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Selbstständig machen als Steinmetz

Auch wenn der Weg in die berufliche Selbstständigkeit noch so gewissenhaft geplant wird, ist der nachhaltige Geschäftserfolg keinesfalls in Stein gemeißelt. Aber eine gewissenhafte Planung erhöht die Chancen deutlich, um mit einer Geschäftsidee bzw. speziellen Fähigkeiten zu reüssieren. In diesem Beitrag soll dem erwähnten Sprichwort folgend ein altes Berufsbild betrachtet werden, das es schon seit vielen Jahrhunderten gibt. Die Rede ist vom Steinmetz. In diesem praxisorientierten Ratgeberbeitrag soll schwerpunktmäßig den folgenden Fragen nachgegangen werden:

  • Inwiefern ist dieser traditionelle Handwerksberuf heute noch gefragt?
  • Welche Chancen bieten sich für eine berufliche Selbstständigkeit als Steinmetz?
  • Welche formalen Voraussetzungen sind zu erfüllen?
  • Wie kann das Leistungsspektrum gestaltet werden?
  • Ausblicke und Trends und sich abzeichnende Entwicklungen
     

Was macht ein Steinmetz eigentlich genau?

Auch wenn das Berufsbild Steinmetz vielen ein Begriff ist, so wissen nur die wenigsten, was ein Steinmetz oder Steinbildhauer überhaupt leistet. Im Mittelpunkt steht die Bearbeitung von Natur- oder auch Kunststeinen. Die zu bearbeitenden Steine werden je nach Einsatzbereich in eine ansprechende Form gebracht. Neben Kunstobjekten wie Skulpturen können auch Treppen, Mauern oder Grabmale mit handwerklichem Können professionell gestaltet werden. Neben dem erforderlichen Fingerspitzengefühl ist eine fundierte Materialkunde erforderlich, denn jeder Stein bedarf einer eigenen Bearbeitungsweise mit speziellen Werkzeugen. Mit den entsprechenden Erfahrungen können Steinmetze auch historische Bauwerke detailgetreu restaurieren. Insofern sind Expertenkenntnisse und Erfahrungen unerlässlich, um sich als professioneller Steinmetz erfolgreich selbstständig zu machen. Dies gilt auch für den Nebenerwerb, wenn jemand sein lang gehegtes Hobby gewinnbringend nutzen möchte.
 

Kurzer Exkurs: über den Nebenerwerb in die hauptberufliche Selbstständigkeit

Der Einstieg über den Nebenerwerb ist generell die risikoärmere Form der Existenzgründung: Die Geschäftsidee kann erst getestet und ein Kundenstamm bzw. Netzwerk aufgebaut werden. Der finanzielle Druck fällt größtenteils weg, da das Haupteinkommen für Absicherung sorgt. Allerdings ist dieser Weg in die Selbstständigkeit arbeitsintensiver. Auch eine Zustimmung des Arbeitgebers ist erforderlich. Es handelt sich beim Steinmetz um einen anerkannten, dreijährigen Ausbildungsberuf. Im dritten Lehrjahr erfolgt eine Spezialisierung auf die Tätigkeitsfelder Steinmetzarbeiten oder Steinbildhauerarbeiten. Insofern gibt die vorhandene Ausbildung schon die Richtung für das Leistungsspektrum der selbstständigen Tätigkeit vor.
 

Ganzheitliche Planung: Leistungsspektrum und Zielgruppe strategisch ausrichten

In erster Linie entscheidet das handwerkliche Können über das angebotene Leistungsspektrum. Darüber hinaus ist zu erörtern, welche Leistungen im näheren Umkreis besonders gefragt werden bzw. welche Zielgruppe und Kooperationspartner anzuvisieren sind. Eine Standortanalyse sollte durchgeführt werden, um die erfolgskritische Konkurrenzsituation einschätzen zu können. In der Regel ist auch ein Atelier erforderlich, in dem gearbeitet wird. Und auch Ausstellungsräume sind sehr sinnvoll, um Kunden einen lebendigen Eindruck vom eigenen handwerklichen Können zu überzeugen. Gleiches sollte auf virtuellem Wege eine suchmaschinenoptimierte Webseite leisten, auf der eigene Erzeugnisse mit professionellen Bildern überzeugt dargestellt werden. Die (fixen) Kosten für Geschäftsräume, die Ausstattung, Werkzeuge und Materialien sind in einem Businessplan realistisch zu kalkulieren. In diesem Plan von der eigenen Geschäftsidee gilt es ferner, alle weiteren relevanten Geschäftsfelder zu beleuchten: Wie sind die Chancen am Markt? Wer ist die anvisierte Zielgruppe? Welche Produkte sollen zu welchen Preisen verkauft werden? Welche möglichst einzigartigen Mehrwerte ergeben sich aus Kundensicht?

Mögliche Inhalte des Leistungsspektrums eines selbstständigen Steinmetzes

  • Fertigung und Verlegung von individuellen Fliesen
  • Auswahl von Naturmaterialien inkl. Kundenberatung
  • Gestaltung von Treppen und Fensterbänken
  • Erarbeitung von Fassadenelementen/Ornamenten
  • Gestaltung von aufwändigen Grabsteinen
  • Gestaltung und/oder Restauration von Denkmälern


Potenzielle Auftraggeber/Kooperationspartner: Wer braucht einen selbstständigen Steinmetz?

Bei einem traditionellen Handwerk wie diesem scheint im digitalen Zeitalter die Frage legitim, wer einen Steinmetz braucht. Der mögliche Kundenkreis ist dabei erstaunlich groß, sodass sich eine gute Auftragslage ergeben sollte. Zu bedenken ist in strategischer Hinsicht, ob ein exklusiver Kundenkreis anvisiert werden soll oder aber das Leistungsspektrum möglichst breit gehalten werden soll. Letzteres hat den konkreten Mehrwert, dass Risiken in Bezug auf eine nachhaltige Auftragslage breiter gestreut werden können. Ein Nachteil kann aus Kundensicht dagegen darin bestehen, dass ein zu breites Leistungsspektrum zu willkürlich wirken kann, nach dem Motto: Kann der Steinmetz wirklich sämtliche Leistungen in sichtbarer Perfektion anbieten? Letztlich muss das angebotene Leistungsspektrum hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden, denn die hohen Honorare und sichtbaren Arbeitsergebnisse erfordern ein gewissenhaftes Vorgehen. Mögliche Aufträge kann ein selbstständiger Steinmetz (Steinbildhauer) von diesen Partnern bekommen:

  • spezielle Handwerksbetriebe für die Bearbeitung von Naturstein
  • Grabsteinwerkstätten, die an Friedhöfen angesiedelt sind
  • Unternehmen aus dem Baugewerbe, die individuelle Qualität suchen
  • Kirchenbauämter und Museumswerkstätten
  • Fachbetriebe für Kunststeine
  • spezielle Werke für Sand-, Marmor- oder Kalkstein

Aufträge können also von gewerblichen, öffentlichen und auch privaten Kunden kommen. Bei letzteren wird es sich um gut bezahlte Auftragsarbeiten für besondere Anlässe handeln. Während sich die Chancen im gewerblichen und öffentlichen Bereich recht gut einschätzen lassen, ist das Privatkundengeschäft eher unkalkulierbar. Es dürfte auf der Hand liegen, dass der Kreis an Privatkunden für solche handwerklichen Facharbeiten eher exklusiv sein dürfte. Insofern erscheint es sinnvoll, sich nicht nur auf Privatkunden zu fokussieren. Es sei denn, die erzielten Honorare sind so hoch, dass schon wenige Aufträge im Jahr ein zufriedenstellendes Einkommen ermöglichen.
 

Qualifikation und formale Voraussetzungen als selbstständiger Steinmetz

Wie bereits kurz angesprochen, handelt es sich beim Steinmetz (Steinbildhauer) um einen nach der Handwerksordnung anerkannten Ausbildungsberuf, die dual erfolgt. Für den Weg in die Selbstständigkeit als Steinmetz ist eine erfolgreich abgelegte Meisterprüfung erforderlich. Alternativ kann auch eine sechsjährige Gesellentätigkeit ausreichen, wenn davon 4 Jahre in einer leitenden Stellung verbracht wurden. Um sich weiter zu spezialisieren bzw. potenziellen Kunden ein attraktives Leistungsspektrum anzubieten, kann eine so genannte Aufstiegsweiterbildung sinnvoll sein, vor allem mit Blick auf zukünftige Geschäftsentwicklungen und Marktchancen.

Ein zusätzliches Studium im Bereich der Restauration oder der Bildenden Künste kann auch eine formale Rechtfertigung sein, um gegenüber Kunden höhere Honorare durchzusetzen. Was den formalen Status als Steinmetz angeht, so sollte sich in der Mehrheit der Fälle eine freiberufliche Tätigkeit gegenüber dem Finanzamt rechtfertigen lassen. Generell handelt es sich um eine künstlerische Tätigkeit, die auf einer besonderen Qualifikation mit einer so genannten Schöpfungshohe basiert. Auf zahlreichen Webseiten von Steinmetzen jedenfalls ist nachzulesen, dass sie einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehen. Somit entfällt die Pflicht zur Gewerbeanmeldung, die Buchhaltung wird deutlich vereinfacht. Eine gewerbliche Tätigkeit könnte allerdings begründet werden, wenn ursprünglich handwerkliche Unikate durch andere kopiert und im großen Stil verkauft werden. Von zentraler Bedeutung ist, dass die Kunstwerke selber erschaffen werden. Sobald Fremdleistungen oder Außenstehende mit in den Fertigungsprozess einbezogen werden, wird die eigene schöpferische Fähigkeit formal in Frage gestellt.
 

Workshops als Möglichkeit, um Kunden zu gewinnen bzw. die Einnahmen auf eine breitere Basis zu stellen

Neben einem Atelier für die Fertigung und wirkungsvolle Ausstellung von eigenen Kunstwerken können auch Steinmetze mit der Zeit gehen und diesen traditionellen Beruf in der Moderne ankommen lassen: Wer Spaß am Umgang mit Menschen hat und nicht nur selber Steine in ansprechende Formen bringen möchte, kann auch Workshops für Interessenten anbieten. Idealerweise bietet ein vorhandenes Atelier schon genügend Raum, sodass keine externen Räume mehr gemietet werden müssen. Solche Workshops, die sich durchaus einer gewissen Beliebtheit erfreuen, können die Einnahmen auf eine noch breitere Basis stellen und den eigenen beruflichen Alltag noch abwechslungsreicher gestalten.
 

Auf Stein bauen: Zu Beginn werden die Weichen auf Erfolg gestellt

Insofern sollten eigene Schwächen ehrlich benannt und möglichst frühzeitig abgestellt werden. Zu denken ist hierbei insbesondere an kaufmännische Fachkenntnisse, denn neben dem handwerklichen Können ist auch ein Geschäftsbetrieb zielorientiert zu führen. Insofern können praxisorientierte Gründungsseminare, wie sie etwa von der Industrie- und Handelskammer angeboten werden, ein sinnvoller und perspektivenreicher Einstieg in die Selbstständigkeit als Steinmetz sein. Was die erfolgskritische Finanzierung angeht, so sind je nach vorhandener Eigenkapitaldecke alle Fördermöglichkeiten zu prüfen und konsequent auszuschöpfen. Neben dem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur kann der Businessplan als überzeugende Visitenkarte für die eigene Geschäftsidee auch externe Geldgeber mit ins Boot holen. (Haus)banken verhalten sich seit der Finanz- und Schuldenkrise in den letzten Jahren allerdings sehr zurückhaltend in Bezug auf die Kreditvergabe. Dies untermauert die Notwendigkeit, alle in Frage kommenden Finanzierungsoptionen für sich für prüfen.
 

Fazit, berufsbezogene Trends und praxisrelevante Ausblicke für selbstständige Steinmetze

Auch wenn es sich beim Steinmetz um einen traditionellen Handwerksberuf handelt, so sehen die Berufschancen in Gegenwart und Zukunft recht gut aus. Allerdings ist der Kundenkreis eher exklusiver Natur, sodass die Devise ‚Qualität vor Quantität‘ heißen wird. Dementsprechend hoch sollten die Honorare ausfallen. Gerade im künstlerischen Bereich können die Faktoren ‚handwerkliche Qualität‘ und ‚Individualität‘ die Preisempfindlichkeit der Kunden deutlich abnehmen lassen. Zu berücksichtigen sind für eine ganzheitliche Geschäftsausrichtung allerdings folgende Trends, die sich derzeit abzeichnen:

  • Im traditionellen Bereich der Gestaltung von Grabsteinen ist die Nachfrage seit Jahren rückläufig, da die kostengünstigere Urnenbestattung in vielen Fällen vorgezogen wird
  • Was die Tätigkeiten im Baubereich angeht (Gestaltung von Terrassen, Fensterbänken, Fliesen etc.), so sind schnelllebige Trends und eine starke Konjunkturabhängigkeit zu beachten. Demensprechend flexibel ist auf Änderungen zu reagieren, die natürlich stets im Blick gehalten werden sollten.


Kurzzusammenfassung zum Thema ‚selbstständig machen als Steinmetz‘:

  • Für die Selbstständigkeit als Steinmetz ist ein Meistertitel obligatorisch, alternativ eine mehrjährige Gesellentätigkeit inklusive leitender Stellung (4 Jahre)
  • Aufgrund der kreativ-künstlerischen Tätigkeit sollte sich der Status ‚Freiberufler‘ gegenüber dem Finanzamt rechtfertigen lassen
  • Mit Workshops für Kunstinteressierte lässt sich das Leistungsspektrum modernisieren bzw. auf eine breitere Basis stellen
  • Die anvisierte Zielgruppe und potenzielle Kooperationspartner sollten mit Blick auf die eigenen handwerklichen Fähigkeiten gezielt gewählt werden. Eine Standortanalyse bringt Klarheit in Bezug auf die erfolgskritische Konkurrenzsituation.

Wichtig: Das passiert mit Ihrer Krankenversicherung, wenn Sie selbstständig sind!

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2017 zwischen 369,27 € und 793,88 € monatlich (Mindest- und Höchstbeitrag)....

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