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Bald höhere Steuern für Digitalunternehmen?

Frau ärgert sich über Steuern

Die aufstrebende und gesamtwirtschaftlich mittlerweile bedeutende Digitalwirtschaft steht im Fokus der Europäischen Kommission: So wurden im März dieses Jahres neue Vorschriften für die Besteuerung solcher Geschäftsaktivitäten vorgestellt. Hintergrund für diese Initiative seitens der EU ist, dass digitale Geschäftsmodelle aktuell nur einen halb so hohen Steuersatz entrichten als andere Unternehmen (durchschnittlich betrachtet). Die Notwendigkeit neuer Besteuerungsregeln in diesem Bereich wird auch damit begründet, dass mittlerweile fast die Hälfte der Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung digitaler Natur ist. Zum Vergleich: Vor 10 Jahren befand sich unter denen nach Marktkapitalisierung führenden 20 Unternehmen erst ein digitales.
 

Was strebt die EU in welcher Form an?

Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass digitale Unternehmen z.B. mit dem Verkauf von nutzergenerierten Daten teils hohe Gewinne erzielen, die aber nicht von den aktuell geltenden Steuerregelungen erfasst werden. Daher schlägt die Kommission vor, die aktuellen Vorschriften für die Körperschaftssteuer so anzupassen, dass die angesprochenen Gewinne höher besteuert werden können. Darüber hinaus haben sich gleich mehrere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für eine so genannte Zwischensteuer für zentrale digitale Tätigkeiten ausgesprochen.
 

Digitale Unternehmen und die Körperschaftssteuer

Der Knackpunkt mit Blick auf die Besteuerung von gewerblichen Tätigkeiten im digitalen Bereich liegt in der physischen Präsenz von Unternehmen. In diesem Kontext sind in den letzten Jahren auch immer wieder Diskussionen um so genannte Briefkastenfirmen aufgekommen. Durch eine Erneuerung der Gesetzeslage soll es künftig Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erlaubt sein, eine Besteuerung auch im Falle der fehlenden physischen Präsenz eines Unternehmens vornehmen zu können. Um das Digitale an einem Unternehmen zahlenmäßig bzw. definitorisch zu konkretisieren, hat die Europäische Kommission folgende Kriterien vorgeschlagen:

  1. In einem der Mitgliedsstaaten werden pro Jahr Erträge in einer Höhe über 7 Millionen Euro erzielt.
  2. Das Unternehmen weist einen digitalen Charakter auf, wenn es pro Steuerjahr mit mehr als 100.000 Nutzern interagiert.
  3. Ein Unternehmen erzielt im Geschäftsjahr mehr als 3.000 Verträge mit Blick auf digitale Dienstleistungen.

Geschaffen werden soll in dieser Hinsicht ein neues Steuersystem, das eine Verbindung zwischen dem Ort der Erzielung von Gewinnen und dem Ort der Besteuerung digitaler Gewinne herstellt.
 

Wie geht es weiter?

Bis eine umfassende Reform umgesetzt ist, wird es wohl noch dauern, zumal die gesamte Materie recht komplex ist. Um die Wartezeit zu überbrücken, ist eine Übergangssteuer im Gespräch. Damit sollen Gewinne besteuert werden, die vom aktuell geltenden Steuersystem überhaupt nicht erfasst werden. Im Mittelpunkt dieser Besteuerung dürfte der Verkauf von Nutzdaten und Werbeflächen im Internet stehen. Erhoben werden sollen die Steuereinnahmen in dem Land, in denen die Nutzer der entsprechenden Dienstleistung leben.
 

Fazit für Existenzgründer und innovative Start-ups im Digitalbereich

Gerade im Bereich digitaler Start-ups tut sich aktuell einiges. Viele neue Geschäftsideen kommen auf den Markt, wobei sich deren Nachhaltigkeit erst noch erweisen muss. Wer im relevanten Bereich gründet, sollte die Diskussion rund um die Besteuerung verfolgen, da sich daraus merkliche Konsequenzen für Gewinnsituation ergeben können. Tendenziell weisen digitale Start-ups eine geringe Kapitaldecke auf, sodass Änderungen im Bereich der Besteuerung in jedem Fall (zumindest langfristig gesehen) mit einer strategischen Maßnahme bewältigt werden sollten.

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