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Selbstständig machen als Schmuckdesigner/in

Wer eine ausgeprägte kreativ-gestaltende Ader sein Eigen nennt, hat sich vielleicht schon mit dem Gedanken befasst, sich als SchmuckdesignerIn selbstständig zu machen. Doch kann es gelingen, sich mit seinem Hobby selbstständig zu machen, um Geld zu verdienen? Welche Aspekte sind vor dem Schritt in die berufliche Selbstständigkeit als Schmuckdesignerin zu bedenken? Welche formalen Rahmenbedingungen sind maßgebend? Und vor allem: Wie sollte welches Angebot auf dem vorhandenen Markt platziert werden? Im folgenden Beitrag soll der Weg in die Selbstständigkeit als Schmuckdesigner kompakt und praxisorientiert skizziert werden.

 

Die Ausgangslage sondieren, um Erfolgschancen realistisch einzuschätzen

Laut aktuellen Statistikdaten betrug das Marktvolumen für Schmuck in Uhren in Deutschland 2015 bei knapp 5 Milliarden Euro. Es handelt sich also um einen sehr umsatzstarken Markt, der allerdings auch ziemlich gesättigt erscheint. Dies betrifft insbesondere das verfügbare Angebot an preiswertem Modeschmuck. Die eigene Umsatzsituation wird also von den sorgfältig kalkulierten Gewinnmargen abhängen. Es dürfte schwierig werden, sich mit preiswerter Massenware in diesem Markt als Einzelkämpferin erfolgreich zu behaupten. Deutlich besser stehen die Chancen für hochwertig-individuellen Schmuck, der in Handarbeit entsteht. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass Kunden für diese Art von tragbarer Exklusivität deutlich tiefer in die Tasche greifen werden, was natürlich attraktivere Gewinnmargen in Aussicht stellt. Insofern gilt es, sich sichtbar von der Masse abzuheben und idealerweise eine eigene Marke zu kreieren. Es versteht sich von selbst, dass gründungswillige Schmuckdesignerinnen über das notwendige kreative Geschick verfügen sollten, um mit ihren Erzeugnissen zu überzeugen.
 

Kreativität ist wichtig, aber längst nicht alles für den anvisierten Geschäftserfolg

Letztlich muss die Qualität sichtbar für sich sprechen, um Kunden zu gewinnen und bestenfalls langfristig zu überzeugen. Rein formal ist ein Studium nicht nötig, um erfolgreich zu sein. Es spricht nichts dagegen, sein Hobby zum Beruf zu machen, sofern eine professionelle Arbeitsweise an den Tag gelegt wird. Zu beachten ist aber, dass die kreative Schaffenskraft nur eine Seite der Medaille der Selbstständigkeit ist. Auf der anderen Seite stehen mit der Buchhaltung, der gewinnorientierten Preiskalkulation und dem Einkauf zentrale betriebswirtschaftliche Themen, die durchdacht werden sollten. Kreative Schmuckdesignerinnen sollten also auch den festen Willen mitbringen, sich im kaufmännischen Bereich zu beweisen. Sofern diesbezüglich wenig Vorwissen vorhanden ist, kann der Besuch eines Gründerseminars sehr sinnvoll sein. Die Industrie- und Handelskammer bietet hierfür spezielle Seminare mit hohem Praxisbezug an.
 

Bevor es richtig losgeht: Pflichtaufgabe Businessplan

Ganz im Sinne der oben angesprochenen Vorbereitung auf die angestrebte Geschäftsgründung steht die Ausarbeitung eines schlüssigen Businessplans auf dem Programm. GründerInnen beschäftigen sich anhand einer mehr oder weniger fest etablierten Form mit allen zentralen Pfeilern des eigenen Geschäftsmodells. Die Planung der Finanzen spielt erfahrungsgemäß eine Schlüsselrolle, vor allem, um externe Investoren zu überzeugen. Denn letztlich ist ein professioneller Businessplan nichts anderes als eine überzeugende Visitenkarte für das eigene Geschäft. Durch diese Pflichtaufgabe, die mit analytischer Ernsthaftigkeit angegangen werden sollte, wird die erfolgsorientierte Grundausrichtung vorgenommen:

  • Welche Produkte werden zu welchen Preisen angeboten?
  • Wie sind die Chancen am Markt, wie gestaltet sich die Konkurrenzsituation?
  • Welche Chancen und Risiken gibt es?
  • Wie soll der Marketingmix konkret ausgestaltet werden?
  • Welche Vertriebswege sollen genutzt werden?
  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Wie groß ist deren Kaufkraft und welche Gewinnmargen können dementsprechend eingeplant werden?

Ganz in diesem Sinne muss die Preiskalkulation auf eine tragfähige Basis gestellt werden: Neben dem Materialeinsatz ist die vor allem der Arbeitsaufwand angemessen zu bewerten. Je nach Zeitaufwand zeigt sich so schnell, wie viele Schmuckkreationen in einer Stunde für einen Stundenlohn von X Euro produziert werden müssen.
 

Verdienstmöglichkeiten: Welche Nische sollte besetzt werden?

Die kurze Analyse der Ausgangslage hat schon offenbart, dass Einzelkämpfer mit billigen Massenprodukten wohl kaum ein profitables Geschäft hochziehen können. Eine Gründerin würde sich zwingen, quasi wie im Akkord möglichst viele Stückzahlen in der Stunde zu produzieren. Wer sichtbar hohe und exklusive Qualität fertigen kann, wird auch recht leicht höhere Preise durchsetzen können. Nicht zu vergessen ist, dass Schmuck klassischerweise als Geschenk hoch im Kurs steht. Und hierfür greifen nicht wenige Kunden recht tief in die Tasche. Als kreative Schmuckdesignerin sollte mit dem Ziel der kundenwirksamen Differenzierung eine Nische besetzt werden, die die eigenen Kreationen als einzigartig erscheinen lässt. Individuelle Kreationen nach Kundenwunsch oder mit persönlichen Schriftzügen und Symbolen wäre eine denkbare Option. Auch begrenzte Stückzahlen (limitierte Edition) üben unbewusst immer einen starken Kaufreiz aus, da das Prinzip der Verknappung wirkt. Zudem wird durch exklusive Individualität der immaterielle Wert gesteigert, was letztlich höhere Verkaufspreise ermöglicht. Sicht- und fühlbare Qualität kann nicht nur über das Design, sondern auch durch ausgewählte Materialien transportiert werden. Man denke etwa an exklusive Lederarten oder seltene Edelsteine.
 

Verkaufsfördernde Alleinstellungsmerkmale und alternative Vertriebswege

Ein Alleinstellungsmerkmal könnte auch durch besonders verträgliche Materialien erreicht werden, die explizit auf die Bedürfnisse von Allergikern zugeschnitten sind. Wer mit seinen Kreationen als Schmuckdesignerin größer rauskommen will, sollte mit dem Einzelhandel in Gespräche treten. Durch so genannte Listings könnte der exklusive Schmuck auch bei Handelsketten vertrieben werden. Natürlich sind die Verdienstmöglichkeiten hierbei genau mit Blick auf die Vorteilhaftigkeit auszuloten. Daneben entsteht auch ein nicht zu unterschätzender Marketingeffekt, der die Schmuckkreationen deutlich bekannter machen kann. Ganz in diesem Sinne können auch florierende Plattformen für handwerkliche Erzeugnisse wie Dawanda genutzt werden, um viele Kunden in ganz Deutschland innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. Es versteht sich von selbst, dass eine gewisse Anzahl an Erzeugnissen immer vorrätig sein sollte, damit Kunden nicht lange auf Bestellungen warten müssen. Natürlich besteht hierin ein gewisses unternehmerisches Risiko, da diese Lagerbestände Kapital binden. Natürlich kann gegenüber Kunden auch kommuniziert werden, dass eine individuelle Anfertigung ein paar Tage Zeit in Anspruch nimmt. Letztlich sind die angestrebten Stückzahlen maßgeblich für die Produktionsprozesse.
 

Formale Voraussetzungen für den Geschäftsstart

Bevor die eigenen Kreationen verkauft werden können, müssen noch die formalen Startvoraussetzungen beleuchtet werden. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob ein Gewerbe anzumelden ist oder aber es sich um einen freien Beruf handelt. Für letzteres spricht, dass es sich um eine künstlerische Tätigkeit handelt, die aufgrund einer besonderen Begabung erbracht wird. Man spricht hierbei auch von einer eigenschöpferischen Leistung mit individueller Anschauungsweise auf einer gewissen künstlerischen Gestaltungshöhe. Natürlich muss beachtet werden, dass der Verkauf der Schmuckstücke gewerblicher Natur ist. Jedoch schließt ein solcher gewerblicher Verwendungszweck eine künstlerische Tätigkeit nicht aus, sofern der Kunstwert den eigentlichen Gebrauchswert übersteigt. Die Abgrenzung Gewerbepflicht vs. freiberufliche Tätigkeit wird also sehr mit Blick auf den Einzelfall zu vorzunehmen sein, wobei das Finanzamt letztlich die Entscheidung trägt. In der Entscheidungspraxis ist es so, dass eine hohe Qualifikation eher für die Annahme eines freien Berufes spricht. Eine studierte (Schmuck)designerin dürfte es leichter haben, den Status des Freiberuflers zu erreichen als eine Gründerin ohne relevante Berufsausbildung. Die Rechtsprechung zeigt aber auch, dass im Falle der Serienproduktion eigentlich immer von einer gewerblichen Tätigkeit auszugehen ist. Wer allerdings eine Nischenstrategie mit limitierten Auflagen fährt, entgeht der Annahme der Serienproduktion. Sofern einer Schmuckdesignerin der Status Freiberufler gewährt wird, muss sie kein Gewerbe anmelden und keine Gewerbesteuer abführen (was ohnehin erst ab einem jährlichen Freibetrag von 24.500 Euro der Fall wäre). Der Status Freiberufler ist abgesehen davon auch sehr begehrt, da die nicht wirklich beliebte Buchhaltung damit deutlich einfacher wird. So reicht am Ende des Geschäftsjahres bzw. bis zum 31. Mai die Einreichung einer Einnahme-Überschussrechnung (EÜR) im Rahmen der obligatorischen Steuererklärung. Noch einfacher wird die Buchhaltung, wenn die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird, da so auf Rechnungen auf den Ausweis der Umsatzsteuer verzichtet werden kann. Im ersten Jahr dürfen dann die Umsätze allerdings nicht über 17.500 Euro liegen, im zweiten Jahr nicht über 50.000 Euro.
 

Frühzeitig an effektive Schutzmaßnahmen für die eigenen Ideen denken

Wer künstlerisch-schaffend sein Geld verdient, muss immer auch mit Nachahmern und Kopien rechnen. So wie es für Schriftstücke der Fall ist, sind auch Schmuckkreationen geistiges Eigentum. Durch eine Geschmacksmusteranmeldung kann es wirksam geschützt werden. Wenn man so will, handelt es sich um eine Vorstufe zum Patent. Auch ist die Option der Künstlersozialversicherung im Einzelfall zu prüfen. Eine dortige Mitgliedschaft begründet jedoch nicht automatisch die Zuordnung zu den Freiberuflern.
 

Fazit, Chancen und Ausblicke zur Selbstständigkeit als Schmuckdesignerin

In einem Markt mit einem jährlichen Umsatzvolumen von gut 5 Milliarden Euro stehen die Absatzchancen gut, sofern eine bestimmte Nische erfolgreich besetzt wird. Insofern ist es denkbar, aus seinem Hobby langfristig gesehen die Haupteinnahmequelle zu machen. Allerdings sind die ersten beiden Jahre am Markt erfahrungsgemäß schwierig, da die Produkte erst platziert werden müssen, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Dies zeigt, warum eine solide Planung der Finanzen für die Startphase unerlässlich ist. Wer die Chancen am Markt zunächst bei möglichst geringem Risiko testen will, kann ein Nebengewerbe anmelden. So können neben dem Hauptberuf die Chancen ausgelotet und das Geschäft nach und nach am Markt etabliert werden.
 

Zusammenfassung zur Selbstständigkeit als Schmuckdesignerin

  • Der Markt für Uhren und Schmuck hat ein jährliches Umsatzvolumen von gut 5 Milliarden Euro. Der Markt für preiswerten Modeschmuck ist ziemlich gesättigt und somit wenig erfolgversprechend für kreative Einzelkämpferinnen
  • Erfolgversprechend erscheint demnach eine auf Qualität und Individualität basierende Differenzierungsstrategie
  • Mit dem Businessplan werden alle zentralen Eckpfeiler für den Geschäftserfolg ausgearbeitet, wobei den Finanzen eine erfolgskritische Schlüsselrolle zukommt
  • strategische Grundsatzentscheidungen: Ladenlokal oder Onlineshop? Eine Kombination aus beidem? Vertriebswege? Gründung sofort im Haupterwerb oder als risikoärmeres Nebengewerbe?
  • geistiges Eigentum frühzeitig schützen durch Geschmacksmusteranmeldungen
  • formale Startvoraussetzungen: je nach Qualifikation und Geschäftsmodell kommt generell eine Zuordnung zu den freien Berufen in Betracht. Finanzämter entscheiden sehr mit Blick auf jeden Einzelfall. Für die Massenproduktion greift generell die Gewerbepflicht, sodass ein Gewerbeschein vor der Geschäftseröffnung erwirkt werden muss.

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