Regionale Tendenzen bei Existenzgründungen: Berlin ist auch die Hauptstadt der Gründer

In einer aktueller Erhebung und auch schon etliche Male zuvor hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) darauf hingewiesen, dass Existenzgründer Arbeitsplätze schaffen und somit einen wichtigen Beitrag für das Wirtschaftswachstum leisten. Jedoch zeigt sich beim Blick auf Details, dass die Gründungsaktivität mitunter erheblich in den Bundesländern variiert. Die Bundeshauptstadt Berlin erweist sich als besonders ‚gründungsaktiv‘.

 

Regionale Unterschiede bei Existenzgründungen kompakt beleuchtet

Eine aktuelle Analyse der KfW zeigt, dass in Berlin die meisten Menschen den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Die Gründerquote liegt hier bei 2,6 %: Konkret bedeutet dies, dass zwischen 2009 und 2014 26 von 100 Einwohner in einer Altersspanne von 18 bis 64 Jahren eine Firma gegründet haben. Mit 2,2 % und 2,1 % weisen die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen ebenfalls echt hohe Gründerquoten auf. Deutlich abgeschlagen mit 1,1 % landen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg auf den hinteren Plätzen. Ein Grund für diesen Abstand sei gemäß KfW die geringere Verdichtung in diesen ostdeutschen Flächenländern. In Hessen liegt die Gründerquote bei 2 %, in Bayern, Baden-Württemberg und NRW sind es 1,7 %. In städtischen Regionen ergeben sich grundsätzlich strukturelle Vorteile, da kurze Wege sowie eine schnelle Erreichbarkeit für den Handel und Dienstleistungen von Vorteil sind. In Regionen, die eher industriell geprägt sind, ist die Gründungsquote eher geringer, da es hier leichter fällt, einen gut bezahlten Job bei einem mittelständischen oder großen Unternehmen zu finden.
 

Durch Existenzgründer werden etwa 750.000 neue Jobs geschaffen

Im zurückliegenden Jahr haben sich laut KfW etwa 900.000 Menschen selbstständig gemacht, was einer Zunahme von knapp 50.000 entspricht. Während die Gründungsaktivität im gewerblichen Bereich leicht rückläufig war, ist in freiberuflichen Bereichen wie dem Coaching oder Softwareengineering ein kräftiges Plus zu verzeichnen. Insgesamt sind durch die Existenzgründungen knapp 750.000 Jobs entstanden, sodass der gesamtwirtschaftliche Wachstumsbeitrag zahlenmäßig konkret belegt werden kann. Was die Finanzquellen der Gründungen angeht, so zeigen Auswerten des Statistischen Bundesamtes, dass gut 40 % aller Gründer Darlehen oder Geschenke von Verwandten und Freunden erhalten. 27 % setzen auf ein Bankdarlehen, 25,5 % nutzen Förderkredite. Einen Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit nutzen 13,5 %, einen Kontokorrentkredit 10,5 % aller Gründer.
 

Perspektivische Ausblicke: Die Bundesregierung will eine neue Gründerzeit

Gerade in Folge der Finanz- und Schuldenkrise der letzten Jahre ist es zu einer restriktiveren Kreditvergabe seitens der Banken gekommen, sodass viele Gründer Probleme haben, auf diesem traditionellen Weg an finanzielle Ressourcen zu kommen. Um den Zugang zu Kapital für neu gegründete Unternehmen zu verbessern, soll der hierzulande schwach entwickelte Markt für Wagniskapital angekurbelt werden. Auch Steuererleichterungen sind im Gespräch. Es bleibt abzuwarten, mit welchen Mitteln die Politik Einfluss auf die finanziellen Rahmenbedingungen für Existenzgründungen nehmen wird. Die obigen Finanzierungsquellen zeigen aber, dass vor allem auch im privaten Bereich zahlreiche finanzielle Ressourcen genutzt werden.

Titelbild: elxeneize – fotolia.com

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