Corona: Lohnt sich jetzt der Schritt in die Selbstständigkeit?

Die Corona Pandemie hat das Arbeitsleben in vielen Branchen auf den Kopf gestellt. Zahlreiche Arbeitnehmer waren plötzlich massiven Veränderungen ausgesetzt und viele sahen sich auch mit Kurzarbeit oder dem Verlust der Anstellung konfrontiert. Natürlich steht dann oft die Frage im Raum: Sollten Sie sich jetzt selbstständig machen? Lohnt sich das? Oder sollten Sie doch lieber ausharren und weiterhin ein vertragliches Arbeitsverhältnis anstreben?
 

Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

Nachteile

  • hoher bürokratischer Aufwand vor allem zu Beginn
    Vor allem in den ersten Wochen oder Monaten der Selbstständigkeit kann der bürokratische Aufwand sehr hoch sein, da man Business Pläne erstellen und Anträge für Finanzierungen sowie Versicherungswechsel in die Wege leiten muss.

  • eigenständige Buchhaltung des gesamten Betriebs
    Auch nach dem ersten großen Aufwand, kann man den Papierkram vor allem als Solo-Selbstständiger nicht abgeben und muss die Buchhaltung akribisch und eigenständig durchführen

  • höhere Versicherungsbeiträge
    Oft erwarten einen erhöhte Versicherungsbeiträge, da man zum Beispiel als Handwerker zusätzliche Versicherungen abschließen musst oder weil schlicht und einfach der Arbeitgeberanteil der Krankenversicherung entfällt.

  • andere Berechnung der Steuern
    Wer sich selbstständig meldet, bekommt nicht nur eine neue Steuernummer, sondern muss unter Umständen seine Steuern auch ganz anders und teilweise deutlich häufiger als einmal im Jahr berechnen und beim Finanzamt einreichen.

  • finanzielles Risiko
    Eine Gründung ohne finanzielle Rücklagen ist so gut wie unmöglich. In den seltensten Fällen wirft ein Unternehmen bereits in den ersten Wochen einen Gewinn ab, der hoch genug ist um alle Kosten zu tragen. Je nach Unternehmensform muss auch mit dem Privatkapital gehaftet werden.

 

Vorteile

  • Unabhängigkeit
    Sie sind nicht länger von Unternehmen oder Vorgesetzten abhängig, sondern haben die Freiheit ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und sich in ihrem Bereich kreativ und zur Gänze auszuleben.

  • Selbstbestimmung
    Sie entscheiden selbst. Über alles. Dies ist eine große Verantwortung, aber von der besten Sorte. Sie gestalten ihre Büroräume, Arbeitszeiten, Preistabellen, etc auf eigene Faust.

  • Weiterbildung
    Mit abgelehnten Anträgen für Weiterbildungen hat man als Selbstständiger nichts mehr zu tun. Da man sein eigener Boss ist, können (und sollten!) Sie sich so viel weiterbilden, wie Sie möchten.

  • flexible Zeitgestaltung
    Sie sind ein Morgenmuffel und arbeiten lieber nachts? Als Selbstständiger kein Problem. Sie gestalten ihr Unternehmen nach ihren eigenen Regeln - auch wenn es um die Arbeitszeit geht.

  • freie Ortswahl
    je nach Branche oder Tätigkeit kann der Beruf problemlos von Zuhause erledigt werden. Auch Umzüge in andere Teile des Landes sind als selbstständig tätige Person oft leichter.

  • Abwechslung
    Durch die Flexibilität und Freiheit entsteht auch das große Potenzial zur Abwechslung. Einheitliche Tage gibt es nicht.

 

Das sollten Sie beachten

Bevor die Entscheidung getroffen wird, sollten Sie sich allerdings ausgiebig informieren, denn Selbstständigkeit ist kein einheitliches Konzept das für jeden gleich aussieht. So gibt es zum Beispiel bereits einen großen Unterschied wenn es darum geht, in welcher Branche und in welcher Größenordnung Sie die Selbstständigkeit anstreben und ob Sie somit Freiberuflicher sind oder zum Beispiel eine GmbH gründen. Auch müssen Sie sich entscheiden, ob Sie die Selbstständigkeit nebenberuflich oder als Haupterwerb ausüben möchten. Auch Finanzplanungen, das Erstellen eines Business Plans und weitreichende und vorausschauende Überlegungen in jeder Hinsicht sollten vor einer möglichen Gründung gut durchdacht und abgewogen werden. Eine Übersicht, was es zu beachten gibt, finden Sie hier.
 

Sonderfall: Handwerk

Eine der größten Branchen der deutschen Wirtschaft ist das Handwerk. In vielen handwerklichen Berufen, zu denen eine Vielzahl an Berufsgruppen gezählt werden, lohnt sich oftmals der Wechsel in die Selbstständigkeit. Allerdings führt hier der erste Schritt nicht zum Gewerbeamt, sondern zur HWK, der Handwerkskammer, denn für Handwerker ist es verpflichtend, sich dort anzumelden. Außerdem gibt es für viele handwerkliche Berufe eine sogenannte „Meisterpflicht“. Das bedeutet, dass man einen Meisterabschluss nachweisen muss, bevor man sein eigenes Unternehmen gründen oder in die Solo-Selbstständigkeit starten kann. Sind die ersten bürokratischen Hürden aus dem Weg, gibt es aber für Handwerker spezielle Förderprogramme und Zuschüsse, welche man - je nach Bereich und Umständen - beantragen kann. Die Akquise kann dann über Direktakquise und Mund-zu-Mund-Propaganda, klassisches lokales Marketing (Zeitung, etc) oder online erfolgen. Im Internet gibt es Portale wie zum Beispiel ibau. Hier können Handwerker Aufträge entdecken.
 

Sonderfall: Der Kreative Bereich

Oft im Graubereich bewegen sich alle, die kreativ tätig sind. So fallen einige von Ihnen unter die Kategorie des Handwerks, andere sind jedoch Freiberufler, für die ganz andere Regeln und Voraussetzungen gelten. Hier lohnen sich vorab Beratungsgespräche mit den entsprechenden Stellen um genau abzuklären, in welche Schublade die eigene Tätigkeit passt. Außerdem gibt es Unterstützungen wie die Künstlersozialkasse oder diverse Stipendien in den Bereichen Literatur, Musik und Kunst. Die Risiken sind hier allerdings auch größer, da der Verdienst in diesen Bereichen oftmals geringer ausfällt als in anderen Branchen.
 

Finanzielle und andere Hilfen

Das Gründungsgeschehen wurde durch Corona hart getroffen, wie auch eine von der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammertag) geführten Studie nachweist. Das Angebot an Beratungen ging zurück und somit nahmen viele das Risiko nicht mehr auf sich zu gründen. Die Beispiele vieler selbstständiger Betriebe, welche Insolvenz anmelden mussten oder gezwungen waren, ihren Traum aufzugeben, waren sicherlich nicht förderlich. Dennoch stehen nach wie vor verschiedene finanzielle Hilfen und Beratungsangebote zur Verfügung. Nach über einem Jahr der Pandemie und der mit ihr einhergehenden Restriktionen sind mittlerweile in vielen Bereichen Lösungen gefunden worden, um das Aufrechterhalten eines halbwegs normalen Betriebs zu gewährleisten. So werden Beratungen nun häufig online oder telefonisch durchgeführt und viele Termine können virtuell durchgeführt werden. So gibt es zum Beispiel nach wie vor die Möglichkeit, den Gründungszuschuss bei der Bundesagentur für Arbeit zu beantragen. Auch sind viele Informationsquellen im Internet zu finden, wie hier auf selbststaendig.de.
 

Mit den richtigen Maßnahmen absichern

Die Corona-Krise kam vollkommen unerwartet und traf genau deshalb so viele Unternehmen unerwartet und mit voller Wucht. Die Unsicherheit war groß und bleibt bis heute bestehen - Planungen waren nicht mehr durchführbar, Veranstaltungen mussten abgesagt werden, Läden wurden geschlossen, die finanzielle Liquidität in vielen Branchen wurde unterbrochen. Aus dieser Krise heraus lassen sich jedoch verschiedene Lektionen ziehen und sie in entsprechende Lösungen für künftige Problemfälle verwandeln. So kann jeder Selbstständige, egal ob Solo oder ein größerer Betrieb mit Mitarbeitern, der jetzt gründet oder gerade noch die Kurve gekriegt hat, verschiedene Maßnahmen ergreifen um solch einen harten Fall in der Zukunft zu verhindern. Notfallpläne stehen in der Prioritätenliste ganz oben, genauso wie - natürlich - finanzielle Absicherungen. Für Neugründer besteht hier die Chance, Krisenmanagement zu betreiben noch bevor es soweit ist.

Autor: 
Mark Leissen

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