Brutto-Netto-Rechner für Selbstständige

Was bleibt vom Gewinn als Selbstständiger wirklich übrig? Unser Rechner berechnet Ihre tatsächliche Steuer- und Abgabenlast – mit allen Besonderheiten der Selbstständigkeit, die in klassischen Brutto-Netto-Rechnern fehlen.
Was unser Rechner anders macht
Wer „Brutto-Netto-Rechner" googelt und auf einen Standard-Rechner für Angestellte landet, bekommt für Selbstständige falsche Werte. Vier Punkte unterscheiden diesen Rechner von den üblichen:
Selbstständigkeit statt Lohnsteuer
Bei Selbstständigen gibt es keine Lohnsteuerklasse, keine automatischen Sozialabgaben über den Arbeitgeber, keine Werbungskostenpauschale wie bei Angestellten. Stattdessen zahlen Sie Einkommensteuer auf den Jahresgewinn nach dem Grundtarif (oder Splittingtarif bei Verheirateten), und Sie tragen Ihre Sozialversicherung selbst. Der Rechner spiegelt diese Realität – kein Umweg über Angestellten-Logik.
Echte GKV-Berechnung mit Beitragsbemessungsgrenze
Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen einen Prozentsatz auf ihren Gewinn, gedeckelt auf die Beitragsbemessungsgrenze (2025: 5.512,50 Euro pro Monat, also 66.150 Euro pro Jahr). Wer mehr verdient, zahlt nicht mehr. Wer weniger verdient als die Mindestbemessungsgrundlage, zahlt einen Mindestbeitrag. Beides berücksichtigt dieser Rechner – mit aktuellen Werten 2025/2026, inklusive Pflegeversicherung und Kinderlosenzuschlag.
Wahlfreiheit zwischen GKV und PKV
Anders als bei Angestellten ist die Krankenversicherung für hauptberuflich Selbstständige wählbar. Ob GKV oder PKV günstiger ist, hängt stark vom individuellen Profil ab – Alter, Gewinn, Familiensituation. Der Rechner berechnet beide Varianten und zeigt im Ergebnis, ob ein Wechsel finanziellen Vorteil bringen könnte.
Vorsorge-Aufwendungen korrekt abgezogen
Beiträge zur Krankenversicherung und zur Rentenversicherung sind bei Selbstständigen als Sonderausgaben absetzbar – aber mit Höchstgrenzen. Der Rechner berücksichtigt die korrekte Abzugsfähigkeit von Krankenkassenbeiträgen (rund 96 Prozent der GKV-Basisbeiträge sind absetzbar) sowie die Rentenversicherungs-Höchstgrenze (29.344 Euro im Jahr 2025).
So funktioniert der Rechner
Drei Schritte zum aussagekräftigen Netto-Wert:
- Ihr Einkommen: Geben Sie Ihren Jahresgewinn an (also Umsatz minus Betriebsausgaben), Ihren Familienstand, eventuelle Kinder und ob Sie kirchensteuerpflichtig sind.
- Ihre Krankenversicherung: Wählen Sie zwischen GKV (mit Zusatzbeitrag Ihrer Kasse) oder PKV (mit Ihrem konkreten Beitrag).
- Ihre Altersvorsorge: Falls Sie freiwillig oder pflichtweise in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, geben Sie den monatlichen Beitrag an.
Der Rechner zeigt Ihnen das Netto-Einkommen pro Jahr und pro Monat, einen detaillierten Breakdown aller Abzüge, Ihre Abgabenquote und – falls relevant – einen konkreten PKV-Hinweis mit Spar-Potenzial.
Häufige Fragen zum Brutto-Netto bei Selbstständigen
Was ist „Brutto" bei Selbstständigen?
Bei Selbstständigen ist der Jahresgewinn das Brutto, also Einnahmen minus Betriebsausgaben. Das ist nicht dasselbe wie der Umsatz. Wenn Sie 100.000 Euro Umsatz gemacht haben, davon 30.000 Euro Betriebsausgaben hatten, beträgt Ihr Jahresgewinn 70.000 Euro – und das ist Ihre Brutto-Größe für diesen Rechner.
Warum ist mein Netto so viel niedriger als bei Angestellten?
Weil Sie als Selbstständiger die kompletten Sozialversicherungs-Beiträge alleine tragen. Ein Angestellter zahlt rund 50 Prozent der GKV, der Arbeitgeber die anderen 50 Prozent. Sie zahlen 100 Prozent. Außerdem haben Sie keinen Werbungskostenpauschbetrag und keine Lohnsteuerklasse-Vorteile. Faustregel: Wer als Angestellter 50.000 Euro brutto verdient hat, braucht als Selbstständiger ungefähr 100.000 bis 125.000 Euro Umsatz, um denselben Lebensstandard zu halten.
Wie hoch ist meine Einkommensteuer als Selbstständiger?
Sie zahlen den normalen Einkommensteuer-Tarif – genauso wie Angestellte. Es gibt keinen Selbstständigen-Sondertarif. Bei Verheirateten gilt der Splittingtarif (deutlich günstiger). Der Eingangssteuersatz liegt 2025 bei 14 Prozent (ab 12.097 Euro), der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent (ab 68.481 Euro), der Reichensteuersatz bei 45 Prozent (ab 277.826 Euro). Der Grundfreibetrag liegt bei 12.096 Euro – darunter zahlen Sie keine Einkommensteuer.
Muss ich Solidaritätszuschlag zahlen?
Seit 2021 gilt eine Freigrenze: Solidaritätszuschlag fällt nur an, wenn die Einkommensteuer über 19.950 Euro (bei Ledigen) oder 39.900 Euro (bei Verheirateten) liegt. Das entspricht ungefähr einem zu versteuernden Einkommen von 73.000 Euro für Ledige beziehungsweise 146.000 Euro für Verheiratete. Für die meisten Selbstständigen entfällt der Soli also.
Wie hoch sind GKV-Beiträge für Selbstständige?
Hauptberuflich Selbstständige in der GKV zahlen rund 14,6 Prozent allgemeiner Beitrag plus den krankenkassenspezifischen Zusatzbeitrag (durchschnittlich 2,9 Prozent in 2025). Dazu kommt die Pflegeversicherung mit 3,4 Prozent (oder 4,0 Prozent für Kinderlose über 23). Insgesamt also rund 21 bis 22 Prozent vom Gewinn – gedeckelt auf die Beitragsbemessungsgrenze (66.150 Euro Jahresgewinn). Wer mehr verdient, zahlt höchstens den Höchstbeitrag von rund 1.000 Euro pro Monat allein für die GKV.
Wann lohnt sich PKV statt GKV für Selbstständige?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten – es hängt von Alter, Gesundheit, Familiensituation und Gewinn ab. Faustregel: Bei Gewinn über 60.000 Euro, jung (unter 45), ledig oder Partner mit eigenem Einkommen, ohne Kinder oder mit Kindern in eigener Versicherung – kann PKV deutlich günstiger sein. Ersparnis von 100 bis 300 Euro monatlich ist realistisch. Mit Kindern und mittlerem Einkommen ist die GKV meist günstiger, weil Familienangehörige in der GKV beitragsfrei mitversichert sind, in der PKV dagegen jeder eigene Beiträge zahlen muss.
Was sind Vorsorgeaufwendungen?
Vorsorgeaufwendungen sind Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, die das zu versteuernde Einkommen reduzieren. Bei Selbstständigen sind rund 96 Prozent der Basis-Krankenversicherungsbeiträge absetzbar (der Rest entfällt auf Komfort-Leistungen wie Krankengeld). Rentenversicherungs-Beiträge sind bis 29.344 Euro im Jahr 2025 voll absetzbar. Diese Abzüge senken die Einkommensteuer-Grundlage erheblich – der Rechner berücksichtigt das automatisch.
Brauche ich als Selbstständiger eine Steuerberatung?
Bei einfachen Verhältnissen (Einzelunternehmer, EÜR, übersichtliche Ausgaben) können Sie die Steuererklärung selbst machen – mit moderner Buchhaltungssoftware ist das gut machbar. Sobald es komplexer wird (Gewinn über 60.000 Euro, mehrere Einkunftsarten, Investitionen, Mitarbeiter, Kapitalgesellschaften), ist ein Steuerberater meist eine lohnende Investition. Die Kosten amortisieren sich oft durch optimierte Gestaltung.
Wie viel sollte ich monatlich zur Seite legen?
Eine bewährte Faustregel: 30 Prozent vom ersten Euro auf ein Steuerkonto. Das deckt die Einkommensteuer-Vorauszahlungen und etwaige Nachzahlungen ab. Plus 10 bis 15 Prozent für Krankheits- und Liquiditätsrücklagen. Gerade in den ersten Jahren der Selbstständigkeit ist diese Disziplin entscheidend – wer Rücklagen aufbraucht und dann eine Steuernachzahlung bekommt, gerät schnell in Liquiditätsprobleme.
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Fazit
Der Brutto-Netto-Wert ist für Selbstständige eine ganz andere Rechnung als für Angestellte. Wer mit einem Standard-Rechner kalkuliert, bekommt verzerrte Ergebnisse – meist zu optimistisch, weil die volle Sozialversicherungs-Last unterschätzt wird. Dieser Rechner bildet die Realität ab: Was bleibt nach Steuern, GKV oder PKV, eventuell Rentenversicherung und Solidaritätszuschlag wirklich übrig? Mit dieser Klarheit können Sie realistisch planen, sich vor unliebsamen Überraschungen schützen und – wo es sinnvoll ist – Optimierungspotenziale erkennen.
Selbstständig und gesetzlich versichert? So können Sie Nachzahlungen vermeiden
Viele Selbstständige kennen die Situation: Jedes Jahr kommt Post von der Krankenkasse. Die Beiträge werden zunächst auf Basis geschätzter Einkünfte festgesetzt. Fällt der Gewinn später höher aus, erfolgt eine rückwirkende Anpassung – Nachforderungen können die Folge sein.
Doch es gibt eine Möglichkeit, Beiträge unabhängig vom Einkommen kalkulieren zu lassen und langfristig mehr Planungssicherheit zu gewinnen.









