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"Crowd-Funding" als Alternative zu Krediten

Die moderne Finanzierungsform Crowd-Funding setzt wörtlich gesehen auf die breite Masse an Geldgebern anstatt auf klassische Kredite, die ohnehin gerade für kreative Start-ups schwierig zu erlangen sind. Im Deutschen hat sich auch das Wort Schwarmfinanzierung für Crowd-Funding etabliert. Es handelt sich dabei um eine attraktive Alternative, um Projekte oder auch Existenzgründungen voranzutreiben. Vor allem für künstlerisch-kreative Projekte oder Start-ups und solche, bei denen es um relativ geringe Summen geht, kann Crowd-Funding eine echte finanzielle Alternative sein. Generell funktioniert diese Art der Finanzierung via Internet, besser gesagt auf speziellen Portalen: Dort stellen Künstler oder auch Existenzgründer ihre Projekte vor, um Unterstützung in Form von Kapital zu erhalten. Ursprünglich stammt dieser Ansatz aus den USA, wo er für die Finanzierung von Musikproduktionen genutzt wird. Gemäß der wörtlichen Bedeutung handelt es sich um das Aufbringen von finanziellen Mitteln aus einer Menschenmenge heraus. Insgesamt ist als Kontext zu beachten, dass sich seit der globalen Finanzkrise im Jahre 2009 die Finanzierung von Projekten oder auch Existenzgründungen wesentlich erschwert haben, da Banken hinsichtlich der Kreditvergabe deutlich zurückhaltender handeln.

Das Geld als zentraler Erfolgsfaktor: Was Existenzgründer hier über das Crowd-Funding erfahren:

Die Finanzen spielen bei vielen Existenzgründungen oder auch Projekten eine erfolgskritische Rolle. Insofern lohnt es sich, diese moderne und internetaffine Finanzierungsoption zu prüfen. Sie kann sowohl für Existenzgründungen als auch für einzelne Projekte innerhalb einer Geschäftsgründung genutzt werden. In diesem Beitrag werden die Möglichkeiten des Crowd-Funding kompakt beleuchtet, wobei vor allem auf das Vorgehen in der Praxis eingegangen wird. Ein Überblick über Vorteile und Nachteile sowie ein kompakter Ausblick sollen dabei helfen, diese Finanzierungsoption für die eigenen Pläne bestmöglich einschätzen und so konsequent nutzen zu können. Mit Crowd-Funding soll ein moderner Weg aufgezeigt werden, mit dem finanzielle Engpässe schnell und recht unbürokratisch umgangen werden können.
 

Crowd-Funding erfordert recht wenig Bürokratie

Diese Erkenntnis dürfte viele Existenzgründer freuen. Offiziell ist das Crowd-Funding im Rahmen einer gesetzgeberischen Initiative zur Förderung von Unternehmensgründungen legalisiert worden. Da sich in diesem Bereich aber viel bewegt, sollten sich Interessenten vorher mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Dies sollte auf den einschlägigen Plattformen, auf die noch eingegangen wird, ohnehin möglich sein. Projekte, die Kapital auf diesem Wege einsammeln. sind von der Prospektpflicht ausgenommen, der einzuwerbende Gesamtbetrag darf die Grenze von 1 Million Euro nicht überschreiten. Einzelne Anleger dürfen maximal 10.000 Euro beisteuern. Da diese Regelungen auf der EU Ebene erst im Jahr 2016 abschließend geprüft werden sollen, sind endgültige Aussagen noch unzulässig. Unternehmerisches Handeln mit Nachsicht bedeutet demnach auf jeden Fall, die rechtlichen Voraussetzungen und Bedingungen vor der Nutzung des Crowd-Funding zu prüfen.
 

Abgrenzung: Crowd-Funding vs. Crowd-Investing

Beim Crowd-Funding erwerben die Geldgeber in der Regel keine Anteile oder Mitspracherechte. Sie erwerben als Gegenleistung zum Beispiel Vergünstigungen oder den ersten exklusiven Zugang zum Inhalt des Projektes. Wenn man so will handelt es sich eher um einen ‚Spendencharakter‘, wohingegen Anleger beim Crowd-Investing ein Beteiligungsverhältnis eingehen. Aus diesem Beteiligungsverhältnis ergibt sich auch die Erwartungshaltung, Renditen für das eingesetzte Kapital zu erzielen. Beim Crowd-Funding ist die Rendite eher immateriell zu sehen. Gefördert werden kreative und innovative Ideen, das Geld ist hier ‚nur‘ Mittel zum Zweck, ohne dass große Gegenleistungen erwartet werden.
 

Zielgruppenanalyse: Für wen ist Crowd-Funding geeignet?

Crowd-Funding in seiner ursprünglichen Form spricht vor allem Musiker, Künstler, Kreative, Schriftsteller, Filmemacher und auch gemeinnützige Initiativen an. Immer mehr rücken auch innovative Start-ups aus dem IT Bereich in den Fokus dieser Finanzierungsform. Auch wenn sich mit den überschaubaren Mitteln eventuell nicht die gesamte Existenzgründung meistern lässt, so kann ein erfolgreich finanziertes Projekt dennoch zu einem bedeutenden Meilenstein werden. Wenn ein Filmemacher auf YouTube beispielsweise große Bekanntheit erlangt, so kann er aus den daraus erzielten Einnahmen weitere Projekte bzw. noch mehr Wachstum generieren. Insofern ist Crowd-Funding ein flexibles Finanzierungsinstrument, um erfolgskritische Projekte voranzutreiben. Letztlich muss die ‚Crowd‘ aber begeistert werden, daher muss das Vorhaben innovativ sein und anziehend auf potenzielle Geldgeber wirken. Nicht zuletzt gilt es, den Geldgebern eine Aussicht auf Erfolg Ihres Investments zu geben. Eine hohe Internetaffinität ist ebenfalls von Nöten, da die Geschäftsidee ja auf virtuellem Wege angepriesen wird. Insofern ist diese Alternative wie gemacht für die jüngere Generation, die konsequent mit den Möglichkeiten des World Wide Webs aufgewachsen ist. Das heißt natürlich nicht, dass Crowd-Funding keine Option für ältere Menschen ist!
 

Crowd-Funding in Deutschland: eine kompakte Übersicht

Erfolgreiche internationale Plattformen wie kickstarter.com oder auch indiegogo.com sind auch von Deutschland aus zu nutzen. Allerdings haben sich auch hierzulande quasi als Folge der Finanzkrise ebenfalls zahlreiche Plattformen etabliert, die neue Handlungsoptionen ermöglichen. Untersuchungen zeigen, dass diese Plattformen und somit auch die möglichen Finanzierungssummen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. 100 Days ist eine deutschsprachige Plattform aus der Schweiz, deren Projekte eine Laufzeit von 100 Tagen haben. Inkubato gibt als kleinere Plattform künstlerisch-visionären Projekten ein greifbares Gesicht. Pling ist eine Crowd-Funding Plattform, auf der kreative Menschen in den Bereichen Sport, Fotografie und Theater auf finanzielle Unterstützung hoffen dürfen. Startnext ist die aktuell größte deutsche Plattform für das Crowd-Funding. Hier können Vorhaben aus allen Bereichen und in unterschiedlichen Größenordnungen gefördert werden. Interessenten sollten sich einen Überblick über das Angebot und die Möglichkeiten verschaffen, um die für sie beste Option zu wählen.
 

Praxistipps: Wie sollte schrittweise vorgegangen werden?

Zu Beginn muss natürlich eine innovative Geschäftsidee bzw. ein interessantes Projekt vorhanden sein. Man sollte sich unmissverständlich klar machen, dass niemand etwas für ein Projekt beisteuern wird, das nichtssagend oder sogar uninteressant ist. Idealerweise löst die eigene Idee oder Vision bei anderen den starken Wunsch aus, sich ohne große Erwartungshaltungen zu beteiligen. Hier zeigt sich der eigentliche Spirit dieser Finanzierungsform. Dann ist aus der angedeuteten großen Auswahl an Plattformen eine passende zu wählen. Auf jeder Plattform wird der Interessent genügend Informationen zum genauen Ablauf und zu den Anforderungen finden. Da die Zielgruppe möglichst passend sein sollte, muss eine Plattform gewählt werden, die einen hohen Übereinstimmungsgrad mit den eigenen Inhalten ermöglicht. Im ersten Schritt muss das Projekt angemeldet werden, wobei es einfach, verständlich und vor allem anschaulich dargestellt werden sollte. Fotos und Videos helfen dabei, für eine persönliche Note und unmittelbare Greifbarkeit zu sorgen. Auch zu schildern ist, welche Summe benötigt wird und wofür genau das Geld gebraucht wird. Hier sollten selbstverständlich klare und sinnvolle Worte gefunden worden. Eine gewisse Bedeutung hat auch die Gegenleistung, die die Crowd-Investoren erwarten dürfen. Idealerweise löst diese den Wunsch aus, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. Das Projekt bleibt nun für eine bestimmte Zeit auf der Plattform, wobei der aktuelle Finanzstatus stets nachvollzogen werden kann. Nun gilt es auch, die Werbetrommel in eigener Sache zu rühren und auf Facebook und Co. entsprechende Inhalte zu teilen, um das vorhandene Netzwerk an Kontakten zu aktivieren. Eine wesentliche Spielregel solcher Plattformen ist es, dass die Gelder nur dann ausgezahlt werden, wenn die vorher festgelegte Summe erreicht wird. Ein gewisses Risiko bleibt also, es gibt keine Garantie für Erfolg (das dürfte im Geschäftsleben aber ohnehin niemanden überraschen, engagierte Existenzgründer schon gar nicht). Das Geld wird meistens über ein sicheres Bezahlsystem (z.B. mit PayPal) überwiesen. Ist die Projektsumme erfolgreich erreicht worden, so sollte das vereinbarte Dankeschön als Gegenleistung nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich will man die gewonnene Gemeinschaft nicht sofort verprellen und seinen guten Ruf gefährden.
 

Welche Kosten entstehen beim Crowd-Funding?

Auf allen Plattformen ist das Einstellen und Bewerben eines Projektes meistens kostenlos. Allerdings entstehen Kosten für Provisionen, falls die Finanzierung über die Plattform erfolgreich abgewickelt wurde (mit bis zu 10 % muss buchstäblich gerechnet werden). Auch die Gegenleistung für die Unterstützung kann ans Geld gehen. Gegenleistungen wie Freikarten oder direkte Vergünstigungen können spätere Einnahmen mindern. Zu schwach sollte die vereinbarte Gegenleistung aber nicht sein, denn sie muss letztlich so überzeugend sein, dass ein Handlungsimpuls ausgelöst wird. Natürlich entstehen auch bei jeder Kreditfinanzierung mitunter hohe Kosten. Der große Vorteil der Schwarmfinanzierung ist aber, dass das Geld nicht immer zurückgezahlt werden muss.
 

Vorteile und Nacheile der modernen Finanzierungsoption Crowd-Funding

Der große Vorteil dieser Finanzierungsform ist, dass auch unkonventionelle Projekte oder Geschäftsideen recht unbürokratisch gefördert werden können, die bei Banken niemals eine Chance hätten. Nachteilig ist, dass eher nur geringe Summen erreicht werden, mit denen sich eine komplette Existenzgründung nur selten verwirklichen lässt. Nichtdestotrotz kann ein erfolgreiches Projekt der Startpunkt sein und den eigenen Bekanntheitsgrad schlagartig erhöhen. Was auf den ersten Blick so einfach und unkompliziert aussieht, verlangt dennoch viel Arbeit und Planung. Auch gibt es keine Erfolgsgarantie. Dadurch, dass die angegebene Summe auf der Plattform erreicht werden muss, entsteht ein permanenter Druck. Auch die Gegenleistung ist mit Bedacht zu wählen. Wer hier zu weit geht, riskiert hohe und mitunter unkontrollierbare Folgekosten. Nicht jeder Geldgeber ist mit einer ideellen Gegenleistung zufrieden (was grundsätzlich als Option möglich wäre), daher sollte die richtige Plattform gewählt werden, um das passende Publikum direkt anzusprechen. Auch hier liegt ein weiterer Vorteil der Schwarmfinanzierung: die potenziellen Geldgeber sind schon vorhanden, sie müssen ‚nur‘ noch überzeugt werden! Damit Klarheit, Vertrauen und Transparenz herrschen, sollte offen und ehrlich über alle Aspekte des Projektes informiert werden.
 

Finanzierung durch Crowd-Funding als Alternative? Zusammenfassung und Ausblicke

Die auch heute noch vorhandenen Auswirkungen der Finanzkrise zwingen viele Kreative dazu, neue Wege der Finanzierung zu gehen, da die Kreditvergabe oftmals keine erreichbare Option ist. Insofern ist das hier vorgestellte Crowd-Funding mit Sicherheit eine lohnenswerte Alternative, um finanzielle Mittel heranzuschaffen. Generell handelt es sich aber eher um einen Projektcharakter, was die erfolgreiche Existenzgründung im kreativ-künstlerischen Bereich aber keineswegs ausschließt. Letztlich hängt die Erfolgswahrscheinlichkeit des Crowd-Funding auch von der Qualität bzw. Innovationskraft der eigenen Ideen ab, die bestmöglich auf der Plattform verkauft werden müssen. Insofern handelt es sich gleichzeitig auch um einen aussagekräftigen Test am Markt, den angehende Existenzgründer sehr ernst nehmen sollten: Wie wird meine Idee aufgenommen? Ist Bedarf dafür überhaupt vorhanden? Kann die Idee viele Menschen begeistern? Wo muss gezielt nachgebessert werden? Neben der eigentlichen Funktion der Finanzierung kann auch überprüft werden, ob sich mit den vermeintlich guten Ideen tatsächlich Geld verdienen lässt.
 

Crowd-Funding: Was Existenzgründer über diese Finanzierungsform wissen sollten

  • Schwarmfinanzierung als alternative zu Bankkrediten: auf speziellen Plattformen werden Projekte möglichst anschaulich vorgestellt, der Geldbedarf inkl. Verwendungszweck wird erläutert
  • Erfolg gestalten: klare und offene Kommunikation mit den Geldgebern ist sehr wichtig
  • Interessenten können sich finanziell beteiligen, die Gegenleistungen können ideeller oder auch materieller Natur sein
  • auf den Crowd-Funding Plattformen muss die vorher anvisierte Summe für die Auszahlung zwingend erreicht werden
  • eine hohe Internetaffinität des Gründers/Geförderten sowie ein innovative Idee sind die Grundvoraussetzungen für den Erfolg auf Crowd-Funding Plattformen
  • Kosten entstehen für Provisionen an die Plattform (bei erfolgreichem Erreichen der Summe) sowie für die vereinbarte Gegenleistung
  • relativ unbürokratische Alternative, die allerdings auch durchaus planungsintensiv ist
  • beim Crowd-Investing wird hingegen meistens eine direkte finanzielle Beteiligung erwartet (Rendite). Crowd-Funding weist eher einen ideellen Fördercharakter auf

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