7 Hürden vor der Gründung und wie sie gemeistert werden können

Als Unternehmer durchstarten und mit den eigenen Ideen und Angeboten die Welt revolutionieren. Mit der eigenen unternehmerischen Tätigkeit ausreichend Umsatz generieren und für später ausgesorgt haben. Klingt eigentlich ganz einfach, oder? In der Praxis sehen sich Unternehmensgründer jedoch mit so einigen Hürden konfrontiert, welche die Gründung verzögern oder gleich von Anfang an zum Scheitern verurteilen. In Zeiten von Corona und der Wirtschaftskrise sind solche Vorhaben umso mehr zu überdenken und der richtige Zeitpunkt wichtiger denn je. Was die größten Hürden sind und wie sie gemeistert werden können, beantwortet der folgende Artikel.

1. Liquide Mittel – Geld für die Unternehmensgründung beschaffen

Der Ablauf bei der Unternehmensgründung ist eigentlich ganz einfach: eine Idee finden, den Businessplan ausarbeiten, sich um die Finanzierung kümmern und das Projekt starten. Entsprechende Fördermittel nutzen und das Unternehmen gründen. Zu den wesentlichen Hürden bei der Unternehmensgründung gehören vor allem die finanziellen Themen. Viele Gründer wissen gar nicht, wie sie die Finanzierung genau bewältigen sollen und welche Fördermittel ihnen zustehen könnten.

Smarte Gründer übernehmen Verantwortung und stellen sich der Herausforderung der Finanzierung. Dazu gehört es, zunächst ein Finanzkonzept zu erstellen und auf Basis dieser Zahlen zu prüfen, ob weitere liquide Mittel (beispielsweise durch Banken) erforderlich sind oder ob vielleicht eine Fördermöglichkeit durch den Bund/Länder besteht. Die KfW beispielsweise bietet verschiedene Förderprogramme für Gründer und unterstützt mit vergünstigten Darlehen.

Das Finanzierungskonzept steht, der Termin bei der Bank ebenso. Ein erstes Problem könnte hierbei durch die SCHUFA entstehen. Existenzgründer, die einen negativen Eintrag bei der Schutzgemeinschaft haben, müssen häufig auf günstige Darlehen verzichten. Oft wissen viele gar nichts von ihrer negativen Eintragung, sodass sich die Überprüfung der Daten bei der SCHUFA durchaus lohnen kann.

Gibt es beispielsweise falsche oder veraltete Einträge, welche längst gelöscht sein müssten, hat jeder Anspruch auf Löschung. Danach ist der Weg frei, um sich die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten bei der KfW zu sichern.
 

2. Das eigene Mindset – Wider den Zweifeln

Die Gedanken der Gründer sind Gold wert, können das ganze Vorhaben aber auch zum Scheitern bringen, bevor es überhaupt angefangen hat. Das Gründer-Mindset muss stimmen, da sonst eine weitere Hürde, die im eigenen Kopf als unliebsamer Begleiter werden kann. Sind die Gründer nicht von sich, ihren Fähigkeiten und dem Produkt/Dienstleistungen überzeugt, können sie nur schwerlich andere davon begeistern.

Deshalb ist es wichtig, vor der Unternehmensgründung den eigenen Kopf zu entrümpeln und in den Business-Mode umzuschalten. Schließlich geht es darum, den eigenen Traum zu leben und damit Geld zu verdienen.
 

3. Bürokratie – keine Angst vor Anträgen und Ämtergängen

Deutschland gilt gemeinhin als Land der Bürokratie. Für alles gibt es das passende Formular und eine Unternehmensgründung erfordert so manchen Ämtergang. Formulare ausfüllen, Wartemarken ziehen, Stunden in Büros von Behörden zu bringen. Wer ein Unternehmen gründen möchte, muss gut organisiert sein und einen Geduldsfaden aus Gold mitbringen. Abhängig von der Unternehmensform müssen Gründer beispielsweise beim Ordnungsamt, beim Finanzamt, beim Rechtsanwalt, beim Notar und bei der Handwerkskammer vorstellig werden.

Besteht Finanzierungsbedarf, kommt sogar der Gang zum Kreditinstitut hinzu und auch die Bestätigung des Businessplans (beispielsweise durch die Handwerkskammer vor Ort) ist mit einem weiteren Weg verbunden. Sind diese bürokratischen Hürden jedoch erst einmal genommen, dürfen sich die Gründer auf ihr Unternehmertum freuen und endlich loslegen. Um den bürokratischen Aufwand zuvor beschwingt zu überstehen, heißt es, immer das Ziel vor Augen haben und im besten Fall die erste Visitenkarte der eigenen Unternehmung in der Tasche haben, um bei größter Verzweiflung genau darauf zu blicken und zu wissen, warum sich lohnt, gerade jetzt hier stundenlang im Warteraum auszuharren.
 

4. Die Idee – reicht es für ein eigenes Unternehmen?

Eine weitere Hürde bei der Unternehmensgründung ist die eigene Idee. Zunächst ist jeder Unternehmer davon überzeugt, dass sein Produkt/seine Dienstleistung genau das ist, worauf der Markt gewartet hat. Damit sich die Idee tatsächlich monetarisieren lässt, kommt es aber auf deutlich mehr an. Wie ist die Konkurrenzsituation tatsächlich in diesem Bereich? Gibt es vielleicht sogar schon Anbieter auf dem Markt, die genau das mit großem Erfolg zur Verfügung stellen?

Um langfristig als Unternehmer Erfolge zu feiern, ist das eigene USP entscheidend. Hier hilft es, sich eine Checkliste zu machen, was genau das eigene USP und das USP des Produktes/der Dienstleistung ist. Diese Erkenntnisse sind auch für die weiteren Gründungsabläufe wichtig, denn darauf basiert glasklares Marketing. Nur, wer seine USPs optimal an Kunden kommunizieren kann, wird die richtigen Käufer anziehen.
 

5. Welche Ausstattung brauche ich wirklich?

Wie soll das eigene Unternehmen aufgebaut sein und welche Kanäle will ich nutzen? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, ein Unternehmen zu führen: offline, online oder beides gemischt. Abhängig von dieser Entscheidungsfrage ist natürlich auch die Ausstattung selbst. Gemeint ist jedoch nicht nur die Hard-, sondern vor allem die Software. Wer beispielsweise nicht in einem lokalen Geschäft verkaufen möchte, braucht eine Internetpräsenz und vielleicht sogar einen Onlineshop. Ihn zu erstellen ist mit den richtigen Tools gar nicht so schwer, allerdings warten auch hier auch einige Hürden: Registrierung der Domain, Erfüllung der rechtlichen Anforderungen (Stichwort Impressum oder Datenschutzgrundverordnung).

Soll die eigene Unternehmung ein Büro haben, braucht es auch hier die richtige Ausstattung. Neben PC, Telefon und Einrichtungsgegenständen sind vielleicht derzeit noch Mitarbeiter gefragt. Wer genau zu diesen Themen eine klare Positionierung vorweisen kann, hat es leichter, sein Budget zu kalkulieren und den möglichen zusätzlichen Finanzbedarf zu ermitteln.
 

6. Wie viel Unterstützung brauche ich?

Gründe ich allein oder brauche ich ein Team bzw. unterstützende Dienstleister? Viele Gründer entscheiden sich zu Beginn gegen weitere Mitarbeiter oder verzichten aus Kostengründen auf Dienstleister (beispielsweise Steuerservice). Einerseits ist dieser Denkansatz natürlich lobenswert und wirklich begründet, wenn es um Kostenersparnisse in der Anfangsphase geht.

Allerdings sollten Gründer immer im Auge behalten, worin ihre Stärken liegen und welche Schwächen sie haben. Wer beispielsweise mit Zahlen nichts anfangen kann, braucht für die eigene Steuererklärung womöglich um ein Vielfaches länger und verschwindet damit wertvolle Arbeitszeit, die er an Kunden verkaufen könnte. Gleiches gilt auch für mögliche Mitarbeiter.

Wer mit seinem Unternehmen Dienstleistungen anbietet, bei denen er eine hohe Präsenzzeit bekunden hat, sollte sich um organisatorische Unterstützung bemühen. Es ist kaum möglich, Termine zu organisieren, Reisen zu planen oder Rechnungen zu schreiben und trotzdem 100 % für seine Kunden zu geben. Wer am falschen Ende Sport, bezahlt dies womöglich schon am Beginn seiner Unternehmensgründung mit unzufriedenen Kunden, die nicht wiederkommen.
 

7. Die Marketing-Frage

Wie soll das eigene Unternehmen nach außen wirken? An dieser Frage scheitern viele Unternehmer, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben. Spielen spezifische Fragen, das Logo oder ein einprägsamer Slogan eine wichtige Rolle? Heutzutage ist es wichtiger denn je, im Gedächtnis zu bleiben. Es gibt mittlerweile unzählige Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen am Markt, sodass Auffallen um jeden Preis ein wichtiger Erfolgsbaustein im Wettbewerb ist. Wer selbst nicht kreativ genug ist und die Marketing-Skills besitzt, sollte sich für das Design des Logos und des Außenauftrittes unbedingt professionelle Hilfe holen. Die Kosten dafür lassen sich übrigens steuerlich geltend machen, sodass die Steuerlast reduziert wird.

Fazit

Bei der Unternehmensgründung gibt es also so einige Dinge, die es zu beachten gilt und die einen Gründer vor Herausforderungen stellt. Wer allerdings sein Ziel vor Augen hat und von seinem Produkt oder Dienstleistungen überzeugt ist, schafft gute Voraussetzungen, um bei der vielleicht anstrengend erscheinenden Phase einen langen Atem zu behalten. Wichtig ist, dass Unternehmer realistisch mit der Situation umgehen. Das bedeutet: Hilfe einholen, wenn die nötigen Skills dafür nicht vorhanden sind und einen Biss beweisen, wenn es mal wieder um das endlose Ausfüllen von Antragsformularen geht.

Autor: 
Mark Leissen

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