Selbstständig machen mit wenig Kapital: Lean Startup Methode

Lupe auf Text Lean Startup

Beim Weg in die Selbstständigkeit spielt das liebe Geld eine wesentliche Rolle: Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass viele Existenzgründungen vor allem an unzureichenden finanziellen Mitteln (zu wenig Eigenkapital) und einem nicht realistischen Businessplan scheitern. Daher beschäftigt viele angehende Selbstständige die Frage, ob eine Existenzgründung mit wenig Kapital möglich ist? In diesem Beitrag soll mit der Lean Startup Methode eine neue Art der Unternehmensführung vorgestellt werden, um minimal funktionsfähige Produkte schnell und insbesondere sehr kosteneffizient auf den Markt zu bringen.
 

Praxisorientierte Hilfestellungen rund um die Existenzgründung

Hier auf selbststaendig.de finden sich viele Geschäftsideen, die in kompakter Form Inspirationen für eine anvisierte Existenzgründung verleihen. Die Hilfestellungen in puncto Zuschüsse und Förderungen (https://www.selbststaendig.de/zuschuesse-foerderungen) zeigen, welche finanziellen Optionen für eine möglichst tragfähige Startbasis genutzt werden können. Mit der hier vorgestellten Methode haben Existenzgründer die Chance, bestimmte betriebswirtschaftliche Konzepte mit hoher Kostenintensität hinter sich zu lassen. Wer sagt das, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung lange Zeit getestet und optimiert werden muss, bevor sie auf den Markt kommt?
 

Existenzgründung mit wenig Eigenkapital: selbstständig machen mit der Lean Startup Methode

  • Wie viel (Eigen)kapital ist für eine Existenzgründung nötig?

  • Was verbirgt sich hinter der Lean Startup Methode?

  • minimal funktionsfähiges Produkt als Einstieg

  • Feedbackschleife: direkt von Kunden lernen!

  • Praxisbeispiele für eine gelungene Anwendung der Theorie

  • Fazit: Für wen kommt ein Lean Startup in Frage?

     

Wie viel (Eigen)kapital brauche ich, um mich selbstständig zu machen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da der Kapitalbedarf sehr stark vom Umfeld und den benötigten Ressourcen abhängt. Gerade im Bereich der technischen Produktentwicklung sind hohe anfängliche Investitionskosten nicht unüblich. Experten raten daher, dass Gründer eine niedrige bis mittlere fünfstellige Summe an Eigenkapital mit einbringen sollten. Letztlich hängt der Faktor Kapital auch von der zugrunde gelegten Rechtsform ab. Im Falle der Gründung einer GmbH sind beispielsweise mindestens 25.000 Euro zu Beginn einzubringen. Wer schlank und kosteneffizient gründen will, braucht also eine andere Rechtform (z.B. eine Limited oder eine UG).
 

In innovativen Kontexten alte Modelle hinter sich lassen

Worum geht es bei der Lean Startup Methode, also der ‚schlanken‘ Unternehmensgründung? Diese noch sehr junge Methode verfolgt das Ziel, ein Produkt sehr schnell und mit wenig finanziellen Mitteln am Markt zu testen. Insofern ist dieser Ansatz ideal für alle, die sich mit wenig Kapital selbstständig machen wollen oder müssen. Das gesamte Geschäftsmodell ist sehr agil und anpassungsfähig, denn sofort nach der schnellstmöglichen Markteinführung geht es darum, von Kunden zu lernen und das Produkt bzw. die Dienstleistung in die richtige Richtung weiter zu entwickeln. Verbesserungen werden bei diesem Modell durch so genanntes validiertes Lernen herbeigeführt, wobei dies durch direkte Interaktion mit den eigenen Kunden passiert. Traditionelle Konzepte aus der Betriebswirtschaft sehen dagegen vor, ein Produkt erst ausgiebig zu entwickeln und dann vermeintlich marktreif zum Verkauf anzubieten. Dieser traditionelle Weg ist allerdings sehr kostenintensiv, denn die Entwicklungsphase verschlingt viel Geld noch lange bevor die ersten Einnahmen erzielt werden. Und dabei ist auch gar nicht klar, ob das Produkt am Markt tatsächlich erfolgreich sein wird. Wer mit wenig Kapital nach dem Vorbild der Lean Startup Methode gründet, kann erst kostengünstig herausfinden, ob ein Produkt am Markt funktioniert. Falls das Produkt in einer einfachen Ausführung bereits auf Resonanz stößt, lässt sich mit gezielten Verbesserungen eine tragfähige Geschäftsbasis aufbauen.
 

Eric Ries: der Kopf hinter der Lean Startup Bewegung

Diese Methode der Unternehmensführung geht auf Eric Ries zurück. Er entwickelte schlanke und agile Unternehmensprozesse, um im hochinnovativen und sehr wettbewerbsintensiven Silicon Valley bestehen zu können. Das im Jahr 2011 veröffentlichte Buch ‚The Lean Startup Methode‘ schildert alle Grundlagen, um ein Produkt schnell und ohne großen finanziellen Aufwand auf den Markt zu bringen. Ries schildert in seinem Bestseller, wie ein Produkt direkt vom Markt her verbessert werden kann und wie ein Unternehmen auf andere Nachfragesituationen reagieren kann. War die Idee vor gut 10 Jahren nur auf das Silicon Valley beschränkt, so findet diese neue betriebswirtschaftliche Theorie heute weltweit und branchenübergreifend Anwendung. Mittlerweile genießt diese noch junge Theorie ein beachtliches Ansehen, sodass selbst Global Player wie Coca-Cola darauf setzen. Dies zeigt letztlich nur, dass zahlreiche Erfolge die Potenziale dieser Theorie bestätigen.
 

Lean Startup: Selbstständig machen mit wenig Geld und Methode

Die wesentlichen Merkmale, an die sich Gründer mit dieser Methode halten sollten, sind schnell zusammengefasst: Wer mit der Lean Startup Methode durchstartet, sollte sein Produkt so schnell wie möglich zugänglich machen. Danach muss es darum gehen, Kundenfeedback zu sammeln und aus diesen Erfahrungswerten (und mit ersten Einnahmen!) das Produkt bzw. eine Dienstleistung ganz gezielt vom Markt her weiterzuentwickeln. Zu Beginn braucht es nicht viel Geld, da das anfängliche Produkt sehr einfach sein kann. Denkbar ist z.B. eine Landingpage, auf der ein innovativer Service vorgestellt wird. Für die Bereitstellung einer solchen Landingpage brauchen Existenzgründer weder Unsummen noch eine lange Vorlaufzeit. Im Mittelpunkt der Lean Startup Methode steht die so genannte Built-Measure-Learn Feedback Schleife. Es handelt sich um eine Form des iterativen Lernens direkt vom Kunden: Welche Features erwarten Kunden? Was muss sich bei Design und Preis ändern? Es handelt sich um eine sehr schlanke und damit wenig kostenintensive Wertschöpfungskette. Wer in dieser Form eine Existenzgründung mit wenig Kapital vorantreibt, trägt kein großes Kostenrisiko: Es werden keine großen Bestände auf Vorrat produziert. Vielmehr zeigt der Markt, in welche Richtung die Entwicklungsreise zu gehen hat. Und im innovativen digitalen Geschäftsumfeld sind die notwendigen Kosten noch weitaus geringer als im Zuge der technischen Produktentwicklung. Die angesprochene Feedback Schleife wird mehrmals wiederholt, sodass das Produkt stetig verbessert und angepasst werden kann. Natürlich kann sich zu einem gewissen Zeitpunkt auch der Ansatzpunkt ergeben, dass es Zeit für ein neues Produkt ist. Zu diesem Zeitpunkt wurden im Idealfall allerdings bereits nennenswerte Einnahmen erzielt, sodass das Thema ‚selbstständig machen mit wenig Kapital‘ bereits als abgeschlossen zu betrachten ist.
 

Im Mittelpunkt steht das minimal funktionsfähige Produkt

Das, was im Rahmen einer Existenzgründung mit wenig Eigenkapital auf den Markt gebracht wird, bezeichnet Eric Ries in seiner Theorie als minimal funktionsfähiges Produkt. Das muss der Kern der anfänglichen Geschäftsidee sein! Es versteht sich von selbst, dass ein solches einfaches Anfangsprodukt schon einen Kundennutzen haben muss. Ansonsten wird sich niemand dafür interessieren. Hier zeigt sich aber der Vorteil der Lean Startup Methode: Scheitert eine Produktidee, so scheitert sie sehr schnell in der Frühphase. Das finanzielle Risiko hält sich in sehr überschaubaren Grenzen.

Wer sich mit wenig Eigenkapital selbstständig machen will, muss sich zu Beginn auf die Suche nach einem minimal funktionsfähigen Produkt machen. Das kann ein Gerät für die Lösung von Alltagsproblemen sein oder aber eine Landingpage, die einen interessanten Service beinhaltet. Steht das Produkt mit seiner minimalen Funktionsfähigkeit, so wird es getestet. Von Kunden gewonnenes Feedback wird sehr schnell offenbaren, ob die eigenen Hypothesen stimmen oder es aber in eine ganz andere Richtung gehen muss. Die Einführung eines minimal funktionsfähigen Produktes ist die ideale Lösung für eine Existenzgründung mit wenig Kapital. Warum ein Produkt mit vielen Funktionen und kostenintensiver Entwicklungsarbeit aufblähen, wenn diese Arbeit direkt am Markt durch Auswertung von Kundenfeedback erledigt werden kann? Ein minimal funktionsfähiges Produkt als Kern der Lean Startup Methode schützt Existenzgründer vor hohen Kosten bzw. davor, sich blind in eine vermeintlich kongeniale Geschäftsidee zu verrennen. Da es sich nur um einen Prototypen handelt, dessen Markttauglichkeit zu bewerten ist, sind die anfänglichen Hürden und Vorlaufzeiten sehr gering. Zudem schützt die Lean Startup Methode von Beginn an konsequent davor, ein Produkt an Kunden vorbei zu entwickeln.
 

Pivot: ein neuer Inbegriff für strategische Flexibilität

Natürlich kann es passieren, dass sich ein angedachter Prototyp in seiner ersten Form als Flop erweist. Dabei spielen nicht nur die Kundenbedürfnisse und -wünsche eine Rolle, sondern auch Lösungen der Konkurrenz, die eine ernsthafte Bedrohung sein können. Insofern verlangt diese Methode ein hohes Maß an strategischer Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Zeigt das Kundenfeedback, dass das Produkt nicht gut ankommt, muss die Idee verworfen und somit ggf. ein radikaler Kurswechsel gefahren werden. Das wird im Zusammenhang mit der Lean Startup Methode auch als Pivot bzw. Pivoting bezeichnet. Ein solcher Kurswechsel ist nicht als Schwäche, sondern eher als intelligente Anpassung an Entwicklungen zu sehen. Twitter ist für sehr erfolgreiches Paradebeispiel für Pivoting: Unter dem ursprünglichen Namen Odeo wurde dieser Dienst eigentlich für Podcasts gedacht. Zur fast gleichen Zeit kündigte iTunes an, sich ebenfalls auf Podcasts fokussieren zu wollen. Sofort zog man bei Odeo die Konsequenzen, da man die direkte Konkurrenz meiden wollte. Nach kurzer Zeit war der heute weltweit sehr erfolgreiche Kurznachrichtendienst Twitter geboren. Vom ursprünglichen Geschäftskonzept inklusive Namen war also kurze Zeit später nichts mehr übrig.
 

Praxisbeispiel gefällig?

Wer sich selbstständig mit wenig Kapital machen und die Lean Startup Methode noch konkreter fassen möchte, findet nach kurzer Recherche zahlreiche sehr erfolgreiche und vor allem auch bekannte Beispiele. Dies verdeutlicht letztlich, dass viel geschäftliches Potenzial in dieser Idee steckt, wenn sie mit ihren hier skizzierten Zügen konsequent umgesetzt wird. Ein sehr gutes Beispiel für ein Lean Startup ist Dropbox, der heute weltweit erfolgreichste Dienst für das Filesharing (besonders für große Datenmengen). Die Idee für diesen Service wurde – wie bei vielen genialen Gründern – aus einer Alltagssituation heraus geboren. 2007 vergas Gründer Drew Houston seinen USB Stick. Die benötigten Daten waren nirgendwo anders gespeichert und niemand konnte sie ihm kurzfristig schicken. So kam er auf den Gedanken, mit Dropbox eine neue Funktion im Lebensalltag nutzbar zu machen. Zu Beginn bestand Dropbox nur aus einem Video, in dem die Geschäftsidee vorgestellt wurde. In kurzer Zeit gelang es dem Gründer, viel Kapital zu sammeln. Die Entwicklung von Dropbox wurde mit Kundenfeedback stetig in die vom Markt her vorgegebene Richtung weiterentwickelt. Heute werden bei diesem Dienst jeden Tag weltweit mehr als 300 Millionen Daten gespeichert. Das Unternehmen hat einen Wert von etwa 10 Milliarden Dollar erreicht. Zur Erinnerung: Zu Beginn bestand Dropbox nur aus einem simplen Erklärvideo als minimal funktionsfähigem Produkt, das nicht im Entferntesten etwas mit dem heute nutzbaren Funktionsumfang zu tun hatte. Insofern wird deutlich, dass mit einer guten Geschäftsidee für ein minimal funktionsfähiges Produkt eine Existenzgründung mit wenig Kapital erfolgreich vorangetrieben werden kann.
 

Fazit: eine prüfenswerter Ansatz für Macher ohne große Risiken!

Mit der hier vorgestellten Methode kann eine Existenzgründung auch mit wenig Kapital gelingen. Neben dem Vorteil, wenig Geld zu brauchen und schnell am Markt handlungsfähig zu sein, schützt dieser Ansatz Gründer davor, teuer und lange am Kunden vorbei zu entwickeln. Es gilt, mit Kunden zu interagieren und durch wertvolles Feedback das anfänglich einfache Produkt sehr kosteneffizient in eine vielversprechende Richtung zu entwickeln. Höhere Summen werden erst dann investiert, wenn sich ein klares Marktpotenzial abzeichnet. Und bis dahin konnten schon die ersten Einnahmen generiert und Finanzierungen sichergestellt werden. Denn wer nach der Lean Startup Methode gründet, wird auch bei der Unternehmensfinanzierung neue Wege gehen wollen und müssen. Schlank und kosteneffizient gründen heißt auch, den traditionellen Bankkredit hinter sich zu lassen und mit Crowdfunding oder Crowdinvesting neue Handlungsspielräume zu nutzen. Vom Gründertypus her passt die Lean Startup Methode zu allen, die gerne schnell anpacken, testen und verbessern, anstatt lange in Ungewissheit fernab von der Zielgruppe zu entwickeln.

Selbstständig machen mit wenig (Eigen)kapital? Mit der Lean Startup Methode kann es funktionieren!

  • Mit der Lean Startup Methode lassen sich Produkte mit schlanken Strukturen schnell auf den Markt bringen und dort testen

  • Die Basis für eine solche Existenzgründung mit wenig Kapital muss ein minimal funktionsfähiges Produkt sein, das trotz Einfachheit einen gewissen innovativen Mehrwert bietet

  • Feedbackschleifen mit Kunden helfen dabei, das Produkt in die richtige Richtung zu entwickeln

  • Erweisen sich vorherige Annahmen als falsch bzw. kommt das Produkt am Markt nicht an, so kann in einem Pivot (= strategischer Kurswechsel) die Chance für einen neuen Aufbruch liegen

  • Es lassen sich zahlreiche Beispiele dafür finden, wie sich aus einem minimal funktionsfähigen Produkt weltweit sehr erfolgreiche Unternehmen entwickelt haben

  • Die Lean Startup Methode schützt Gründer davor, sich in Ideen zu verrennen und viel Geld unnötig zu verbrennen.

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