Work-Life-Balance in der Selbständigkeit

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Für Selbständige gilt dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass ein krankheitsbedingter Ausfall der eigenen Arbeitskraft umso stärker ins Gewicht fällt. Um die eigene Gesundheit langfristig zu erhalten, ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass keine länger andauernden Stressphasen auftauchen und Platz für genügend Erholung bleibt. Wir zeigen, wie dies in der Praxis gelingen kann.
 

Der richtige Ausgleich

Die Relevanz einer guten Work-Life-Balance für unsere Gesundheit in der heutigen Arbeitswelt ist immens. Noch mehr trifft das natürlich auf Selbstständige und Freelancer zu. Diese sind darauf angewiesen, die eigene Leistungsfähigkeit und Gesundheit stets zu pflegen.

Anders als im Angestelltenverhältnis ist die wöchentliche Arbeitszeit nicht bei maximal 40 Stunden vertraglich festgeschrieben. Daher arbeiten Selbstständige insbesondere in den ersten Jahren nach der Gründung häufig deutlich mehr – gut 50 Stunden pro Woche sind keine Seltenheit.

Eine verschleppte Erkältung oder stressbedingte Krankheitsbilder sind nur zwei Beispiele für die vielen Gefahren, die besonders in der Selbstständigkeit drohen, wenn nicht genügend Wert auf Erholung gelegt wird.

Noch dazu spüren Selbstständige die Auswirkungen von Krankheitstagen wesentlich direkter als Angestellte. Um so mehr Gründe also, sich um einen guten Ausgleich zu bemühen und zu versuchen, das Arbeitsleben und die Erholung in eine angemessene Balance zu bringen.

Natürlich fällt es auch umso schwerer, da häufig die Versuchung groß ist, jede freie Minute mit Arbeit zu füllen. Wenn das Wohl des eigenen Unternehmens und somit das Wohl des selbst aufgebauten Projektes davon abhängen könnte, ist es nicht einfach, sich vollständig zu entspannen.

Was einfach klingt ist also in der Praxis durchaus mit Schwierigkeiten verbunden und wird sich kaum von selbst einstellen. Daher ist es für den langfristigen Erfolg äußerst wichtig, sich aktiv um eine gute Work-Life-Balance zu bemühen. Mit unseren Tipps gelingt es, die verfügbare Zeit gut einzuteilen und genügend Pausen einlegen zu können.
 

Stress vermeiden

Unter diesem Gesichtspunkt lassen sich die meisten Teilaspekte des Gleichgewichtes zwischen Arbeits- und Privatleben vereinbaren. Für Selbstständige geht die alltägliche Arbeit zumeist eher mit psychischer als physischer Belastung einher. Eine andauernde innere Anspannung führt zu Stress und dieser kann schwerwiegende langfristige Folgen verursachen.

Hinweis: Gerade für Selbstständige ist der Faktor Stress um ein Vielfaches größer als bei Angestellten. Vor allem liegt das daran, dass die eigene Arbeitsleistung in Qualität und Quantität direkt mit dem Erfolg, ja sogar Überleben des Unternehmens verknüpft ist. Hinzu kommt eine meist sehr hohe emotionale Bindung zur Firma. Problematisch dabei ist, dass viele Selbstständige nur ein geringes Wissen um die Kontrolle von Stress haben und vielfach nicht sehen, dass ständige Überlastung im höchsten Maß nachteilig für das Unternehmen ist . Dabei helfen verschiedene Tipps und Anregungen zum positiven Umgang mit Stress – oder sogar zur gänzlichen Vermeidung.

Im schlimmsten Fall kommt es zur vollständigen Erschöpfung oder gar einem Burn-Out-Syndrom, wodurch die eigene Arbeitsfähigkeit weitgehend ausfällt – was besonders bei Selbstständigen einem Super-GAU gleichkommt.

Wer vermutet, dass durch Stress ausgelöste Symptome auftreten, sollte auch trotz des Stigmas keineswegs zögern, einen Arzt aufzusuchen. Auch Hausärzte haben in den letzten Jahren immer mehr Erfahrung mit derartigen Krankheitsbildern und können an dieser Stelle weiterhelfen.

Doch am besten ist es, wenn es gar nicht erst so weit kommt. Präventives Denken bildet daher die Grundlage. Da es in leitenden Positionen oder als Freelancer kaum vermeidbar ist, hin und wieder Stressphasen zu erleben, ist es wichtig, diese eben darauf zu beschränken: Kurzfristige Stressperioden anstatt durchgehender, hoher Beanspruchung.

Zusätzlich können einige Maßnahmen helfen, um sicherzustellen, dass die Belastung von der Arbeit nicht überhandnimmt und die Gesundheit und somit auch das Privatleben negativ beeinflusst:

  • Die eigene Konstitution kennen: Nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen bezüglich der Belastbarkeit. Die eigenen Grenzen zu respektieren ist daher sehr wichtig. Auch auf den eigenen Körper zu hören und Signale nicht zu ignorieren ist eine Bedingung.

  • Arbeitszeit klar eingrenzen: Wie bei Angestellten sollten auch Selbstständige möglichst versuchen, ihre effektive Arbeitszeit in gewissen Schranken zu halten. Zumindest eine wöchentliche Obergrenze, die möglichst nie überschritten wird, sollte gesetzt sein.

  • Bewusste Pausen einplanen: Genauso wie die Arbeitszeiten sollten auch Erholungsphasen möglichst fest geplant werden, damit sie auch eingehalten werden. Dieses Prinzip fängt bei der täglichen Mittagspause oder privaten Freizeitterminen an und lässt sich bis zum größeren Jahresurlaub ausweiten.

  • Körperliche Fitness: Sport baut Stress ab. Noch dazu hilft die körperliche Betätigung dabei, für einige Zeit vollständig abzuschalten und sich auf etwas anderes als die Arbeit zu fokussieren. Auch eine gesunde Ernährung trägt dazu bei, stets leistungsfähig zu bleiben.

  • Delegieren und Vertrauen zeigen: Das gilt natürlich nur für Unternehmen mit genügend Manpower. Doch wer die Möglichkeit hat, Aufgaben abzugeben, sollte dies dringend in Anspruch nehmen. Gerade Gründer lassen sich zu häufig dazu verleiten, lieber alles selbst in der Hand zu nehmen, wodurch sie sich selbst zu viel Arbeit anhäufen.

  • Stressphasen kompensieren: Nach turbulenteren oder arbeitsintensiven Geschäftsperioden ist etwas Erschöpfung nicht ungewöhnlich. Dann ist es wichtig, es in der anschließenden Zeit etwas langsamer angehen zu lassen, um eine vollständige Erholung zu ermöglichen.
     

Zeitmanagement ist das A und O

Die meisten der bereits genannten Punkte klingen leicht umsetzbar – unter der Voraussetzung, dass ein gutes Zeitmanagement angewandt wird. Dieses stellt also die Grundlage für eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit dar.

Da in der Selbstständigkeit die festen Beschränkungen des Feierabends häufig wegfallen, kann ein proaktives Zeitmanagement dabei helfen, allzu viele Überstunden und eine unregelmäßig Arbeits- und somit Lebensweise zu vermeiden.

Beispielsweise können persönliche Wochenpläne, die sowohl die Anforderungen des Unternehmens als auch die private Gesundheit berücksichtigen, dazu beitragen. Bei der festen Einplanung der wöchentlichen Aktivitäten sollten folgende Aspekte in Betracht gezogen werden:

  • Fristen: Wenn bestimmte Deadlines anstehen oder wichtige Projekte in kurzer Zeit finalisiert werden müssen, stehen diese Tätigkeiten natürlich im Fokus der Tagespläne. Im Rahmen solcher Sonderfälle kann die Arbeit gegebenenfalls den Vorzu erhalten – aber eben nur dann.

  • Prioritäten: Auch unabhängig zeitlicher Fristen sollten einzelne Positionen anhand ihrer Prioritäten eingeordnet werden. Aufgaben, die auf den nächsten Tag geschoben werden können, sollten nach einem langen Arbeitstag nicht mehr angehängt werden, nur um sie aus Prinzip zu erledigen.

  • Obergrenzen: Maximale Tagesarbeitszeit, feste Zeitlimits für bestimmte Tätigkeiten oder ein Höchstmaß an besonders fordernden Aufgaben helfen dabei, sowohl die zur Erholung nötige Zeit einzuhalten, als auch die Belastung des Arbeitstages zu reduzieren.

Dieser Zeitplan dient dann sowohl als To-Do-Liste, um den Arbeitstag zu strukturieren, als auch als Hilfestellung, um die angedachten Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance auch tatsächlich einzuhalten.

Gleichzeitig helfen Häkchen hinter den einzelnen Einträgen in der Liste auch dabei, den Arbeitstag mit einem guten Gefühl verrichteter Arbeit abzuschließen. Das macht es deutlich einfacher, die Gedanken anderen Dingen zuzuwenden.
 

Tipps für den Ausgleich

Schon Angestellte haben häufig das Problem, dass sie abends einfach nicht abschalten können und weiter über den Job nachdenken oder sich sogar Arbeit mit nach Hause nehmen. Dass dies Selbstständigen noch weit schwerer fällt, ist nur natürlich. Daher ist es für sie umso wichtiger, sich darum zu bemühen, einen angemessenen Ausgleich in der Freizeit zu erhalten.

  • Strike Trennung implementieren: Ständig erreichbar zu sein und die Arbeit in greifbarer Nähe zu haben führt dazu, häufig noch lange nach Feierabend einige Dinge zu erledigen. Daher ist es wichtig, nach der gesetzten Zeit strikt bei der Freizeitbeschäftigung zu bleiben. Ein Mobiltelefon und ein Laptop, die nur für die Arbeit zum Einsatz kommen, aber ab einer bestimmten Uhrzeit ausgeschaltet bleiben, helfen dabei.

  • Urlaube vorausplanen: Wer mit der Auszeit auf eine passende Zeit wartet, kommt möglicherweise nie dazu, tatsächlich den Urlaub zu nehmen. Besser ist dann möglicherweise eine langfristige Planung. Dann können eventuell Aufträge für diese Zeit entsprechend organisiert werden, so dass Stressphasen zur Urlaubszeit vermieden werden.

  • Hobbys hoch bewerten: Ein leidenschaftliches Hobby sorgt automatisch dafür, dass Zeit und Gedanken nach Feierabend nicht weiterhin von der Arbeit verschlungen werden. Damit fällt es auch leichter, „nein“ zu sagen und sich lieber der Muße statt dem Metier zuzuwenden.

  • Routinen: Die unregelmäßige Struktur, die durch das Fehlen festgelegter Arbeitszeiten entsteht, kann durch wiederkehrende und für eine möglichst lange Zeit durchgeführte Abläufe verbessert werden. Sport im Freien oder ein Besuch im Fitnessstudio zur möglichst immer gleichen Zeit wird schnell zur Gewohnheit, was es einfacher macht, jeden Tag für einige Minuten vollständig abzuschalten.

Schreibtisch work life balance

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

 

Beliebte Artikel zum Thema: