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Banking ohne Bank?

Geschäftsmann fliegt mit Euro-Ballon

Banking ohne Bank betrachten manche Start-ups als Herausforderung. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, innovative Applikationen oder innovative Software zu entwickeln, die komfortables Banking ermöglicht, ein physisches Bankinstitut jedoch überflüssig macht. Bill Gates hatte dazu vor einigen Jahren gesagt: „We need banking but we don’t need banks anymore.“ (Wir brauchen die Dienstleistungen der Bank, aber wir brauchen die Banken nicht mehr.) Das war 1994.

Heute, mehr als 20 Jahre später, gibt es die Banken immer noch, wenn auch in reduzierter Anzahl, wenn man auf die Filialschließungen der letzten Jahre blickt. Sie haben in der Zwischenzeit eine der schwersten Bankenkrisen aller Zeiten überstanden. Gates Zitat geht allerdings noch ein bisschen weiter. Für ihn war klar, dass es eines Tages möglich sein würde, ein Bankkonto zu eröffnen oder einen Kredit zu beantragen, ohne physisch anwesend zu sein. Dort sind wir bereits angekommen. Heute ist es möglich, viele Dienstleistungen der Banken über digitale Kanäle in Anspruch zu nehmen.
 

Der nächste Schritt – die Smartphone-Bank

Neben dem Onlineangebot der traditionellen Banken ist eine ganz neue Art der Finanzdienstleistung entstanden: Finanztechnologie-Unternehmen bieten die Dienstleistungen einer Bank an, ohne die komplette, träge und teure Infrastruktur der Banken im Hintergrund. Die Berliner Smartphone-Bank N26 ist ein gutes Beispiel für ein sehr erfolgreiches Start-up, das etablierte Banken herausfordert. N26 hat schon mehr als 200.000 Kunden und operiert mit einer eigenen Banklizenz. Das Angebot dieser Finanztechnologie-Firma (Fintech-Firma) beinhaltet eine Girokonto-Variante, eine Kreditkarte und ein Versicherungspaket. Es ist vergleichbar mit herkömmlichen Girokonten anderer Banken. Dieses Unternehmen zieht deshalb so viel Aufmerksamkeit auf sich, weil es eine echte Konkurrenz zu den traditionellen Geldhäusern darstellt. Zu Beginn gab es das kostenlose Girokonto. Mittlerweile gibt es viele Zusatzleistungen gegen einen Aufpreis.
 

Bankfilialen immer weniger genutzt

Etwa die Hälfte der Deutschen wickeln ihre Bankgeschäfte via Onlinebanking ab. Mit dieser Quote liegt Deutschland noch weit hinter Luxemburg mit 67 Prozent oder den Niederlanden mit 83 Prozent. Die Verbraucher wollen innovative Onlinebanking-Lösungen, wie sie N26, Paypal oder Paydirekt anbieten. Längst ist die Bank nicht mehr Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um Finanzberatung oder Geldanlagen geht. Die Verbraucher wollen ihre Budgets und Investment-Portfolios selbst verwalten und spontan ihren jeweiligen Bedürfnissen anpassen können.

Darin liegen auch Chancen für Selbstständige. Zum einen können Bankgeschäfte wesentlich einfacher, schneller und kostengünstiger abgewickelt werden. Zum anderen sind vertiefte Ansätze da, digitales Banking mit der Buchhaltung zu verknüpfen. Durch einen wachsenden Grad an Automatisierung können Sie schon bald praktisch nebenbei die lästigen Verwaltungsaufgabe der Buchhaltung erledigen.
 

Fintech-Unternehmen – zwei Typen

Kostenbewusste Selbstständige sollten den Markt mit wachen Augen beobachten. Fintech-Start-ups kreieren neue Angebote, in denen digitale Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen miteinander verknüpft sind. Für den Kunden soll dadurch ein Zusatznutzen entstehen. Dabei decken diese neuen Unternehmen fast das gesamte Leistungsspektrum der Banken ab. Für den Durchschnittsunternehmer reicht das im Tagesgeschäft völlig aus. Folgende Schwerpunkte sind in den Leistungsangeboten der Fintech-Startups zu erkennen:

  • Payment und Zahlungsverkehr
  • Vermögensanlage über Trading- und Beratungsplattformen
  • Persönliches Finanzmanagement (PFM)
  • Neue Ansätze bei Finanzierungen und der Kreditvergabe
     

Auch bei den Angeboten gibt es zwei Schwerpunkte:

  • Sogenannte Aggregatoren führen Informationen oder Bankverbindungen zusammen. Der Kunde bekommt so einen besseren Überblick über seine persönlichen Finanzen.
  • Die sogenannten Optimierer bieten teilweise vollkommen neue Bankleistungen an oder sie haben ein verbessertes Leistungsangebot mit mehr Transparenz, günstigeren Preisen und/oder einer einfacheren Darstellung.
     

Vor- und Nachteile der Fintech-Firmen

Als wesentlicher Vorteil lässt sich hervorheben, dass die Fintech-Unternehmen komplett losgelöst sind von den komplexen Infrastrukturen und Technologien etablierter Banken. Banken passen neue Lösungen immer in ihre alte IT-Umgebung ein, was häufig mit einem hohen finanziellen und technischen Aufwand verbunden ist. Die jungen Unternehmen können hier wesentlich flexibler und damit vor allem kostengünstiger agieren. Die Angebote der Fintechs sind deutlich einfacher, bequemer für den Kunden und schneller. Dabei orientieren sie sich viel stärker an den akuten Kundenbedürfnissen, im Gegensatz zu traditionellen Banken und Sparkassen. Außerdem bieten sie ihren Kunden einen Preisvorteil.

Fintechs haben auch Nachteile. So unterliegen sie normalerweise nicht der gesetzlichen Kontrolle und Regulierung. Die Datenschutzbestimmungen sind häufig wenig konkret und die Datensicherheit ist nicht so transparent wie bei traditionellen Banken. Wo Regulierung und Kontrolle unbedingt notwendig sind, haben Unternehmen wie N26 eine Banklizenz erworben oder sie kooperieren mit bestehenden Banken, um deren Banklizenz nutzen zu können. Wenn Sie darüber nachdenken, Ihre Bankgeschäfte weg von der traditionellen Bank und hin zu einem Fintech zu verlagern, sollten Sie sich ganz genau über Datenschutz und Lizensierung informieren. Wie so oft empfiehlt sich die Taktik der kleinen Schritte. Sie könnten beispielsweise zuerst ein einzelnes Konto bei Anbietern wie N26 eröffnen, das sie über einige Zeit testweise betreiben. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild und entscheiden Sie dann, ob die neue Art des Bankings für Sie geeignet ist.
 

Fazit

Im Finanzbereich ist Vertrauen besonders wichtig, insbesondere wenn es um das Endkundengeschäft geht. Dieses Vertrauen aufzubauen nimmt meist viel Zeit in Anspruch. Die Entwicklung von Finanztechnologie-Unternehmen ist noch sehr jung. Die Unternehmen müssen zum großen Teil noch den Beweis erbringen, dass sie tatsächlich vertrauenswürdig sind. Für die Banken bedeutet die neue Entwicklung vor allem eines: Sie müssen die Zeit nutzen und selbst entsprechende Angebote ausarbeiten, um ihre Kunden nicht zu verlieren. Die Finanzkrise vor einigen Jahren hat das Vertrauen der Kunden in Banken und Kreditinstitute erschüttert. Das hat den Weg bereitet für die neuen digitalen Zweige in der Finanzbranche. Zudem sinkt die Hemmschwelle für die Nutzer. Onlineverträge lassen sich bequem von zu Hause aus mit ein paar Klicks abschließen. Eine persönliche Unterschrift ist in vielen Fällen überflüssig. Die Branche ist noch sehr jung und stark im Wachstum. Dadurch ist der Konkurrenzkampf sehr groß. Das führt dazu, dass sich sehr schnell die vertrauenswürdigen Anbieter herauskristallisieren. Doch es besteht auch die Gefahr, dass im Gegenzug schwache Marktteilnehmer wieder wegbrechen.

Für abwartende Selbstständige ergibt sich die Perspektive, dass schon bald vergleichbare Apps und komfortablere, nutzerorientierte Angebote ihrer Hausbank auf den Markt gebracht werden – vorausgesetzt, sie die Bank erkennt die Zeichen der Zeit und stellt sich langfristig wettbewerbsfähig auf.

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