Was ist eine Abschreibung (AfA)?

    Der Begriff Abschreibung ist in Zusammenhang mit materiellen und immateriellen Gütern aus dem Anlagevermögen eines Unternehmens zu sehen. Grundsätzlich ist damit gemeint, dass die Güter mit der Zeit an Wert verlieren. Diese Wertminderung erklärt sich konkret durch Abnutzung (man denke an Maschinen oder Fahrzeuge) oder auch durch den stetigen technischen Fortschritt. Solche Wertminderungen müssen buchhalterisch und auch kalkulatorisch erfasst werden, damit die Bilanzen von Unternehmen stets aktuell sind bzw. reale Werte widerspiegeln. Würden Unternehmen keine Abschreibungen vornehmen, so würden beispielsweise 10 Jahre alte Maschinen in der Bilanz immer noch mit den Anschaffungskosten erfasst werden, was natürlich nicht der Realität entspricht. Es geht also darum, Bilanzen nicht zu verfälschen. Zudem haben Abschreibungen als Aufwand einen direkten Einfluss auf die Gewinnsituation und Steuerlast eines Unternehmens. Eine große Hilfe in der Unternehmenspraxis sind die so genannten Afa-Tabellen (Abschreibung für Abnutzung), die häufig verwendete Anlagegüter enthalten. Viele Unternehmen nutzen die darin enthaltenen und allgemein anerkannten Werte, um Abschreibungen korrekt vorzunehmen.

    Dieses Wissen sollten Existenzgründer nicht abschreiben: Was der folgende Beitrag über Abschreibungen beinhaltet

    Dieser Beitrag möchte ein grundlegendes Wissen über das betriebswirtschaftlich sehr relevante Thema ‚Abschreibungen‘ vermitteln. Behandelt werden insbesondere verschiedene Abschreibungsarten und –methoden, sodass mit Blick auf die Praxis ein breites Grundwissen vermittelt werden kann. Auch ein kurzer Ausblick auf die Verknüpfung zur Buchhaltung ist enthalten. Generell erfordert dieses Thema gewisse Erfahrungswerte, sodass sich Existenzgründer beraten lassen sollten, falls Sie das erste Mal in Kontakt mit diesem Thema treten. Hintergrund ist, dass Bewertungsmethoden, die einmal gewählt wurden, nicht jedes Jahr geändert werden können. Insofern sind bindende Entscheidungen immer auch mit Blick auf ihre Vorteilhaftigkeit zu prüfen.
     

    Definitorische Annäherung und Grundlagen zur Abschreibung

    Unter dem Begriff Abschreibung versteht man also eine Methode, um die konkrete Wertminderung des Anlagevermögens zu erfassen. Ein Gegenstand wird dabei mit einer der noch näher erläuterten Methoden über die Zeit seiner spezifischen Lebensdauer abgeschrieben. Im Hintergrund ist dabei zu beachten, dass Abschreibungen als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung anzusetzen sind, in der Kostenrechnung handelt es sich entsprechend um Kosten. Abschreibungen mindern also tendenziell den Gewinn. Rein kalkulatorisch sind sie mit Blick auf Preise zu berücksichtigen, da natürlich auch wieder Gewinne erwirtschaftet werden müssen, um finanzielle Spielräume für Reinvestitionen zu erlangen.
     

    Abschreibungsmethoden in der kompakten Übersicht

    Die lineare Abschreibung ist im deutschen Steuerrecht die Regel und auch am einfachsten zu handhaben. Dabei wird der Wert eines Anlagegutes linear, also gleichmäßig, über eine bestimmte Zeit abgeschrieben. Bei einem Auto mit einem Anschaffungswert von 20.000 Euro ergäbe sich bei einer Abschreibungsdauer von 10 Jahren also jedes Jahr ein Abschreibungsbetrag von 2.000 Euro. Die degressive Abschreibung ist seit Beginn des Jahres 2008 nicht mehr erlaubt. Hier werden die Beträge jedes Jahr nach dem Rest-Buchwert ermittelt. Möglich ist der einmalige Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibungsmethode. Bei der leistungsbezogenen Abschreibung wird mit Blick auf die konkrete Inanspruchnahme eines Gutes abgeschrieben, sodass sich anders als bei der linearen Form ungleiche Anteile ergeben. Eine genaue zeitbezogene Abschreibung ist mit der tages- bzw. monatsgenauen Abschreibung möglich. Im Rahmen der digitalen Abschreibung können Anlagegüter berücksichtigt werden, die in den ersten Jahren einen großen Wertverlust aufweisen. Für geringwertige Wirtschaftsgüter (Stichwort GWG) ist eine Poolabschreibung möglich, indem man mehrere Güter zusammenfasst.
     

    Außerplanmäßige Abschreibungen als Sonderfall

    Im Gegensatz zu den vorangegangenen planmäßigen Abschreibungen sind die außerplanmäßigen Abschreibungen zu erwähnen. Diese dürfen aber nur dann vorgenommen werden, wenn sie von dauerhafter Natur sind. Kommt es z.B. zu einem Verlust von Wertpapieren im Anlagevermögen, so kann eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden, um quasi auf die Situation betriebswirtschaftlich sinnvoll zu reagieren. Sollte sich herausstellen, dass die gebuchten Wertminderungen doch nicht dauerhafter Natur sind, so muss eine Zuschreibung oder Wertaufholung vorgenommen werden.
     

    Abschreibungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

    Wie bereits kurz angedeutet, gelten für geringwertige Wirtschaftsgüter Sonderregelungen, um den Aufwand so gering wie nur möglich zu halten. Im Zuge der Unternehmenssteuerreform aus dem Jahre 2008 ist es möglich geworden, Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten von max. 150 Euro sofort als Betriebsausgabe zu verbuchen. Die typische ‚Streckung‘ über mehrere Jahre wie bei der linearen Abschreibung entfällt somit bei sehr geringen Werten. Zudem ist es möglich, solche Güter mit einem Wert zwischen 150,01 und 1000 Euro auf einem Sammelkonto über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abzuschreiben.
     

    Abschreibungen und Buchhaltung: Wie sind Buchungen vorzunehmen?

    Bei jeder Abschreibung wird das Anlagevermögen direkt betroffen, da eine Wertminderung vorliegt. Da Abschreibungen in diesem Sinne Aufwendungen für einen Betrieb darstellen, müssen sie in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen, und zwar unter ‚Abschreibungen auf Sachanlagen‘. Abschreibungen haben also einen direkten Einfluss auf den Gewinn eines Unternehmens und die zu zahlende Steuerlast. Insofern dürfte deutlich werden, dass eine kluge Abschreibungsstrategie betriebswirtschaftliche Handlungsspielräume eröffnet, indem neue finanzielle Mittel für Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen gewonnen werden. Dies setzt aber voraus, dass die Kosten für Abschreibungen in den kalkulierten Produktpreisen bereits enthalten sind.
     

    Rechen- und Buchungsbeispiele: Der Zusammenhang zwischen Abschreibungen, Gewinn und Steuern

    Wird ein PKW über 50.000 Euro angeschafft und über 5 Jahre linear abgeschrieben, so wird er zunächst mit 50.000 Euro auf dem Konto Fuhrpark gebucht, auf dem Bankkonto dementsprechend ein Zahlungsausgang. Jedes Jahr ergibt sich in der Buchhaltung dann der Buchungssatz Abschreibung 10.000 Euro an Fuhrpark 10.000 Euro (Soll an Haben). Hieraus folgt, dass für die Abschreibungen natürlich ein eigenes Konto nötig ist. Nach dem ersten Jahr steht das Fahrzeug nur noch mit 40.000 Euro im Fuhrparkt, in Jahr 2 mit 30.000 Euro bis es schließlich nach 5 Jahren komplett abgeschrieben ist. Natürlich darf es auch nach diesem Zeitraum noch genutzt werden.
     

    Abschreibungsgründe und die wichtigsten Arten von Abschreibungen

    Gemäß der angeführten Beispiele sind natürlich technische Ursachen wie Verschließ in der Praxis der wichtigste Grund für die zu erfassende Wertminderung. Mit Blick auf wirtschaftliche Ursachen lassen sich Nachfrageeinbrüche und auch Fehlinvestitionen anführen. Hier greifen oftmals außerplanmäßige Abschreibungen, die von dauerhafter Natur sein müssen. Natürlich sind auch rechtliche Ursachen denkbar, wenn beispielsweise im Zuge gesetzgeberischer Maßnahmen der Ablauf von Verträgen oder Schutzrechten wie Patente oder Konzessionen geändert wird. Es gilt, sich immer auf dem Laufenden zu halten und das maximale Abschreibungspotenzial voll auszuschöpfen. Neben den hier dargestellten planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen inklusive Methoden, die sich auf das Handelsrecht stützen, spielen in der betrieblichen Praxis vor allem auch die kalkulatorischen Abschreibungen eine wichtige Rolle: Hierbei handelt es sich um eine Abschreibungsart aus dem Bereich der Kostenrechnung. Ziel eines jeden Unternehmens muss es sein, seine Substanz langfristig zu erhalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Gegensatz zu den in diesem Beitrag erläuterten handelsrechtlichen Abschreibungen, die einen Höchstwert ansetzen, geht man bei den kalkulatorischen Abschreibungen von den Wiederbeschaffungskosten als Ausgangssumme aus. Diese können natürlich durchaus höher sein als Anschaffungskoten, was bei der Kalkulation von Preisen konsequent mit einbezogen werden sollte.
     

    Abschreibungen von Forderungen in der Bilanz

    In einer Bilanz werden neben dem Anlagevermögen auch Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens bewertet. In diesem Kontext kommt es in der Wirtschaftspraxis nicht selten auch zu Abschreibungen auf Forderungen. Solche Abschreibungen entstehen typsicherweise durch Insolvenzen oder nicht zahlungswillige Kunden. Wird bekannt, dass eine Forderung tatsächlich ausfällt, so muss sie endgültig abgeschrieben werden. Zuvor wird sie meistens auf einem Konto gesammelt, um ihren Status getrennt nachvollziehen bzw. Forderungen überwachen zu können (Stichwort Forderungsmanagement).
     

    Fazit: Die Materie der Abschreibungen erfordert gewisse Erfahrungswerte

    Die große Vielfalt an Methoden und gesetzlichen Regelungen macht das Thema Abschreibungen zu einer komplexen Materie, die versierte Unternehmer aber beherrschen sollten. Schließlich muss es darum gehen, dass Anlagevermögen in der Bilanz stets aktuell anzugeben, was mit Abschreibungen bzw. Wertminderungen möglich ist. Dass Abschreibungen einen wichtigen Stellenwert mit Blick auf die Finanzen eines Unternehmens haben, zeigt sich daran, dass sie den Gewinn und die Steuerlast direkt beeinflussen. Insofern sollte hier nichts dem Zufall überlassen werden und bei Bedarf externe Profihilfe genutzt werden. Von zentraler Bedeutung mit Blick auf die Bewertung des Anlagevermögens ist, dass einmal gewählte Bewertungsmethoden nicht einfach gewechselt werden dürfen. Insofern ist es nicht möglich, ständig zwischen verschiedenen Abschreibungsarten zu wechseln. Für geringwertige Wirtschaftsgüter und außerplanmäßige Vorkommnisse stehen allerdings Erleichterungen zur Verfügung.
     

    Praxiswissen kompakt zusammengefasst: Das Wichtigste zu Abschreibungen auf einen Blick

    • Abschreibungen verfolgen das Ziel, Wertminderungen des Anlagevermögens zahlenmäßig zu erfassen
    • in der Bilanz eines Unternehmens spiegeln sich also dank Abschreibungen auf das Anlagevermögen stets aktuelle Werte wider
    • in den meisten Fällen begründet sich die Wertminderung durch Verschließ oder auch technischen Fortschritt
    • neben den handelsrechtlichen Abschreibungen spielen die kalkulatorischen im Bereich der betrieblichen Kostenrechnung eine Rolle (=> Abschreibungen werden so in Produktpreise mit einberechnet)
    • die lineare Abschreibung (konstant über einen bestimmten Zeitraum) ist die einfachste und gängigste Methode in der Unternehmenspraxis
    • seit Anfang des Jahres 2008 ist die degressive Abschreibungsmethode nicht mehr zulässig
    • der einmalige Wechsel von der degressiven hin zur linearen Abschreibungsmethode ist möglich
    • bei besonderen Vorkommnissen sind außerplanmäßige Abschreibungen möglich
    • Wirtschaftsgüter mit geringem Wert (bis 150 Euro) können sofort abgeschrieben werden (d.h. als Aufwand verbucht werden)
    • Wirtschaftsgüter zwischen 150,01 und 1000 Euro können über ein Sammelkonto über 5 Jahre linear abgeschrieben werden
    • auch Forderungen aus dem Umlaufvermögen können abgeschrieben werden, wenn sie endgültig ausfallen
    • Tipp: Nutzen Sie unseren Abschreibungsrechner

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