Corona-Krise: Staatliche Hilfsgelder für Selbstständige

Die Finanzkrise 2008 hatte im Vergleich zur aktuellen Krise durch den Coronavirus vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Während damals ein volkswirtschaftlicher Schaden von 6 % entstand, rechnen Experten bei der Corona-Krise mit mehr als dem dreifachen. Klar ist, dass die deutsche und weltweite Wirtschaft großen Herausforderungen gegenübersteht. Der Bund hat Soforthilfen aufgelegt, viele Bundesländer haben aus Landesmitteln aufgestockt. Lesen Sie, welche Zuschüsse und Darlehen Bund und Länder für Corona-Geschädigte Selbständige behalten bereithalten.


Soforthilfe vom Bund: 9.000 bis 15.000 Euro

Der Bund hat ein Hilfspaket mit einem Volumen von 50 Milliarden € bereitgestellt. Das Geld soll Solo-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten vor dem Ruin retten. Das Programm ist in zwei Kategorien aufgeteilt:

Kategorie 1: Solo-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten

In dieser Kategorie werden Einmalzahlungen von maximal 9000 € für drei Monate geleistet

Kategorie 2: Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten
In dieser Kategorie werden Einmalzahlungen in Höhe von 15.000 € für drei Monate geleistet.


Es handelt sich um einen nicht-rückzahlbaren Zuschuss, der allerdings steuerpflichtig ist. Bei der Steuererklärung für die Einkommen- oder Körperschaftsteuer müssen die erhaltenen Gelder gewinnwirksam berücksichtigt werden.

Die Länder übernehmen die Abwicklung der Anträge und das bedeutet, dass Sie auf die Website der in Ihrem Bundesland zuständigen Stelle – das sind in der Regel Landeswirtschaftsministerium oder Landesbanken sowie Bezirksregierungen - alle weiteren Informationen finden.

Geplant ist, dass die Antragsverfahren digital erfolgen und nach der Online-Einreichung eine automatische Eingangsbestätigung verschickt wird. Die Anträge werden in der Reihenfolge der Eingänge bearbeitet. Sie finden hier die Links zu den zuständigen Stellen in den einzelnen Bundesländer.
 


Die Bundesländer haben nach eigenem Ermessen und in Abhängigkeit von den Länderfinanzen die Hilfen vom Bund, die oben mit Kategorie 1 und Kategorie 2 beschrieben wurden, aufgestockt. Das bedeutet, dass die Hilfen insgesamt in jedem Bundesland anders ausfallen. Lassen Sie sich deshalb nicht irritieren, wenn Sie in den sozialen Medien heftige Diskussionen finden, die sich über die Höhe der Mittel streiten. Sie sollten sich einfach an den Informationen orientieren, die auf den oben verlinkten Seiten zu den Anträgen zu finden sind.

Bei der Antragstellung für die Bundesmittel müssen Sie bestimmte Informationen liefern. Folgende Angaben sind für die Antragstellung der Bundesmittel aus Kategorie 1 und 2 mindestens notwendig (sie können von den Ländern jedoch erweitert werden mit Blick auf die bereitgestellten Landesmittel):

  • Legitimationsnachweis in Form eines Personalausweises oder Reisepasses

  • Gegebenenfalls Handelsregisternummer oder eine andere Registernummer, in der Ihre Firma eingetragen ist

  • Steuernummer des Finanzamt

  • Steuer ID des Antragstellers

  • Kontaktdaten des Unternehmens und sofern abweichend Privatadresse

  • Bankverbindung des Firmenkontos

  • Angaben zur Art der Tätigkeit: gewerblich oder freiberuflich

  • Anzahl der Beschäftigten

Sie dürfen in Abhängigkeit von dem tatsächlichen Liquiditätsbedarf Mittel aus Landesprogramm und Bundesprogramm beantragen. Allerdings sind in manchen Bundesländern die Mittel so miteinander verwoben, dass sie aufeinander aufbauen, also gar nicht parallel nutzbar sind. NRW zum Beispiel hat mit den Landesmitteln Hilfen für Unternehmen realisiert, die mehr als zehn Mitarbeiter haben. Die Landesmittel kommen deshalb für Solo-Selbständige, Freiberufler und kleine Unternehmen mit bis zu 5 Mitarbeitern gar nicht in Betracht.

Unser Rat ist, sich auf der Seite Ihrer zuständigen Stelle genau anzusehen, ob und was über die beiden Kategorien 1 und 2 (9000 € und 15.000 €) hinaus an Soforthilfen möglich ist.


Umwandlung von Zuschuss in Darlehen möglich

Die Antragstellung soll unkompliziert und schnell erfolgen, genauso die Auszahlung. Im Grunde bedeutet das, dass die Mitarbeiter in den Landesministerien die Anträge auf Vollständigkeit und offensichtliche K.o.-Kriterien prüfen und den Zuschuss schnell auszahlen sollen.

Erst im Nachgang wird überprüft, ob ein Zuschuss in beantragter Höhe überhaupt rechtens war. Gelangt das Ministerium im Rahmen der Prüfung zu der Auffassung, dass Ihre Voraussetzungen für einen Zuschuss nicht passend waren, wird der Zuschuss gegebenenfalls in ein Darlehen umgewandelt. Welche Konditionen daran gekoppelt sind, ist zurzeit nicht bekannt.
 

Drohen Strafen für unberechtigt beanspruchte Zuschüsse?

Wer einen Antrag auf Zuschuss stellt versichert, dass er wahrheitsgemäße Angaben macht. Wenn sich im Nachgang herausstellt, dass dem nicht so war, können Zuschüsse zurückgefordert werden. Diese Aussage ist allgemein zu verstehen, denn zu den Corona-Zuschüssen gibt es derzeit keiner Richtlinie, aus der die Konsequenzen hervorgehen. Doch es ist anzunehmen, dass bei den Corona-Zuschüssen ähnlich verfahren wird, wie bei anderen Zuschüssen auch. Die Möglichkeit einen zu Unrecht beantragten Zuschuss in ein Darlehen umzuwandeln ist ein Zwischenschritt und kann im Einzelfall anwendbar und aus Sicht der Förderstellen praktikabel sein.
 

KfW-Corona-Hilfe: Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Dabei handelt es sich um Kredite für Solo-Selbstständige, Freiberufler, Kleinunternehmen, mittleren und großen Unternehmen. Betroffene, die die Voraussetzungen für einen Zuschuss aus dem Soforthilfeprogramm des Bundes und der Länder nicht erfüllen, haben die Möglichkeit einen Kredit zu günstigen Konditionen bei der KfW aufzunehmen. Die Kreditprogramme sind in drei Kategorien aufgeteilt:

  1. Unternehmen 3 - 5 Jahre am Markt

  2. Unternehmen > 5 Jahre am Markt

  3. Sonderprogramm für große Unternehmen

Für Unternehmen, die weniger als drei Jahre am Markt sind gibt es keine besonderen Corona-KfW-Kredite. . Sie haben wie gewohnt Zugriff auf die Standardprogramme 074 (für kleine und mittlere Unternehmen) und 073 (für Großunternehmen). Außerdem steht der ERP-Gründe Kredit – Startgeld bereit (Stand 27.3.2020).

Es ist möglich, dass sich in den nächsten Wochen/Monaten Änderungen ergeben. Sie sollten sich deshalb auf der Website der KfW zum aktuellen Stand der Dinge informieren. Hier können Sie interaktiv ermitteln, welches KfW-Programm für Sie in Frage kommt.
 

Kategorie 1: Kreditprogramme für Unternehmen 3 bis 5 Jahre am Markt

In dieser Kategorie kommt für Antragsteller, die zwischen 3 und 5 Jahre am Markt sind, der ERP-Gründerkredit – Universell infrage. Es gibt ihn in vier Programmvarianten, nämlich 073, 074, 075 und 076. Bei großen Unternehmen wird eine Risikoübernahme von 80 % gewährt, kleine und mittlere Unternehmen können mit einer Risikoübernahme von bis zu 90 % rechnen.

Voraussetzung für die Beantragung ist, dass ein Unternehmen mindestens drei Jahre am Markt tätig ist bzw. zwei Jahresabschlüsse vorlegen kann.

Auch Unternehmensgruppen haben Zugriff auf Fördergelder. Sie können bis zu 1 Milliarde € beantragen. Wichtig: Der Höchstbetrag richtet sich nach Jahresumsatz, Lohnkosten, Finanzierungsbedarf oder Gesamtverschuldung des Antragstellers im Vorjahr.
 

Kategorie 2: Unternehmen > 5 Jahre am Markt

Wenn Sie vor mehr als fünf Jahren gegründet haben, kommen die Programme 037 oder 0 47 für Sie infrage. Es handelt sich dabei um den KfW-Unternehmerkredit für große, für kleine und mittlere Unternehmen. Wie bei den Kreditprogrammen für jüngere Unternehmen werden Risikoübernahmen von 80 bzw. 90 % gewährt. Diese wirken sich auf die Zusagewahrscheinlichkeit der Bank aus.

Wie in Kategorie eins auch gibt es einen Zweig für Unternehmensgruppen, die bis zu 1 Milliarde € beantragen können. Auch hier spielen Jahresumsatz, Lohnkosten, Finanzierungsbedarf und Gesamtverschuldung des Vorjahres bei der Entscheidung über die Höhe des Förderkreditbetrags eine Rolle.
 

Kategorie 3: Sonderprogramm für große Unternehmen

Große Unternehmen können über das KfW-Sonderprogramm Konsortialfinanzierung mit Krediten ab 25 Millionen € gefördert werden. Hierbei geht es um eine Direktbeteiligung an den Unternehmen. Mittelständische und große Unternehmen können darüber finanziert werden. Die KfW übernimmt 80 % des Risikos maximal, tritt aber höchstens 50 % der Gesamtverschuldung ein. Für große Unternehmen erhöht die Risikoübernahme der KfW die Chancen auf einer Konsortialfinanzierung.
 

Antragstellung

Die Anträge für KfW-Programme werden immer über die Hausbank gelenkt. Haben Sie aktuell keine Hausbank, wählen sie einen anderen Finanzierungspartner. Es kann sich dabei um eine Geschäftsbank, eine Genossenschaftsbank oder eine Sparkasse handeln. Sie entscheiden, wer Sie bei Ihrem Finanzierungsvorhaben begleitet und das bedeutet auch, dass sie bei mehreren Banken anfragen können. Wichtig ist, dass Sie zuerst Ihren Finanzierungspartner davon überzeugen müssen, dass ihr Konzept tragfähig ist. Nur dann wird er einen Antrag für Sie bei der KfW-Bank stellen. Schließlich haftet Ihr Finanzierungspartner für das hingegebene Darlehen und muss für Zahlungsausfälle schlussendlich geradestehen.

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