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Selbstständig machen mit einer Parfümerie / Drogerie

Mann in Parfümerie

Wer einen guten Riecher für Düfte, Trends und Körperpflegeprodukte hat, spielt eventuell mit dem Gedanken, sich mit einer Parfümerie/Drogerie selbstständig zu machen. Doch wie kann dieses Vorhaben angesichts der großen Konkurrenz gelingen? Welche Themen, strategisch bedeutsame Handlungsfelder und unternehmerische Entscheidungen sind wichtig? Der folgende Beitrag möchte diesbezüglich eine orientierende ‚Duftmarke‘ setzen und zentrale Rahmenbedingungen für die Eröffnung einer Parfümerie/Drogerie skizzieren.

Selbstständig machen mit einer Parfümerie: Handlungsfelder für die Existenzgründung

  • Analyse der Ausgangslage
  • strategische Optionen für die Positionierung am Markt
  • zielfokussierte Ausrichtung des Leistungsspektrums
  • Ist das Internet eine prüfenswerte Alternative?
  • Welche formalen Voraussetzungen sind zu erfüllen?
     

Existenzgründung mit Parfümerie/Drogerie: Analyse der Ausgangslage

Sich selbstständig machen mit einer Parfümerie oder Drogerie bedeutet nichts anderes als eine Existenzgründung im Bereich des Einzelhandels. Insofern wird schon deutlich, dass die Konkurrenz enorm ist. Neben großen Fachketten, die eigentlich in jeder Stadt präsent sind, ist auch an das wachsende Angebot in großen Supermärkten zu denken. In Deutschland gibt es alleine über 3.000 Fachgeschäfte, die jedes Jahr Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaften. Und schließlich hat auch der Verkauf von Parfums und Pflegeprodukten in den letzten Jahren im Internet deutlich zulegen können. Was die Umsätze in diesem Geschäftsbereich angeht, so machen Damendüfte mehr als ein Drittel aus, womit ein gewisser strategischer Schwerpunkt sicher schon vorgegeben ist.
 

Selbstständig machen mit Parfümerie/Drogerie: Bewertung der Chancen

Die Ausgangslage ist ziemlich komplex, da der Markt recht gesättigt und die Konkurrenz groß ist. Wer eine Parfümerie bzw. Drogerie eröffnen möchte, sollte nicht mit einem Selbstläufer rechnen. Ganz im Gegenteil: Die Ausgangssituation zwingt Existenzgründer dazu, eine profitable Nische zu besetzen bzw. Kunden ‚wohlriechende‘ Mehrwerte zu bieten, die die Konkurrenz in der Form nicht liefert. Insofern ist im Vorfeld der Selbstständigkeit mit einer Parfümerie einiges an Planungsarbeit notwendig: Der Businessplan ist der richtige formale Rahmen, um die Handlungsfelder zielorientiert und ganzheitlich aufeinander abzustimmen. Neben den nachhaltigen Potenzialen der Geschäftsidee sollten vor allem auch die Alleinstellungsmerkmale deutlich werden. Ein professioneller Businessplan wird nur dann externe Geldgeber überzeugen können, wenn die Planung der Finanzen in sich stimmig und vor allem realistisch ist.
 

Praxistipp: So wird ein Businessplan für eine Parfümerie zum Erfolg

Was gehört in welcher Form in den Businessplan? Welche Funktionen muss dieses Dokument erfüllen? Hier können sich Existenzgründer mit allen Inhalten sowie Anforderungen vertraut machen.


‚Den richtigen Riecher‘ für Leistungsspektrum und Zielgruppe

Entscheidend für den Erfolg in diesem hart umkämpften Handelsbereich wird eine kluge strategische Positionierung am Markt sein. Der in der Planungsphase der Existenzgründung zu erstellende Businessplan wird in dieser Hinsicht überzeugende und vor allem tragfähige Konzepte liefern müssen. Letztlich kommt es auf den Standort an: Sind in einem Umkreis von X Kilometern schon etliche Parfümerien/Drogerien vorhanden, so wird eine Geschäftseröffnung nur Sinn machen, wenn sich das eigene Angebot deutlich abhebt. Insofern muss nicht zwangsläufig mit einem breiten Produktspektrum gestartet werden. Es kann Sinn machen, eine bestimmte Nische zu besetzen. Zu denken ist etwa an spezielle Pflegeprodukte, Parfums von bestimmten Marken (die es idealerweise woanders kaum gibt) oder an erlesene Luxusprodukte. Auch Trends können ggf. erfolgreich besetzt werden, indem nur Bioerzeugnisse aus diesem Bereich verkauft werden. Letztlich muss das Angebot zur Zielgruppe und zum Standort passen. Nur so kann eine gute Umsatzbasis erreicht werden.
 

Guter Standort und sinnliche Präsentation der Waren

Ein guter Standort für eine Parfümerie/Drogerie zeichnet sich dadurch aus, dass er jeden Tag viel Laufkundschaft anzieht. Gute Parkmöglichkeiten sind ebenfalls ein sehr wichtiges Kriterium, wenn sich das Ladenlokal nicht in der Innenstadt befinden sollte. Die äußere und innere Erscheinung der Parfümerie/Drogerie sollten ihren Beitrag dazu leisten, um Besuch zu kaufwilligen Kunden zu machen. Gerade Parfums lassen sich mit dem Geruchssinn wirkungsvoll in Szene setzen, wobei passende Musik einen weiteren Beitrag für eine Wohlfühlatmosphäre leisten kann. Psychologen haben herausgefunden, dass eine lange Verweildauer die Kaufwahrscheinlichkeit insgesamt erhöht. Angenehme Düfte und Musik können in dieser Hinsicht einen wirkungsvollen Beitrag dazu leisten, Kunden im Laden zu halten. An der inneren und äußeren Gestaltung des Verkaufskonzeptes sollte buchstäblich nicht gespart werden. Es ist kein Zufall, dass gerade Parfümerien/Drogerien sichtbaren Wert auf einen in jeder Hinsicht gepflegten Eindruck legen!
 

Praxistipp für eine ‚dufte‘ Geschäftsidee:

Parfum ist als Klassiker eine der beliebtesten Geschenkideen. Fast 50 % der Deutschen bekommen Parfum zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt. Insofern kann die Existenzgründung auch in diese Richtung gehen. Für Mehrwerte könnte eine persönliche Fachberatung sorgen. Man(n) weiß schließlich nicht immer, welcher Duft ihr gefallen könnte. Gerade um die Weihnachtszeit sollten Geschenkideen in den Fokus der Verkaufsaktivitäten rücken.


Online Parfümerie/Drogerie als tragfähige Alternative?

Da ein guter Standort nicht leicht zu finden ist und für eine Geschäftseröffnung mitunter viel Geld aufzubringen sein wird, kann auch die Alternative der Eröffnung einer Online Parfümerie/Drogerie geprüft werden. Sofern Räumlichkeiten für die Lagerung und die notwendigen Logistikprozesse vorhanden sind, würden eine hohe Ladenmiete und anfängliche Investitionskosten entfallen, das unternehmerische Risiko hielte sich in Grenzen. Zu bedenken ist aber, dass auch die Konkurrenz im Internet groß ist, was einen erbarmungslosen Preiskampf eröffnet, der sich letztlich immer negativ auf die Gewinnmargen auswirkt. Zudem ist der Onlinehandel in diesem Bereich in der letzten Zeit des Öfteren in Verruf geraten, da gefälschte Produkte verkauft wurden. Für viele Kunden wird das Internet in diesem Bereich keine erste Wahl sein, da das sensorische Produkterlebnis eindeutig fehlt. Natürlich könnte man eine Geruchsprobe anfordern, aber dieser Weg wäre doch etwas kompliziert. Eventuell kann es aber erfolgsversprechend sein, das Internet als zusätzlichen Vertriebsweg einzubinden. Stammkunden könnten auf diesem Wege etwa ihr Lieblingsprodukt bzw. ihren Lieblingsduft ganz einfach und bequem online nachbestellen.
 

Selbstständig machen mit Parfümerie/Drogerie: Kooperationen und Produktbeschaffung

In Anlehnung an gefälschte Produkte, die im Internet leider keine Seltenheit sind, sollten angehende Existenzgründer sich frühzeitig Gedanken darüber machen, woher und zu welchen Konditionen die Produkte stammen sollen. Einseitige Abhängigkeiten von Lieferanten sind immer zu vermeiden, um sich selber in eine stärkere (Verhandlungs)position zu bringen und um das unternehmerische Risiko insgesamt breiter zu streuen. Branchenwissen und fundierte Kenntnisse in Bezug auf die Produkte sind sehr wichtig, um als Entscheidungsträger die Qualität eingekaufter Produkte nachvollziehen zu können. Letztlich ist daher ein gewisses Vertrauensverhältnis vonnöten, denn gerade in Bezug auf Kosmetikprodukte sind strenge Hygiene- und Deklarationsvorschriften zu beachten.
 

Qualität hat ihren Preis…

Die Qualität der Produkte sollte mit Blick auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Letztlich hat die (wahrgenommene) Qualität einen direkten Einfluss auf die Preissensibilität der Kunden bzw. die möglichen Gewinnmargen der Händler. Gerade der Parfumbereich ermöglicht extrem hohe Gewinnmargen. Sehr teure und exklusive Düfte, die nicht selten um die 100 Euro kosten, weisen zum Teil Herstellungskosten von nur etwa 5 Euro auf. Hier zeigt sich, wie wertvoll eine starke Marke sein kann. Grundsätzlich kann der Einstieg in die Selbstständigkeit mit einer Parfümerie/Drogerie auch durch eine Franchiselösung gelingen. Zu den Nachteilen gehört allerdings, dass die unternehmerische Handlungsfreiheit deutlich eingeschränkt wird und auch die finanziellen Hürden sind durch Startkapital und Franchisegebühren keinesfalls unerheblich.
 

Parfüme und/oder Pflegeprodukte selber herstellen?

Angesichts der gerade geschilderten möglichen Gewinnmargen kommen nicht wenige auf die Idee, Parfums oder Pflegeprodukte selber herstellen zu wollen. In der eigenen Parfümerie/Drogerie könnten diese Produkte dann verkauft werden. Zu bedenken ist jedoch, dass viele Bestimmungen zu beachten sind, sodass dieses Unterfangen fundierte Kenntnisse erfordert. Zu beachten ist insbesondere die Kosmetikverordnung, wobei es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Richtlinien geben kann. Für alle eingesetzten Rohstoffe müssten Zertifikate eingeholt werden, wozu unter Umständen ein Sachverständiger hinzugezogen werden müsste. Wer weltweit agiert, wird angesichts der Ansprüche der deutschen Bürokratie schnell an Grenzen stoßen. Und für die Produktion sind hohe Sicherheits- und Hygienerichtlinien zu beachten, die ggf. bei unangemeldeten Kontrollen überprüft werden können. Und für die angesprochenen Gewinnmargen bräuchte es einen Markennamen, der erst mühsam über Jahre aufgebaut werden müsste. Diese strategische Variante ist nicht unmöglich, aber sehr kosten- und arbeitsintensiv. Letztlich ist die Eigenproduktion nur für erfahrene Experten aus dieser Branche empfehlenswert.
 

Parfümerie/Drogerie eröffnen: Welche Formalitäten sind zu beachten?

Egal, ob ein Ladenlokal für eine Drogerie/Parfümerie oder ein Internetshop eröffnet wird, eine Gewerbeanmeldung ist zwingend erforderlich. Wann ist die Gewerbeanmeldung nötig? Im Grunde muss der bewilligte Gewerbeschein vorliegen, bevor der Geschäftsbetrieb losgeht. Da es sich um ein Gewerbe im Einzelhandel dreht, ist weder mit speziellen Kenntnissen noch mit einer erweiterten Erlaubnispflicht zu rechnen. Dies ergäbe sich im Einzelfall aus dem konkreten Leistungsspektrum, das ohnehin im Zuge der Gewerbeanmeldung umfassend zu schildern ist. Deutlich komplizierter und umfangreicher wird die Gewerbeanmeldung, wenn eigene Kosmetik- oder Pflegeprodukte hergestellt werden sollen. Von zentraler Bedeutung neben Hygienerichtlinien sind in diesem Bereich gesetzliche Deklarationspflichten in Bezug auf alle eingesetzten Bestandteile und mögliche Allergene. Für ein Ladenlokal sind die gesetzlichen Öffnungszeiten im jeweiligen Bundesland zu beachten, ebenso die Vorgaben zu Stellplätzen, sanitären Einrichtungen und baulichen Sicherheitsbestimmungen.
 

Praxistipp in puncto Werbung und Kundengewinnung:

Hier erfahren Gründer, wie sie abgesehen von einer suchmaschinenoptimierten Webseite gezielt regional Aufmerksamkeit erregen können.


Selbstständig machen mit Parfümerie/Drogerie: zusammengefasste Basics für die Existenzgründung

  1. Eine ganzheitliche Geschäftsplanung und –ausrichtung ist angesichts der enormen Konkurrenz alternativlos
  2. Es braucht ‚dufte‘ Mehrwerte und Alleinstellungsmerkmale, um sich dauerhaft in diesem Markt behaupten zu können. Eine Nischenstrategie kann der richtige Weg sein, um sich werbewirksam von der Konkurrenz abzuheben
  3. Existenzgründer brauchen einen wahrlich guten Riecher, um Klarheit über die Zielgruppe, das Leistungsspektrum und verkaufsstarke Trends/Produkte zu erlangen.
  4. Das Internet kann als alternative Geschäftsbasis geprüft werden, aber es bietet ein nicht so sensorisch ansprechendes Einkaufserlebnis wie der Fachhandel
  5. Wer Parfums, Pflegeprodukte etc. selber herstellen und dann verkaufen möchte, muss zahlreiche gesetzliche Bestimmungen beachten
  6. Vor Eröffnung einer Drogerie/Parfümerie muss ein Gewerbe angemeldet werden. Dies gilt auch für das Betreiben eines Onlineshops. Der Umfang einer etwaigen Erlaubnis- bzw. Nachweispflicht richtet sich konkret nach dem individuellen Leistungsspektrum.

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