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Selbstständig machen als Arzt

Arzt

Nach dem Studium stellt sich für Mediziner unabhängig von der konkreten Fachrichtung die Frage, ob sie als Angestellter arbeiten oder aber eine eigene Praxis eröffnen bzw. übernehmen wollen. Insgesamt ist es neben der Frage des Charakters und des eigenen Wunsches nach Sicherheit auch eine Frage des Geldes, denn die Eröffnung einer Praxis geht mit nicht zu unterschätzenden Kosten einher. Auf der anderen Seite aber werden gute Verdienstmöglichkeiten und feste Arbeitszeiten in der eigenen Praxis genießbare Vorteile der beruflichen Selbstständigkeit sein, wohingegen unbezahlte Überstunden und Doppelschichten gerade im Alltag von jungen Assistenzärzten keine Seltenheit sind. Trotzdem entscheiden sich viele junge Absolventen erst für eine Festanstellung, um Erfahrungen zu sammeln und eventuell noch den Doktortitel zu erlangen. Doch der Weg in die Selbständigkeit kann auch in jungen Jahren glücken, wenn man sich mit den zentralen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, so wie es im Folgenden buchstäblich praxisnah geschehen soll. Aber zunächst noch ein Blick auf aktuelle Trends und Stimmungen in diesem Berufsfeld, die kürzlich von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhoben wurden: So war die Mehrheit der Fach- und Hausärzte mit der Bezahlung zufrieden. Zwar ist die Anzahl der Anstellungen in den letzten Jahren angestiegen, die große Mehrheit der Ärzte (92 %!) arbeitet aber selbstständig, wobei Gemeinschaftspraxen eine ansprechende Einstiegsmöglichkeit sind, um Risiken zu minimieren bzw. zu teilen.
 

Formale Voraussetzungen, um sich als so genannter
Vertragsarzt niederzulassen

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Arzt um einen freien Beruf, sodass kein Gewerbe angemeldet werden muss. Grundvoraussetzung für die Selbstständigkeit als Arzt sind natürlich ein abgeschlossenes Hochschulstudium sowie der Besitz einer Approbation. Somit sind Ärzte rein formal dazu berechtigt, eine Praxis zu gründen und gesetzlich Versicherte sowie Privatpatienten oder auch Selbstzahler zu behandeln. Welche Gruppe anvisiert werden soll oder ob alle Gruppen von Patienten behandelt werden sollen, ist zunächst eine zu treffende Grundsatzentscheidung, wobei natürlich auch das Potenzial geprüft werden sollte. Der angehende Vertragsarzt muss im Arztregister eingetragen sein und sodann einen schriftlichen Zulassungsantrag beim Zulassungsausschuss einreichen. Fällt die Prüfung unter Berücksichtigung des 5. Sozialgesetzbuches positiv aus, so erhält der Arzt die notwendige Bewilligung. Darüber hinaus sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, um als Vertragsarzt zugelassen zu werden. Dazu gehört etwa eine erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung in einem Fachgebiet, sofern dieses den Tätigkeitsschwerpunkt der späteren Praxis bildet (z.B. Neurologie, Augenheilkunde etc.). Da viele Absolventen erst ihren Facharzt machen wollen, erklärt sich, warum der Weg in die Selbstständigkeit meistens erst jenseits der 30 in Erwägung gezogen wird. Mögliche persönliche Ausschlussgründe sind geistige Mängel und Suchtverhalten. Mit dem Zulassungsantrag sind die folgenden Dokumente einzureichen:

  • Auszug aus dem Arztregister
  • Nachweis über die seit Erlangen der Approbation ausgeübten Tätigkeiten
  • Facharzturkunde
  • Lebenslauf
  • polizeiliches Führungszeugnis
     

Strategische Grundsatzentscheidungen:
Welche Art von Praxis soll gegründet werden?

Ist die Entscheidung gefallen, sich als Arzt selbstständig zu machen, so sollte der Plan konkrete Konturen erlangen. Zunächst stellt sich die Frage, ob eine vorhandene Praxis übernommen werden oder eine eigene neu gegründet werden soll. Der Vorteil einer vorhandenen ist, dass auf belastbare Daten, einen großen Patientenstamm sowie eine funktionale Einrichtung zurückgegriffen werden kann. In diesem Sinne können die Einnahmen verlässlich prognostiziert werden, da die Übernahme mit hohen Kosten einhergeht. Es versteht sich von selbst, dass eine solche Übernahme vertraglich mit Hand und Fuß fixiert werden sollte. Wer eine Praxis neu gründet, kann sich ein Team aufbauen und alle Abläufe im Sinne der eigenen Ziele optimieren. Auch hier entstehen mitunter hohe Investitionskosten für Räume und medizinische Geräte, allerdings gestaltet sich bei der Neugründung die Möglichkeit der Prognosen schwieriger, schließlich will ein eigener Patientenstamm erstmal aufgebaut werden. Dem Vorteil der maximalen Gestaltungsfreiheit steht also eine unsichere Einnahmebasis in den ersten Monaten gegenüber. Dies zeigt, wie wichtig der Standort mit vorheriger Standortanalyse zu Beginn ist. In einer Großstadt dürfte sich je nach Fachrichtung ein großer Bedarf ergeben, ebenso auf dem Land, wo die fachärztliche Versorgung ohnehin nicht optimal aufgestellt ist. Sind im näheren Umkreis von wenigen Kilometern allerdings schon mehrere Facharztpraxen mit der gleichen Ausrichtung tätig, so könnte es schwierig werden. Die Standortanalyse kann auch zu dem Ergebnis führen, dass die Chancen auf dem Land besser stehen, zumal viele Kommunen junge Fachärzte mittlerweile anlocken. Es lässt sich also nicht mit Sicherheit bestimmen, ob die eigene Praxis unmittelbar in der Nähe eröffnet werden kann. Allerdings ist es auch bei angestellten Ärzten nicht unüblich, für eine ‚Traumstelle‘ umzuziehen.
 

Die Ausgangslage ganzheitlich erfassen und nachhaltige Entscheidungen ableiten

Frank Ulrich Montgomery, ein bekanntes Gesicht der Bundesärztekammer, stellte kürzlich fest, dass viele junge Ärzte den Weg in die Selbstständigkeit aufgrund ökonomischer Risiken scheuen würden. Diese Zweifel scheinen allerdings unbegründet, denn trotz der Gesundheitsreform und der damit verbundenen Reformen bei der Vergütung können Haus- und Fachärzte immer noch sehr hohe Einkommen erzielen, die in vielen Angestelltenverhältnissen nicht möglich sind. Die Chancen für den Nachwuchs stehen aktuell und in naher Zukunft gut, denn immer mehr Mediziner werden in den Ruhestand gehen, sodass sich zu schließende Lücken ergeben und zahlreiche gut laufende Praxen übernommen werden können. Insgesamt zeigt sich in großen Städten eine ärztliche Überversorgung, während in Randgebieten oder auf dem Land eine Unterversorgung besteht. Wer den Weg als Arzt in die Selbstständigkeit anstrebt, kann diese ‚Lücken‘ für den eigenen Erfolg konsequent nutzen und seine Berufsehre zum Wohle der Patienten Tag für Tag in Eigenregie mit Leben füllen.
 

Sorgfältig planen und vielfältige Aspekte bedenken

Im Falle der Praxisübernahme kann es zu vielfältigen Problemen kommen, die einer fachlichen Begleitung durch einen Notar und Rechtsanwalt bedürfen. Wer eine Praxis alleine hochziehen möchte, sollte sich von Anfang an mit den Kosten auseinandersetzen und diese fest im Blick haben. Für die Finanzierung mitunter hoher Summen ist ein detailliert ausgearbeitetes Konzept von Nöten, das externe Geldgeber überzeugen soll. Hier haben Ärzte mit einem durchdachten Businessplan aber oft keine großen Schwierigkeiten, da ihre Bonität grundsätzlich als sehr gut angesehen wird, da eine gut laufende Praxis sehr viel Geld abwirft. Um zu Beginn Geld zu sparen, ist es eine sinnvolle Alternative, auf gebrauchte Geräte zurückzugreifen oder diese zu leasen. Was die Abrechnung mit der Krankenkasse als Basis der Praxisarbeit angeht, so sind fundierte Fachkenntnisse auch was die EDV angeht unerlässlich. Jeder Arzt ist gut beraten, fähige und erfahrene Mitarbeiter einzustellen. Jedoch sollte er sich auch selber gut in der Materie auskennen, schließlich trägt er letztendlich die volle Verantwortung für die Praxis und sein Fachpersonal. Die Auswahl der Personals ist neben den notwendigen Fachkenntnissen auch mit Blick auf das Klima und die Abläufe sehr wichtig, da Patienten sehr feinfühlig auf etwaige ‚Missstände‘ reagieren. Die Suche und Einstellung von Personal sollte also weit vor der eigentlichen Eröffnung ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.
 

Die Rolle des Internets für die Vermarktung der eigenen Praxis

Das Internet hat auch auf Ärzte und deren Reputation einen immer größeren Einfluss: So informieren sich schon über 50 % der Patienten über einen geeigneten Facharzt in der Nähe. Auf zahlreichen Bewertungsportalen werden Ärzte anhand zahlreicher Kriterien wie Kompetenz, Freundlichkeit und Ausstattung der Räume bewertet. Diese Portale können einen enormen Einfluss auf die Reputation des Arztes und seine Fachkompetenz haben, insofern sollte der gute eigene Ruf im Sinne des Monitorings stets überwacht werden. Eine moderne Webseite kann für Patienten eine erste vertrauenserweckende Anlaufstelle sein, um sich mit den Leistungen, den Praxisräumen und dem Personal vertraut zu machen. Insofern spielt das Internet eine zentrale Rolle für die Gewinnung von Patienten, zumal auch unterwegs immer häufiger mobil gesucht wird. Ein moderner und breit aufgestellter (Fach)arzt sollte das Internet konsequent nutzen, um eine vertrauenserweckende Visitenkarte in eigener Person abzugeben. Nicht zu unterschätzen ist hierbei, dass Vertrauen zwischen Arzt und Patient eine unabdingbare Grundvoraussetzung für den Erfolg der Praxis ist.
 

Fazit: Eine vorausschauende Planung inklusive Analyse der Ausgangssituation ist erfolgskritisch

Wie eigentlich bei jeder Existenzgründung sind die Planung und Vorbereitung das A&O für den späteren Erfolg. Sind die formalen Voraussetzungen gegeben, so sollte vor allem die Finanzierung geklärt und auf die Beine gestellt werden. Neben der fachlichen Spezialisierung, die je nach Umfeld ein wichtiges Alleinungsmerkmal sein kann, sind zusätzliche betriebswirtschaftliche, abrechnungsspezifische und steuerrechtliche Kenntnisse unabdingbar, um eine Praxis in jeder Hinsicht erfolgreich führen zu können. Führen ist natürlich auch ein Thema mit Blick auf das Personal: Es gilt, hohe Standards zu etablieren und die Prozesse so zu gestalten, dass Patienten und Mitarbeiter zufrieden sind. Schon vor der Eröffnung der Praxis sollte sich der Arzt mit modernen Konzepten für das Zeit- und Praxismanagement auseinandersetzen. Mit der Wahl des richtigen Standorts wird eine wesentliche Grundvoraussetzung für den späteren Erfolg gelegt. Erfolg wird vor allem durch Nachhaltigkeit erreicht, daher sollte jeder niedergelassene Arzt die Kosten stets fest im Blick haben, schließlich soll und muss die berufliche Tätigkeit mit Blick auf das eigene Einkommen gewinnorientiert sein. Letztlich erweist sich eine Arztpraxis als individueller Entfaltungsraum, um seine eigene Fachrichtung mit Professionalität ausfüllen zu können und dabei mit kalkulierbaren Arbeitszeiten attraktive Einnahmen zu erzielen, die ein hohes Maß an Planungssicherheit und Unabhängigkeit erlauben.
 

Zusammenfassung/Checkliste:
Erfolgreich selbstständig machen als Arzt

  • die große Mehrheit der Ärzte in Deutschland arbeitet selbstständig, wobei in den kommenden Jahren viele niedergelassene Ärzte in Rente gehen, sodass sich für junge Nachfolger vielfältige ‚Marktlücken‘ ergeben
  • eine Approbation sowie die formale Anmeldung sind die Grundvoraussetzungen für die Niederlassung als (Fach)arzt
  • entsprechende Fachkenntnisse müssen nebst Studienabschluss nachgewiesen werden
  • die Ausgangsanalyse ist zu erörtern, besonders der Standortanalyse kommt eine große Bedeutung zu
  • zu treffende Grundsatzentscheidungen: Neugründung oder Übernahme einer Praxis? Praxis in der Stadt oder auf dem Land?
  • erfahrene und teamfähige Mitarbeiter sind wichtig für ein produktives und patientenfreundliches Klima
  • das Internet spielt für den Ruf des Arztes mittlerweile eine Schlüsselrolle. Entsprechende Bewertungsportale sollten im Sinne des Monitoring überwacht werden
  • Patientengewinnung 2.0: eine moderne Homepage ist ein virtueller Türöffner zur Praxis, der vertrauensfördernd wirken kann

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