Was kann ich von der Steuer absetzen?

Nicht aus Zufall gilt das deutsche Steuersystem als eines der kompliziertesten weltweit. Ein kurzer Blick auf die große Zahl an Veröffentlichungen im Bereich der Steuer-Fachliteratur zeigt, dass eine sich beinahe jährlich ändernde Unmenge an Regelungen zu beachten ist. Daher ist das Thema Steuern auch für Existenzgründer mit einigen Schwierigkeiten besetzt, die ein gewisses Fachwissen erfordern. Und letztlich gilt es nicht nur, den steuerrechtlichen Pflichten nachzukommen, sondern auch sämtliche Sparpotenziale auszuschöpfen, um die Steuerlast so gering wie möglich halten zu können. Im Folgenden sollen daher wesentliche Aspekte mit Blick auf das Thema ‚Was kann ich von der Steuer absetzen‘ praxisnah skizziert werden.

Die richtige Technik zur Gewinnermittlung
ist die Basis für Einsparungen

Die Basis für die zu zahlende Steuerlast bildet die Gewinnermittlung. Freiberufler haben es hier recht einfach, denn die zu entrichtenden Steuern werden einfach mit einer Einnahme-Überschussrechnung ermittelt. Ganz anders sieht es hier für Gewerbetreibende aus, die z.B. eine GmbH als Rechtsform gewählt haben. Hier gilt es, einen kompletten Jahresabschluss mit Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen. Dies bedeutet nicht nur einen recht hohen Arbeitsaufwand, es erfordert auch fundierte Fachkenntnisse, zumal sich die Regelungen im Steuerrecht sehr häufig ändern. Wer somit ein größtmögliches Maß an Steuern sparen will, sollte überlegen, einen Steuerberater zu engagieren. Dieser verursacht zwar auch recht hohe Kosten, aber sie stehen meistens in keiner Relation zu den Einsparpotenzialen. Es versteht sich von selbst, dass das Erstellen einer Bilanz deutlich aufwändiger und teurer ist als eine recht simple Einnahme-Überschussrechnung. Freiberufler dürfen übrigens unabhängig von der Höhe des Gewinns immer eine Einnahme-Überschussrechnung bei der Steuererklärung vornehmen.
 

Entscheidungsspielräume nutzen, um Steuern zu sparen

Insbesondere mit Blick auf das Betriebsvermögen haben Selbstständige recht große Entscheidungsspielräume, die zu steuerlichen Erleichterungen führen können. Letztlich sind hierfür aber fundierte Kenntnisse in der Materie nötig, denn die Fachbegriffe müssen den Wirtschaftsgütern richtig zugeordnet werden. Gerade unerfahrene Existenzgründer sind im wahrsten Wortsinne gut beraten, sich in der Anfangsphase fachliche Hilfe zu holen. Fehler bzw. unvorteilhafte Bewertungen können sich auch Jahre später z.B. dann bemerkbar machen, wenn so genannte stille Reserven versteuert werden müssen oder Wirtschaftsgüter verkauft werden. Hier zeigt sich der nachhaltige Charakter des Themas ‚Steuern sparen‘: Der Blick von Existenzgründern sollte sich also nicht nur auf das jeweilige Geschäftsjahr, sondern auch auf die langfristigen finanziellen Folgen erstrecken.
 

Typische Kosten und Pauschalen, die von der Steuer absetzbar sind

Im Folgenden wird ein kompakter Überblick über die steuerlichen Absetzbarkeitspotenziale gegeben, die von jedem Selbstständigen konsequent genutzt werden sollten. All diese Punkte werden auch von guten Programmen fragebasiert abgedeckt, falls die Steuererklärung in Eigenregie durchgeführt wird. Die Option der Übernahme der Grunddaten für das nächste Geschäftsjahr sorgt in der Folge für eine erhebliche Arbeitserleichterung und dafür, dass die Daten und Bewertungen einheitlich sind.
 

  • Werbungskosten

Ein Klassiker im Bereich der Steuerabsetzung sind die Werbungskosten, worunter Kosten für Arbeitsmittel sowie Beiträge für Berufsverbände oder auch berufsspezifische Versicherungen fallen. Eine Pauschale kann fest angesetzt werden, ggf. können auch Ausbildungskosten berücksichtigt werden, wenn ein klarer inhaltlicher Bezug zur selbstständigen Tätigkeit besteht.

  • Sparerpauschbetrag

Erträge aus Zinsen, Gewinnen von Kapitalanlagen und Dividenden sind bis zum Sparertauschbetrag steuerfrei. Für Alleinstehende beträgt er aktuell 801 Euro, für Verheiratete sind es derzeit 1602 Euro.

  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (privat und gesetzlich)

Mit Inkrafttreten des Bürgerentlastungsgesetzes im Jahre 2010 sind die zu leistenden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sehr viel besser steuerlich absetzbar. Die Beiträge der Pflegeversicherung sind in voller Höhe absetzbar, jene der gesetzlichen Krankenversicherung zu einem sehr großen Teil (ausgenommen sind lediglich wählbare Zusatztarife). Kosten für die private Krankenversicherung können ebenfalls zu großen Teilen steuerlich abgesetzt werden.

  • Steuerabsetzungen im Bereich Rentenversicherung/Altersvorsorge

Anfallende Kosten für die Altersvorsorge (also für die Rente oder auch Lebensversicherungen) sind in unterschiedlicher Höhe absetzbar, hier lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen. Daher empfiehlt es sich, mit einem Steuerberater oder einem professionellen Steuerprogramm alle Einsparpotenziale zu prüfen. Zum Teil können auch mehrere Policen berücksichtigt werden, wenn etwa ein staatlicher und ein privater Vertrag zur Altersvorsorge abgeschlossen wurde.

  • Arbeitsmittel steuerlich absetzen

In Ergänzung zur oben beschriebenen Pauschale können auch alle Aufwendungen steuerlich abgesetzt werden, die für die Ausübung der konkreten selbstständigen Tätigkeit erforderlich sind. Dies können etwa Werkzeuge oder Utensilien für die Büroausstattung sein, auch an Firmenfahrzeuge oder Werbegeschenke ist in diesem Kontext zu denken. Um stets den Überblick zu behalten, sollten alle relevanten Belege aufbewahrt werden, da diese bei einer eventuellen Prüfung vorgezeigt werden müssen. Auch Arbeitsbekleidung fällt in diesen Bereich der steuerlichen Absetzbarkeit.

  • Fortbildungskosten

Wer sich fortbildet und dabei einen konkreten Bezug zur selbstständigen Tätigkeit erkennen lässt, kann die Kosten in einer Höhe von ca. 4.000 Euro pro Jahr absetzen. In manchen Fällen kann es zu Streitigkeiten kommen, da Sachbearbeiter den Bezug zur selbstständigen Tätigkeit nicht immer als gegeben ansehen. In jedem Falle aber machen sich Fortbildungen bei der möglichen Steuerersparnis deutlich bemerkbar.

  • Kontogebühren

Wenn diesbezüglich kein Nachweis erbracht wird, setzt das zuständige Finanzamt eine Pauschale von 16 Euro an. Hier lässt sich aber durchaus noch ein höheres Sparpotenzial ausschöpfen.

  • Spenden

Spenden erfüllen nicht nur einen guten Zweck, sie sind auch steuerlich abzugsfähig. Daher sollte immer ein Beleg über die Spende verlangt werden.

  • außergewöhnliche Belastungen prüfen

Die Höhe der absetzbaren außergewöhnlichen Belastungen ist grundlegend abhängig von der Höhe der Einkünfte. Hierunter fallen z.B. Aufwendungen im Krankheitsfall, mit denen in dieser Höhe nicht zu rechnen war. Es handelt sich also um erzwungene Ausgaben, die die eigene Einnahmebasis mindern.
 

Umsatzsteuerkonten immer aktuell halten,
um steuerliche Nachteile zu vermeiden

Wer als Selbständiger nicht die Kleinunternehmerregelung nutzt, unterliegt der Umsatzsteuerpflicht. In der unternehmerischen Praxis passieren gerade mit Blick auf die Umsatzsteuer häufig buchhalterische Fehler, die sich nachteilig auswirken können und so dem Ziel der maximalen Steuerersparnis entgegenstehen. So müssen rein formal Umsatzsteuerzahlungen an das zuständige Finanzamt auch als Betriebsausgabe berücksichtigt werden. Geschieht dies nicht, so können einige Jahre später eventuelle Fehler nicht mehr korrigiert werden (der alte Steuerbescheid ist kann bestandskräftig). Insofern sollte das Umsatzsteuerkonto immer aktuell gehalten und buchhalterisch korrekt eingestuft werden.
 

Steuern mit betriebswirtschaftlichen Mitteln legal senken:
Über Abschreibungen kann der steuerpflichtige Gewinn gesenkt werden

Neben den oben skizzierten Möglichkeiten der direkten Steuerersparnis können auch unternehmerische Handlungsspielräume genutzt werden, um die Höhe der zu versteuernden Gewinne zu beeinflussen. Abschreibungen für Anschaffungen wie Autos sind eine planbare Möglichkeit, um die Steuerschuld zu senken und so letztlich neue finanzielle Räume für weitere Investitionen zu eröffnen. Gängig ist die lineare Abschreibung für einen Zeitraum über 6 Jahre. In diesem Sinne handelt es sich bei Abschreibungen quasi um Betriebsausgaben, die den steuerpflichtigen Gewinn mindern. Die Kosten für die PKW-Nutzung sind natürlich auch steuerlich relevant. Zunächst muss bestimmt werden, ob es sich im ein Teil des Betriebsvermögens handelt oder aber um einen privaten Besitz, der zur Ausübung der geschäftlichen Tätigkeit genutzt wird. Fahrkosten und Versicherungsbeiträge können wiederum im oben skizzierten Rahmen steuerlich geltend gemacht werden.
 

Fazit: Steuern sparen ist möglich, aber nicht ganz einfach!

Die Betrachtungen bis dato zeigen, dass Selbstständige vielfältige Wege nutzen können, um Steuern zu sparen. Allerdings erfordert die Materie neben fundierten Fachkenntnissen auch eine gewisse Routine. Daher kann die professionelle Hilfe eines Steuerberaters sinnvoll sein, um wirklich alle Potenziale voll auszuschöpfen. Wichtig ist auch, dass die Angaben und Bewertungen in Bezug auf das Betriebsvermögen gleich bleiben. Es ist also nicht im Sinn des Steuerrechts, jedes Jahr die Bewertungsmethoden zu ändern. Neben den klassischen steuerlichen Absetzmöglichkeiten für Versicherungen oder betriebliche Kosten sind Abschreibungen ein probates betriebswirtschaftliches Mittel, um die Steuerlast nach unten zu drücken. Da sich im deutschen Steuerrecht jedes Jahr viel ändert, gilt es, immer am Ball zu bleiben, um stets optimale und rechtlich fundierte Entscheidungen treffen zu können.
 

Checkliste für Steuertipps: Was kann ich von der Steuer absetzen?

  • Sparen in Eigenregie oder mit professioneller Hilfe: Was lohnt sich bzw. welche eigenen Fachkenntnisse sind vorhanden?
  • Der Jahresabschluss (Einnahme-Überschussrechnung für Freiberufler) ist die Basis für steuerliche Absetzbarkeit
  • Entscheidungen auf Nachhaltigkeit prüfen: Bewertungen in puncto Betriebsvermögen haben eine große steuerliche Relevanz über ein Geschäftsjahr hinaus
  • außergewöhnliche Belastungen sind zu prüfen
  • Lassen sich jenseits der Pauschalen höhere Beträge absetzen?
  • Abschreibungen eröffnen gewisse steuerliche Spielräume
  • teure Buchhaltungsfehler vermeiden: die Konten der Umsatzsteuer sind aktuell zu halten und als Betriebsausgaben zu werten
  • Fortbildungskosten sind absetzbar, wenn ein Bezug zur selbstständigen Tätigkeit besteht
  • …und jedes Jahr grüßt die Steuerklärung: Übernahme der Grunddaten vom Vorjahr, um Zeit zu sparen und stringente Angaben zu machen