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Kredite für Selbständige - oftmals für private Finanzierungsanliegen

Arbeite selbst und ständig – es dürfte in Deutschland nur wenige Selbständige geben, die diesen Ausspruch nicht kennen. Prinzipiell illustriert er relativ eindrucksvoll, welche enorme Verantwortung auf alle wartet, die sich für eine selbständige Erwerbstätigkeit entscheiden. Laut IfM Bonn gingen 2012 mehr als vier Millionen Bundesbürger einer solchen Tätigkeit zur Erzielung eines Erwerbseinkommens nach. Selbständigen eilt der Ruf voraus, immer auf Arbeit und erreichbar zu sein.

Aber: Auch als Selbständiger braucht man mal eine Pause. Der Feierabend ist eine Sache. Selbständige sind aber oft auch Eltern oder planen den Umzug ins Eigenheim. Und man braucht hin und wieder ein neues Auto oder rangiert die alte Küchenzeile aus. Alles Situationen, in denen auch Selbständige finanziell an die Grenzen der Machbarkeit geraten. Letztlich bleibt auch diesem Personenkreis nur eine Option – die Aufnahme eines Darlehens. Leider zeigen die Erfahrungen, dass – anders als Arbeitnehmer – Selbständige bei Banken mit ihrem Kreditwunsch keine offenen Türen einrennen. Im Gegenteil: Sind kleinere Konsumfinanzierung häufig machbar, sieht die Darstellbarkeit größerer Finanzierungsgeschäfte anders aus.
 

Warum erhalten Selbständige schwieriger Kredite?

Selbständige tragen durch ihre tägliche Arbeit und das Bestreben, ein gegründetes Unternehmen wachsen zu lassen, wesentlich zur Konjunktur in Deutschland bei. Schließlich sind es Selbständige, die als Arbeitgeber für Beschäftigung sorgen. Diesem Anteil am Gesamtwohlstand stehen deutliche Einschränkungen hinsichtlich der sozialen Absicherung gegenüber. Und auch in Bezug auf Kredite und Darlehen stehen Selbständige oft schlechter als Beschäftigte da. Wie lässt sich diese Situation erklären?

Wer in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, kommt in den Genuss eines relativ eng geknüpften sozialen Netzes aus:

  • Unfallschutz
  • Kündigungsschutz
  • Lohnfortzahlung
  • Arbeitslosenabsicherung

Aspekte, die im Zusammenhang mit einer selbständigen bzw. freiberuflichen Tätigkeit nicht greifen. Wer zu dieser Personengruppe gehört, ist einer gewissen wirtschaftlichen Unsicherheit ausgesetzt. Diese nimmt besonders dann zu, wenn die Unternehmensgröße schrumpft oder ein überschaubarer Kundenkreis bedient werden kann. Genau diese Unsicherheitsfaktoren führen in der Folge auch zu einer deutlich schlechteren Kreditwürdigkeit. Fallen Kunden weg, sinkt das Einkommen der Selbständigen – und damit die Kapitaldienstfähigkeit. Dennoch: Eine selbständige Tätigkeit ist nicht per se ein Ablehnungsgrund. Unter bestimmten Voraussetzungen reichen Banken Kapital aus. Hierfür müssen Betroffene in aller Regel aber Nachweise, wie:

  • Geschäftsabschlüsse
  • Einkommenssteuerbescheide
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen o. Ä.den Banken vorlegen.

Hinweis: Besonders schwer haben es Gründer bei der Kreditvergabe. Allgemein ziehen Banken bei drei Jahren Selbständigkeit eine Grenze. Bis hierhin ist es oft nicht ganz einfach, entsprechende Mittel in Anspruch zu nehmen.
 

Was verbirgt sich hinter Krediten für Selbständige?

In den letzten Jahren tauchen immer wieder Angebote unter dem Credo Kredit für Selbständige auf. Dabei handelt es sich in der Regel um einen ganz klassischen Ratenkredit. Dieser wird seitens der Banken für private Konsumfinanzierungen ausgereicht – etwa wenn es um:

  • das neue Auto
  • Unterhaltungselektronik oder
  • Mobiliar

geht. Die Bezeichnung stellt lediglich die Zielgruppe in den Mittelpunkt. Einfach die Konditionen der Ratendarlehen für Angestellte auf Selbständige zu übertragen ist allerdings ein Fehler. Leider zeigt sich in der Praxis sehr häufig, dass die Banken den Kreditnehmer die Zeche für möglicherweise schwankende Betriebseinnahmen zahlen lassen.

Selbständige müssen im Alltag leider mit schlechteren Konditionen als Beschäftigte rechnen. Zum Ausdruck kommt dieser Umstand allgemein durch einen höheren Kreditzins. Banken können auf der anderen Seite den Kreditantrag komplett ablehnen – eben weil ihnen das Risiko eines Zahlungsausfalls zu hoch ist. Wiederum andere Institute sind in der Vergangenheit dazu übergegangen, die Kreditvergabe an gewisse Rahmenbedingungen zu knüpfen – wie eine Tätigkeit in bestimmten Branchen (Steuerberater, Notare usw.).

Hinweis: Die Finanzierung privater Anschaffungen ist an dieser Stelle strikt von jenen Darlehen zu trennen, welche für eine Betriebsmittelfinanzierung zur Verfügung gestellt werden. Banken können sogar so weit gehen, dass hier eine gewisse Zweckbindung stattfindet.
 

Was sollten Selbständige vorher beachten?

Aus Sicht der Selbständigen kann die Vergabepraxis mancher Bank nur als restriktiv bezeichnet werden. Ganz unmöglich ist die Kreditaufnahme trotzdem nicht. Wer als Selbständiger nach einem Darlehen sucht, muss natürlich gewisse Punkte beachten. Der Abstand bei den Konditionen sollte zum Kredit für Beschäftigte nicht zu groß werden.

Parallel spielt an dieser Stelle natürlich auch eine Rolle, wie neugierig die Bank ist – sprich welche Unterlagen in die Bonitätsprüfung eingebunden werden. Abseits dieser Rahmenbedingungen muss sich jeder Selbständige natürlich auch im Klaren darüber sein, welche Verpflichtung er mit einer Finanzierung eingeht. Beträge von weniger als 5.000 Euro sind häufig unproblematisch. Kredite in einer Größenordnung von fünfstelligen Eurosummen stellen eine ganz andere Größenordnung dar. Der Zahlungsdienst muss so kalkuliert werden, dass er keine existenzielle Bedrohung darstellt.

Tipp: Erlauben Banken Sondertilgungen, sollte diese Option – gerade wenn umfassendere Mittel zur Verfügung stehen – unbedingt genutzt werden. So lassen sich nicht nur Zinskosten reduzieren, es sinkt auch die Gefahr einer finanziellen Schieflage durch den Kredit. Diese Form der Sonderkondition steht allerdings nicht bei allen Kreditvarianten und Darlehenshöhen pauschal zur Verfügung.
 

Fazit: Selbständige gelten nicht als die besten Kreditnehmer

Endlich der eigene Chef sein – mancher Angestellte träumt davon. Und ist überrascht, welche Schattenseite das Ganze hat. Die Selbständigkeit ist auch mit guter Geschäftsidee keine Garantie für permanenten Erfolg. Außerdem gelten Selbständige bei Banken nicht als die besten Kreditnehmer. Im Gegenteil: Die finanzielle Unsicherheit macht es mitunter schwer, ein Darlehen in Anspruch zu nehmen. Die Praxis zeigt, dass dieses Unterfangen durchaus darstellbar ist. Allerdings gilt dies nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Gerade Gründer, die seit weniger als 36 Monaten selbständig sind, haben es oft schwer. Aber auch wenn Banken Geld an Selbständige verleihen – hinschauen und nachrechnen zahlt sich aus. Leider bekommen Selbständige nicht unbedingt die besten Konditionen. Auf eines sollte man aber immer achten: Optionen, welche die schnelle und flexible Rückzahlung des Darlehens erlauben, um so die Kosten niedrig zu halten.

Titelbild: © fill (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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