aus! Neue Wege bei der Warenpräsentation können verkaufsfördernde Alleinstellungsmerkmale sein

Viele Kunden wundern sich in Supermärkten darüber, dass Bio-Produkte in Plastikbeuteln verpackt sind. In einem innovativen Bioladen sollte das anders aussehen, um Kunden einen sicht- bzw. erlebbaren Mehrwert zu bieten. Obst und Gemüse können wie auf einem Marktstand angeboten werden und Verpackungen sollten weitestgehend auf Plastik verzichten, sofern es sich nicht vermeiden lässt. Mit einer solchen Geschäftsausrichtung setzen Gründer ein sichtbares und vor allem aktives Zeichen. Es lohnt kann sich langfristig sehr lohnen, innovative Wege bei der Warenpräsentation zu gehen! Nicht aus Zufall haben bereits einige Supermarktketten damit begonnen, Plastik im Obst- und Gemüsebereich zu verringern.
 

Bioladen eröffnen: Eigene Kenntnisse und Fähigkeiten kritisch hinterfragen

Gründungswillige sollten sich schon im Rahmen der strategischen Planung klar machen, was es heißt, einen Bioladen zu eröffnen bzw. ihn erfolgsorientiert zu führen. Neben einer fundierten Warenkunde sind kaufmännische Kenntnisse unabdingbar, um von Anfang an gewinnorientiert zu handeln bzw. besser gesagt zu kalkulieren. Zu den täglichen Aufgaben werden u.a. die Bestellung von Waren, die Kostenkalkulation, die Buchung von Geschäftsvorgängen sowie steuerliche Aspekte gehören. Wer Defizite im Bereich des kaufmännischen Wissens hat, sollte diese möglichst ehrlich benennen und frühzeitig abbauen. Spezielle Seminare (z.B. bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer) sind eine mögliche Option.
 

Mit dem Businessplan wird der Bioladen von A bis Z strategisch geplant

Im Businessplan sollten Gründer ihr kaufmännisches und branchenspezifisches Wissen unter Beweis stellen und mögliche Kapitalgeber von den Chancen ihrer Geschäftsidee in kompakter Form überzeugen. Ohne Businessplan wird es nicht möglich sein, an Fördermittel oder Kredite zu gelangen. Aber auch ungeachtet dessen handelt es sich um weit mehr als nur um einen formalen Akt, denn mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Businessplan legen Gründer in allen Geschäftsbereichen die Basis für eine nachhaltige Entwicklung.
 

Bio heißt Vertrauen: dementsprechendes Marketing und Warendarstellung

Natürlich sollte das Bio-Label in den Mittelpunkt gestellt werden. Von großer Wichtigkeit aber ist, dass dieses Label authentisch und transparent gelebt wird. Waren, die dieses Label tragen, müssen hohen Qualitätsansprüchen genügen, schließlich rechtfertigen diese letztlich auch höhere Preise im Vergleich zu konventionell erzeugten Produkten.

Ideal ist es, wenn Kunden im Bioladen erleben können, was Bio bedeutet bzw. was sich hinter diesem Label verbirgt. Informationstafeln oder Hinweise zu ausgewählten Produkten können ein möglicher Weg sein. Viele Kunden legen großen Wert auf Regionalität: Insofern kann es Sinn machen, gerade bei Obst und Gemüse auf die regionalen Erzeuger direkt aufmerksam zu machen (nach dem Motto frische Bio-Kartoffeln von Bauer X aus Y). Generell setzt Bio ein gewisses Vertrauen voraus: Insofern sollten sich Gründer mit den Lieferanten sorgsam auseinandersetzen, um beste Bio-Qualität für alle Produkte garantieren zu können. Diese Arbeit ist alternativlos, denn Kunden vertrauen ihrerseits darauf, wirklich gute Bio-Qualität zu erhalten. Dort, wo das Siegel drauf ist, muss wirklich nachweislich ökologische Landwirtschaft drin sein.

Begleitet werden sollte der Bioladen auch von einer keywordoptimierten Homepage. Eine solche hat zwei große Vorteile: Sie hilft ‚automatisch‘ bei der Kundenakquise, indem auf die Existenz des Ladens in der Nähe aufmerksam gemacht wird. Darüber hinaus haben Besitzer eines Bioladens hier die Chance, für Vertrauen zu werben: Woher stammen die Produkte? Welche Standards werden eingehalten? Welches soziale Engagement wird unterstützt? Gerade der letzte Aspekt spielt für viele Bio-Kunden eine nicht unwichtige Rolle (Stichwort fair trade).

Lektüretipp für ein zielorientiertes und regionales Marketing: Regional die richtigen Kunden finden


Bioladen eröffnen: Vorschriften und Formalitäten in der kompakten Zusammenfassung

Die EG-Öko-Verordnung gibt vor, welche Anforderungen Bio-Produkte erfüllen müssen. Nur Produkte, die diese Anforderungen erfüllen, dürfen das angesehene Siegel tragen.

Bio-Produkte müssen generell frei von Gentechnik, Bestrahlung, Pflanzenschutzmitteln (chemisch oder synthetisch) und mineralischen Düngemitteln sein. Was die Erzeugung betrifft, so ist ein Anbau mit abwechslungsreicher Fruchtfolge sicherzustellen. Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Ferner sind nur ökologisch produzierte Futtermittel zugelassen. Die Tiernahrung darf nicht mit Antibiotika versehen werden. Wie bereits erwähnt: Kunden vertrauen darauf, dass diese Kriterien eingehalten werden, schließlich stehen sie für die konkreten Vorzüge dieser Lebensmittel. Insofern sollten die Lieferanten überprüft werden. Im Zweifelsfall kann es nicht ausreichen, dass Produkte nur das Bio-Label tragen. Wie sieht es mit der Transparenz des Herstellers aus? Gibt es unabhängige Testberichte? Was tun Erzeuger/Lieferanten mit Blick auf ökologische Nachhaltigkeit? Testsiegel von Öko-Test oder Stiftung-Warentest sollten gezielt bei der Warenpräsentation eingesetzt werden, da sie nachweislich verkaufsfördernd sind. Wer einen Bioladen eröffnet, muss sicherstellen, dass die verkauften Produkte alle Anforderungen des Bio-Siegels erfüllen. Die Bundesregierung stellt auf ihren Internetseiten alle Richtlinien vor.
 

Gewerbeanmeldung für die Selbstständigkeit mit einem Bioladen

Vor der Eröffnung des Bioladens muss ein Gewerbe angemeldet werden. Der so erhaltene Gewerbeschein ist die formale Berechtigung für das Betreiben dieses Geschäfts. Mögliche Nachweispflichten ergeben sich aus dem Angebotsspektrum, das ohnehin auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung umfassend zu schildern ist. Wer frische Lebensmittel wie Fleisch verkaufen möchte, muss entsprechende Hygienekenntnisse nachweisen können. Natürlich muss das Ladenlokal eine dementsprechende Logistik aufweisen, damit die Kühlkette eingehalten werden kann. Die Gewerbeaufsicht bzw. das Bauamt kommen ins Spiel, wenn Renovierungsarbeiten vorgenommen werden müssen. Zu beachten sind des Weiteren die gesetzlichen Regelungen des Einzelhandels. Zu denken ist dabei insbesondere an die gesetzlichen Öffnungszeiten im jeweiligen Bundesland und die Vorschriften für die Preisauszeichnung.
 

Selbstständig machen mit einem Bioladen: zentrale Faktoren in der Kurzzusammenfassung

  1. Bio-Produkte haben einen festen Platz in der Gesellschaft, auch wenn ihr Anteil erst bei 5 % liegt. Hohe Wachstumsraten und Umsätze in zweistelliger Milliardenhöhe verdeutlichen die wirtschaftlichen Chancen in diesem Bereich
  2. Standortanalyse und anschließende Auswahl eines Ladenlokals sollten mit Blick auf die Wünsche von Bio-Kunden und regionale Aspekte erfolgen
  3. Mit der Ausarbeitung eine Businessplans werden alle Geschäftsfelder strategisch geplant und externe Geldgeber idealerweise von den Chancen überzeugt
  4. Gründer sollten sich darüber im Klaren sein, dass Bio ein gewisses Vertrauen voraussetzt. Transparenz und Qualitätsorientierung spielen daher eine erfolgskritische Rolle
  5. Wo Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein! Alle verkauften Produkte müssen die Anforderungen des Bio-Siegels erfüllen. Lieferanten/Erzeuger sind dementsprechend sorgsam und qualitätsorientiert auszuwählen. Den rechtlichen Rahmen gibt die EG-Öko-Verordnung vor
  6. Vor der Eröffnung eines Bioladens muss ein Gewerbe angemeldet werden. Kenntnisse in Bezug auf Hygienevorschriften sind nachzuweisen, sofern frische Lebensmittel verkauft werden.

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