Selbstständig machen als Tiersitter

Die Deutschen haben bekanntlich eine sehr ausgeprägte Tierliebe, was in diesem Beitrag auch noch zahlenbasiert nachvollzogen werden kann. Was aber mit dem Haustier zur Urlaubszeit tun oder wenn man selber aus welchen Gründen auch immer verhindert ist? Aus dieser Ausgangssituation soll die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Tiersitter/mit Tierbetreuung‘ abgeleitet werden. In diesem Beitrag stehen folgende Aspekte im Fokus, um die Planung von Beginn an zielfokussiert aufnehmen zu können.
Die Existenzgründung als Tiersitter braucht eine Perspektive und klare Ziele
Es versteht sich von selbst, dass eine ausgeprägte Tierliebe und auch Fachwissen für die Umsetzung dieser Geschäftsidee erforderlich sind. Zudem sollten sich angehende selbstständige Tiersitter im Klaren darüber sein, welche finanziellen Ziele sie mit dieser Geschäftsidee erreichen wollen/können: Soll es sich nur um einen Nebenverdienst handeln? Soll dieser langfristig in die hauptberufliche Selbstständigkeit als Haustiersitter führen? Oder aber lässt es die Auftragslage von Beginn an zu, von der Tätigkeit als Tiersitter leben zu können? Der Businessplan sollte möglichst zahlenbasierte und vor allem realistische Antworten auf diese Perspektiven geben können.
Unter diesen Voraussetzungen selbstständig als Haustiersitter machen
Beim Tiersitter handelt es sich nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung, sodass sich jeder mit dieser Geschäftsidee selbstständig machen kann. Es versteht sich aber von selbst, dass Erfahrungen im Umgang mit den betreffenden Tieren und Fachwissen unabdingbar sind. Da ein Tiersitter für Schäden haftbar gemacht werden kann, ist ein ausreichender Versicherungsschutz in finanzieller Hinsicht eine wichtige Grundvoraussetzung für die selbstständige Ausübung dieser Tätigkeit. Da der Beruf nicht geschützt ist, gibt es in Bezug auf die Voraussetzungen nicht selten Unklarheiten. Diese sollten so früh wie möglich aus dem Weg geräumt werden, z. B. bei einem Gespräch mit dem zuständigen Veterinäramt.
Wer sich selbstständig als Tiersitter macht, muss ein Gewerbe anmelden. Die Tierbetreuung zählt nicht zu den freien Berufen des § 18 EStG, sondern ist eine gewerbliche Dienstleistung – und zwar unabhängig davon, ob sie haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Maßgeblich ist allein die Gewinnerzielungsabsicht.
Gewerbeanmeldungs-Plan: persönliche Checkliste erstellen
Zweite Hürde: die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz
Die Gewerbeanmeldung allein genügt nicht. Wer gewerbsmäßig Wirbeltiere betreut, braucht zusätzlich eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 TierSchG vom zuständigen Veterinäramt. Gewerbsmäßig heißt: selbstständig, planmäßig, fortgesetzt und mit Gewinnerzielungsabsicht – die Schwelle ist also niedriger, als viele Gründer annehmen. Für Tierpensionen und Betreuung in den eigenen Räumen ist die Erlaubnispflicht unstrittig. Bei mobilen Tiersittern, die das Tier in dessen gewohnter Umgebung versorgen, ist die Rechtslage nicht eindeutig geregelt; viele Veterinärämter verlangen die Erlaubnis dennoch in Anlehnung an den gewerbsmäßigen Hundetrainer. Verlassen Sie sich hier nicht auf Foren oder auf die Praxis im Nachbarkreis – fragen Sie vor dem Start beim eigenen Veterinäramt nach. Wer ohne erforderliche Erlaubnis arbeitet, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Für die Erlaubnis ist in aller Regel ein Sachkundenachweis zu erbringen. Er wird im Fachgespräch beim Veterinäramt abgenommen und deckt Tierhaltung, Verhalten, Ernährung, Krankheitsanzeichen und die einschlägigen Rechtsvorschriften ab. Sofern mehrere Tiere über einen längeren Zeitraum beherbergt werden, geht es um die gewerbliche Haltung. Das konkrete Leistungsspektrum wird die Basis für eine etwaige Erlaubnispflicht darstellen. Je nach Umfang der Tätigkeiten und der räumlichen Gegebenheiten kann es sein, dass sich ein Mitarbeiter des Veterinäramts alles genau anschauen wird, bevor der Antrag auf Erlaubnis erteilt wird.
Wer die Tiere bei sich zu Hause aufnehmen will, sollte vor allem zwei Dinge früh klären: ob der Mietvertrag bzw. die Teilungserklärung das hergibt und ob die Nutzung der Räume baurechtlich zulässig ist. Beides kann die Geschäftsidee kippen, nachdem schon investiert wurde.
Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen als Tiersitter?
Deutschland ist ganz klar ein Land der Haustiere: Nach der gemeinsamen Erhebung von Industrieverband Heimtierbedarf und Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (2025) leben hierzulande rund 33,4 Millionen Hunde, Katzen, Kleintiere und Ziervögel in den Haushalten. In etwa 43 Prozent aller Haushalte lebt mindestens ein Haustier. Daraus ergibt sich eine potenziell große Nachfrage. Zu klären ist natürlich, an welche Tiere sich die Betreuung richten soll. Was die tierische Zielgruppe angeht, so nehmen Katzen mit rund 15,7 Millionen und Hunde mit etwa 10 Millionen die Vorreiterstellung ein. Das heißt nicht automatisch, dass Tiersitter auf den Hund oder die Katze kommen müssen. Kleintiere und Ziervögel machen mit etwa 4,4 bzw. 3,3 Millionen Tieren auch einen beträchtlichen Teil aus.
Wann herrscht die größte Nachfrage nach Tiersittern?
Was beim Babysitten völlig normal und gesellschaftlich etabliert ist, ist im Tierbereich noch ganz anders. Das Tiersitting spielt in Deutschland im Vergleich zu den USA beispielsweise noch eine untergeordnete Rolle. Zwar gibt es hierzulande auch Tierpensionen. Private Betreuungsmöglichkeiten sind aber rar. Daher kann die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Tiersitter‘ eine Angebotslücke besetzen, wobei natürlich die konkreten Voraussetzungen am Standort zu analysieren sind.
Die stärkste Nachfrage entsteht erwartungsgemäß in der Urlaubszeit sowie an Feiertagen und Brückentagen – also genau dann, wenn auch Tierpensionen ausgebucht sind. Hinzu kommen kurzfristige Anlässe: Krankenhausaufenthalte, Dienstreisen, Umzüge. Ein Teil der Halter nimmt das Tier zwar mit in den Urlaub, doch das ist angesichts der Länge der Reise und zahlreicher Einreise- und Beförderungsbestimmungen sicher nicht für jedes Ziel und schon gar nicht für jedes Tier eine Option. Für Tiersitter ist der saisonale Ausschlag Chance und Risiko zugleich: In den Ferienwochen lässt sich die Auslastung kaum bewältigen, in den ruhigen Monaten fehlt sie.
Wie viel geben die Deutschen für Haustiere aus?
Die Ausgabebereitschaft ist hoch und über die Jahre stabil gewachsen. Der Heimtiermarkt in Deutschland bewegt sich nach Verbandsangaben (IVH/ZZF) auf einem Niveau von mehreren Milliarden Euro pro Jahr, allein für Fertignahrung und Bedarfsartikel. Hinzu kommen Tierarztkosten, und ein wachsender Teil der Tiere ist zusätzlich versichert. Interessant sind auch die typischen Gründe, die gegen die Haltung von Haustieren sprechen:
- Zeit
- Verantwortung
- Haltungskosten
Das Angebot eines Haustiersitters kann die ersten beiden Aspekte aufgreifen und Haltern mehr Zeit ermöglichen, da sie ihre Verantwortung für einen gewissen Zeitraum aus der Hand geben können. Die hohe Ausgabebereitschaft der Deutschen für Haustiere darf Tiersitter zuversichtlich stimmen, gut an dem großen Kuchen mitverdienen zu können. Das setzt freilich eine kluge strategische Positionierung der eigenen Dienstleistungen voraus.
Businessplan als Tiersitter ausarbeiten: Diese Aspekte sind wichtig
Wozu einen Businessplan ausarbeiten? Diese Frage werden sich einige Tiersitter angesichts kaum vorhandener Finanzierungskosten sicher stellen (hierin zeigt sich übrigens ein großer Vorteil dieser Geschäftsidee). Für selbstständige Tiersitter hat der Businessplan weniger die Funktion, Geldgeber zu überzeugen bzw. die Finanzierung sicherzustellen. Vielmehr muss es das Ziel sein, die eigene Tätigkeit bestmöglich auf die Nachfrage am Markt auszurichten. Die folgenden Themen sollten daher im Fokus stehen.
Die folgende Übersicht bündelt die Schritte von der Idee bis zum ersten bezahlten Auftrag. Sie ist als Orientierungshilfe zu verstehen und ersetzt keine Auskunft des Veterinäramts im Einzelfall.
- Tierarten festlegen, für die die Betreuung angeboten wird.
- Entscheiden: Betreuung beim Halter zu Hause oder Aufnahme in den eigenen Räumen.
- Leistungsumfang definieren – Fütterung, Gassigang, Medikamentengabe, Übernachtung.
- Einzugsgebiet und maximale Anfahrtszeit festlegen.
- Beim zuständigen Veterinäramt die Erlaubnispflicht nach § 11 TierSchG abklären.
- Sachkundenachweis vorbereiten und Fachgespräch terminieren.
- Bei Aufnahme im eigenen Zuhause: Miet- und baurechtliche Zulässigkeit prüfen.
- Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden.
- Preise vergleichbarer Anbieter und Tierpensionen in der Region erheben.
- Eigene Kosten erfassen: Fahrten, Versicherung, Ausstattung, Beiträge.
- Stundensatz und Pauschalen festlegen, Zuschläge für Feiertage einplanen.
- Saisonale Schwankungen in der Jahresplanung berücksichtigen.
- Betriebs- bzw. Berufshaftpflicht mit Einschluss der Obhutsschäden abschließen.
- Klären, ob Schäden durch das betreute Tier über die Tierhalterhaftpflicht des Kunden laufen.
- Schlüsselverlust-Deckung prüfen, wenn Wohnungsschlüssel übergeben werden.
- Betreuungsvertrag mit Notfallregelung und Tierarztvollmacht aufsetzen.
- Regionale Homepage aufsetzen und Local SEO umsetzen.
- Unternehmensprofil bei Google anlegen und pflegen.
- Kontakt zu Tierärzten, Tierheimen und Zoofachhandel vor Ort aufbauen.
- Profile auf Vermittlungsportalen anlegen und deren Provisionen gegenrechnen.
- Kennenlerntermin als festen Bestandteil vor jeder Buchung etablieren.
- Steckbrief je Tier anlegen: Futter, Medikamente, Gewohnheiten, Tierarzt.
- Einnahmen und Fahrten laufend dokumentieren.
- Rücklagen für Steuern bilden und Preise regelmäßig überprüfen.
Wie sind die geschäftlichen Chancen am Standort?
Zu Beginn hat eine gründliche Standort- und Konkurrenzanalyse zu erfolgen. Vor allem, wenn es sich direkt um eine hauptberufliche Selbstständigkeit handeln soll. Zu analysieren ist, wie viele Haustiere überhaupt vorhanden sind und wie die Kaufkraft und auch demografische Variablen ausgeprägt sind. Der eigene Tätigkeitsschwerpunkt sollte optimal zur Ausgangslage vor Ort passen. Wer sich auf Kleintiere spezialisieren möchte, sollte in einem überschaubaren Umkreis viele potenzielle Kunden und möglichst wenig (direkte) Konkurrenz finden. Dabei kann es sich auch um Tierpensionen handeln. Zudem können Befragungen ein realistisches Bild darüber zeichnen, wie viele Kunden die Dienste eines Tiersitters zu welchen Konditionen (!) tatsächlich in Anspruch nehmen würden.
Tiersitter werden: Für welche Tiere?
Die Zahlen legen nahe, dass Tierbetreuung für Hunde und Katzen in Deutschland besonders vielversprechend ist. Genauso könnte der Fokus aber auch auf Kleintieren bzw. Ziervögeln liegen. Je nach Fachwissen ist auch ein Fokus auf mehrere Tiere möglich, solange sich diese gegenseitig nicht ausschließen. Wer sich auf Hunde konzentriert und vor allem den Auslauf abdecken will, findet die Besonderheiten dieses Modells im Beitrag selbstständig machen als Dogwalker.
Ablauf und Service: Unter welchen Voraussetzungen das eigene Tier betreuen lassen?
Klar ist, dass Vertrauen und Seriosität eine Schlüsselrolle für diese Geschäftsidee spielen. Halter müssen von Beginn an den Eindruck haben, dass die Tiere beim Tiersitter in fachlich und menschlich guten Händen aufgehoben sind. Ein vorheriges Gespräch zum Kennenlernen sollte daher zu einer professionellen Arbeitsauffassung gehören. Dann sind natürlich noch die Details des Ablaufs zu klären: Sollen die Tiere in ihrer Umgebung bleiben, während Herrchen und Frauchen verhindert sind? Oder aber sollen Kleintiere beim Tiersitter ein neues Zuhause auf Zeit finden können? Das wiederum setzt voraus, dass der Tiersitter selber über ausreichende räumliche Möglichkeiten verfügt. In einer Mietwohnung kann die Geschäftsidee sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Zu prüfen ist definitiv, was überhaupt vertraglich erlaubt ist.
In den Betreuungsvertrag gehört eine Tierarztvollmacht mit Kostenrahmen. Ohne sie steht der Tiersitter im Notfall vor der Frage, ob er eine Behandlung beauftragen darf und wer sie bezahlt. Ebenso sinnvoll: die Kontaktdaten des behandelnden Tierarztes und eine Erreichbarkeit des Halters für den Ernstfall.
Zielgruppe und Leistungsspektrum: Wie Kunden überzeugen?
Zu überlegen ist, welche Leistungen die Betreuung mit Blick auf die Bedürfnisse der jeweiligen Tiere jenseits der Fütterung und Pflege beinhalten sollte. Bei einem Hund spielt der Auslauf eine große Rolle, bei einer Katze die regelmäßige Reinigung der Katzentoilette. Ziervögel könnten es gewohnt sein, regelmäßig fliegen zu dürfen etc. Um Kunden einen optimalen Service zu bieten, sind in einem persönlichen Vorgespräch individuelle Lösungen zu erörtern. Was wünschen sich Tierhalter wirklich und welche Bedürfnisse hat das Tier?
Preisgestaltung, die wichtige finanzielle Seite der Existenzgründung
Letztlich muss die Tierbetreuung trotz der Ausgabebereitschaft bezahlbar sein, damit sie ggf. auch über einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen werden kann. Gründer sollten Preise und Konditionen sehr durchdacht ausarbeiten, um…
- möglichst viel mit der selbstständigen Arbeit verdienen zu können.
- durch langfristige Aufträge konstante Einnahmen über einen längeren Zeitraum zu erzielen, wodurch sich auch die Planungssicherheit erhöhen lässt.
Weil in dieser Tätigkeit viel unbezahlte Fahrzeit anfällt und die Auslastung saisonal schwankt, ist der Blick auf den nötigen Jahresumsatz wichtiger als der auf den einzelnen Stundenpreis:
Marketing: Wie Kunden gewinnen als Haustiersitter?
Um die eigene Bekanntheit im Ort oder ggf. der gesamten Region zu erhöhen, sollte mit Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit als Haustiersitter eine suchmaschinenoptimierte Homepage online gehen. Besonders Local SEO Maßnahmen sind vielversprechend, um die potenziellen Kunden vor Ort zu aktivieren bzw. gezielt anzusprechen. Grundsätzlich müssen Kunden, die nach einer solchen Option für die Urlaubszeit oder den Krankheitsfall suchen, sie auch mit entsprechend relevanten Suchbegriffen finden können. Ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google gehört dazu, weil die Suche nach Betreuung fast immer regional beginnt. Flyer (auch an Pinnwänden in Supermärkten) und Zeitungsannoncen sowie regional lancierte Pressemeldungen sind weitere zielgenaue und reichweitenstarke Mittel, um Kunden für sich zu gewinnen.
Besonders wirksam sind Kooperationen mit Stellen, die ohnehin täglich mit Tierhaltern zu tun haben: Tierarztpraxen, Zoofachgeschäfte, Hundeschulen und Tierheime. Eine Visitenkarte an der richtigen Pinnwand ersetzt hier manche Anzeige.
Durch persönliche Empfehlungen neue Kunden gewinnen
Da es bei dieser Geschäftsidee auf Vertrauen und Zuverlässigkeit ankommt, werden persönliche Weiterempfehlungen durch Freunde und Verwandte sicher eine Schlüsselrolle spielen. Das zeigt, wie wichtig eine gute und vor allem zuverlässige Arbeit eines Hundesitters ist, die sich in erster Linie direkt am Wohlergehen der Tiere ablesen lässt. Mit dem Ziel, persönliche Weiterempfehlungen zu erhalten, sollten Tiersitter Visitenkarten als sehr klassisches und günstiges Werbemittel fleißig an vorhandene Kunden oder alle Interessenten verteilen. Mittlerweile gibt es auch einige Portale, die für die Tierbetreuung genutzt werden können. Zu prüfen ist allerdings, wie hoch die Kosten für diese Form der Vermittlung sind und ob sich das Ganze dann überhaupt noch rechnet.
Wie viel verdient man als selbstständiger Haustiersitter?
Diese Frage sollte jeder Gründer für sich selber beantworten können bzw. klären, welches Verdienstniveau er zunächst und dann perspektivisch anstrebt. Generell sei darauf verwiesen, dass für die Tierbetreuung in Deutschland meistens mit einem Stundenlohn zwischen 10 und 15 Euro zu rechnen ist; für Übernachtungsbetreuung und anspruchsvolle Fälle liegen die Sätze darüber. Um einen Verdienst von deutlich über 2.000 Euro zu erzielen, wäre über den ganzen Tag verteilt und wohl auch am Wochenende eine hohe Auslastung erforderlich.
Um die Verdienstmöglichkeiten als Tiersitter zu verbessern bzw. sie generell auf eine breitere Basis zu stellen, sind weitere Einnahmequellen zu prüfen und ggf. direkt mit in die Planung zu integrieren. Möglich wären etwa folgende angrenzende Geschäftstätigkeiten:
- Tierbedarf direkt an die Halter verkaufen (Pflege- oder Futtermittel).
- Online-Shop für Tierbedarf gründen.
- Blog mit Fachtipps ins Leben rufen und bei hohem Traffic eine zusätzliche Einnahmequelle nutzen.
Bei den in dieser Tätigkeit üblichen Umsätzen greift zu Beginn fast immer die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG – maßgeblich sind derzeit 25.000 Euro netto Vorjahresumsatz und voraussichtlich unter 100.000 Euro netto im laufenden Jahr. Wer allerdings gleich in Ausstattung oder ein Fahrzeug investiert, sollte gegenrechnen: Als Kleinunternehmer entfällt der Vorsteuerabzug.
Kleinunternehmer-Rechner: Lohnt sich § 19 UStG für mich?
Kommt die Gewerbesteuer ins Spiel, entspannt der Freibetrag von 24.500 Euro für Einzelunternehmen und Personengesellschaften die Lage – in den ersten Jahren fällt sie damit in aller Regel nicht an.
Gewerbesteuerrechner: Was fällt tatsächlich an?
Da vom Honorar keine Steuer einbehalten wird, kommt die Belastung gesammelt mit dem Bescheid. Ein fester Anteil jeder Einnahme gehört deshalb von Beginn an zur Seite gelegt.
Steuerrücklagen-Rechner: Wie viel muss ich zurücklegen?
Welche Versicherungen braucht ein Tiersitter?
Dort, wo Tiere ausgeführt oder betreut werden, kann es schnell zu Schäden oder Unfällen kommen. Man stelle sich nur vor, ein Hund reißt sich los und verursacht einen Unfall. Daher sollte zu Beginn sichergestellt werden, dass Tiersitter für solche Fälle einen umfassenden Versicherungsschutz genießen können. Eine Betriebs- bzw. Berufshaftpflichtversicherung wird mit Sicherheit der Kern einer solchen Absicherung sein – die private Haftpflicht leistet bei gewerblicher Tätigkeit nicht.
Zwei Punkte, an denen es in der Praxis klemmt
Erstens die Obhutsschäden: Schäden am betreuten Tier selbst sind in Standardpolicen häufig ausgeschlossen und müssen ausdrücklich eingeschlossen werden. Zweitens die Tierhalterhaftpflicht des Kunden: Sie haftet für Schäden, die das Tier anrichtet – aber nur, wenn der Vertrag den sogenannten Hüterschaden nicht ausschließt. Beides gehört vor dem ersten Auftrag geklärt, und zwar schriftlich mit dem Halter.
Zudem sollte bei jeder Betreuung ein Vertrag abgeschlossen werden, um für beide Seiten Planungssicherheit herzustellen. Wer haftet in welchem Szenario? An welche Regeln haben sich beide Seiten zu halten?
Tücken und häufige Fehler in der Tierbetreuung
- Nur das Gewerbe angemeldet, die Erlaubnis vergessen. Die Gewerbeanmeldung erfolgt beim Gewerbeamt, die Erlaubnis nach § 11 TierSchG beim Veterinäramt – zwei getrennte Wege, und nur einer davon fällt beim Gewerbeamt auf.
- Obhutsschäden nicht versichert. Verletzt sich das betreute Tier, ist genau dieser Fall im Standardvertrag oft ausgeschlossen.
- Keine Tierarztvollmacht. Im Notfall fehlt die Handlungsgrundlage – und hinterher die Klärung, wer zahlt.
- Saisonalität unterschätzt. Ferien und Feiertage tragen den Umsatz; wer die Flaute dazwischen nicht einkalkuliert, verrechnet sich auf Jahresbasis.
- Fahrzeiten nicht eingepreist. Bei kurzen Einsätzen von 30 bis 60 Minuten kann die Anfahrt länger dauern als der Auftrag selbst.
- Zu viele Tiere gleichzeitig. Mehrere fremde Hunde auf einem Spaziergang sind fachlich anspruchsvoll und haftungsseitig heikel – örtliche Vorgaben zur Zahl der geführten Hunde sind zu beachten.
- Kein Kennenlerntermin. Ob Tier und Sitter zusammenpassen, zeigt sich nicht am Telefon.
Trends in der Tierbetreuung
Die Zahl der Haustiere ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und verharrt seither auf hohem Niveau. Gleichzeitig hat sich die Erwartung an die Betreuung verändert: Halter wollen ihr Tier nicht mehr nur versorgt wissen, sondern erwarten Rückmeldung – Fotos, kurze Nachrichten, ein Protokoll des Spaziergangs. Wer das systematisch anbietet, hebt sich ohne große Zusatzkosten ab.
Vermittlungsplattformen und Apps haben den Markt zugänglicher gemacht, drücken über ihre Provisionen aber auf die Marge. Für viele Tiersitter ist der Plattformweg deshalb ein Einstieg zum Aufbau der ersten Referenzen – nicht das dauerhafte Geschäftsmodell. Parallel wächst die Nachfrage nach spezialisierter Betreuung: alte oder chronisch kranke Tiere, Medikamentengabe, Katzen mit besonderem Handling. Genau dort lassen sich Preise durchsetzen, die im Standardgeschäft nicht zu erzielen sind.
Zusammenfassung und FAQ zur Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Haustiersitter‘
Warum selbstständig machen als Tiersitter?
Weil in deutschen Haushalten rund 33 Millionen Haustiere leben und sich gerade in der Urlaubszeit bzw. im Krankheitsfall schnell Probleme bei der Betreuung eigener Haustiere ergeben.
Muss ich für die Tierbetreuung ein Gewerbe anmelden?
Ja. Die Tierbetreuung ist eine gewerbliche Tätigkeit und beim Gewerbeamt anzumelden, sobald sie mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird – auch nebenberuflich. Zusätzlich ist die Erlaubnis nach § 11 TierSchG beim Veterinäramt zu klären.
Wie gelingt die Kundengewinnung als Tiersitter?
Abgesehen von einer möglichst hohen Reichweite werden persönliche Empfehlungen im Sinne der Mund-zu-Mund-Propaganda sicher eine Schlüsselrolle spielen. Daher wird die Qualität der eigenen Arbeit entscheidend sein.
Lohnt sich die Selbstständigkeit als Tiersitter?
Das muss der Businessplan zahlenbasiert zeigen, den jeder Gründer sorgfältig ausarbeiten sollte. Durch die Erschließung weiterer geschäftlicher Tätigkeiten (Verkauf von Tierzubehör, Betreiben eines Blogs etc.) lässt sich der Verdienst unabhängig von der tatsächlichen Auslastung auf eine breitere Basis stellen.
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