Selbstständig machen ohne Eigenkapital

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    Am Anfang einer Existenzgründung steht oft eine gute Idee, mit der eine nutzbare Marktlücke abgedeckt werden soll. Die beflügelnde Aussicht, sein eigener Chef zu sein und den beruflichen Erfolg selbst in die Hand nehmen zu können, treibt viele Menschen zu ungeahnten Höchstleistungen an. Aber natürlich spielt das liebe Geld von Beginn an je nach Art der Existenzgründung eine erfolgskritische Schlüsselrolle: Investitionen für Geschäftsräume, Technik und die Produktentwicklung sowie Marketing sind nötig, zudem werfen entwickelte Produkte in der Startphase erfahrungsgemäß wenig Gewinn ab.

    Im zu erstellenden Businessplan kommt daher den strategischen Überlegungen zur Finanzierung eine Schlüsselrolle zu: Nur wer den Kapitalbedarf realistisch und exakt für einen längeren Zeitraum benennen kann, wird externe Kapitalgeber überzeugen und mit ins Boot holen können. Somit ist ein erster Weg, eine zu geringe Eigenkapitaldecke zu kompensieren, schon beschrieben. Doch bevor es um mögliche Finanzierungsalternativen geht, lohnt es sich, einen Blick auf die Realität zu werfen.
     

    Eine erste Orientierung: Zahlen und Fakten zur Existenzgründung

    Viele angehende Unternehmer scheitern bereits früh, weil sie den Kapitalbedarf völlig falsch einschätzen und sich direkt zu Beginn hoffnungslos überschulden, sodass unternehmerische Handlungsspielräume eingeengt werden. Eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau belegt, dass nur etwa 10 % der Existenzgründer ohne äußere Finanzmittel auskommen. In fast 50 % der Fälle wird der externe Kapitalbedarf durch ein Darlehen gedeckt. Sofern dies zu guten Konditionen ausgehandelt wird, können Existenzgründer ohne Eigenkapital einen langfristig planbaren Finanzierungsweg nutzen, ohne dabei die unternehmerische Entscheidungsfreiheit zu verlieren. Immerhin gut ein Drittel aller Existenzgründer nutzt Fördermöglichkeiten und Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit, wodurch fehlendes Eigenkapital zum Teil auch kompensiert werden kann. Grundsätzlich ist eine Existenzgründung ohne Eigenkapital möglich, wenn die im Folgenden skizzierten Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. In der Regel beginnen Existenzgründer ohne eigene Kapitaldecke mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit, um sich ein gewisses Polster zu schaffen. Zu bedenken ist aber, dass in bestimmten Bereichen gar keine großen Investitionskosten entstehen: Wer z.B. als kreativer Selbstständiger unterwegs ist, braucht oft nicht mehr als einen leistungsstarken PC und eine Internetverbindung. Insofern muss mit Blick auf die Notwendigkeit von Eigenkapital klar differenziert werden: Wer etwa eine GmbH gründet, sollte zumindest über das einzubringende Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro verfügen.
     

    Ohne (Eigen)kapital geht es nicht:
    Mögliche Finanzierungswege kompakt zusammengefasst

    In Bezug auf das angeführte Beispiel der GmbH Gründung ist als Alternative die Einlage von Immobilien als Sachkapital zu nennen. Auf diese Weise können die notwendigen liquiden Mittel auch in Form einer Beleihung / Hypothek flexibel eingebracht werden. Sehr empfehlenswert und in der Praxis von vielen Existenzgründern in Anspruch genommen ist die Beantragung eines Darlehens bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), zumal hier sehr faire Konditionen gewährt werden. Auch der Staat bietet zahlreiche steuerliche Erleichterungen und Zuschüsse, die beim Arbeitsamt beantragt werden können. Hier lohnt es sich in jedem Fall, ein persönliches Beratungsgespräch zu nutzen. Fehlendes Eigenkapital kann natürlich auch durch Bürgschaften aus der Familie ersetzt werden. Allerdings sollte Klarheit darüber herrschen, dass die lieben Verwandten im Ernstfall zahlen müssen. Insofern birgt diese Finanzierungsvariante ein gewisses Konfliktpotenzial in sich. Am besten ist es, Geschäftspartner und Investoren für seine Geschäftsidee zu finden, um das gesamte Unternehmen finanziell auf eine breite Basis zu stellen. Hierfür ist allerdings ein professionell erstellter Businessplan nötig, der die nötige Überzeugungsarbeit leisten kann. Franchise-Systeme bieten gerade für Existenzgründer ohne eigene Kapitaldecke die Möglichkeit, sich auf ein vorhandenes Netz zu stützen (insbesondere in Bezug auf die Produkte und das Marketing). Allerdings sollten hier die anfallenden Franchisegebühren und die unternehmerischen Mitbestimmungsrechte sehr sorgfältig geprüft werden, schließlich soll die Existenzgründung sich langfristig finanziell auszahlen.

     

    Alternative Finanzierungsformen im Internet nutzen:
    Seine eigene 'Crowd' finden

    Gerade das Internet bietet flexible Wege der modernen Unternehmensfinanzierung. Künstler und Projektveranstalter nutzen das so genannte Crowdfunding zur Finanzierung ihrer Vorhaben (z.B. den Dreh eines Filmes): Über Webseiten werden Interessenten direkt angesprochen, für das Projekt zu spenden, wobei eine kleine Summe oft schon ausreicht. Den Spendern wird zugleich erklärt, mit welcher Art von Gegenleistung sie rechnen dürfen. Diese moderne Form der 'Schwarmfinanzierung' bietet sich vor allem im kreativ-künstlerischen Bereich an. Für kapitalintensivere Unternehmen ist auch der Begriff Crowdinvesting geprägt worden. Im Grunde ist eine klare Abgrenzung nicht möglich, jedoch sind hier in der Regel die Investitionssummen höher. Allerdings sollte man sich klar machen, dass eine höhere finanzielle Beteiligung immer auch mit einer größeren Erwartungshaltung einhergeht. In jedem Falle bietet das Internet zahlreiche Vermarktungsmöglichkeiten, um das eigene Geschäft bekannt zu machen. Dies ist ein nicht zu unterschätzender, imagerelevanter Vorteil des Crowdfunding Ansatzes.

    Wirtschaftlich nachhaltig agiert nur, wer von Anfang an
    kosteneffizient vorgeht

    Kapital, sei es eigenes oder von außen zugeführtes, ist bei einer Existenzgründung eine unentbehrliche Voraussetzung. Allerdings sollte auf der anderen Seite konsequent der Rotstift angesetzt werden, um im Sinne eines zielfokussierten Controllings die Kosten von Beginn an fest im Griff zu haben. Nicht selten scheitern Existenzgründungen, weil die Kosten durch mangelnde Kalkulation völlig aus dem Ruder laufen. Wer ohne bzw. mit sehr wenig Eigenkapital agiert, sollte seine Kosten stets fest im Blick haben und alle Ausgaben auf Sinnhaftigkeit bzw. Nachhaltigkeit prüfen. Dies fängt bereits mit der eigenen Versicherung an: Unter Umständen ist eine private Krankenversicherung die günstigere und gesundheitlich zweifellos bessere Alternative als die gesetzliche Variante, wobei perfekt zugeschnittene Tarife und Rückzahlungsmöglichkeiten weitere Sparpotenziale bereithalten. Je nach Umfang der Tätigkeit kann eventuell ein Hausgewerbe genutzt werden. Dementsprechend sollte auch geprüft werden, wie viele Mitarbeiter zu beschäftigen sind, da dieser Posten in der Praxis einen großen Teil der fixen Kosten ausmacht. Auch bei der Wahl der Geschäftsräume sollte die Devise 'Pragmatismus vor Prunk' gelten. In produzierenden Betrieben sollte bei Technikinvestitionen auf die Energieeffizienz geachtet werden, um die Kosten für Strom etc. nicht ausufern zu lassen. Generell kann es sehr sinnvoll sein, einen Steuerberater zu beauftragen, um alle möglichen Sparpotenziale bei der Steuererklärung voll auszuschöpfen. Die Kostenkalkulation für die angebotenen Produkte oder Dienstleistungen sollte als Basis für die Einnahmen sehr sorgfältig erfolgen: Discount-Preise mögen zwar viele Kunden anlocken, am Ende des Tages sollten die Margen aber so groß sein, dass Gewinne erwirtschaftet werden können. Natürlich sparen auch Kunden gerne, aber für nachweislich gute Qualität greifen zufriedene Kunden gerne auch etwas tiefer in die Tasche.

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