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Die Kleinunternehmerregelung

In der Phase der Existenzgründung sind Unternehmer mit vielen Aspekten beschäftigt, die ihre ganze Aufmerksamkeit erfordern. Insofern ist jede bürokratische bzw. buchhalterische Erleichterung sehr begrüßenswert, um sich den täglichen Kernaufgaben voll und ganz widmen zu können. Ganz in diesem Sinne ist die Kleinunternehmerregelung ins Leben gerufen worden. Im Folgenden finden sich alle wichtigen Informationen zur Kleinunternehmerregelung sowie praxistaugliche Tipps in kompakter Form.
 

Zentrale Hintergründe zur Kleinunternehmerregelung

Diese Regelung ist geschaffen worden, um kleine Unternehmen besonders in der schwierigen Startphase zu unterstützen, indem weniger Bürokratie betrieben werden muss und keine zusätzlichen finanziellen Belastungen für Aufwendungen in Bezug auf die Erstellung von Umsatzsteuererklärungen aufgebracht werden müssen. Auf diese Weise soll das Wachstum von kleinen Firmen nicht durch übermäßige staatliche Belastungen und Vorgaben gebremst werden. Die bürokratischen Erleichterungen betreffen vor allem das Steuerrecht. Gebräuchlich ist übrigens auch der Begriff 'Kleingewerberegelung'. Nähere Informationen und rechtliche Rahmenbedingungen werden in Paragraf 19 des Umsatzsteuergesetzes beschrieben (UStG).
 

Voraussetzungen und anzuwendende Bemessungsgrundlagen

Rein formal ist der Antrag für die Nutzung der hier beschriebenen Regelung bei der Existenzgründung im Kontext des steuerlichen Erfassungsbogens zu stellen. Dies kann auch zu späterer Zeit formlos beim Finanzamt geschehen. Um die Anwendung der Kleinunternehmerregelung einschätzen zu können, sind die Umsätze heranzuziehen bzw. zu prognostizieren, wobei im Gründungsjahr besondere Vorschriften gelten: Der prognostizierte Jahresumsatz ist als Entscheidungsgrundlage heranzuziehen, er darf nicht größer als 17.500 Euro sein. Generell gilt, dass jeder Selbständige zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres prüfen muss, ob die Voraussetzungen für die Nutzung der Kleinunternehmerregelung weiterhin gegeben sind. Zu prüfen ist dabei der tatsächliche Vorjahresumsatz (von maximal 17.500 Euro) sowie der prognostizierte Umsatz für das folgende Geschäftsjahr. Dieser darf die Grenze von 50.000 Euro nicht überschreiten. Insofern erfordert diese Regelung, dass die Umsätze regelmäßig überprüft werden, um die geltenden Grenzen einzuhalten.
 

Voraussetzungen gewissenhaft prüfen:
Was in der Praxis zu bedenken ist

Auch wenn diese Regelung mit Sicherheit in der Startphase erhebliche Erleichterungen mit sich bringt, so ist sie kein Selbstläufer, auf den man nicht mehr achten muss. Die Prüfung der Voraussetzungen sollte zu Beginn des Jahres mit großer Ernsthaftigkeit erfolgen. Grundsätzlich sind Kleinunternehmer von der Umsatzsteuerpflicht befreit, sodass auch auf Rechnungen keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden darf. Steigen die Umsätze beispielsweise im laufenden Geschäftsjahr rapide an und stellt der Unternehmer fest, dass er sich eigentlich von Jahresbeginn an der Umsatzsteuerpflicht hätte unterwerfen müssen, so muss er die fällige Umsatzsteuer auf Basis der eingenommen Erlöse nachzahlen. Da die Umsatzsteuer nicht vorher einbehalten wurde und Rechnungen für Privatleute nicht geändert werden dürfen, können sich hieraus unmittelbare finanzielle Nachteile ergeben. Unter Umständen können Rechnungen storniert und neue ausgestellt werden. Hiermit ist aber ein großer Arbeitsaufwand verbunden, der der Grundidee der Kleinunternehmerregelung zuwiderläuft. Ein zentraler Tipp für die Praxis ist also, die geltenden Grenzen stets fest im Blick zu halten.
 

Für wen eignet sich diese Regelung?

Grundsätzlich ist die Entscheidung für die Kleinunternehmerregelung optional, d.h. Existenzgründer können sich auch dafür entscheiden, sofort die Umsatzsteuer zu erheben und an das Finanzamt abzuführen. In diesem Falle entsteht aber in puncto Buchhaltung ein größerer Aufwand. Andererseits müssen bei der Entwicklung der Umsätze nicht ständig die beschriebenen Grenzen eingehalten werden. Zu beachten ist, dass eine Bindungsdauer von 5 Jahren an diese Regelung vorgesehen ist, sofern die Grenzen nicht überschritten werden. Danach ist eine erneute Entscheidung zu treffen. Die Regelung bietet sich insbesondere für Freiberufler und Selbstständige an, die zunächst keine sehr hohen Gewinne erwirtschaften wollen oder können. Auch in Bezug auf die nebenberufliche Selbstständigkeit eröffnet diese Regelung attraktive Handlungsmöglichkeiten. Wichtig zu wissen mit Blick auf die Praxis ist, dass Kleinunternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Dies ist sehr vorteilhaft, da in der Gründungsphase oftmals viele Anschaffungen notwendig sind.
 

Formale Aspekte:
Wie müssen als Kleinunternehmer Rechnungen geschrieben werden?

Ein wichtiger zu beachtender Faktor ist, dass Kleinunternehmer auf ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen dürfen. Ein entsprechender Hinweis wie "gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer erhoben" muss sich in expliziter Form auf der Rechnung finden. Es muss also nicht explizit verbalisiert werden, dass die Kleinunternehmerregelung verwendet wird, ein Hinweis auf den entsprechenden Paragrafen ist ausreichend. Ansonsten gelten die üblichen Anforderungen für die Ausstellung einer ordnungsgemäßen Rechnung.
 

Checkliste: Was muss eine ordentliche
Kleinunternehmerrechnung beinhalten?

  • vollständiger Name und Anschrift des Kleinunternehmers
  • Steuernummer
  • laufende Rechnungsnummer und Ausstellungsdatum
  • Menge sowie Art der gelieferten Leistungen (handelsübliche Bezeichnungen)
  • Liefer- und Leistungsdatum (eventuell ein Hinweis, dass dies mit dem Rechnungsdatum übereinstimmt)
  • Hinweis auf die nicht vorhandene Angabe der Umsatzsteuer (s.o.)


Fazit:

Steuerrechtliche Erleichterungen sind nutzbar, wenn die Umsätze recht gut prognostiziert werden können.

Mit der Kleinunternehmerregelung können Existenzgründer erhebliche bürokratische Vereinfachungen ausnutzen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der gesamte Aspekt der Umsatzsteuerverwaltung und -abführung entfällt zunächst. Zu bedenken ist jedoch, dass die hier geschilderten Grenzen immer fest im Blick gehalten werden sollten, da ansonsten bei Nachzahlungen von Umsatzsteuer finanzielle Nachteile entstehen können. Der Bundesgerichtshof hat diesbezüglich geurteilt, dass eine fiktive Umsatzsteuer mit zu berücksichtigen ist. Die genannten 17.500 Euro für das erste Geschäftsjahr dürfen also nicht in ganzer Höhe ausgeschöpft werden. Kalkuliert man mit den geltenden 19 % als Steuersatz, so darf der Nettoumsatz tatsächlich eine Grenze von 14.705,88 Euro nicht überschreiten (beim 7%-tigen Steuersatz sind es entsprechend 16.355,14 Euro). Insofern ist im Einzelfall genau abzuwägen, ob die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung wirklich eine Entlastung oder eher ein zu enges Regelkorsett ist. Auch im ersten Geschäftsjahr der Existenzgründung sollten die Umsätze mit Blick auf die geltende Bemessungsgrundlage nicht außer Acht gelassen werden. Insofern sind die genießbaren Erleichterungen leider auch an einen gewissen Kontrollzwang gebunden.

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