Stolpersteine und Erfolgsfaktoren: 2 x 4 Tipps für Selbstständige

Immer wieder ist zu lesen, dass die ersten drei bis fünf Jahre der Selbstständigkeit am schwierigsten sind. Die Quote derer, die scheitern, ist hoch und es drängt sich die Frage auf, woran das liegt. Auf der anderen Seite gibt es Selbstständige, die scheinbar mühelos durch die Gründungsphase kommen und praktisch vom ersten Tag an profitabel arbeiten. Wie kommt es, dass der eine scheitert und der andere erfolgreich ist? Dieser Beitrag nennt 4 typische Stolpersteine, die einen Selbstständigen zu Fall bringen können und 4 Erfolgsfaktoren, die erfolgreiche Selbstständige oft auszeichnen.
 

Fehler mit schlimmen Konsequenzen: Darauf sollten Selbstständige achten

Die folgenden vier Punkte stellen Gründe vor, weshalb Selbstständige scheitern. In erster Linie sind diese Punkte auf Gründer gemünzt, doch manche von ihnen können selbstverständlich auch später in der Selbstständigkeit zum Scheitern führen.
 

Fehler 1: unzureichende Vorbereitung

Sich selbstständig zu machen ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Manche Gründer treffen diese, ohne vorab ausreichende Grundkenntnisse zu erwerben. Hier sind nicht rechnerische oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse gemeint, sondern konkrete branchenspezifischer Informationen. Wesentliche Fragen, die bei vielen Gründern unbeantwortet sind, es aber keinesfalls bleiben sollten, lauten wie folgt:

  1. Reicht meine fachliche Qualifikation für die Selbstständigkeit?
    Wenn die Qualifikation fehlt, bestehen schlechte Chancen auf einen Auftrag. Denn kaum jemand beauftragt gerne einen unerfahrenen Newcomer.

  2. Habe ich ausreichend Erfahrung und Kontakte?
    Wer ohne Erfahrung und ohne Kontakte startet, scheitert meist innerhalb der ersten 36 Monate.

  3. Steht meine Familie hinter mir?
    Fehlt die Unterstützung der Familie oder ist sie sogar dagegen, wird die Selbstständigkeit auf Dauer zu einem echten Kraftakt.

  4. Halte ich die (meist hohe) zeitliche und psychische Belastung in der Startphase aus?
    Wer nicht stressresistent ist, kommt schnell an die Belastungsgrenze.

  5. Kann ich meine Geschäftsidee konkret und kurz auf den Punkt bringen?
    Wenn Sie das nicht können, ist Ihre Geschäftsidee unscharf und wird von potenziellen Kunden nicht richtig verstanden.

  6. Was genau will ich verkaufen und zu welchem Preis?
    Wer nicht weiß, was er verkaufen will und zu welchem Preis, hat kein konkretes Angebot. Unkonkrete Angebote erzeugen unkonkrete Reaktionen. Das bedeutet, dass es nicht zu einem konkreten Geschäftsabschluss kommt.

  7. Besteht Nachfrage zu meinen angebotenen Leistungen?
    Hinter dieser Frage verbirgt sich Marktrecherche. Wird eine Leistung nicht nachgefragt, ist der Absatz unmöglich.

  8. Wer ist meine Zielgruppe?
    Wer nicht weiß, an wen er verkauft, kann kein Angebot zuschneiden. Ohne passendes Angebot kein Verkauf.

  9. Wer sind meine direkten Konkurrenten?
    Falls Sie etwas anbieten, was von anderen Anbietern viel preiswerter oder besser für Ihre definierte Zielgruppe angeboten wird, können Sie sich nur schwer am Markt durchsetzen.

  10. Wie ist mein Vertriebsweg? Gibt es Vertriebspartner?
    Wissen Sie nicht, wie Sie Ihre Leistungen an den Mann bringen sollen, werden sich die Umsätze nur zufällig nach oben entwickeln. Das dauert in der Regel so lange, dass die finanziellen Reserven während der Startphase vorher aufgebraucht sind.

  11. Welche Marketingaktivitäten und -maßnahmen will ich ergreifen, um auf mich aufmerksam zu machen?
    Klappern gehört zum Handwerk. Es reicht nicht, eine gute Idee zu haben, der Markt – und damit Ihre Zielgruppe - muss davon erfahren.

  12. Wo liegen die größten Risiken und Chancen meines Vorhabens?
    Machen Sie sich die Risiken nicht bewusst, laufen Sie Gefahr, in eine Falle zu tappen, die richtig Geld kostet. Übersehen Sie Chancen, verhindern sie Umsatzsteigerungen.

  13. Wie viel Geld brauche ich für meine Gründung und woher bekomme ich es?
    Einer der häufigsten Gründe, an denen Selbstständige Scheitern, ist die mangelnde Kapitaldecke. Gründen kostet Geld, auch wenn Sie schon unzählige Male das Gegenteil gelesen haben. Sie brauchen für eine mögliche Durststrecke genügend finanzielle Reserven, um sie zu überbrücken. Fehlen Reserven, müssen Sie frühzeitig aufgeben.
     

Fehler 2: Fehlende Absicherung

Im Gründungsmonitor 2019 (Seite 9) steht unter anderem, dass der weitaus größte Teil der Existenzgründer aus persönlichen Gründen abbricht. Einer der persönlichen Gründe ist dabei Krankheit. Das Scheitern steht somit in unmittelbarem Zusammenhang mit Ihrer persönlichen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Die Arbeitskraft des Selbstständigen ist gleichzeitig der Umsatzträger. Fällt die Arbeitskraft aus, fällt der Umsatz weg und ein Scheitern ist unausweichlich. Das gilt zumindest für all jene Selbstständige, die sich nicht um ihre Absicherung gekümmert haben.

Die eigene Arbeitskraft abzusichern ist existenziell wichtig. Wie das am besten zu bewerkstelligen ist, ist eine individuelle Frage, die sich nach den persönlichen Rahmenbedingungen richtet. Ein passend geschnürtes Versicherungspaket, beispielsweise bestehend aus Risiko-Lebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Unfallversicherung sowie Krankenversicherung in Verbindung mit betrieblichen Versicherungen zum Schutz vor Umsatzausfällen sind eine sinnvolle Grundlage, um die eigene Existenz abzusichern.
 

Sonderstellung Unfallversicherung

Viele Selbstständigen denken überhaupt nicht an die Unfallversicherung, wenn es um die Absicherung ihrer Existenz geht. Betriebliche Versicherungen haben in ihren Augen Vorrang. Doch an allererster Stelle stehen Sie selbst. Wenn es zu einem schweren Unfall kommt, beispielsweise in der Freizeit oder zu Hause, kann das existenzbedrohende Folgen für Sie und Ihre Familie haben. Eine Unfallversicherung springt ein und federt das Schlimmste ab.
 

Fehler 3: Kein kaufmännisches Interesse

Existenzgründer müssen keine kaufmännischen Genies sein, aber sie müssen die Grundzüge kaufmännischer Zusammenhänge kennen. Ohne eine gewisse Basis kommen Sie nicht zurecht. Dabei gilt: Sie müssen nicht alles wissen, aber Sie müssen wissen, wer Ihnen helfen kann.

Tipp: Machen Sie eine Bestandsaufnahme und finden Sie heraus, in welchen Bereichen Sie Unterstützung brauchen. Eine typische Tätigkeit, die sich sehr gut outsourcen lässt, ist zum Beispiel die Buchhaltung. Sie gehört in professionelle Hände, wenn Sie selbst keine Zeit oder kein Interesse haben, sich einzuarbeiten.

Wer sich nicht darum kümmert, dass die Administration und die Buchhaltung in Ordnung sind, begibt sich aufs Glatteis. Denn früher oder später wird das Finanzamt bei Ihnen eine Prüfung durchführen. Wenn Sie jetzt die Unterlagen nicht nach den geltenden steuerrechtlichen Vorschriften organisiert haben, kann es richtig teuer werden. Es droht zum Beispiel eine Steuerschätzung und damit eine saftige Steuernachzahlung. Warum ist das so? Wenn das Finanzamt Ihre Besteuerungsgrundlagen anhand Ihrer Buchhaltung nicht zweifelsfrei überprüfen kann, dann schätzt sie diese nach ihren eigenen Maßgaben ein. Dass die Schätzungen in der Regel nicht zum Vorteil für den Steuerpflichtigen sind, liegt auf der Hand.
 

Fehler 4: Keinen Überblick über Liquidität und Finanzen

Manche Selbstständige lassen die Einnahmen auf Ihr privates Girokonto fließen und bestreiten auch die betrieblichen Ausgaben über das private Girokonto. Auf diese Weise verlieren sie ganz schnell den Überblick über die finanziellen Verhältnisse. Als Selbstständiger müssen Sie wissen, wann die nächste Steuerzahlung ansteht, welche Investitionen in einem, zwei oder fünf Jahren geplant sind und welche Kosten Sie monatlich stemmen müssen. Wissen Sie darüber nicht Bescheid, steuern Sie im schlimmsten Fall auf eine Insolvenz zu.

Die erste Regel in Zusammenhang mit Geldströmen im Rahmen der Selbstständigkeit lautet: Führen Sie alle Zahlungen über ein gesondertes betriebliches Konto aus. Clever ist es, ein 2-Konten-Modell aufzubauen. Wie das funktioniert und was Sie in Sachen Geschäftskonto noch beachten sollten, können Sie im Beitrag „Das Geschäftskonto - Vorteile und Praxistipps“ nachlesen.
 

Erfolgsfaktoren im Überblick

Genauso, wie es gute Gründe gibt, die zum Scheitern führen, lassen sich Faktoren nennen, die erfolgreiche Selbstständige eint. Die folgenden vier sind wesentlich für den Erfolg in der Selbstständikeit.
 

Erfolgsfaktor 1: flexibel sein

Ein Selbstständiger ohne Flexibilität handelt an der Realität vorbei. Fakt ist, dass eine Selbstständigkeit in der Regel nicht so läuft, wie sie geplant wurde. Falls Sie einen Businessplan erstellt haben, werden Sie schon nach wenigen Monaten merken, dass die tatsächlichen Zahlen von denen im Plan abweichen. Wenn Sie in der Lage sind, flexibel zu reagieren, Marktbedürfnisse zu erkennen und vom gewohnten Standard abzuweichen, bringen Sie eine wichtige Eigenschaft eines erfolgreichen Selbstständigen mit.
 

Erfolgsfaktor 2: beharrlich arbeiten

Wenn Sie in der Lage sind, konsequent auf Ihre Ziele hinzuarbeiten, bringen Sie eine wichtige Eigenschaft für den Erfolg mit. Ein geflügeltes Wort sagt auch „Erfolg ist das, was folgt“ und bedeutet folgendes: Wenn Sie heute Ihr bestmögliches geben, werden Sie morgen auf der bestmöglichen Basis weiterarbeiten können und übermorgen auf eine tragfähige Grundlage zurückblicken. Ausdauer, Konsequenz, Beharrlichkeit – das alles sind Ausdrücke für ein und dieselbe Fähigkeit, sich nämlich nicht durch Rückschläge aufhalten lassen. Ein erfolgreicher Unternehmer steht immer wieder auf, wenn er fällt. Ein gescheiterter Unternehmer bleibt nach dem Sturz liegen und gibt auf.
 

Erfolgsfaktor 3: Kundenbedürfnisse bedienen

Wer die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, kann Produkte und Leistungen anbieten, die gerne gekauft werden. Das bedeutet, dass Sie in Kontakt mit Ihren Kunden stehen sollten. Andernfalls haben sie keine Chance, die Kundenbedürfnisse konkret zu ermitteln. Diese ändern sich im Laufe der Zeit, bleiben also nicht gleich. Wenn Sie Ihren Kunden vielfältige Möglichkeiten bieten, in Kontakt mit Ihnen zu treten und zu kommunizieren, können Sie kurzfristig auf Kundenwünsche reagieren. Unternehmen, die sich zum Beispiel auf Social Media Kanälen präsentieren und den Kundenservice transparent auf Facebook oder einer anderen Plattform anbieten, sind erfahrungsgemäß erfolgreicher als solche, die die Unternehmenskommunikation ausschließlich über geschützte Kanäle wie E-Mail oder Telefon abwickeln.
 

Erfolgsfaktor 4: Spaß und Leidenschaft

Nicht zuletzt ist der Spaßfaktor wichtig und zeichnet viele erfolgreiche Selbständige aus. Wer Spaß an dem hat, was er tut, strahlt Energie und Leidenschaft aus. Die Arbeit geht wesentlich leichter von der Hand und Kunden merken, dass sie es mit einem echten Profi zu tun haben, der für sein Produkt oder seine Dienstleistung brennt. Wer könnte da noch widerstehen?

Spaß und Leidenschaft sind ein Dream-Team mit massiver Durchschlagskraft. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Rahmenbedingungen stimmen und Sie mit einer Geschäftsidee arbeiten, die grundsätzlich tragfähig ist. Mit Spaß und Leidenschaft allein kommt Sie nicht weit, aber ohne Sie bleiben Sie weit unter Ihren Möglichkeiten.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?