Misserfolg als Erfolgsfaktor? Existenzgründer sollten durch Fehler besser werden

Dass Misserfolge als Erfolgsfaktor gesehen werden können oder besser gesagt sollten, fällt vielen Existenzgründern hierzulande schwer. Insgesamt zeichnet sich in Deutschland keine produktive Kultur des Scheiterns ab, wie sie etwa in den USA zu finden ist. Konkret zeigt sich dies an Insolvenzen großer Unternehmen, die hierzulande mit einem großen Medieninteresse kritisch beäugt werden. In vielen Fällen jedoch kann eine Neuausrichtung des Unternehmens wieder auf die Erfolgsstraße führen. Gleiches gilt für Gründer, die nach dem Scheitern wieder aufstehen sollten. Der Nutzen von Fehlern ist aber nur erkennbar, wenn diese ehrlich und objektiv analysiert werden. Die beste Vorbereitung inklusive professionellem Businessplan schützt unerfahrene Gründer nicht vor Fehlern. Und wer nichts falsch macht, verpasst auch Chancen, um (noch) besser zu werden.
 

Das Prinzip "Kaizen": Mit Fehlern noch besser werden

Dieses bekannte Organisationscredo aus Japan betrifft das Fehler- bzw. Qualitätsmanagement interner Geschäftsprozesse sowie die konkrete Gestaltung des Angebots. Diese Philosophie ‚ständiger Verbesserungsprozesse‘ heißt nichts anderes, als dass sich Unternehmer nicht auf ihren Erfolgen ausruhen dürfen. Qualitätsmanagement ist nicht als einmaliges Projekt, sondern als ständige Aufgabe der Unternehmensführung mit strategischer Bedeutung zu verstehen. In größeren Unternehmen arbeiten typischerweise Qualitätszirkel: Eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern analysiert und diskutiert Unternehmensprozesse, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erörtern. Natürlich kann auch ein gegründetes Ein-Mann-Unternehmen von solchen Betrachtungen profitieren, wenn sich der Unternehmensgründer ernsthaft mit Prozessen oder auch akut auftretenden Problemen regelmäßig auseinandersetzt. Wer Fehler erkennt und sie rechtzeitig abstellt, riskiert erst gar nicht, in eine für die Existenzgründung gefährliche wirtschaftliche Schieflage zu gelangen. Aus psychologischer Sicht neigen Menschen dazu, an Bewährtem festzuhalten, da sie so Sicherheit erfahren. Die Kaizen-Methode durchbricht dieses Schema, das notwendige unternehmerische Flexibilität verhindert.
 

Plan B: Veränderungen können durchaus positiv sein

Viele Existenzgründer neigen dazu, einmal getroffene und im Businessplan niedergeschriebene Entscheidungen nicht mehr zu ändern geschweige denn zu hinterfragen. In jedem Falle ist es besser, nach Alternativen zu suchen und möglichst zahlenbasiert nachzuvollziehen, welcher Ansatz letztlich besser ist. Insofern gehört es auch zu einem erfolgreichen Unternehmertum, eigene Fehler anzuerkennen und aus diesen zu lernen. Strategisch betrachtet ist es ohnehin immer besser, unvermeidbare Risiken zu streuen, solange damit keine zu großen Kosten verbunden sind. Konkret etwa könnte nicht nur ein, sondern mehrere Vertriebskanäle genutzt werden. Die Erfahrungswerte werden schnell zeigen, welcher Weg der bessere bzw. tragfähigere ist. Auch was das Marketing angeht, empfiehlt es sich, die Instrumente möglichst breit zu wählen, um eine größtmögliche Zielgruppe zu erreichen. Unternehmen bzw. Existenzgründer sollten nur beachten, zu keiner Zeit widersprüchlich zu handeln oder ihr gesamtes Geschäftsmodell in einem dubiosen Licht erscheinen zu lassen.
 

‚Besser‘ scheitern im Business: Auch Fehler haben ihre Berechtigung

Da ein Scheitern bzw. Fehler sich in gewissen Bereichen nicht vermeiden lassen, sollten schon bei der Planung der Existenzgründung möglichst viele strategische Alternativen gefunden und analysiert werden. Die Vielfalt der Möglichkeiten vergrößert nicht nur den eigenen, oftmals eingeschränkten Blick, sie offenbart auch ein breites Spektrum an Handlungsalternativen. In Krisensituationen haben Existenzgründer dann oft schon marktfähige Alternativen in der Hinterhand. Vor Fehlern sollten und dürfen engagierte Existenzgründer keine Angst haben: Sie gehören dazu und bergen eine große Chance in sich, durch ganzheitliches Qualitätsmanagement Schritt für Schritt besser zu werden. Ein in sich stimmiger Businessplan ist ungeachtet dessen eine wesentliche Grundvoraussetzung, um die Durchschlagskraft möglicher Fehler so gering wie nur möglich zu halten.

Titelbild: coloures-pic – fotolia.com

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