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Selbstständig machen als Uhrmacher

Uhrmacher

Beim Uhrmacher dreht sich beruflich im wahrsten Wortsinne alles um die Zeit bzw. genauer gesagt die präzise Zeitmessung. Es geht darum, Uhren manuell oder auch mit industriellen Methoden herzustellen und Reparaturen durchzuführen. Wer sich selbstständig machen möchte, ist also auf ein fundiertes Fachwissen angewiesen, ganz zu schweigen von einem ausgeprägten Fingerspitzengefühl. In kaum einem anderen Beruf kommt es so auf eine hervorragende Feinmotorik sowie auf eine ausgeprägte Liebe zum Detail an. Es handelt sich um einen anerkannten Ausbildungsberuf, der in Uhrmacher-Handwerksbetrieben oder aber im Bereich der Uhrenindustrie erlernt werden kann. Wer in diesen Bereichen nach der Ausbildung nicht angestellt arbeiten möchte, kann die Option für den Weg in die Selbstständigkeit prüfen. Der folgende Beitrag möchte dazu einen informativen Beitrag leisten.

Selbstständig machen als Uhrmacher: Worüber dieser Fachbeitrag informiert

  • Startvoraussetzungen: Welche formalen Aspekte sind zu bedenken?
  • Umfeldanalyse: In welcher Konkurrenzsituation wird das eigene Angebot platziert?
  • Inhalte und Anforderungsprofile: Welche Aspekte sind erfolgskritisch?
  • Zeit für Erfolg: Anstöße in Bezug auf das Marketing (Kundenakquise)


Hintergrund und Umfeldanalyse zur Existenzgründung als Uhrmacher

Grundsätzlich sei erwähnt, dass es sich um einen traditionellen Handwerksberuf handelt, der allerdings vom technischen Fortschritt nicht unberührt geblieben ist. Denn neben eher klassischen Uhren (Chronografen) mit Präzisionsuhrwerken erobern immer mehr digitale Varianten den Markt (Stichwort Smartwatches), sodass ein moderner Uhrmacher sein Angebot dementsprechend breit aufstellen müssen wird, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Generell spricht ein solches Handwerk eher die ältere und zahlungskräftige Bevölkerungsschicht an, aber auch die Generation der über 65-jährigen ist den neuesten technischen Möglichkeiten nicht mehr abgeneigt.

Man kann also durchaus sagen, dass der Uhrmacher ein Berufsbild im buchstäblichen Wandel der Zeit ist: In den letzten Jahren sind viele Handwerksbetriebe weggebrochen, Meisterbetriebe finden nun noch wenige Auszubildende. Die industrielle Massenproduktion mit Billigpreisen ist eine große Konkurrenz, da sich eine gewisse Wegwerfmentalität verzeichnen lässt: Wer lässt schon eine Uhr für 20 Euro nach 2 Jahren beim Uhrmacher reparieren, wenn sie ihren Geist aufgibt? Es handelt sich also eher um einen Nischenberuf, der aber durchaus seine Berechtigung am Markt haben kann. Denn viele Menschen besitzen alte und wertvolle Uhren, an denen sie sehr hängen. Und nicht wenige Menschen geben für eine hochwertige Uhr viel Geld aus. In diesem Bereich sollte sich ein selbstständiger Uhrmacher platzieren. Sein Angebot sollte nicht die breite Masse, sondern eher ein exklusives Publikum ansprechen. Das Angebotsspektrum kann dementsprechend gezielt angepasst werden. Neben den eigenen handwerklichen Fähigkeiten sind natürlich die Kundenwünsche entscheidend: Sind eher Reparaturarbeiten oder individuelle Anfertigungswünsche gefragt? Ideal erscheint eine Symbiose aus handwerklicher Tradition und funktionaler Moderne, um auch das jüngere Publikum gezielt anzusprechen.
 

Die Geschäftsräume als Grundlage einer erfolgreichen Existenzgründung…

Wer seine professionellen Handwerkskünste wirksam präsentieren möchte, braucht natürlich auch ansprechende Räume: Am besten geeignet erscheint ein kleines Geschäft mit integrierter Werkstatt in der Innenstadt, um viel Laufkundschaft anzulocken. Im Schaufenster kann auf die Uhrkreationen aufmerksam gemacht werden, auch etwaige Serviceleistungen (man denke an Reparaturen oder Batteriewechsel) können angepriesen werden. Ein guter Standort mit geringer Konkurrenz kann auch höhere Fixkosten für die Miete langfristig rechtfertigen.
 

…und weitere mögliche Vertriebswege prüfen

Natürlich sollte auch über die virtuelle Präsenz von Beginn an strategisch nachgedacht werden: Mit einer Internetseite können Kunden auf die professionellen Dienstleistungen gezielt aufmerksam gemacht werden. Darüber hinaus könnte das Internet als Vertriebsweg eingesetzt werden, um dem traditionellen Handwerk ein modernes Gesicht zu geben und die Zielgruppe ohne großen Aufwand auszuweiten. Mit einem Online Shop können exklusive Uhrkreationen deutschlandweit vermarktet und verkauft werden, auch der Reparaturservice könnte so über den Standort hinaus ausgeweitet werden. Wer sich aber zum Beispiel auf die individuelle Anfertigung spezialisieren möchte, wird den persönlichen Kundenkontakt samt Beratungsgespräch in den Mittelpunkt stellen müssen. Es gilt, sich in dieser Nische für Kunden wirksam zu präsentieren. Das Angebot sollte in klarer Abgrenzung zur industriellen Massenware platziert werden, um genau die Kunden anzusprechen, die für Uhren auch größere Summen ausgeben wollen. Nicht wenige Menschen besinnen sich aktuell wieder auf solche traditionellen Werte. Und da Uhren für nicht wenige Menschen eine Art Statussymbol sind, sollten Uhrmacher auch in Zukunft gute Chancen am Markt haben. Was den eigenen wirtschaftlichen Erfolg angeht, so ist eine gute Preiskalkulation gefragt: Wer Uhren herstellt und repariert, muss neben den Materialpreisen natürlich vor allem den Arbeitslohn mit einkalkulieren. Letztlich müssen die Endpreise für beide Seiten akzeptabel sein.
 

Formale Aspekte der Unternehmensgründung als Uhrmacher

Wer sich als Uhrmacher selbstständig machen möchte, braucht eine entsprechende Berufsqualifikation (= Fachausbildung). Es handelt sich um ein so genanntes zulassungsfreies Gewerbe, sodass kein Meisterzwang besteht. Für die selbstständige Ausübung dieses Berufes bzw. die Eröffnung von Geschäftsräumen muss ein Gewerbe angemeldet werden. Der entsprechende Antrag ist beim Gewerbeamt einzureichen, das dann seinerseits weitere Behörden wie das Finanzamt zur steuerlichen Erfassung informiert. Im Antragsformular zur Gewerbeanmeldung ist der spätere Tätigkeitsbereich möglichst umfassend und präzise zu beschreiben. Da es sich um einen Handwerksberuf handelt, ist die Pflichtmitgliedschaft in der Handwerkskammer unvermeidbar, wobei es für Existenzgründer in Bezug auf die Beiträge zu Beginn erhebliche Vergünstigungen gibt. In Bezug auf die Geschäftsräume kommt die Gewerbeaufsicht ins Spiel, etwa wenn es um Sicherheitsvorkehrungen oder bauliche Maßnahmen geht. An sich handelt es sich aber nicht um ein erlaubnispflichtiges bzw. überwachungsbedürftiges Gewerbe, sodass die Gründungsphase recht schnell erledigt sein sollte.
 

Wer hat an der Uhr gedreht? Marketing und Kundengewinnung

Ein Fachgeschäft in guter Lage mit ansprechender Außenwirkung ist schon eine sehr starke Visitenkarte für das eigene Geschäft, die online durch eine optimierte Webseite noch mit Blick auf die Reichweite ausgebaut werden sollte. Auf der Webseite ist genügend Raum vorhanden, um die eigenen Fähigkeiten und Leistungen werbewirksam anzupreisen. Auf diese Weise können weitere Kunden in das Geschäft gelockt werden. Letztlich wird in diesem handwerklichen Bereich auch die Mund-zu-Mund Propaganda eine Rolle spielen. Und natürlich leisten auch die getragenen Uhren am Handgelenk eine wertvolle Arbeit, denn Kenner und Uhrenfans werden sicher die eine oder andere neugierige Nachfrage stellen, aus der dann neue Kundenbindungen entstehen können. Der für Kunden recht preisgünstige Batteriewechsel ist für den Uhrmacher weder eine große Herausforderungen noch eine wichtige Einnahmequelle: Er ermöglicht es aber, Kunden in den Laden zu locken, sie in ein Gespräch zu verwickeln und vielleicht so Lust auf eine neue Uhr zu machen. Insofern sollte dieses traditionelle Angebot (das ohnehin die meisten Kunden voraussetzen werden) sicher nicht im Leistungsspektrum fehlen, auch wenn es an sich nur einen geringen Beitrag zum Umsatz leistet.
 

Fazit zur Selbstständigkeit als Uhrmacher: Nischenberuf mit guten Aussichten

Natürlich sollte die industrielle Konkurrenz mit Billigware nicht verharmlost werden: Wer es aber schafft, sich in dieser angesehenen Nische wirksam zu platzieren, wird auch in Zukunft gut als selbstständiger Uhrmacher leben können. Nicht vergessen werden sollte, dass das Handwerk hierzulande nach wie vor ein hohes Ansehen genießt und die Uhr für viele Menschen ein Statussymbol war, ist und bleiben wird. Genau hier liegen die Chancen für diese gewerbliche Nische. Apropos Zukunft: Wer sein Angebot mit modernsten Uhren in digitaler Funktionsvielfalt erweitert, wird bereits bei der Existenzgründung die Weichen für einen nachhaltigen Geschäftserfolg legen können. Denn gerade auch in diesem traditionellen Handwerk bleibt die Zeit natürlich nicht stehen!
 

Selbstständig machen als Uhrmacher: Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte

  • es handelt sich um einen zulassungsfreien Handwerksberuf ohne Meisterzwang
  • eine Berufsausbildung zum Uhrmacher ist die handwerkliche Grundlage für eine Existenzgründung
  • es handelt sich um eine gewerbliche Tätigkeit, die vor der Geschäftseröffnung anzumelden ist
  • ein guter Standort der Geschäftsräume (mit integrierter Werkstatt und ansprechender Präsentation der Handwerkskunst) ist die Grundvoraussetzung für Geschäftserfolg
  • über virtuelle Vertriebswege nachdenken: ggf. kann ein Online Shop oder ein deutschlandweiter Reparaturservice das Geschäft auf eine breitere Basis stellen
  • mit vermeintlich einfachen und niederpreisigen Dienstleistungen (z.B. Batteriewechsel) kann im Kundengespräch die Basis für einen spontanen oder späteren Kauf gelegt werden
  • hochwertige Uhren als begehrtes Statussymbol: auch wenn es sich um einen Nischenberuf handelt, so sind die Verdienstchancen auch in Zukunft gut

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