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Das digitale Mahnwesen in Deutschland hat Nachholbedarf

Notebook mit Kalendersoftware

Natürlich möchten sich Existenzgründer in ihrer Euphorie und Aufbruchsstimmung vor allem mit positiven Entwicklungen bzw. Geschäftszahlen beschäftigen. Zu einer ganzheitlichen Planung und Geschäftsausrichtung gehört es aber auch von Beginn an, dass Mahnwesen auf eine professionelle und somit letztlich nachhaltige Basis zu stellen. Wer das gesamte Forderungsmanagement nicht professionell gestaltet, riskiert neben liquiditätsgefährdenden Zahlungsausfällen auch einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand, um offenen Rechnungen hinterher zu laufen. Akuten Handlungsbedarf mit Blick auf das Mahnwesen offenbart nur eine EOS-Studie. Gerade mit Blick auf die rasant voranschreitende Digitalisierung im Mahnwesen zeigt sich ein großer Nachholbedarf, denn erst 3 % aller Firmen hierzulande haben das Mahn- bzw. Rechnungswesen auf elektronischem Wege modernisiert. Vor diesem Hintergrund und angesichts der skizzierten unternehmerischen Zusammenhänge sind Gründer gut beraten, von Beginn an auf einen funktionalen Rahmen für das Mahnwesen zu setzen. Für die angeführte Studie wurden im Frühjahr dieses Jahres ca. 3.200 Unternehmen in 16 europäischen Ländern befragt.
 

Welche Gründe lassen sich für den Nachholbedarf finden?

Gemäß der aktuellen Studie haben immerhin 33 % der befragten Unternehmen Zweifel, dass sich die Digitalisierung positiv auf das Forderungsmanagement auswirken wird. Ein Blick auf die unternehmerische Praxis in ganz Europa zeigt, dass diese Annahme unbegründet ist. Europaweit gesehen haben fast 20 % der Unternehmen ihr Mahnwesen komplett digitalisiert. Die Hälfte der Unternehmen gibt in Folge dessen an, dass sich die Rückzahlungsquote deutlich verbessert hat. Experten sehen die in Deutschland anzutreffende Skepsis vor allem damit begründet, dass Unternehmen hierzulande ohnehin die niedrigsten Zahlungsausfälle zu beklagen haben. Insofern gibt es in den meisten Fällen schlichtweg keine akute Veranlassung, um die vollständige Digitalisierung bzw. Modernisierung des Mahnwesens voranzutreiben.
 

Welche Potenziale verspricht das digitale Mahnwesen?



Anders als in Deutschland verbinden Unternehmen weitere positive Erwartungen mit der Einführung eines vollständig digitalisierten Mahnwesens: 43 % aller europäischen Unternehmen erwarten eine signifikante Zeitersparnis, was sicher der größte Vorteil dieser zukunftsorientierten Lösung sein dürfte. Ein Drittel aller Unternehmen im europäischen Kontext verspricht sich zudem eine verbesserte Planung von Ressourcen. Ganz in dieser Hinsicht werden durch automatisierte Prozesse auch weniger Ressourcen benötigt werden, was sich unmittelbar positiv auf die Kostensituation im Unternehmen auswirkt. Von großer Bedeutung sehen 36 % der Unternehmen auch die Möglichkeit, Forderungen individueller bearbeiten zu können. Nicht wenige Kunden zeigen sich unbeeindruckt, wenn sie ein unpersönliches und wenig aussagekräftiges Standard-Mahnschreiben erhalten. Während in Deutschland nur jedes 2. Unternehmen an Verbesserungen im Zahlungswesen durch eine vollständige Digitalisierung glaubt, so sind es europaweit 50 % aller Unternehmen.
 

Geografische Unterschiede beim digitalen Mahnwesen und Fazit für Existenzgründer

Generell ist es so, dass westeuropäische Unternehmen stärker auf die Mehrwerte des digitalen Mahnwesens vertrauen. So setzt in Westeuropa jedes 5. Unternehmen auf die Potenziale der Digitalisierung in puncto Mahnwesen. Führend in diesem Bereich ist übrigens Spanien, gefolgt von der Schweiz und Ungarn. Angehende Selbstständige sollten eine niedrige Quote für Zahlungsausfälle nicht als Grund heranziehen, sich nicht mit der Digitalisierung des Mahnwesens zu beschäftigen. Schließlich kann ein großer Zahlungsausfall in einer heiklen finanziellen Situation schnell die Liquidität gefährden. Die angesprochenen Hinzugewinne mit Blick auf Ressourcen im Unternehmen dürften abgesehen vom reinen Forderungsmanagement gerade in Wachstumsphasen ein Anreiz sein, von Beginn an auf wegweisende Technik in diesem wichtigen Bereich zu setzen.

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