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Bootstrapping? Ein neuer Begriff mit altbewährter Bedeutung

Bootstrapping - Team Grafik

Die Anglizismen in der deutschen Sprache mögen für so manchen Gründer eine Hürde bedeuten, doch bei näherem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass gar nichts Dramatisches dahintersteckt. Bootstrapping ist so ein Begriff, der mehr vermuten lässt, als wirklich damit gemeint ist.

Im Prinzip geht es beim Bootstrapping darum, dass ein Gründer aus eigener Kraft ohne Fremdmittel durchstartet. Warum nun das Wort Bootstrapping dafür ausgewählt wurde, ist ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Bootstrap heißt so viel wie Schnürsenkel oder Stiefelriemen.

Genauso effizient, wie ein Stiefelriemen oder Schnürsenkel für die optimale Nutzung von Schuh oder Stiefel fungiert, genauso nutzenorientiert sollte die Gründung-und Wachstumsstrategie des Unternehmers sein. Kurzum: Entscheiden Sie sich für Bootstrapping, dann wollen Sie mit knappen verfügbaren Ressourcen die bestmögliche Performance erreichen.

Doch wollen wir das nicht die meisten Unternehmer? Der Begriff beschreibt kein bahnbrechend neues Konzept, sondern gibt wieder, was viele tausend Existenzgründer ohnehin realisieren. Immerhin gründen fast 70 % der Deutschen ausschließlich mit eigenen Finanzmitteln. Damit daraus aber Bootstrapping wird, gehören noch einige weitere Voraussetzungen dazu. Das Ziel ist, fokussiert und höchst effizient hohe Umsätze zu erzielen und satte Gewinne zu erwirtschaften.

Und das brauchen Sie, wenn Sie nach der Bootstrapping-Methode (erneut) durchstarten wollen – (das Prinzip können Sie in vielerlei Hinsicht auch anwenden, wenn Sie bereits seit einigen Jahren am Markt sind).
 

Ihre eigenen Finanzmittel nutzen

Im Sinne des Bootstrapping darf nur eigenes Geld zum Einsatz kommen. Allerdings sind trotzdem Kredite gestattet, solange sie ohne fremde Unterstützung aufgenommen werden. Ein perfekt durchdachter Finanzplan ist eine gute Grundlage, um erfolgreich nach dem Bootstrapping -Modell zu arbeiten. Den Finanzplan können Sie sich übrigens bezuschussen lassen und so direkt im Sinne des Bootstrapping handeln.
 

Umsatz und Liquidität pushen

Eine wichtige Faustregel beim Bootstrapping ist, möglichst schnell Geld einzunehmen und gleichzeitig möglichst wenig auszugeben. Deshalb müssen Sie Ihre Kosten ganz genau im Auge behalten. Das erreichen Sie, indem Sie bereits von Beginn an ihre Konten voneinander trennen und Betriebliches und Privates klar auseinanderhalten. Erledigen Sie die Buchhaltung selbst? Umso besser, dann sparen Sie Kosten und haben einen Überblick über die Zahlungsströme Ihres Unternehmens.
 

Hohes Engagement und Risikobereitschaft

Natürlich ist hohes Engagement förderlich und Risikobereitschaft darf einem Unternehmer nicht fremd sein. Doch nicht nur die Bereitschaft spielt eine Rolle, sondern auch die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, volles Risiko zu gehen. Haben Sie zum Beispiel eine Familie zu versorgen und eine Hypothek abzustottern, wäre es vielleicht nicht die beste Wahl, mit einer nagelneuen Idee auf den Markt zu stürmen und ein risikoreiches Geschäft zu eröffnen. Wägen Sie deshalb ab, wie Sie das Unternehmen aufbauen bzw. führen und ob Bootstrapping wirklich die geeignete Vorgehensweise ist.
 

Effizient und fokussiert arbeiten

Schaut man sich in der Gründerszene um und beschäftigt sich mit den Ausarbeitungen zum Thema Bootstrapping dann fällt auf, dass nicht nur Sparsamkeit eine wichtige Eigenschaft von Bootstrappern ist, sondern vor allem die Effizienz.

Zwar soll der Umsatz gesteigert und die Kosten reduziert werden, doch dabei müssen Sie Ihre Kernkompetenzen im Auge behalten. Können Sie zum Beispiel wirklich selber eine Internetseite programmieren oder ist es nicht besser, einen Spezialisten zu beauftragen? Der ist in der Regel viel schneller und unterm Strich günstiger, wenn Sie ihre eigene Arbeitszeit mit einem realistischen Stundensatz belegen.
 

Vertrieb ist alles!

Um schnell Geld zu verdienen, brauchen Sie ganz schnell möglichst viele Kunden. Und um schnell an Kunden zu kommen, müssen sie ein guter Vertriebler sein. Falls sie kein Verkaufstalent haben, dann ist Bootstrapping wahrhaftig nicht der richtige Weg für Sie.
 

Vorteile und Nachteile von Bootstrapping

Es gibt eine ganze Reihe von Vorteilen, die Bootstrapping mit sich bringt. Die Erfahrung zeigt, dass Bootstrapping-Betriebe schlank und effizient aufgebaut sind und unterm Strich besser laufen als Betriebe, die mit einer reichen Kapitalausstattung und viel Zeit erst nach und nach Fahrt aufgenommen haben. Wichtiger Tipp: Behalten Sie alle Anteile in Ihrer Hand, dann profitieren Sie zu 100 % vom Erfolg.

Bootstrapping hat aber auch Nachteile. Haben Sie keinen Anteilseigner im Boot, fallen Verluste voll auf Sie zurück. Das kann die Motivation herbe belasten. Zudem ist Bootstrapping sehr kräftezehrenden und zeitraubend, erfordert viel Engagement und Herzblut.

Bootstrapping ist nicht für jeden die richtige Wahl, das Konzept hat aber schon so einige dazu bewogen, ihre Unternehmensführung noch einmal zu überdenken. Sparsam haushalten und Umsätze vergrößern sind generell Tugenden, die vielen Gründern geläufig ist. Ob man es nun Bootstrapping nennt oder eine deutsche Umschreibung wie „kostensensible Umsatz- und Gewinnmaximierung“ – das bleibt jedem selbst überlassen.

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