Kredite von Privat an Privat – P2P-Kredite als Altersvorsorge?

Mann klickt auf virtuelle P2P Cloud

P2P steht für peer to peer, ein Begriff, der ursprünglich aus der Informatik stammt. Dort meint peer to peer zwei Rechner, die selbstständig miteinander kommunizieren. Inzwischen ist die Digitalisierung so weit vorangeschritten, dass die Abkürzung P2P auch mit der Bedeutung „person to person“ benutzt wird – von Mensch zu Mensch. Und genau das geschieht bei einem Geschäft auf einer P2P-Plattform: Menschen leihen anderen Menschen Geld und zwar ohne Bank – zumindest, wenn Sie eine Plattform außerhalb Deutschlands wählen. Sie, der Geldverleiher, bekommen für das verliehene Geld Zinsen.

Das Geldverleih-Geschäft ist so alt, wie das Geld selbst und es ist im Grunde keine neue Investitionsmöglichkeit. Doch durch die innovativen Weiterentwicklungen im Internet haben sich faktisch ganz neue Welten aufgetan, was Geldgeschäfte angeht. P2P ist eine interessante Facette aus der neuen bunten Finanzwelt.
 

Eignen sich P2P-Kredite zur Altersvorsorge?

Die Frage müssen Sie sich am Ende dieses Beitrags eigentlich selbst noch einmal stellen, allerdings mit einer kleinen Ergänzung. Die Frage lautet: Eigenen sich P2P-Kredite für Sie persönlich zur Altersvorsorge? Die Antwort darauf hängt von Ihrem persönlichen Risikoprofil ab, von der Auswahl der Plattformen, von Ihrer Investitionsstrategie und von einigen anderen Faktoren. Ihr Geldbeutel ist dafür erst einmal nicht entscheidend, denn Sie können faktisch bereits Kredite ab einer Höhe von 1 Euro vergeben. Es klingt verrückt, aber es gibt tausende Personen, die genau das tun. Sie verleihen lediglich 1 Euro an eine andere Person. Das tun sie allerding dutzende Male hintereinander. Sie steigern ihr Investment langsam und werden mit wachsender Erfahrung mutiger – sie stocken auf 2,5 10 oder 100 Euro auf. Was genau steckt hinter P2P?
 

Geld verleihen (fast) ohne Zwischenhändler

Ganz ohne Banken oder Zwischenhändler klappt das P2P-Investment nicht. Schließlich benutzen Sie die Plattform eines Anbieters, der natürlich auch an dem Geschäft verdienen will. Das Prinzip auf den Plattformen in Deutschland und anderswo ist immer gleich:

Privatpersonen suchen Geld für unterschiedliche Zwecke und möchten einen Kredit aufnehmen. Auf der anderen Seite gibt es Privatpersonen, die ihr Geld investieren wollen und es zur Verfügung stellen. In Deutschland ist es im Gegensatz zu anderen Ländern nur lizensierten Banken gestattet, Privatkredite zu vermitteln, so dass die Plattformen in Deutschland letztlich von Banken verwaltet werden. Das heißt in der Praxis, dass Sie Ihr Geld der Bank zur Verfügung stellen und von der Bank dafür Zinsen erhalten. Die Bank gibt das Geld an die Kreditsuchenden weiter und kassiert wiederum Zinsen für die eigene Tasche. Die Bank ist Ihr Vertragspartner, nicht der Kreditnehmer! Anbieter wie Smava und Auxmoney arbeiten nach diesem Prinzip, was der Gesetzgeber unter anderem zum Schutz der Verbraucher eingerichtet hat.

Im Ausland gibt es Plattformen, die statt einer Bank einen Kreditvermittler einschalten. Hier ist die Vertragsbeziehung anders gestaltet, als in Deutschland. Das bedeutet aber nicht, dass es mehr oder weniger risikoreich ist, sondern es ist lediglich eine andere rechtliche Gestaltung. Es gibt eine Vielzahl an Plattformen, deren Wachstum seit 2005 nahezu explodiert ist. Das Vermittlungsvolumen in Europa in Höhe von 2,86 Milliarden Euro im Jahr 2016 ist auf 3,81 Milliarden Euro im Jahr 2017 angestiegen. Im Jahr 2022 werden Investitionen von 10,28 Milliarden Euro prognostiziert. (Quelle: Statista)

Plattformen wie Mintos, Twino, Bondora, Viainvest, PeerBerry und viele mehr sind einige der beliebtesten P2P-Plattformen im EU-Ausland. Auf ihren Marktplätzen finden sich tausende Kreditangebote von Verbrauchern, die sich zum Beispiel ein Auto kaufen, eine Reise buchen, Möbel anschaffen oder einen Dachboden ausbauen wollen.
 

Wer sind die Kreditnehmer? Menschen, wie du und ich.

Wer sind die Menschen, die auf P2P-Plattformen Kredite aufnehmen? Im Grunde sind es die Menschen von nebenan. Es sind vielfach Familienväter und -mütter, Alleinstehende oder Verheiratete, die hier nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Je nach Plattform können auch Selbstständige oder Firmen einen Kredit aufnehmen. Sie als Investor haben die Möglichkeit, den Kreis derjenigen einzuschränken, denen Sie Geld leihen wollen. Allerdings werden Sie sie nicht persönlich kennenlernen, sondern vielfach nur einige monetäre Rahmendaten erfahren: Familienstand, Einkommenshöhe, Gesamthöhe des Darlehens, Zahlungsverhalten in der Vergangenheit und anderes. Sie grenzen per Filter ein, welcher Personenkreis zu ihren bevorzugten gehört und schließen Gruppen aus, die Ihnen nicht zusagen.

Die Plattformen bieten Rückkaufgarantien an und mindern damit das Risiko der Investoren. Eine solche Rückkaufgarantie greift, wenn der Schuldner nicht zahlt. Dann erhalten Sie Ihr Geld zurück, je nach gewählter Kreditform mit oder ohne Zinsen. Die Vermittler haben zudem einige Stufen vorgeschaltet, die den späteren Zahlungseingang bei säumigen Zahlern wahrscheinlich machen. Von Mahnschreiben bis hin zum Mahn- und Vollstreckungsbescheid werden die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Nach Angaben verschiedener Plattformen liegen die jeweiligen Ausfallraten über alle Kredite hinweg betrachtet zwischen 3 und 5 Prozent.
 

Welche Rendite ist zu erwarten?

Es ist immer wieder zu lesen, dass Renditen von 8 bis 10 Prozent und mehr machbar sind. Stimmt das wirklich? Ja, das stimmt. Manche Investoren erreichen bei weitem mehr und erwähnen in Online-Foren Renditen von 20 oder 30 Prozent. Die Regel ist das nicht. High-Risk-Investitionen sind nämlich nicht jedermanns Sache, erst recht nicht, wenn es um die Altersvorsorge geht. Vielmehr können Sie durchaus auf Sicherheit gehen und sich nur Kreditnehmer aussuchen, die ein A-Rating aufweisen. Geringes Risiko ist dabei mit geringeren Renditen belegt, als hohes Risiko. Auf der Webseite des P2P-Anbieters können Sie prüfen, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeiten sind und so ihr Risiko auf ein Level schrauben, das zu Ihrem persönlichen Profil passt.
 

Eigenen sich P2P-Kredite für Sie persönlich zur Altersvorsorge?

Für jeden, der Geld übrighat und ausprobieren möchte, ob P2P-Kredite eine Option sind, empfiehlt es sich, bei einem Anbieter einen Testlauf zu unternehmen. Immerhin existiert diese Art der Investitionsmöglichkeit schon sei 2005 – es gibt also etablierte Plattformen mit einer echten, nachprüfbaren Historie. Sie müssen ja nicht gleich tausende Euro einzahlen, sondern können mit 50 oder 100 Euro starten. Beobachten Sie, wie die Plattform funktioniert, testen Sie die Funktionen und sehen Sie zu, was mit Ihrem Geld geschieht. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Zinsen abwerfen und auch Ausfälle wird es geben.

Unsere Einschätzung: P2P-Kredite eignen sich als alleiniges Instrument nicht zur Altersvorsorge. Sie können auch Geld verlieren, insbesondere, wenn sie im High-Risk-Bereich ohne Rückkaufgarantie investieren. Zudem schießen die Plattformen wie Pilze aus dem Boden – und vergehen auch wieder. Wenn Sie investieren wollen, streuen Sie Ihre Anlagen breit und zwar über mehrere Plattformen hinweg und innerhalb einer Plattform über zahlreiche Kredite. Damit minimieren Sie zwei Risiken: Das Risiko, dass eine Plattform komplett wegbricht und Sie Ihr dort investiertes Geld nicht mehr wiedersehen, und das Risiko, dass einzelne Kredite ausfallen. Je kleiner die Stückelung ausfällt, desto geringer machen sich einzelne Verluste bemerkbar.

Tipp: Nutzen Sie für Ihre Investitionen nur Geld, dass Sie übrighaben und auf keinen Fall für andere Zwecke brauchen. Setzen Sie P2P-Kredite als zusätzlichen Baustein in einer durchdachten Altersvorsorge ein, als besonderes Extra, nicht als zentrales Instrument. Dann freuen Sie sich über die Zuwächse und ärgern sich nicht allzu sehr über mögliche Verluste.

 

Das Buch „Investieren in P2P Kredite“ von Lars Wrobbel und Kolja Barghoorn bietet einen verständlichen Einblick in die Welt der privaten Kredite. Es stellt die einzelnen Plattformen vor, berichtet über Sicherheitsstandards und Risikoszenarien, zeigt die Entwicklung echter Kreditportfolios und gibt Tipps und Tricks zur idealen Nutzung. Alternativ können Sie auf der dazugehörigen Website https://passives-einkommen-mit-p2p.de/ kostenfreie Informationen zum Thema finden.

Was ändert sich bei meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?


 

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