Sie sind hier

Gründungsmonitor 2017: Statement Gründungsklima Deutschland

Mann mit Rakete in der Hand

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bringt Jahr für Jahr einen Gründungsmonitor auf den Markt. Die Überschrift des KfW-Gründungsmonitors 2017 lautet „Beschäftigungsrekord mit Nebenwirkung: So wenige Gründer wie nie.“ Ist das nun ein schlechtes Zeichen? Es deutet vor allem darauf hin, dass das Klima für Gründer in Deutschland wenig vielversprechend aussieht. Nicht viele trauen sich, sich selbstständig zu machen. Im Jahr 2016, das der Gründungsmonitor 2017 unter die Lupe nimmt, sind es weniger als 700.000.

Positiv ist, dass die Notgründungen zurückgegangen sind. Jemand, der aus einer wirtschaftlichen Zwangslage heraus in die Selbstständigkeit geht, arbeitet ganz anders, als jemand, mit positivem Blick auf die Chancen sieht. Dennoch: Notgründer scheitern nicht öfter als Chancengründer – das hält sich die Waage.
 

Gute Jobchancen bieten sichere Einkünfte

Einer der Hauptgründe, warum es weniger Existenzgründungen in Deutschland gibt ist, dass die Jobchancen innerhalb der letzten Jahre deutlich besser geworden sind. Arbeitskräfte sind gefragt wie nie zuvor. Eine sichere Beschäftigung mit attraktiven Vergütungsmodellen und bezahlter Weiterbildung ist für viele die bessere Entscheidung.
 

Die Bundesländer im Fokus: Hamburg überholt Berlin

Während Berlin lange Zeit auf Platz 1 der Gründungstätigkeit in Deutschland lag, hat Hamburg im Jahr 2016 die Führung übernommen. Pro 10.000 erwerbsfähigen Personen gründeten in Hamburg 253, in Berlin lediglich 238 eine Existenz. Hessen liegt auf Platz 3 und Bremen auf Platz 4.

Und ein weiterer Trend lässt sich aus den umfangreichen statistischen Daten ableiten. Die Gründungsaktivität ist in Ballungszentren höher, als im ländlichen Raum. Das ist keine Überraschung: Kurze Wege und eine gute Gründer-Infrastruktur sind generell gute Voraussetzungen, um ins Gründungeschehen einzutauchen. Die Medien- und die IT-Branche stellen in Hamburg und Berlin den größten Anteil, freiberufliche Gründer haben aufgrund dessen die Nase vorn.
 

Gründer schaffen Arbeitsplätze: 500.000 Vollzeitarbeitsplätze dank Neugründungen

Die meisten Gründungen im zurückliegenden Jahr sind mit gut 77% Neu-Gründungen. Nur wenige haben auf dem Weg der Übernahme oder der Beteiligung eine neue Existenz gegründet. Neue Arbeitsplätze schaffen allerdings so gut wie alle Personen, die sich selbständig machen. Sei es stundenweise, Teilzeitarbeitsplätze oder Vollzeitarbeitsplätze, unterm Strich ist die Zahl von 500.000 geschaffenen Arbeitsplätzen im Jahr 2016 eine Zahl, die sich sehen lassen kann. Die meisten Gründer entscheiden sich dazu, alleine oder mit wenigen Angestellten zu arbeiten. Nur 17 % streben an, ihr Unternehmen so groß wie möglich aufzuziehen und viele Arbeitsplätze zu schaffen. Klein- und Kleinstgründungen sind also in bester Gesellschaft und müssen sich keinesfalls verstecken, im Gegenteil: Sie sind der Hauptmotor der deutschen Unternehmerlandschaft!
 

Finanzierungswege von Neugründungen

40 % aller Gründer greifen auf eigene Ersparnisse zurück, um ihre Existenz auf den Weg zu bringen. Der große Rest nutzt externe Mittel in Form von Mikrofinanzierungen, klassischen Krediten oder professionellen Privatinvestoren. Auch Darlehen von Familienmitgliedern gehören zu den Finanzbausteinen deutscher Gründer.
 

Abbruchrate von Neugründern

Die Abbruchrate von Existenzgründern ist verhältnismäßig hoch. Innerhalb der ersten drei Geschäftsjahre geben 30 % aller Gründer wieder auf. Die Gründe für den Abbruch sind ganz unterschiedlich. Sie lauten:

  • Familiäre Belastung
  • erhöhter Stress
  • Krankheit
  • Ernüchterung über das geringe erzielte Einkommen
  • Gründer finden eine Anstellung

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Viele Gründer planen von vornherein, dass sie nur im Nebenerwerb arbeiten und ihre Tätigkeit später wieder aufgeben. Echte Insolvenzen hingegen sind kaum vertreten.

Übrigens: Der KfW Gründungsmonitor hat festgestellt, dass Gründer, die mehr als 25.000 € für ihre Gründung investieren, in der Regel die ersten drei Jahre überstehen. Das mag an der bestehenden finanziellen Verpflichtung liegen. Gründer, die ohne Kapitaleinsatz gestartet sind, brechen auch öfter ab, hier mag die Grundmotivation eine Rolle spielen. Wer viel Kapital investiert, plant langfristig. Viele die ohne Kapitaleinsatz starten, betrachten die Selbstständigkeit als vorübergehende Einnahmequelle.
 

Ausblick: Die Gründungstätigkeit steigt 2017

Die Experten der KfW prognostizieren eine ansteigende Gründungstätigkeit für das laufende Jahr 2017. Zwar wird es auf dem Arbeitsmarkt weiter attraktive Angebote geben, die viele in ein Anstellungsverhältnis bringen. Aber die ersten Erhebungen zeigen, dass bereits im ersten Halbjahr 2017 mehr Gründungen erfolgt sind, als im ersten Halbjahr 2016. Weitere Informationen zum Gründungsgeschehen in Deutschland liefert der ausführliche Bericht der Kfw.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2017 zwischen ... [ weiter... ]

Das könnte Sie auch interessieren

2017 - zentrale Rahmenbedingungen für Selbstständige

Zu Beginn des neuen (Geschäfts)jahres lohnt es sich, einen kompakten Blick auf die sich ändernden Rahmenbedingungen zu werfen....

2017
Warum 2017 ein gutes Jahr für Existenzgründungen werden kann

Zu Beginn des neuen (Geschäfts)jahres bietet es sich an, einen Blick auf die Rahmenbedingungen für 2017 zu werfen, um die Aussichten für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit einsch...

Schriftzug Papier just start
Start-up Report 2017: 95 % aller Gründer würden erneut gründen

Eine aktuelle Studie des Digitalverbandes Bitkom zeigt, dass die große Mehrzahl der Gründer ihre Entscheidung nicht bereut, auch wenn der Weg in die Selbstständigkeit mit viel Arbeit und ...

Welche Faktoren bremsen unternehmerisches Wachstum in Deutschland?

Aktuelle Untersuchungen zum ‚Index unternehmerischer Freiheit‘ zeigen, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort im Vergleich zu europäischen Nachbarn mögliches Wachstum ausbremst....

Tendenzen und Entwicklungen zur beruflichen Selbstständigkeit in Deutschland

Vor kurzem wurde an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich eher als ‚Gründerwüste‘ präsentiert....