Kleinunternehmer: Mit diesen 3 Versicherungen die eigene Arbeitskraft absichern

Kleinunternehmer sitzt am PC

Kleinunternehmer tragen ein hohes wirtschaftliches Risiko. Sie sind in der Regel nicht nur für ihre eigene berufliche Existenz, sondern auch für eine kleine Anzahl an Mitarbeitern verantwortlich. So wird die eigene Arbeitskraft zum kostbaren Gut, das es zu schützen gilt. Im Geschäftsleben kann es immer wieder zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen, die vor allem Kleinunternehmer wirtschaftlich schnell an ihre Grenzen bringen können. Wer seine eigene Selbstständigkeit und seine Mitarbeiter von Anfang an gut absichern möchte, sollte auf einige grundlegende Versicherungen nicht verzichten. Mit diesem Basisschutz können Kleinunternehmer ihre Existenz gut aufstellen.
 

Die Krankenversicherung

Wer als Selbstständiger krankheitsbedingt nicht arbeiten kann, hat unter Umständen mit sofortigen Einkommenseinbußen zu rechnen. Die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers in den ersten sechs Wochen entfällt. Wer als Kleinunternehmer Mitarbeiter beschäftigt, muss außerdem auch im Krankheitsfall weiterhin für die Gehälter seiner Angestellten aufkommen.

Eine gute Krankenversicherung gehört deshalb zum absoluten Basisschutz für Selbstständige. Ihnen steht in der Regel der Weg in die private Krankenversicherung offen. Aus der gesetzlichen Versicherungspflicht für die Kranken- und Pflegeversicherung fallen ausschließlich selbstständig Tätige heraus. Viele private Versicherer bieten einen günstigen Basisschutz für Kleinunternehmer an, der je nach Lebenssituation und gewünschten Serviceleistungen angepasst werden kann. Im Rahmen einer privaten Krankenversicherung profitieren Kleinunternehmer häufig von attraktiven Zusatzleistungen, während die gesetzliche Krankenversicherung ausschließlich den vereinheitlichten Leistungskatalog umfasst.

Auch eine freiwillige Versicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse ist für Kleinunternehmer möglich. Der Beitrag, den die gesetzlichen Krankenkassen erheben, wird einkommensabhängig ermittelt. Ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung liegt für Selbstständige darin, dass sie Familienmitglieder, die nicht selbst über ein regelmäßiges Einkommen von mehr als 430 bis 450 Euro verfügen, bis zum 25. Lebensjahr kostenlos mitversichern können. Die Möglichkeit einer Familienversicherung besteht in einer privaten Krankenversicherung in der Regel nicht. Ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse ist für Selbstständige grundsätzlich nur bis zum 55. Lebensjahr möglich.

Wer im Nebenberuf als selbstständiger Kleinunternehmer tätig ist und gleichzeitig in einem Angestelltenverhältnis steht, ist unter bestimmten Umständen für die Selbstständigkeit von einer zusätzlichen Krankenversicherung befreit. Zwei grundsätzliche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit für das Nebengewerbe keine zusätzliche Krankenversicherung erforderlich ist:

  1. Die Tätigkeit im Rahmen des Kleingewerbes überschreitet durchschnittlich nicht eine wöchentliche Arbeitszeit von maximal 18 bis 20 Stunden.

  2. Das Einkommen, damit mit dem Kleingewerbe erzielt wird, überschreitet dauerhaft und durchschnittlich nicht das Gehalt, das aus dem Angestelltenverhältnis generiert wird.

Sind beide Voraussetzungen dauerhaft gegeben, so reicht die Absicherung aus der Krankenversicherung aus, die durch die Tätigkeit im Angestelltenverhältnis besteht. Ist eine von beiden Bedingungen oder sogar beide nicht erfüllt, muss der geänderte berufliche Status der Krankenversicherung umgehend mitgeteilt werden. Diese prüft im Einzelfall, ob der bestehende Versicherungsschutz aufrechterhalten werden kann, oder ob ein anderes Versicherungskonzept zu wählen ist.

Alle wichtigen Informationen rund um das Thema gesetzliche und private Krankenversicherung hat das Bundesgesundheitsministerium in einer umfangreichen Broschüre zum kostenlosen Download zusammengefasst.
 

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein weiterer Baustein, der die Absicherung der eigenen Arbeitskraft auf eine solide Basis stellt, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie leistet eine monatliche Rente zur wirtschaftlichen Absicherung, falls die versicherte Person langfristig nicht mehr in der Lage ist, ihre berufliche Tätigkeit auszuüben. Die Berufsunfähigkeitsversicherung setzt in der Regel da ein, wo der Leistungsrahmen der Krankenversicherung endet und schließt damit eine Lücke, die schnell zur existenziellen Bedrohung werden kann.

Das Risiko der Berufsunfähigkeit wird vor allem von jüngeren Unternehmern immer noch häufig unterschätzt. Wer gesund ist und seinem Beruf in vollem Umfang nachgehen kann, kann sich oft nur schwer vorstellen, dass sich diese Situation unter Umständen schnell verändern kann. Tatsächlich wird jeder Vierte im laufe seines Berufslebens berufsunfähig, wie der digitale Versicherungsmanager CLARK informiert. Die Fälle von Berufsunfähigkeit erstrecken sich dabei über alle Branchen, von handwerklichen Berufen, die aufgrund ihrer körperlichen Ausrichtung häufig ein erhöhtes Risiko bergen, bis hin zu reinen Bürotätigkeiten.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der psychisch bedingten Berufsunfähigkeiten auf rund 80 Prozent gestiegen, wie der AOK-Bundesverband aus übermittelten Zahlen der Krankenkassen entnehmen konnte. Besonders häufig tritt die Arbeitsunfähigkeit durch ein Burnout auf oder durch psychische Belastung im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift in der Regel, wenn eine berufliche Tätigkeit nach ärztlicher Diagnose voraussichtlich mindestens sechs Monate oder sogar dauerhaft nicht ausgeübt werden kann. Der Anspruch auf Leistungen entsteht nicht erst, wenn die Arbeitskraft vollumfänglich verloren gegangen ist. Auch ein Verlust der eigenen Arbeitskraft von 50 Prozent kann bereits dazu führen, dass eine entsprechend angepasst Berufsunfähigkeitsrente bezogen werden kann.

Die Höhe der Absicherung im Falle der Berufsunfähigkeit kann individuell bestimmt werden. Wirtschaftsexperten empfehlen allerdings, mindestens 70 bis 80 Prozent des Einkommens im Rahmen der zu erwartenden Berufsunfähigkeitsrente abzudecken. Eine Absicherung von bis zu 100 Prozent ist möglich.

 

Die Risikolebensversicherung

Mit einer Risikolebensversicherung können Kleinunternehmer sowohl ihre Angehörigen als auch ihre Mitarbeiter für den eigenen Todesfall absichern. Eine Risikolebensversicherung kann als Unternehmer für die Absicherung der wirtschaftlichen Existenz des Unternehmens abgeschlossen werden oder als Privatperson für die wirtschaftliche Absicherung der Hinterbliebenen.

Wer eine Risikolebensversicherung für Unternehmer abschließt, schafft damit eine Existenzabsicherung des Unternehmens für den Fall, dass er als zentrale Schlüsselfigur entfällt. Vor allem im Rahmen einer Neugründung lohnt sich eine unternehmerische Risikolebensversicherung häufig, insbesondere dann, wenn Darlehen oder andere Verbindlichkeiten zum Aufbau des Unternehmens in Anspruch genommen wurden.

Versichert wird der so genannte Keyman. Damit ist eine für das Unternehmen und sein Fortbestehen zentrale Person gemeint. In vielen Fällen ist der Gründer eines Kleinunternehmens als Keyman versichert. Es ist aber auch möglich, eine Person mit einzigartigem Know-How zu versichern. Dies geschieht häufig in Kleinunternehmen, die einen stark technologisch ausgerichteten Schwerpunkt haben und über wenige Mitarbeiter mit einzigartigen Kernkompetenzen verfügen. Die Risikolebensversicherung wird in diesem Zusammenhang beim Versicherer häufig als Keyman-Police oder als Schlüsselkraftversicherung geführt.

Wenn zwei oder mehrere Personen ihre wirtschaftlichen Kapazitäten bündeln, um ein Unternehmen zu gründen, kann es sinnvoll sein, die einzelnen Geschäftspartner mit einer Risikolebensversicherung abzusichern. Je nach Konstellation bieten Versicherungen unterschiedliche Konzepte im Rahmen einer Überkreuzversicherung an.

Auch für den privaten Bereich kann eine Risikolebensversicherung für Kleinunternehmer wertvoll sein. Das gilt insbesondere, wenn eine einzelne Person der Hauptverdiener oder sogar der Alleinverdiener in der Familie ist. Ist die wirtschaftliche Existenz teilweise oder sogar vollumfänglich an eine einzelne Person gebunden, ist eine Risikolebensversicherung oft ratsam. Vor allem größere finanzielle Verbindlichkeiten, wie zum Beispiel ein Darlehen für eine Immobilie, sollten auf diese Weise für den Todesfall des Hauptverdieners abgesichert werden.

Wichtig: Eine Risikolebensversicherung für Unternehmer kann den Todesfallschutz im privaten Bereich nicht ersetzen. Besteht lediglich eine unternehmerische Risikolebensversicherung, erhält das Unternehmen im Todesfall der versicherten Person die vereinbarte Versicherungssumme zur Deckung wichtiger Kosten. Die Angehörigen des Verstorbenen sind bei solchen Policen in der Regel nicht bezugsberechtigt und erhalten deshalb auch keine Zahlung von der Versicherung. Wer sowohl seine berufliche als auch seine private Existenz bestmöglich absichern möchte, sollte deshalb zwei separate Risikolebensversicherungen abschließen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?