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Gewerbe anmelden - Tipps und Checkliste

Frau am PC bei Gewerbeanmeldung

Fast jede selbstständige Tätigkeit, die Sie mit der Absicht ausüben, regelmäßig Geld zu verdienen, ist – steuerlich betrachtet – ein Gewerbe. Das Einkommensteuergesetz gibt in § 15 Auskunft darüber, was eine gewerbliche Tätigkeit überhaupt ist:

§ 15 Einkünfte aus Gewerbebetrieb

(2) Eine selbstständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land-und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbstständige Arbeit anzusehen ist.

Das bedeutet unter andere, dass alles, was nicht freiberuflich und nicht in den Bereich der Land- und Forstwirtschaft einzuordnen ist, eine gewerbliche Tätigkeit ist. Konkret gehören dazu zum Beispiel die folgenden Sparten hinein:

  • Händler
  • Gastronomiebetriebe
  • Handwerker aller Art
  • Hersteller und Produzenten

Wenn Sie zu der großen Gruppe der Gewerbetreibenden gehören, sollten Sie einiges beachten, wenn sie ihr Gewerbe anmelden wollen. Die folgende Checkliste hilft dabei, die nächsten Schritte sicher zu gehen.
 

Checkliste zur Vorbereitung der Anmeldung einer gewerblichen Tätigkeit

  1. Nehmen Sie Kontakt zur Industrie- und Handelskammer auf. Dort bringen Sie in Erfahrung, ob Sie für das Gewerbe eine spezielle Erlaubnis oder Genehmigung beantragen müssen. Manchmal sind auch Fachkundeprüfungen obligatorisch.
  2. Falls Ihr Gewerbe im Bereich Handwerk angesiedelt ist, steht ein weiterer Behördengang an: handwerkliche und handwerksähnliche Tätigkeiten sind in der Handwerksrolle zu verzeichnen. Auskünfte erteilt die zuständige Handwerkskammer.

Haben Sie die genannten Unterlagen zusammen, vereinbaren Sie ein Termin beim zuständigen Gewerbeamt. Zuständig ist die Stadt, in der Sie Ihr Gewerbe eröffnen möchten. Vom Gewerbeamt gehen Informationen über Ihre Anmeldung an das Finanzamt, die zuständige Berufsgenossenschaft und gegebenenfalls an das Amtsgericht, z. B. wenn Sie in der Rechtsform der GmbH gründen.

Gewerbebetriebe müssen eine Pflichtmitgliedschaft bei der IHK bzw. HWK eingehen. Das ist übrigens auch mit regelmäßigen Beitragszahlungen verbunden. Klären Sie, wer für Sie zuständig ist. Die Höhe der Beiträge orientiert sich am Jahresumsatz sowie der Rechtsform und variiert in Abhängigkeit vom Standort. Beispiel: In Münster zahlen Personengesellschaften mit einem Gewerbeertrag in Höhe von 100.000 € knapp 175 € jährlich, Kleingewerbetreibende lediglich rund 105 € (Stand Juni 2017)
 

Die Anmeldung beim Gewerbeamt

Um die Anmeldung ihres Gewerbes ordnungsgemäß vorzunehmen, nehmen Sie die oben beschriebenen Unterlagen mit sowie etwas Geld mit. Je nach Stadt variieren die Anmeldegebühren. Sie liegen derzeit (Juni 2017) in der Regel bei maximal 50 €, in manchen kleinen Gemeinden und den ländlichen Gebieten sind sie oftmals günstiger. Die Kosten können Sie bereits im Vorfeld auf der Internetseite des zuständigen Gewerbeamts erfragen. Die folgende Checkliste gibt einen Überblick über alle denkbaren Unterlagen, die in Abhängigkeit vom beabsichtigten Gewerbe, beim Gewerbeamt vorzulegen sind.

Checkliste Gewerbeamt

  1. Gültige Ausweispapiere
  2. alle erforderlichen Erlaubnisse bzw. Genehmigungen
  3. Handwerkskarte, falls sie einen eigenen Handwerksbetrieb eröffnen wollen
  4. Gewerbekarte, falls es sich um einen handwerksähnlichen Betrieb handelt
  5. Handelsregisterauszug, falls das Gewerbe im Handelsregister eingetragen ist
  6. Führungszeugnis/Auskunft des Gewerbezentralregisters
  7. für Gründer, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft innehaben: Aufenthaltsgenehmigung inklusive Bestätigung, dass die Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit erlaubt ist
     

Namensgebung: Regeln beachten

Zusätzlich zu den genannten Punkten sollten Sie sich darüber informieren, welche Bezeichnung Ihr Unternehmen tragen darf. Die Rechtsform gibt vor, welche Namensgebung zulässig ist. Hierbei gilt: Wer im Handelsregister eingetragen wird, muss eine Bezeichnung wählen, die die Rechtsform zu erkennen gibt, zum Beispiel GmbH, OHG oder AG. Vor der Rechtsform darf im Prinzip alles stehen, solange keine andere Firma bereits denselben Namen für sich beansprucht.

Unternehmen, die nicht im Handelsregister eingetragen werden, unterliegen diesen Zwängen nicht. Im Prinzip dürfen sie sich einen Fantasienamen ausdenken. Allerdings gibt es Empfehlungen seitens der IHK, die es Gründern nahelegt, den vollständigen Namen zu benutzen, statt irgendeinen kreativen Kunstnamen. Zwar gibt es nirgendwo eine gesetzliche Verpflichtung dazu, doch alleine aufgrund des alltäglichen Geschäftsverkehrs bietet es sich an. Denn egal, wie Sie Ihren Betrieb nennen: auf dem Briefpapier, auf Rechnungen, im Impressum und an allen anderen Stellen, die rechtsverbindlich sind, müssen Ihr vollständiger Name inklusive ladungsfähige Anschrift abgedruckt werden. Dasselbe gilt übrigens auch beim Handel im Internet.

Ebenfalls wichtig: Falls Sie einen Fantasienamen wählen, dürfen Sie Verbraucher auf keinen Fall mit falschen Informationen in die Irre führen. So darf sich eine kleine Manufaktur zum Beispiel nicht Fabrik nennen, ein einzelner Künstler nicht Agentur. Wer sich unsicher bezüglich der Namensgebung ist, klärt diese Frage rechtzeitig vor der Anmeldung, zum Beispiel bei einem kostenfreien Beratungsgespräch bei der zuständigen IHK oder Wirtschaftsförderung.

Wollen Sie sich auf eigene Faust informieren? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beantwortet hier typische Fragen rund um das Thema Unternehmensname.
 

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung – das Finanzamt klopft an Ihre Tür

Wie weiter oben erwähnt, informiert das Gewerbeamt das Finanzamt über die Anmeldung Ihres Gewerbes. Das Finanzamt schickt Ihnen daraufhin automatisch den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu. Da es in Ballungsgebieten einige Wochen dauern kann, bis der Bogen verschickt und die Steuernummer erteilt wird, ist es empfehlenswert, das gesamte Procedere aktiv zu beschleunigen.

Surfen Sie zur Webseite des zuständigen Finanzamts oder nutzen sie die Formularsammlung der Bundesfinanzverwaltung unter www.formulare-bfinv.de. Alternativ können Sie bei der Neuaufnahmestelle des Finanzamts anrufen oder persönlich vorsprechen, um den Fragebogen schnellstmöglich zu erhalten.

Der Fragebogen ruft alle relevanten Informationen ab, die das Finanzamt benötigt, um die Tätigkeit steuerlich korrekt einzuordnen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass der Fragebogen vollständig und richtig ausgefüllt ist. Tun Sie das nicht, dann drohen zeitraubende oder ärgerliche Konsequenzen, und Zeit ist ja bekanntlich Geld:

  • Das Finanzamt meldet sich zur Betriebsbesichtigung an, um die Rückfragen vor Ort zu klären
  • Die Steuernummer wird nicht erteilt bzw. so lange zurückgehalten, bis alle Fragen beantwortet sind
  • Die Einkommensteuervorauszahlungen werden falsch angesetzt. Sind die Vorauszahlungen zu niedrig, drohen ihnen unverhofft hohe Nachzahlungen und die schwächen Ihre Liquidität.

Sie müssen in den Fragebogen bereits eintragen, ob Sie eine Gewinnermittlung oder eine Bilanz einreichen und welche umsatzsteuerliche Behandlung Sie wählen. Klingt das wie Fach-Chinesisch für Sie? Dann sollten Sie Nägel mit Köpfen machen und den Fragebogen gemeinsam mit dem Steuerberater Ihres Vertrauens ausfüllen. Der kennt relevante Freibeträge, überblickt die Höhe eventueller Vorauszahlungen und kann Ihnen dabei helfen, die Weichen von Beginn an korrekt zu stellen.

Klar, ein Steuerberater kostet erst einmal Geld. Doch wenn Sie aufgrund falscher Eintragungen Probleme mit dem Finanzamt bekommen und zudem noch viel Zeit investieren müssen, die Probleme zu lösen, dann wird der daraus resultierende Umsatzausfall mit hoher Wahrscheinlichkeit teurer werden, als das Honorar für die Beratungsstunde. Es muss ja nicht die teuerste Kanzlei am Platz sein. Entscheiden Sie sich für eine junge Praxis, zum Beispiel ebenfalls von einem Existenzgründer, sehen die Preise meist moderater aus.

Tipps oder Checklisten, wie Sie den Fragebogen „richtig“ ausfüllen, sind an dieser Stelle nicht sinnvoll, denn die Eintragungen sind sehr individuell und haben besonders in (einkommens-) steuerlicher Hinsicht weitreichende Auswirkungen. Das gilt auch dann, wenn Sie im Nebenerwerb gründen.
 

Tipps für die Organisation zur Vorbereitung der Bilanz oder Gewinnermittlung

Ganz egal, ob Sie eine Bilanz oder eine Gewinnermittlung beim Finanzamt einreichen müssen, Sie sollten vom ersten Federstrich an Ordnung in Ihre Papier bringen. Das erleichtert die Abschlusserstellung erheblich. Die folgende Checkliste zeigt, welche Ordner Sie digital und analog führen sollten.
 

Checkliste administrative Organisation

  • Kassenbuch - Hier sammeln Sie Barbelege und tragen die täglichen Einnahmen und Ausgaben ein.
  • Bank – Richten Sie einen extra Ordner für alle Banken ein. Sie sollten für Ihr Unternehmen ohnehin ein eigenes Konto eröffnen, um die Vermischung von privat und geschäftlich konsequent zu vermeiden.
  • Eingangsrechnungen - Gesammelt werden Rechnungen von Lieferanten.
  • Ausgangsrechnungen - Hier gehören Ihre selbst geschriebene Rechnungen hinein.
  • Stammakte – In die Stammakte gehören alle Dauer-Dokument wie z.B. der Bescheid über die Steuernummer, der Bescheid über die USt-ID, Miet- und Pachtverträge, Kooperationsvereinbarungen, Versicherungsverträge etc.
  • Steuern – Unterteilen Sie nach allen anfallenden Steuerarten. Typischerweise sind das Einkommensteuer/Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer.
  • Anlagevermögen – Sammeln Sie separat alle Rechnungen, die zu den Anlagegütern gehören. Diese werden in der Buchhaltung ggf. speziell behandelt.
     

Umsichtig und vorausschauend das Gewerbe gründen

Wenn Sie Ihren Weg in die Selbständigkeit als Gewerbetreibender so sorgfältig vorbereiten und mit offenen Augen gehen, sollten Ihnen eine ganze Reihe von Schwierigkeiten erspart bleiben. Noch ein letzter Tipp zum Thema: Planen Sie Ihre Zeit großzügig, denn der Behördenlauf kostet Sie mehrere Wochen, bei Problemen sogar Monate.

Am sensibelsten ist das Steuer-Thema, denn in Deutschland kennt das Finanzamt kein Pardon. Hier verursachen Fehler ganz schnell Kosten, die Sie durch die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater vermeiden können. Abgesehen davon: Stimmt das Verhältnis zu Ihrem Sachbearbeiter beim Finanzamt nicht, können die jährlichen Steuererklärungen zu einer Wut- oder Mutprobe werden, die Geld kostet, wertvolle Zeit stiehlt und noch wertvollere Energie schluckt.

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Der Start in die berufliche Selbständigkeit ist nicht nur mit einer überzeugenden Geschäftsidee, mit Engagement und dem Dienst am Kunden verbunden.


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