Selbstständig machen als Dachdecker

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    Wenn Sie sich als Dachdecker in Deutschland selbständig machen möchten, sollten Sie sich erst einmal mit der aktuellen Lage befassen. So gibt es in diesem Land rund 15.000 Dachdeckerbetriebe, die in der Mehrzahl klein- oder mittelständischer Natur sind. Dabei generieren rund 60 Prozent der Dachdeckerbetriebe weniger als 500.000 Euro pro Jahr um; zehn bis 15 Prozent kommen noch nicht einmal auf einen Umsatz von 100.000 Euro. Auch wenn das Geschäft augenscheinlich nicht leicht ist, gilt die Dachdeckerei doch als ein eher stabiles Handwerk, das mit kaufmännischem Geschick erfolgreich betrieben werden kann.
     

    Möglich: Selbstständigkeit als Meisterbetrieb oder Anmelden eines Reisegewerbes

    Allerdings besteht bei diesem Handwerksberuf im Hinblick auf die Selbstständigkeit Meisterpflicht. Ansonsten können Sie Ihre Selbstständigkeit nicht normal als Gewerbe anmelden, sondern müssen mit einem so bezeichneten Reisegewerbe Vorlieb nehmen, da hier kein Meistertitel erforderlich ist. Als selbstständiger Dachdecker sollten Sie dabei über Qualifikationen in verschiedenen handwerklichen Segmenten verfügen. Neben den eigentlichen Aufgaben rund um die Dachdeckerei sind daher zudem Kenntnisse über folgende Tätigkeiten wünschenswert bzw. in der Regel erforderlich:

    - die Abdichtung von Boden-, Wand- und Dachflächen,
    - die Wärmedämmung,
    - das Erstellen von Blitzableitern,
    - das Montieren von Fassadenbekleidungen,
    - das Anbringen von Dachrinnen,

    - die Installation von Solarzellen,
    - das Abdichten von Dächern mit verschiedenen Spezialmaterialien.

    Ein Dachdecker sollte angesichts seiner gesamten Tätigkeitsbereiche natürlich über entsprechendes handwerkliches Geschick, ein grundlegendes technisches Verständnis und auch über Schwindel- sowie Angstfreiheit verfügen. In Anbetracht der Tatsache, dass ein Dachdecker auch oftmals mit artverwandten Fachleuten wie zum Beispiel Dachklempnern zusammenarbeitet, sollte auch zumindest ein grundlegendes Verständnis für anderweitige Materialien (Metall etc.) vorhanden sein


    Finanzierungsbedarf: Möglichen Forderungsausfällen vorbeugen

    Bei der Finanzierung eines Dachdeckerbetriebes sollten Sie sich auf einige branchenspezifische Besonderheiten einstellen. Dabei müssen Sie zu Beginn gar nicht mal eminent große Investitionen realisieren, da benötigte Materialien in der Regel vom jeweiligen Bauherren gestellt werden. So sind lediglich die Kosten für die eigenen Mitarbeiter (mindestens ein bis zwei Mitarbeiter benötigen Sie auf jeden Fall), für Arbeitskleidung, Werkzeug, Werbung sowie ein Arbeitsfahrzeug zu finanzieren. Aber: Da erfahrungsgemäß in dieser Branche mit Forderungsausfällen von rund 20 Prozent kalkuliert werden muss, sollte stets genug Geld da sein, damit Sie auch in solchen Fällen liquide bleiben. Wichtig ist hier, dass Sie im Vorfeld eine exakte Kapital- und Liquiditätsplanung vornehmen.
     

    Kundengewinnung und Kundenbindung: Referenzen und Kontakte sind die wichtigsten Faktoren

    Ist die Finanzierung unter Dach und Fach, wartet bereits die nächste große Herausforderung auf Sie. Um als selbstständiger Dachdeckermeister wirklich genügend Geld verdienen zu können, müssen Sie sich nämlich einen guten Ruf als versierter und kompetenter Fachmann systematisch und vor allem nachhaltig aufbauen. Tipp: Suchen Sie bereits in der Planungs- respektive Gründungsphase Kontakt zu Bauherren, die häufig Projekte aus der Taufe heben. Dies ist ein ganz wichtiger Schritt, wenn Sie effektiv Kunden gewinnen möchten. Um Kunden nachhaltig gewinnen und dann auch binden zu können, müssen Sie sich aber vor allem entsprechende Referenzen erarbeiten. Diese sind in einem Geschäft dieser Art quasi das A und O.

    Vorteilhaft ist es dabei, wenn Sie bereits in Ihrer Lehr- und Gesellenzeit bei expliziten Projekten mitgewirkt haben und dank Ihrer qualifizierten Arbeit bei den jeweiligen Bauherren einen guten Eindruck hinterlassen haben. Erfolgreich realisierte Projekte sind als Referenzen hier nahezu unersetzlich. Klassische Werbung wie Werbeanzeigen, Flyer, Plakate oder Hauswurfsendungen sind dagegen gerade in Bezug auf die Steigerung Ihres Bekanntheitsgrads wichtig. Zudem ist eine eigene Webseite Pflicht, wenn Sie langfristig als selbstständiger Dachdecker Geld verdienen möchten. Hier können Sie Ihre Fachkompetenz und Ihre Leistungsangebote transparent darstellen und formulieren, so dass ein Interessent in Ihnen bzw. in Ihrer Firma den kompetenten Ansprechpartner sieht.

    Besonders zu Beginn Ihrer selbstständigen Tätigkeit als Dachdecker macht es Sinn, über das Internet an Erstaufträge zu gelangen. Eine der größten Plattformen hierfür ist myhammer.de. Hier können Sie sich als Firma präsentieren und auf Ihre Tätigkeitsschwerpunkte hinweisen (elektronische Visitenkarte). Desweiteren lassen sich in einer großen Datenbank Ausschreibungen von potentiellen Auftraggebern einsehen.


     

    Tipp: Standortspezifische Spezialisierungen und Akquirieren von Neubauprojekten

    Ein oftmals erfolgversprechender Tipp ist es, seine Leistungen mit einer standortspezifischen Spezialisierung zu präsentieren. So steht in den Mittelgebirgen beispielsweise Schiefer als spezifisches Material zur Verfügung, während im Norden Häuser vorzugsweise mit Reet-Dächern zu finden sind. Möglich ist aber auch eine Spezialisierung beispielsweise auf das Anbringen von Solarzellen, da hier großes Zukunftspotenzial schlummert. Große Wachstumschancen bietet auch die klimafreundliche Gebäudesanierung. Nicht umsonst haben sich bereits zahlreiche Dachdeckerbetriebe auf dieses Segment spezialisiert. Diesbezüglich ist es grundsätzlich empfehlenswert, entsprechende Zusatzqualifikationen zu erwerben. Schließlich ist der Markt bzw. die Menge der zu erwartenden Aufträge limitiert. Hier sollten Sie vor allem die jeweiligen Neubauprojekte beachten und versuchen, dort den einen oder andern Auftrag zu akquirieren.

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