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Trotz Rekordbeschäftigung gibt es weniger Ausbildungsplätze

Bahnhof Schild Lehrstelle

In den letzten Monaten wurden immer wieder neue Höchststände mit Blick auf die Beschäftigungszahlen hierzulande gemeldet. Ein Forschungsprojekt unter der Förderung der renommierten Bertelsmann Stiftung zeigt aber, dass in deutschen Betrieben immer weniger ausgebildet wird. Bei dieser aktuellen Untersuchung des SOFI (Soziologisches Forschungsinstitut) wird die Ausbildungsaktivität von Betrieben erfasst, wobei eine Differenzierung nach Unternehmensgröße und Branchen ebenfalls vorgenommen wird.
 

Ein Blick auf und hinter die Zahlen zur Ausbildungslage

Mit Blick auf den ohnehin schon spürbaren Fachkräftemangel ist diese Entwicklung als kritisch anzusehen. Während sich der Studie zufolge der klassische Mittelstand in Bezug auf das Ausbildungsniveau relativ stabil zeigt, ist der Rückgang bei der Ausbildungsaktivität vor allem in sehr kleinen Betrieben stark ausgeprägt. Im Zeitraum von 1999 bis 2015 ist ein Zuwachs der Beschäftigungsquote um gute 12 % zu verzeichnen. In genau diesem Zeitraum aber hat die Anzahl der Auszubildenden um 6,7 % abgenommen. Während bei Klein- und Kleinstbetrieben die Mitarbeiterzahl im genannten Zeitraum um 3,2 % gesunken ist, nahm die Zahl der Auszubildenden in diesem Sektor um satte 33 % ab. Alleine im Zeitraum von 2008 bis 2015 sind in Kleinbetrieben 75.000 weniger Auszubildende zu verzeichnen. Von besonderem wirtschaftlichem Interesse sind Kleinbetriebe mit 6 bis 49 Mitarbeitern, da diese rund ein Drittel aller Ausbildungsplätze hierzulande zugänglich machen. Zwischen 2008 und 2015 sind 65.000 weniger Auszubildende in diesem Bereich zu verzeichnen.
 

Der Mittelstand präsentiert sich stabil und große Betriebe bilden wenig aus

Zu den klassischen mittelständischen Unternehmen zählen solche mit 50 bis 249 Mitarbeitern. In diesem Bereich ist die Anzahl der Auszubildenden von 1999 bis 2015 von 391.000 auf 434.000 gestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von gut 11 %. Im Vergleich zu den Beschäftigungszahlen ( + 19,3 %) fällt dieses Wachstum jedoch eher gering aus. Zu den Großbetrieben zählen per Definition typischerweise solche mit mehr als 500 Mitarbeitern. Die aktuelle Untersuchung offenbart, dass in diesen Betrieben 2015 eine Ausbildungsquote von nur knapp 5 % festzustellen ist. Wirtschaftsexperten fordern, dass Großbetriebe ihre Ausbildungsaktivität drastisch steigern sollten, zumal sie zweifelsohne über die finanziellen und auch strukturellen Mittel verfügen.
 

Mögliche Gründe für geringe Ausbildungszahlen in Kleinbetrieben

Grundsätzlich spielt eine unsichere wirtschaftliche und auch finanzielle Entwicklung sicher eine Hauptrolle, zumal die Finanzierung in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden ist. Banken haben infolge der Schuldenkrise ihre Kreditvergabe auf deutlich restriktivere Säulen gestellt, sodass gerade kleine Existenzgründer nur noch sehr schwer an einen klassischen Bankkredit gelangen. Was handwerkliche Betriebe angeht, so ist ein vorhandener Meistertitel in vielen Bereichen eine formale Grundvoraussetzung, um Lehrlinge ausbilden zu können. In einigen Bereichen ist es darüber hinaus alternativ zulässig, einen Betriebsleiter mit Meistertitel einzustellen.
 

Strukturelle Gründe für die nachlassende Ausbildungstätigkeit und Ausblicke

Durch gesetzliche Anpassungen ist in etlichen Handwerksbereichen aber die Meisterpflicht als formale Voraussetzung weggefallen, worunter nun offenbar auch die Ausbildungstätigkeit leidet. Letztlich verspielen Unternehmen jeder Größenordnung damit ein Stück weit zukünftige Potenziale und Wettbewerbsvorteile, da dieser Nachwuchs irgendwann fehlen wird. Jetzt schon können viele Stellen in Unternehmen nicht mehr durch gut ausgebildete Fachkräfte besetzt werden. Und letztlich haben Unternehmen (besonders kleine!) die Chance, junges Personal von Anfang an an die betriebsspezifischen Strukturen und Herausforderungen heranzuführen. Generell hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für Bewerber trotzdem verbessert, denn noch vor wenigen Jahren kamen auf eine Stelle zig Bewerber. Heute gehört es in vielen Regionen schon zur betrieblichen Realität, dass Ausbildungsstellen überhaupt nicht mehr besetzt werden. Kreative und erfolgreiche Unternehmen gehen daher längst neue Wege, um Azubis für sich gewinnen zu können. Da das Gehalt nicht sehr üppig ist, locken sie den Nachwuchs etwa mit Vorzügen wie einem Firmenwagen, der auch privat genutzt werden kann.

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