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Die öffentliche Bürgschaft als Förderinstrument

Bürgschaften

Das Bankerdeutsch ist für viele ein Buch mit Sieben Siegeln – und wenn Kreditsachbearbeiter von kapitalersetzenden Darlehen, Haftungsfreistellungen und Bürgschaften sprechen, dann fällt es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Falls Sie sich angesprochen oder gar ertappt fühlen, sind Sie in bester Gesellschaft. Handwerker, Einzelhändler, Cafébetreiber oder Boutique-Besitzerinnen sind schließlich keine versierten Banker, sondern Unternehmer. Sie verstehen Ihr Handwerk und sind fit, was ihre Branche angeht. Aber mit dem alltäglichen Bankenjargon haben sie nichts zu schaffen.

Das ist nicht schlimm, denn schließlich muss nicht jeder alles wissen, er muss nur wissen, wo es steht – und es sich am besten kurz vor dem nächsten Kreditgespräch aneignen. Der vorliegende Beitrag erklärt ganz genau, wozu eine Bürgschaft eigentlich gut ist und welche Vorteile sie mitbringt.
 

Bankübliche Sicherheiten

Fragt ein Unternehmer bei der Bank nach einem Kredit, dann verlangt diese die Auflistung der Sicherheiten. Eine bankübliche Sicherheit ist ein Vermögensgegenstand, der zu Geld gemacht werden kann, falls der Kredit nicht zurückbezahlt wird. Eine typische bankübliche Sicherheit ist zum Beispiel eine Immobilie, ein Sparguthaben, eine Lebensversicherung oder Wertpapiere. Selbst Kunstgegenstände, Schmuck oder ein Oldtimer akzeptiert so manche Bank zur Absicherung eines Kredits.
 

Private Bürgschaft knüpft an Privatperson an

Hat der Unternehmer keine oder zu wenige Sicherheiten, braucht er einen Ersatz. Dieser Ersatz kann eine solche Bürgschaft sein. Eine Bürgschaft ist entweder privat oder öffentlich. Hat der Unternehmer keine Sicherheiten, aber zum Beispiel der Bruder oder Geschäftspartner, können diese für ihn bürgen. Das bedeutet, dass sie die Kreditrückzahlung übernehmen, falls der Unternehmer selbst ausfällt. Selbstverständlich können Bürgen nur in Höhe der verbürgten Summe haftbar gemacht werden. Die Sicherheiten der Bürgen werden von der Bank genauso umfassend geprüft, wie die Sicherheiten des Kreditnehmers.

Im Rechtsverhältnis zwischen Darlehensnehmer, Bürgern und Bank wird vereinbart, dass die Bank bei Zahlungsausfall auf direktem Weg auf den Bürgen zugreift. Diese Konstellation heißt im Bankendeutsch auch selbstschuldnerische Bürgschaft. Doch Vorsicht: Der Kreditnehmer steht gegenüber dem Bürgen in der Pflicht, wenn dieser tatsächlich Zahlungen übernimmt. Diese Beträge muss er dem Bürgen zurückbezahlen.

Gerade dann, wenn Freunde, Verwandte oder Bekannte eine Bürgschaft übernehmen, sollte ein Vertrag für Rechtssicherheit auf beiden Seiten sorgen!
 

Öffentliche Bürgschaft knüpft an öffentliche Hand an

Stehen keine privaten Bürgen zur Absicherung eines Kredits zur Verfügung, zum Beispiel, weil die Summe der geforderten Sicherheiten zu hoch ist, kommt die öffentliche Bürgschaft ins Spiel. Das Prinzip der öffentlichen Bürgschaft ist so, wie bei der privaten Bürgschaft. Statt einer Privatperson tritt jetzt aber die öffentliche Bürgschaftsbank als Bürge ein.

Eine öffentliche Bürgschaft heißt nicht selbstschuldnerische Bürgschaft, sondern Ausfallbürgschaft, wenn es um Darlehen bis zu 1 Mio. € geht. Sollen höhere Beträge bis zu 10 Mio. € abgesichert werden, dann gibt es andere Förderprogramme, die ebenfalls in Form von öffentlichen Bürgschaften von Bund und Ländern ausgereicht werden.

Haben Unternehmer eine Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank in der Hand, akzeptieren Banken diese als vollwertige Sicherheit.
 

Die Besicherungsquote zeigt, wie hoch die öffentliche Bürgschaft ist

Eine Ausfallbürgschaft hat eine sogenannte Besicherungsquote. Diese liegt bei Ausfallbürgschaften für Darlehen bis 1 Mio. € bei maximal 80 %. In der Praxis heißt das, dass eine Bürgschaftsbank bis zu 80 % der geforderten Sicherheiten absichert. Den verbleibenden Rest muss die Hausbank selber übernehmen.

Auch bei der Ausfallbürgschaft ist der Unternehmer keinesfalls aus der Haftung. Er haftet gegenüber seiner Hausbank und der Bürgschaftsbank in Höhe der vereinbarten Summen.
 

Weitere Vorteile einer öffentlichen Bürgschaft

Eine öffentliche Bürgschaft entlastet den Unternehmer zum größten Teil von den geforderten Sicherheiten. Bei der „kleinen“ Variante ist die Quote immerhin 80%, so dass der Unternehmer nur noch 20 % nachweisen muss, falls die Bank es explizit von ihm fordert. Eine 100%ige Absicherung ist allerdings nicht üblich, so dass durchaus zu erwarten ist, dass der angefragte Kredit bewilligt wird, wenn die Bürgschaftsbank mitspielt.
 

Und so kommen Unternehmer an die öffentliche Bürgschaft

Zwei Wege führen einen Unternehmer zum Fördermittel der öffentlichen Bürgschaft. Der erste Weg führt direkt zur zuständigen Bürgschaftsbank. Die Kontaktdaten entnehmen Sie bitte dieser Aufstellung der Landesbanken in Deutschland. Da zunächst keine lokale Hausbank eingeschaltet wird, heißt diese Variante „Bürgschaft ohne Bank“ (BOB).

Die Bürgschaftsbank fordert zur Prüfung den Businessplan an und prüft diesen auf Tragfähigkeit. Danach geht es ganz schnell: Überzeugt das Konzept die Bürgschaftsbank, macht sie eine Zusage. Mit dieser Zusage gehen Unternehmer ins eigentliche Kreditgespräch zur Hausbank und präsentieren die Bürgschaft. Das ist allerdings noch kein Garant dafür, dass die Hausbank einen Kredit bewilligt. Auch sie prüft das Finanzkonzept ausführlich und entscheidet unabhängig von der Bürgschaftsbank, ob sie das Projekt finanziert oder nicht. Entscheidet sie sich dagegen, verpufft die Wirkung der öffentlichen Bürgschaft und die Kosten waren vergebens.

In der zweiten Variante stellen Unternehmer gemeinsam mit der begleitenden Hausbank den Antrag auf eine öffentliche Bürgschaft. Das geht nur dann, wenn die Hausbank von der Tragfähigkeit des Vorhabens überzeugt ist. Lehnt sie das Konzept allerdings grundlegend ab, kommt das öffentliche Förderprogramm der Bürgschaft nicht zum Zuge.
 

Lieber direkt mit der Bank gemeinsam aktiv werden

Den zweiten Weg ziehen die meisten Banker und Kreditnehmer vor, weil sie dann von Anfang partnerschaftlich in einem Boot sitzen. Außerdem sparen Unternehmer die Kosten, die sie der Alleingang bei der Variante BOB kostet. Sie geben tatsächlich nur dann Geld für die Bürgschaft aus, wenn die Hausbank der Finanzierung grundsätzlich begleitet und den Kredit bewilligt.

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