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Selbstständig machen mit einer Lotto-Annahmestelle

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen nur bei etwa 1 zu 139 Millionen liegt, so spielen insgesamt gut 20 Millionen Deutsche regelmäßig Lotto. Im Jahr 2014 konnten die 16 Lottogesellschaften hierzulande einen stolzen Umsatz in Höhe von 6,9 Milliarden Euro erzielen. Insofern scheint es sich um ein sehr lukratives Geschäftsfeld zu handeln, das die Frage ‚Wie mache ich mich mit einer Lotto Annahmestelle erfolgreich selbstständig‘ als sehr berechtigt erscheinen lässt. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer solchen Geschäftsgründung zu reüssieren, ist jedoch deutlich (!) höher als 1:139 Millionen. Damit die geplante Geschäftsgründung aber nicht zu einer riskanten Lotterie wird, sollen im folgenden Beitrag alle wesentlichen Schlüsselfaktoren kompakt beleuchtet werden. Wer sich von Beginn an mit einem Businessplan konsequent mit allen strategischen Faktoren auseinandersetzt und einen guten Standort wählt, kann die Weichen für den persönlichen Berufs-Jackpot legen
 

Eine Lizenz für Gewinne: Wie kommt man eigentlich an Lotto heran?

Um eine Lotto Annahmestelle eröffnen zu können, muss erst eine Lizenz (Glücksspiel-Konzession) her, die bei Lotto bzw. der regionalen Lottogesellschaft zu beantragen ist. Je nach eigenem Standort kann an dieser Stelle das Vorhaben mit der Selbstständigkeit schon scheitern, denn die begehrten Lizenzen sind räumlich limitiert. Sind in einer Stadt in einem Radius von X Kilometern schon viele Annahmestellen vorhanden, so dürfte es schwierig werden, noch eine zu erlangen. Logisch ist, dass in Großstädten mehr Lizenzen vergeben werden als in kleinen Orten. Der Standort ist also gut zu analysieren, zumal man sich mit der direkten Konkurrenz vor der Tür ja auch langfristig gesehen keinen Gefallen tun würde. Strategisch empfehlenswert ist eine Lotto Annahmestelle im Eingangsbereich von großen Supermärkten oder Shoppingcentern, da so jeden Tag sehr viel spielwillige Laufkundschaft vorbeikommt. Ein isolierter Laden wird nicht funktionieren. In Dörfern ist es möglich, dass eine Lotto Annahmestelle auch Zeitschriften, Bücher, Tabakwaren und Schreibwaren verkauft, sodass die Einnahmebasis insgesamt breit gehalten werden kann.
 

Für die Lottolizenz sind einige formale Pflichten zu erfüllen

Wer eine begehrte Lottolizenz sein Eigen nennen möchte, muss einer ausführlichen Prüfung der zuständigen Lottogesellschaft standhalten. Zwingend notwendig sind ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintrag sowie eine einwandfreie Schufa-Auskunft. Zudem sollte auch ein gewisses Startkapital vorhanden sein, da natürlich die Eröffnung eines Ladenlokals mit Investitionskosten verbunden ist. Um externe Geldgeber bzw. Banken zu überzeugen, sollte ein professioneller Businessplan ausgearbeitet werden. Dieser hilft auch dabei, die Geschäftsstrategie zu fokussieren. Es wird kaum reichen, nur Lottoscheine anzunehmen, wie ein späterer Blick auf das Provisionssystem zeigt. Nicht aus Zufall werden in einer Lotto Annahmestelle immer auch weitere Produkte verkauft. Je nach Standort können sich Existenzgründer hier gezielt von der Konkurrenz abgrenzen und Produkte verkaufen, die die Umsätze steigern und den einen oder anderen zum Lottospielen anlocken können…
 

In einem Seminar werden Existenzgründer fit gemacht

Im Zuge der Prüfung verpflichten sich Interessenten auch dazu, ein spezielles Seminar bei der zuständigen Lottogesellschaft zu absolvieren. Hierbei geht es darum, alle Arten von möglichen Glückspielen detailliert kennenzulernen. Insgesamt soll es darum gehen, seriöse Verkäufer heranzuziehen. Auch die Abrechnung der Lizenzgebühren wird ein Thema sein, sodass ein Aspekt der notwendigen Buchhaltung direkt zu Beginn auf der Tagesordnung steht. Die Höhe der Konzessionsgebühren ist beispielsweise in Nordrhein-Westfalen von 100 auf 1250 Euro für eine 5-Jahres-Lizenz gestiegen, um sich einen ungefähren Eindruck von fixen Kostenfaktoren zu machen, die auf der Soll-Seite der Buchführung stehen werden. Helmut Hoesen, Vorsitzender des Lotto- und Toto-Verbandes, nennt in einem Interview einen durchschnittlichen Umsatz von 7000 Euro im Monat, wovon der Ladeninhaber eine Provision in Höhe von 6,55 Prozent bekommt. Hier zeigt sich deutlich, dass die recht hohen Gebühren schon ins Gewicht fallen und vor allem, dass es nicht reichen dürfte, nur Lottoscheine anzunehmen. Dazu müsste der Standort schon außergewöhnlich gut sein und übermäßig viele Lottospieler anziehen.
 

Gibt es eine Alternative, wenn die Lizenz von Lotto nicht gewährt wird?

Falls die oben genannten Schritte nicht zum gewünschten Erfolg führen, so besteht die Alternative, eine bereits bestehende Annahmestelle inklusive Lizenz zu übernehmen bzw. zu kaufen. Da natürlich auch das gesamte Inventar übernommen wird, muss unter Umständen auf eine hohe Investitionssumme zurückgegriffen werden. Andererseits kann aber auch sofort auf einen laufenden Geschäftsbetrieb mit einem festen Kundenstamm zurückgegriffen werden, der im Falle der kompletten Neugründung einer Lotto Annahmestelle erst aufgebaut werden müsste. Zudem zeigt ein Blick in die Zahlen, wie gut das Geschäft läuft bzw. wie viel konkret der Verkauf von Lottoscheinen im Monat abwirft. Insofern handelt es sich hierbei nicht nur um eine prüfenswerte Alternative für alle, die keine Lottolizenz am gewünschten Standort erhalten haben.
 

Nützliches Praxiswissen: Vorbereitung für die Lottoprüfung

Am Ende des Seminars bzw. vor der Eröffnung der Annahmestelle müssen angehende Existenzgründer einen Test bestehen. Dazu muss das gesamte Angebot beherrscht werden, insbesondere auch was die Spielregeln angeht (schließlich soll es in Verkaufsgesprächen ja auch um Beratung gehen). Zukünftige Inhaber werden in die Lage versetzt, Quoten zu berechnen und ggf. bestimmte Gewinne sofort auszuzahlen. Wer sich in diesem Bereich erfolgreich selbstständig machen will, muss sich auch in Bezug auf das geltende Jugendschutzgesetz und Spielsucht sensibilisieren. Erst nach der erfolgreichen Absolvierung des Tests darf die Annahmestelle eröffnet werden, wobei Lotto die technischen Einrichtungen bereitstellt. Abgesehen von Lotto sollten aber auch weitere Schritte unternommen werden, um die Geschäftsgründung formal voranzutreiben. So ist etwa an die Anmeldung beim Gewerbeamt und beim örtlichen Finanzamt ein wichtiger Schritt Richtung Selbstständigkeit. Die Ladeninhaber selber können prüfen, welche Form der Krankenversicherung sie annehmen oder ggf. behalten wollen (Selbstständige können unabhängig von der Höhe des Einkommens in die private Krankenversicherung wechseln). Wichtig ist es auch, die Buchhaltung von Anfang an professionell zu gestalten, um den Jahresabschluss richtig und schnell über die Bühne zu bringen. Ein dementsprechender Crashkurs oder fachliche Hilfe sind in diesem Kontext unerlässlich, sofern die eigenen Kenntnisse gegen null tendieren.
 

Verdienstmöglichkeiten mit einer Lotto Annahmestelle und das Internet

Insgesamt ist das System an Provisionen (unterschieden wird zwischen Stück und Umsatz Provisionen) recht komplex, zumal sich je nach regionaler Lottogesellschaft Unterschiede ergeben können. Es ist also seriöserweise nicht möglich, exakte Gewinne zu prognostizieren. Daher sollen an dieser Stelle nur zwei kurze Beispiele angeführt werden, die eine ungefähre Einordnung der Größendimension ermöglichen: Der Inhaber der Lotto Annahmestelle erhält für alle getätigten Einsätze eine Umsatzprovision, die meistens zwischen 4,6 und 6,55 Prozent liegt. Dies wird die größte Einnahmequelle für das zukünftige Geschäft sein! An dieser Stelle lohnt es sich, eine Rückwärtsrechnung anzustellen: Werden pro Tag Umsätze in Höhe von 1000 Euro getätigt, so ergeben sich bei einer 6-Tage-Woche 24.000 Euro im Monat. Eine Provision von 5 % betrüge also 1200 Euro, was mehr als dürftig ist. Hier zeigt sich wiederum, dass der Standort mit Blick auf die Umsatzstärke absolut erfolgskritisch ist und dass neben Lottoscheinen weitere Produkte meistens zwingend verkauft werden müssen, um die Einnahmen zu steigern. Eine weitere Einnahmequelle wird die Provision pro Lottoschein sein, die beim DTLB (Deutscher Lotto und Tottoblock) bei 14 Cent pro Stück liegt. Auch hier können Interessenten wieder Rechenbeispiele anstellen, um den Businessplan mit möglichen Szenarien zahlenbasiert zu füttern. Üppig sind die Provisionen also nicht, wenn man bedenkt, dass jährlich mehrere Milliarden Euro umgesetzt werden. Ein Blick in Internetforen zeigt, dass die Einnahmen nur aus Lottoscheinen in den meisten Fällen nicht ausreichen, um sich ein zufriedenstellendes Gehalt auszuzahlen. Wer aber Zeitungen, Postkarten, Tabakwaren, Geschenkartikel, Delikatessen etc. in ein ganzheitliches Geschäftsmodell integriert, kann durchaus sehr erfolgreich sein. Eine mögliche Gefahr, die sich aktuell aber noch in Grenzen hält, ist das Internet: So kann man Lotto mittlerweile immer und überall online spielen, womit sich der Gang in die Annahmestelle erübrigt. Vor allem jüngere Menschen nutzen diese bequeme Form des modernen Glückspiels. Für ältere Kunden ist es aber fast schon eine gewisse Tradition, den Lottoschein samstags persönlich in der Annahmestelle abzugeben, zumal so auch immer ein persönlicher Kontakt möglich ist. In einer alternden Gesellschaft werden reale Annahmestellen mit Sicherheit auch in Zukunft einen starken Stellenwert haben. Übrigens ist das durchschnittliche Alter der Lottospieler 51, Tendenz steigend. Insofern ist das wachsende Onlineangebot vielmehr als Versuch der großen Gesellschaften zu sehen, auch wieder jüngere Spieler zu gewinnen.
 

Fazit: eine eigene Lotto Annahmestelle als ‚Zusatzzahl‘ für die berufliche Selbstständigkeit?

Insgesamt ist es nicht einfach, an eine begehrte Lotto-Lizenz zu kommen, wobei der Standort in jeder Hinsicht für den Erfolg entscheidend ist. Grundsätzlich kann es immer eine Option sein, ein vorhandenes Geschäft zu übernehmen, sofern die Kosten getragen werden können. Die grundlegenden Ausführungen zu den Provisionen zeigen, dass diese nicht allzu hoch sind und keine verlässliche Basis bieten. Insofern sollte neben Lotto auch noch etwas anderes verkauft werden. Dies müssen nicht unbedingt Zeitungen oder Tabak sein: Wer mit einer Lotto Annahmestelle nachhaltig erfolgreich sein will, sollte ein attraktives Geschäftskonzept auf die Beine stellen, das Kunden nicht NUR anlockt, um ihre persönlichen Glückszahlen abzugeben.
 

Zusammenfassung als Checkliste zum Thema ‚selbstständig machen mit einer Lotto Annahmestelle‘

  • ca. 20 Millionen Deutsche spielen Lotto bei insgesamt 16 verschiedenen Gesellschaften
  • formale Grundvoraussetzung für die Geschäftseröffnung ist der Erwerb einer Lotto-Lizenz
  • die Lizenzen sind pro Standort limitiert und mit Gebühren verbunden (der Erwerb einer Lizenz ist also kein Selbstläufer!)
  • ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und eine unbelastete Schufa-Auskunft sind weitere Grundvoraussetzungen
  • vor der Eröffnung muss eine Lotto-Prüfung abgelegt werden, um die fachliche Eignung nachzuweisen
  • Startkapital ist für die Eröffnung des Ladenlokals unerlässlich (bei der weiteren Finanzierung leistet ein professioneller Businessplan Hilfe)
  • Ladeninhaber erhalten einstellige Provisionen für Umsätze und feste Centbeträge pro Lottoschein (man beachte hier die Unterschiede je nach regionaler Lottogesellschaft)
  • insgesamt müssen weitere Produkte verkauft werden, um das Geschäft tragfähig zu machen
  • Rechtzeitig um die eigene Absicherung kümmern - Lohnausfall im Rahmen der Krankenversicherung.
     

Wichtig: Ohne Ihre Arbeitskraft geht es nicht -
Krankentagegeld und Krankenversicherung!

Als Selbstständiger mit der eigenen Annahmestelle besteht für Sie im Falle einer Erkrankung und folglichen zeitweisen Arbeitsunfähigkeit kein gesetzlicher Anspruch auf Lohnfortzahlung und Krankengeld. Viele Selbstständige sind daher im Rahmen einer privaten Krankenversicherung mit einem gesonderten "Krankentagegeld" abgesichert. Die Private Krankenversicherung ist sogar aufgrund der einkommensunabhängigen Beiträge in vielen Fällen die günstigere Alternative.

Tipp: Nutzen Sie unser Angebot eines kostenlosen PKV-Vergleichs und erfahren Sie, welcher Anbieter für Sie am günstigsten ist. Das Krankentagegeld können Sie hier gleich mitberechnen lassen.


Abb. 2: © eyetronic - fotolia.com

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