Anlagerisiken mindern: Das sollten Selbstständige beachten

Geldsäcke auf Waage Risiko

Wie sollte Anlage – im Idealfall – funktionieren? Folgendermaßen: Man investiert eine Summe X in ein bzw. mehrere Finanzprodukt(e) oder Sachwerte und erzielt dadurch entweder Verkaufsgewinne oder regelmäßige Erträge; bestenfalls beides. Allerdings bedeutet Anlage auch immer, einem gewissen Risiko zu unterliegen. Das können Risiken sein, die einfach nur den anfangs berechneten Gewinn später etwas schmälern, können aber je nach Anlageform durchaus auch Totalverluste sein – der Super-GAU des Anlegens.

Von zentraler Bedeutung dabei ist es, dass Anlage, ungleich zu dem, was manchmal kolportiert wird, definitiv kein Glücksspiel ist. Viel mehr obliegt es jedem Anleger selbst, durch eigene Maßnahmen das Risiko auf ein persönlich tragbares Restrisiko zusammenschrumpfen zu lassen. Welche Maßnahmen Sie dazu im Einzelnen ergreifen können, zeigt der folgende Artikel.
 

1. Aufteilen, spreizen, streuen

Es gibt unzählige Investitionsstrategien, extrem viele Finanzprodukte. Doch die wichtigste Regel, die über allem steht, lautet:

Niemals alles Geld auf nur ein Produkt setzen!

Dahinter steht eine bestechend simple Logik: Jede Investition hat ein einzelnes Risiko. Investiert man nun all sein Geld in ein einziges Produkt, bedeutet das, dass nur dieses eine Anlageprodukt versagen muss, und man sofort Verluste erfährt, vielleicht alles verliert.

Je mehr man seine Anlage streut, oder diversifiziert, wie es fachsprachlich heißt, desto mehr verteilt man das Risiko auf mehrere Säulen. Dass eine davon versagt, mag passieren, bedeutet aber dann nicht, dass man alles verliert. Und je mehr Säulen es gibt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass alle versagen. Das wäre selbst dann höchst zweifelhaft, wenn es an den Märkten zu enormen Verwerfungen käme.

Es gilt: Aufteilen bringt Sicherheit. Deshalb sollte man es als immerwährendes Mantra praktizieren.
 

2. Fonds nicht ignorieren

Die direkte Anwendung der zuvor genannten Maxime der Aufteilung ist es, Fonds zu einem wichtigen Kern seiner Investitionen zu erklären. Das wird insbesondere bei der Absicherung fürs Alter wichtig, weil hier fondsgebundene Rentensparpläne einige signifikante Vorteile ins Feld führen können.

Es beginnt damit, dass Fonds grundsätzlich von einem Fondsmanager betreut werden. Einem Experten auf seinem Gebiet, wodurch allein durch dessen Expertise das Risiko verringert wird. Gleichsam sind Fonds immer so gestaltet, dass sie aus mehreren Finanzprodukten bestehen – wichtig nicht nur wegen der Risikostreuung, sondern auch den Erträgen: Auch wenn ein Teil des Fonds Verluste macht, macht der andere meist noch Gewinne, sodass sich alles ausgleicht, meist aber am Ende ein wesentlich besseres Auszahlungsniveau hat, als herkömmliche Rentenversicherungen.

Zudem sind gerade fondsgebundene Rentensparpläne langfristig angelegt. Je jünger man ist, wenn man in sie investiert, desto mehr baut man nicht nur auf, sondern weniger wirken sich Marktschwankungen aus. Und: Die Sparanteile gelten als Sondervermögen und sind somit selbst bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft abgesichert.
 

3. Vorsicht bei Social Trading

Der Aufstieg der Sozialen Netzwerke führte auch dazu, dass ein Investment-Seitenarm davon entstand: Social Trading. Das Prinzip ist simpel. Anlageprofis machen auf solchen Portalen ihre Handlungen öffentlich. Sie zeigen, in was sie wann weshalb investieren – und ihre Follower können selbst nachmachen oder dem Trader einen verfügbaren Betrag einräumen, sodass man automatisch seine künftigen Handlungen mitmacht.

Ja, das kann funktioniere, denn es ermöglicht es, auch als Laie profi-artig zu investieren. Allerdings warnt nicht zuletzt die BaFin, dass damit zumindest ein Kontrollverlust in Richtung des Traders einhergeht. Zudem sind auch die Social-Trading-Portale wie ihre breitbekannteren Pendants oftmals anonym. Auch gibt es keinen garantierten Lerneffekt, weil sich oftmals nicht nachvollziehen lässt, warum ein Profi genau diesen Schritt tut, in dieses Portfolio investiert.

Überdies kann es passieren, dass hier Finanzprodukte „gepusht“ werden sollen. Die Laien verdienen damit nichts, nur diejenigen, die sich auskennen und früh genug aussteigen.

Deshalb ein Rat: Wenn Social Trading, dann nur mit geringsten Beträgen und nur als „Nebenverdienst“, nicht als wichtiges Standbein des Investments.
 

4. Keine Emotionen zulassen

Bei Geld hört nicht nur die Freundschaft auf, bei Geld sollte auch das Herz keinen Raum haben, so hart es auch klingt. Doch genau beim Investieren machen viele diesen Fehler – nicht nur Laien, wohlgemerkt.

Vielleicht ist es ein altes Bauernhaus, das man sieht und das vor dem geistigen Auge zu einem schön renovierten Wochenenddomizil wird, das sich vermieten oder mit gutem Gewinn verkaufen lässt. Vielleicht ist es das Aktienpaket einer Firma, die besonders hehre Ziele vertritt – es gibt tausende Beispiele, die dazu geeignet sind, Emotionen ins Investment-Spiel zu bringen.

Zulassen sollte man sie niemals. Denn Emotionen trüben die Sicht auf die Realität ein. Im Anlagebereich kann das beispielsweise dazu führen, dass man Risiken als geringer erachtet, als sie es tatsächlich sind – oder auch potenzielle Gewinne größer erscheinen. Eine solche Selbstunterdrückung ist nicht einfach. Was aber ungemein hilft, ist, jegliches Investment nur auf harte Fakten und Zahlen hin zu überprüfen. Und das geht auch bei durchaus hochemotionalen Produkten.
 

5. Immer die „Gebrauchsanweisung“ lesen

Es gibt Menschen, die bewegen sich in der Welt des Finanzwesens mit einer geradezu schlafwandlerischen Sicherheit. Was sie anfassen, funktioniert, sie lassen Geldanlage so einfach wie ein Kinderspiel wirken. Und die Signalwirkung, die von solchen Personen ausgeht, ist natürlich enorm.

Leider verleitet das viele, zu versuchen, es ihnen gleich zu tun – doch eine Majorität davon erleidet mit dieser Methode Schiffbruch, „zahlt Lehrgeld“ und ist hinterher wahrscheinlich nicht einmal um eine Erfahrung schlauer, sondern nur um verlorenes Geld ärmer.

Tatsache ist eine weitere Maxime:

Es gibt keine Anlageprodukte, kein Investment, das kinderleicht ist

Wäre es so, würde niemand mehr einer normalen Erwerbsarbeit nachgehen, weil er spielend nur von solchen Anlagen leben könnte. Der Hauptgrund, warum etwa die Dotcom-Blase im Jahr 2000 platzte, war genau das: Zu viele Laien investierten blindlings in Firmen der New Economy, ohne die Spielregeln zu kennen. Nur weil es so leicht aussah und höchste Gewinne winkten.

Wesentlich besser fährt man mit folgender Strategie: Über jede einzelne Anlage, von der man hört und die einen interessiert, sollte man sich zunächst grundlegend einlesen – „Anlageform + Grundlagen“, mit diesem Suchbegriff liefert einem das Netz einen ganzen Berg an Informationen.

Sie sollte man immer nutzen. Denn, um den Kreis zum Eingang dieses Kapitels zu schließen: All diejenigen, die Anlage so einfach aussehen lassen, sind Profis, die über ein tiefgreifendes Wissen und meist auch jahre-, vielleicht sogar jahrzehntelange Routine verfügen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

 

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