Welche Faktoren bremsen unternehmerisches Wachstum in Deutschland?

Aktuelle Untersuchungen zum ‚Index unternehmerischer Freiheit‘ zeigen, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort im Vergleich zu europäischen Nachbarn mögliches Wachstum ausbremst. Insbesondere zum Teil strenge Regelungen zum Kündigungsschutz, zur Lohnfindung, zu den Arbeitszeiten und Produktvorschriften werden als Einschränkung unternehmerischer Freiheit genannt.
 

Index unternehmerischer Freiheit: Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Ein internationaler Vergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Deutschland innerhalb der 28 analysierten OECD-Länder nur auf Platz 13 liegt und somit im Mittelfeld rangiert. Gerade in Skandinavien, in angelsächsischen Staaten und in den Niederlanden sowie der Schweiz ist das Ausmaß unternehmerischer Freiheit größer ausgeprägt. Besonders am Arbeitsmarkt zeigen sich gemäß der Untersuchung im internationalen Vergleich geringere Handlungsspielräume, obwohl mit der Agenda 2010 eine weitreichende Flexibilisierung angestoßen werden konnte. Besonders der Kündigungsschutz sei in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen sehr starr. Betrachtet man jedoch die Entwicklungen in den letzten 20 Jahren insgesamt, so hat sich die unternehmerische Freiheit hierzulande vergrößert. In puncto Bürokratieabbau bleibt aber nach wie vor reichlich Arbeit bzw. Nachholbedarf.
 

Bildungssystem und die Effizienz der Rechtsstaatlichkeit

Die Studie spricht auch davon, dass das deutsche Bildungssystem durch zu wenig Wettbewerb kennzeichnet sei, was einen Einfluss auf die Innovationsstärke sowie die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland habe. Gemäß der Studie erreicht Deutschland auch nicht die Top 10, wenn es um die Effizienz der Verwaltung und die politische Verlässlichkeit geht. Positiv vermerkt wird in der Studie, dass Deutschland seit 2011 nur noch 1 % seines Bruttoinlandproduktes für stattliche Subventionen aufwendet. Am Ende der 90er Jahre waren es noch gut 2 %.
 

Fazit: Unternehmerische Freiheit mündet nicht in Regellosigkeit

Der Index unternehmerischer Freiheit zeigt eine positive Korrelation zwischen Wohlstand und Freiheit auf. Besonders Wirtschaftsnationen, in denen Unternehmer frei agieren können, zeichnen sich durch einen nachhaltigen Wachstumskurs aus. Unternehmerische Handlungsfreiheit ist aber nicht mit Regellosigkeit gleichzusetzen, wenn eine tief verankerte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung einen belastbaren Rahmen vorgibt. In Deutschland sollte daher das Bild unternehmerischer Freiheit wieder deutlich positiver gesehen bzw. gelebt werden. In den zurückliegenden, krisengeschüttelten Jahren hat das freie Unternehmertum insbesondere durch ausufernde Aktivitäten an den Kapitalmärkten Vertrauensverluste hinnehmen müssen. Die Studie zeigt auf, dass unternehmerische Freiheit letztlich eine Voraussetzung für Wohlstand, Arbeitsplätze und ständige Innovationen ist.
 

Ein zukunftsorientiertes Motto: Mehr unternehmerische Freiheit wagen

Nicht wenige Existenzgründer fühlen sich hierzulande angesichts der Flut an Bürokratie eingeengt. Insgesamt zeigt das Ranking ganz deutlich, dass sich liberale Regeln für die Wirtschaft und Sozialstaatlichkeit keineswegs ausschließen müssen. In Finnland und in den Niederlanden ist die unternehmerische Freiheit am größten, wobei der Sozialstaat keinesfalls darunter leidet. In Griechenland und Italien ist die unternehmerische Freiheit am geringsten: Die wirtschaftlichen Probleme in diesen Ländern dürften hinlänglich bekannt sein. Im Gegensatz zur positiven Entwicklung in Deutschland ist in diesen beiden Ländern die unternehmerische Freiheit noch weiter zurückgegangen.

Titelbild: georgejmclittle – fotolia.com

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