Selbstständig machen als Schausteller (Rummelgewerbe)

Bei der hier vorgestellten Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Schausteller' kann die Existenzgründung zu einer aufregenden Achterbahnfahrt im positiven Sinne werden. Wer seine Hausaufgaben als angehender Schausteller jedoch nicht macht, wird sich schnell wie in einer Geisterbahn vorkommen. Damit sind wir bereits mitten im Thema.
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Mit dieser Geschäftsidee können Kindheitsträume wahr werden!
Ob Kirmes, Jahrmarkt, Volksfeste oder Weihnachtsmärkte: Die diversen Fahrgeschäfte wie Breakdance, Kettenkarussell, Autoscooter oder auch Schieß- und Losbuden sorgen für einen unterhaltsamen Mix, der jedes Jahr Millionen von Menschen anlockt. Was auf den ersten Blick nach einem geschäftlichen Selbstläufer klingt, verlangt in Wahrheit einen harten Kampf und sehr viel Flexibilität. Der Einstieg in das Schaustellergewerbe ist nicht zu unterschätzen. Was vordergründig nach Spaß und Lebensfreude aussieht (aussehen muss!), bringt für den Schausteller viel Arbeit und auch finanzielle Unsicherheit mit. Darüber muss absolute Klarheit herrschen.
Dieser Beitrag zur Existenzgründung als Schausteller möchte die wichtigsten Rahmenbedingungen kompakt beleuchten. Die Pandemie-Jahre haben verdeutlicht, wie groß unvorhergesehene Geschäftsrisiken in dieser Branche werden können – ein Umstand, der bis heute in jeden Finanzplan gehört.
Wie Schausteller werden?
In der Mehrheit handelt es sich um Familienbetriebe, in die Schausteller traditionell reingeboren werden. Quereinsteiger haben aber auch die Möglichkeit, sich mit entsprechenden Erfahrungen und Branchenkenntnissen als Schausteller selbstständig zu machen. Insofern steht diese Geschäftsidee auch Quereinsteigern offen. Durch feste Strukturen und viele bereits vermietete Stellplätze ist es nicht einfach, als Schausteller mit einem Rummelgewerbe Fuß zu fassen. Daher sollten sich Gründer von Beginn an auch mit der Option befassen, ein Fahrgeschäft zu übernehmen oder geschäftlich mit einzusteigen.
Das Wichtigste in Kürze zur Existenzgründung als Schausteller mit einem Rummelgewerbe:
- Diese Geschäftsidee verlangt ein hohes Maß an Flexibilität und Reisefreudigkeit, was eine Herausforderung für die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Schule bedeutet.
- Die Organisation von Stellplätzen wird eine wichtige Herausforderung sein, um über das ganze Jahr gesehen für eine hohe Auslastung zu sorgen.
- Im Regelfall werden Schausteller ein Reisegewerbe anmelden müssen. Zahlreiche Sicherheitsvorschriften und eine TÜV-Abnahme sind an jedem Standort zu beachten.
- Je nach Fahrgeschäft ist mit hohen Kosten für die Existenzgründung als Schausteller zu rechnen: Daher sollte vor allem der Finanzteil des Businessplans überzeugen.
Voraussetzungen, um sich als Schausteller selbstständig zu machen?
Mitreisende gesucht! Getreu diesem Motto verlangt die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Schausteller' ein Höchstmaß an Ungebundenheit und Reisewilligkeit. Einen festen Wohnort wird es kaum geben können, was vor allem Gründer mit Kindern vor eine Herausforderung stellt. Die Kinderbetreuung und Schule müssen organisiert werden, ggf. mit kostspieligem Privatunterricht. Um Schausteller zu werden, gibt es keine einheitliche Ausbildung. Wichtig sind Erfahrungen, die bereits in jungen Jahren in dieser umkämpften Branche gesammelt werden sollten. Die Selbstständigkeit als Schausteller setzt ein bewegtes Leben voraus, das von ständigen Ortswechseln und viel Rummel geprägt sein wird.
Checkliste: Bin ich bereit, mich als Schausteller selbstständig zu machen?
- Kann ich mir vorstellen, ständig auf Reisen zu sein?
- Ist der ständige Rummel langfristig das Richtige für mich?
- Kann ich mit den finanziellen Ungewissheiten aufgrund von äußeren Einflüssen wie Wetter leben?
- Falls Kinder vorhanden oder geplant sind: Wie soll das Familienleben organisiert werden? Können sich alle mit dem Leben als Schausteller anfreunden?
Für schulpflichtige Kinder reisender Familien gibt es das sogenannte Schultagebuch: Die Kinder bleiben an einer Stammschule gemeldet und besuchen unterwegs die jeweils nächstgelegene Schule, die die bearbeiteten Themen in dem Heft dokumentiert. Insofern ist Privatunterricht nicht der einzige Weg – wohl aber verlangt die Organisation Disziplin von allen Beteiligten.
Selbstständig machen auf Kirmes: formale Voraussetzungen
Wer sich als Schausteller selbstständig machen möchte, wird ein Gewerbe anmelden müssen, genauer gesagt ein Reisegewerbe. Hierbei wird der Gründer seine persönliche und finanzielle Eignung im Zuge der Anmeldung nachweisen müssen; die Reisegewerbekarte wird nach § 55 GewO versagt, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass der Antragsteller die erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt. Verlangt werden dafür regelmäßig ein Führungszeugnis, eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister sowie Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt und Gemeinde.
Gewerbeanmeldungs-Plan erstellen
Was ist ein Reisegewerbe?
Hierbei handelt es sich um ein Gewerbe, das mobil ist bzw. immer wieder an neuen Standorten betrieben wird. In der Gewerbeordnung (§ 55 GewO) ist explizit von Schaustellern die Rede: Ein Reisegewerbe betreibt unter anderem, wer außerhalb einer Niederlassung oder ohne eine solche zu haben gewerbsmäßig unterhaltende Tätigkeiten als Schausteller oder nach Schaustellerart ausübt. Das schaustellerische Angebot betrifft vor allem Fahrgeschäfte auf Jahrmärkten und Kirmessen. Neben Fahrgeschäften und Schießbuden ist auch an Geschicklichkeitsstände zu denken (Dosenwerfen, Schießen etc.). Die jeweiligen Sicherheitsbestimmungen sind für das eigene Schaustellergewerbe genau zu prüfen, bevor die Tätigkeit aufgenommen werden darf.
Ausnahme beachten: Nach § 55a GewO ist keine Reisegewerbekarte erforderlich, wer nur vorübergehend aus Anlass von Messen, Ausstellungen, Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen tätig wird. Wer dagegen dauerhaft von Volksfest zu Volksfest zieht, betreibt das Reisegewerbe als Hauptgeschäft und braucht die Karte. Da die Abgrenzung im Einzelfall an der Häufigkeit und Regelmäßigkeit hängt, sollte sie vor dem ersten Einsatz mit dem zuständigen Ordnungs- bzw. Gewerbeamt geklärt werden – nicht danach.
Vorschriften für Fahrgeschäfte und Spielrecht
So genannte ‚fliegende Bauten' brauchen eine Ausführungsgenehmigung der zuständigen Bauaufsichtsbehörde, die in ein Prüfbuch eingetragen wird und befristet gilt. Bei jeder Aufstellung kommt eine Gebrauchsabnahme vor Ort hinzu, bevor das Geschäft in Betrieb gehen darf. Die technische Prüfung übernehmen dabei anerkannte Sachverständige, etwa des TÜV. Die Sicherheit muss zu jeder Zeit gewährleistet sein, wenn Schausteller ein Fahrgeschäft betreiben. Es liegt auf der Hand, dass hiermit Kosten verbunden sind – sie fallen wiederkehrend an und gehören in die laufende Kalkulation, nicht nur in die Gründungsrechnung. Die Spielverordnung entscheidet darüber, welche Unterhaltungsspiele von Schaustellern angeboten werden dürfen. In einzelnen Fällen ist zu prüfen, ob eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zu erwirken ist.
Bei Losbuden und Gewinnspielen ist die Grenze zum Glücksspiel zu beachten: Geschicklichkeitsspiele sind unproblematisch, reine Glücksspiele mit Gewinnmöglichkeit können erlaubnispflichtig werden. Für Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit gelten zusätzlich die Vorgaben der Spielverordnung samt Bauartzulassung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt.
Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen als Schausteller?
Oktoberfest, Cranger Kirmes, Cannstatter Wasen Stuttgart oder die Düsseldorfer Rheinkirmes sind bundesweit die bekanntesten Orte für Schausteller, die Jahr für Jahr Millionen von Besuchern anlocken. Bei der Vermarktung als Schausteller ist auf regionale Besonderheiten einzugehen. Nicht nur die Begriffe Volksfest, Jahrmarkt und Kirmes sind gebräuchlich, sondern auch Kerwen, Kirchweihen und Dulte beispielsweise. Viele Volksfeste und Jahrmärkte weisen eine jahrhundertealte Tradition auf, die zu bewahren ist. Strukturell bringt dies das Problem für Schausteller mit, dass viele Plätze auf Jahre ausgebucht sind. Der Einstieg als Schausteller mit einem Fahrgeschäft kann daher steinig werden.
Kennzahlen des Schaustellergewerbes in Deutschland
Nach der Wirtschaftsstudie des Deutschen Schaustellerbundes (Erhebung 2023) zählt die Branche rund 5.300 Schaustellerunternehmen mit etwa 30.800 Beschäftigten. Auf Volksfestplätzen und Weihnachtsmärkten setzen Schausteller demnach etwa 10,7 Milliarden Euro um; hinzu kommen rund 3,3 Milliarden Euro an Umsätzen, die außerhalb der Festplätze in den Kommunen entstehen – etwa in Gastronomie, Handel und Hotellerie. Diese Zahlen belegen die wirtschaftliche Bedeutung, mit der Schausteller gegenüber Kommunen und Banken argumentieren können.
Deutschlandweit finden pro Jahr mehrere tausend Volksfeste und rund 1.500 Weihnachtsmärkte statt, die insgesamt weit über 100 Millionen Besucher anziehen. Für den Businessplan sind die bundesweiten Zahlen allerdings nur ein Rahmen. Entscheidend ist, welche Plätze am eigenen Standort und in der erreichbaren Umgebung tatsächlich zu bekommen sind und welche Besucherzahlen dort erfahrungsgemäß erreicht werden.
Nachfrage und Ausgaben von Besuchern auf Volksfesten
Volksfeste erreichen ein breites Publikum quer durch alle Altersgruppen, wobei Jugendliche und junge Erwachsene die häufigsten Besucher stellen und ältere Jahrgänge seltener kommen. Insofern ist klar, auf welche Zielgruppe das Fahrgeschäft oder der Stand vorrangig auszurichten ist. Bei den Ausgaben je Besucher zeigt die Erfahrung, dass die meisten Gäste nicht nur ein einziges Fahrgeschäft nutzen, sondern Fahrten, Essen und Spiele kombinieren – das spricht für eine gewisse Ausgabebereitschaft, von der auch kleinere Geschäfte profitieren. Belastbare Zahlen zum Ausgabeverhalten am eigenen Standort liefern die Veranstalter und Marktämter, die Besucherzahlen und Platzstrukturen dokumentieren; sie gehören in den Businessplan.
Motivanalyse: Warum werden Volksfeste besucht?
Gefragt nach den Motiven, warum Menschen eine Kirmes besuchen, stehen Spaß und Vergnügen deutlich an der Spitze. Auch das typische Flair und der Wunsch nach einer unbeschwerten Auszeit mit Familie oder Freunden sind wesentliche Beweggründe. Das eigene Angebot als Schausteller sollte diese Bedürfnisse erfüllen, um für eine möglichst hohe Auslastung zu sorgen.
Businessplan: Wie selbstständig machen als Schausteller?
Nun muss aus dem Traum vom Leben als Schausteller ein belastbarer BusinessPLAN werden! Zuerst ist zu konkretisieren, welches Fahrgeschäft betrieben und ggf. auch gekauft werden soll. Von Achterbahn, Autoscooter bis hin zum Kirmesfahrgeschäft für Kinder ist alles denkbar. Neben dem Angebot und den Kosten sollte die hier aufgeworfene Frage sofort betriebswirtschaftlich durchgerechnet werden. Mit welchem Fahrgeschäft lassen sich die höchsten Umsätze erzielen? Welches Fahrgeschäft stellt die höchste Nachfrage und Auslastung in Aussicht? Welches Fahrgeschäft bietet die wirtschaftlichste Kostenrelation (ein großes Karussell kann höhere Einnahmen einspülen, denen aber auch höhere Energie- und Transportkosten gegenüberstehen)? Hier wird deutlich, warum Gründer ihre Hausaufgaben in diesem Bereich sehr gründlich machen sollten.
Weil die Saison kurz und das Wetter unberechenbar ist, trägt beim Schausteller nicht der Tagesumsatz, sondern der Jahresumsatz. Wie viele Fahrgäste bei welchem Fahrpreis nötig sind, damit Fixkosten, Standmieten und Unternehmerlohn gedeckt sind, lässt sich vorab durchrechnen:
Fünf kurze Fragen – danach wissen Sie, welchen Umsatz Sie brauchen, damit am Monatsende Ihr Wunschbetrag übrig bleibt. Gemeint ist der Betrag, der nach allen Steuern und Beiträgen auf Ihrem privaten Konto ankommt – so wie das Nettogehalt bei Angestellten. Bitte einen Betrag zwischen 500 und 20.000 € eingeben. Das ist nach der Steuer Ihr größter Posten – und der einzige, der sich je nach Antwort um mehrere Hundert Euro im Monat unterscheidet. Wenn Sie den Beitrag nicht kennen: 550 € sind ein üblicher Wert für Selbstständige mittleren Alters. Beides wirkt sich aus: Verheiratete zahlen weniger Steuern, und mit Kindern sinkt der Pflegebeitrag – dazu kommt das Kindergeld. Keine Kinder? Dann lassen Sie die 0 stehen. Der Unterschied kostet Geld: Auf Gewerbe fällt zusätzlich Gewerbesteuer an. Freie Berufe sind zum Beispiel Ärzte, Anwälte, Architekten, Journalisten, Dolmetscher, Programmierer und beratende Ingenieure. Ein Monat hat rund 20 Arbeitstage. Davon geht Zeit ab für Angebote schreiben, Buchhaltung, Kundensuche und Leerlauf. Schätzen Sie, wie viele Tage übrig bleiben, für die Sie tatsächlich Geld bekommen. Pro Jahr ca. – Tagessatz ca. – Stundensatz ca. –
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Nur zur Orientierung. Die Zahlen beruhen auf Pauschalen und Durchschnittswerten – Ihre tatsächlichen Betriebskosten, Ihr Krankenkassenbeitrag und Ihre Steuerlast weichen davon ab. Rechnen Sie mit einem Spielraum nach oben und lassen Sie Ihre Kalkulation fachlich prüfen, bevor Sie Preise festlegen.
Ihre Angaben Kosten, Rücklagen und Vorsorge Büro, Software, Fahrten, Versicherungen, Steuerberatung. Urlaub, Krankheit, auftragsschwache Monate. Ohne Pflichtversicherung sorgen Sie selbst vor. 15 % des Gewinns gelten als realistischer Mindestwert – der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt bei 18,6 %. Arbeitszeit Ändert nur Tages- und Stundensatz – der nötige Umsatz bleibt gleich, denn Ihre Kosten sinken ja nicht. Vom Umsatz zum Netto – pro Monat Unverbindliches Rechenbeispiel – keine Steuer- oder Rechtsberatung. Gerechnet wird mit Pauschalen und dem Rechtsstand 2026: ESt-Tarif nach § 32a EStG, GKV zum ermäßigten Satz (14,0 % + 2,9 % Zusatzbeitrag, ohne Krankengeld), Pflege 3,6 bzw. 4,2 %, Kindergeld 259 €, bei Gewerbe 400 % Hebesatz. Nicht enthalten: Kirchensteuer, Soli, weitere Einkünfte, Einkünfte des Partners und Kinderfreibeträge. Rücklagen mindern die Steuer nicht. Zurückgelegtes Geld bleibt steuerpflichtiger Gewinn – deshalb fällt der nötige Umsatz höher aus, als viele erwarten. Für Ihre konkrete Situation fragen Sie bitte eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater. Die größte freie Sammlung an Tools und Rechnern für Selbstständige. Kostenlos. Ohne Anmeldung. © selbststaendig.de · Stand: September 2026Wie viel Umsatz brauchen Sie wirklich?
Was soll Ihnen monatlich zum Leben bleiben?
Wie sind Sie krankenversichert?
Wie sieht Ihre Familiensituation aus?
Sind Sie freiberuflich oder gewerblich tätig?
Wie viele Tage im Monat können Sie Ihren Kunden in Rechnung stellen?
Neu oder gebraucht kaufen: Kosten im Businessplan durchrechnen
Es liegt auf der Hand, dass der Kauf eines Fahrgeschäfts mit enormen Kosten verbunden ist. Der Finanzteil des Businessplans sollte eine klare Profitabilität erkennen lassen, um externe Investoren oder Banken zu überzeugen. Beim Kauf eines gebrauchten Fahrgeschäfts lässt sich zwar Geld sparen, langfristig gesehen können Reparaturen und Wartung aber mehr Geld verschlingen. Wer als Schausteller nicht bei null anfangen möchte und bereits Kontakte in der Branche hat, kann nach Einstiegs- und perspektivischen Übernahmeoptionen schauen. Einen ersten Überblick über den Markt für gebrauchte Fahr- und Laufgeschäfte bieten die einschlägigen Anzeigenmärkte der Branche, etwa der des Fachportals schausteller.de.
Da ein Fahrgeschäft selten aus Eigenmitteln zu stemmen ist, gehört die Finanzierungsfrage früh auf den Tisch – inklusive der Frage, welche Rate der Betrieb in schwachen Monaten trägt:
Für die Anschaffung selbst kommen je nach Vorhaben und Bundesland auch Zuschüsse und Förderdarlehen infrage, etwa aus Programmen der Landesförderbanken:
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Ein Fahrgeschäft ist zudem ein Wirtschaftsgut, das über seine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben wird. Die jährliche Abschreibung mindert den steuerlichen Gewinn und gehört deshalb in jede Planungsrechnung:
Gründungsfahrplan für das Schaustellergewerbe
Der folgende Fahrplan dient als unverbindliche Orientierung; die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Fahrgeschäft, Bundesland und Veranstalter.
- Ehrlich prüfen, ob das Reiseleben zur eigenen Lebens- und Familiensituation passt.
- Praktische Erfahrung sammeln, etwa als Aushilfe in einem bestehenden Betrieb.
- Kontakte in die Branche und zu regionalen Schaustellerverbänden aufbauen.
- Entscheiden: eigenes Geschäft aufbauen oder bestehenden Betrieb übernehmen.
- Art des Fahr-, Lauf- oder Verkaufsgeschäfts festlegen und Kosten ermitteln.
- Angebote für Neu- und Gebrauchtgeräte einholen und Folgekosten vergleichen.
- Finanzplan mit Saisonverlauf, Fixkosten und Rücklagen aufstellen.
- Finanzierung klären und Fördermöglichkeiten prüfen.
- Reisegewerbekarte nach § 55 GewO beim zuständigen Amt beantragen.
- Führungszeugnis, Gewerbezentralregisterauskunft und Unbedenklichkeitsbescheinigungen beschaffen.
- Steuerlichen Erfassungsbogen beim Finanzamt einreichen.
- Mitgliedschaft bzw. Anmeldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft klären.
- Ausführungsgenehmigung für den fliegenden Bau beantragen und Prüfbuch führen.
- Prüffristen und Wartungsintervalle in einen festen Kalender übernehmen.
- An jedem Standort die Gebrauchsabnahme vor Inbetriebnahme einholen.
- Personal für Auf- und Abbau sowie den sicheren Betrieb einweisen und dokumentieren.
- Bewerbungsfristen der Marktämter und Veranstalter recherchieren – sie liegen oft ein Jahr im Voraus.
- Bewerbungsunterlagen mit Fotos, Maßen und Sicherheitsnachweisen vorbereiten.
- Zusagen schriftlich fixieren und den Jahreskalender lückenlos planen.
- Anfahrtswege und Rüstzeiten zwischen zwei Standorten realistisch einplanen.
- Betriebshaftpflicht mit ausreichender Deckungssumme abschließen.
- Weitere Risiken prüfen: Transport, Maschinenbruch, Ertragsausfall.
- Rücklagen für wetterbedingte Ausfälle und die umsatzschwache Winterzeit bilden.
- Nach der ersten Saison Umsätze je Standort auswerten und den Kalender nachschärfen.
Marketing: Mitreisende & Unterhaltungssuchende werden gebraucht!
Das Fahrgeschäft sollte Teil eines einzigartigen Konzepts sein, das auf der Kirmes klar hervorsticht und eine magische Anziehungskraft ausübt. Während des Kirmesbetriebs spielen Licht und Musik für die Stimmung eine Schlüsselrolle. Im Businessplan muss klar werden, was das Besondere am Konzept ist und mit welchen Maßnahmen für eine hohe Auslastung gesorgt werden soll. Ganz in diesem Sinne können sich Betreiber eines Fahrgeschäfts über Schlangen freuen. Was auf den ersten Blick für Mitfahrende abschreckend ist, hat psychologisch gesehen eher den gegenteiligen Effekt. Bei vielen wird der Wunsch verstärkt, auch dieses Fahrgeschäft zu testen. Denn was offensichtlich sehr viele wollen, muss gut sein!
Es gibt IMMER etwas zu tun!
Das Marketing fängt schon sehr viel früher an, noch bevor der erste Kunde das Fahrgeschäft bzw. die Schaustellerbude zu Gesicht bekommt. Im Vorfeld der Existenzgründung muss der Schausteller sicherstellen, dass er für viele Volksfeste über das ganze Jahr verteilt Plätze bekommt. Diese sollten vertraglich unter Dach und Fach gebracht werden, um mit einer hohen Planungssicherheit agieren zu können. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass äußere Ereignisse – von der Pandemie über Energiepreissprünge bis zu kurzfristigen Absagen aus Sicherheitsgründen – Schaustellern sehr schnell einen Strich durch die Rechnung machen können.
Die Vergabe der Plätze läuft über die Marktämter der Städte bzw. die Veranstalter, und zwar nach im Voraus veröffentlichten Kriterien. Neben Attraktivität und Zustand des Geschäfts spielen dabei oft Bewerbungsfristen und die Frage eine Rolle, ob ein Betrieb bereits in den Vorjahren beschickt hat. Für Neueinsteiger heißt das: früh bewerben, auf kleinere Feste ausweichen und über mehrere Jahre Referenzen aufbauen. Der Weg auf die großen Traditionsfeste führt in der Regel über die kleinen.
Die Lehren aus der Pandemie: Überleben als Schausteller in Krisenzeiten
Das Bilden von Rücklagen und die Erhöhung des Eigenkapitals sind angesichts der Krisenerfahrungen wichtige Instrumente, die im Businessplan zu konkretisieren sind. Als monatelang keine Volksfeste stattfinden durften, traf das eine Branche, deren Kosten für Lagerung, Wartung und Finanzierung weiterliefen – während die Einnahmen vollständig ausblieben. Diese Erfahrung sollte jeder Gründer in seine Liquiditätsplanung übersetzen, unabhängig davon, welches Ereignis das nächste Mal die Saison unterbricht.
Bei den Personalkosten sind Schausteller naturgemäß sehr flexibel, worin aber organisatorisch eine immense Herausforderung zu sehen ist. An jedem Standort werden Helfer für den sicheren Betrieb und den Auf- sowie Abbau benötigt. Bei der Planung müssen Schausteller immer die gesamte Logistik für reibungslose Abläufe im Blick haben. Das zeigt, wie anspruchsvoll das Leben bzw. die geschäftliche Tätigkeit als Schausteller ist.
Was Aushilfen und Saisonkräfte den Betrieb tatsächlich kosten – also inklusive Arbeitgeberanteilen und Nebenkosten –, sollte vor der Saison feststehen:
Wie viel verdient ein Schausteller?
Das lässt sich angesichts unterschiedlichster Fahrgeschäfte bzw. Geschäftsmodelle und der damit verbundenen Kostenstruktur nicht pauschal sagen. Der Finanzteil des Businessplans sollte auf diese Frage eine aussagekräftige Antwort geben können, wenngleich Umsatzprognosen für Schausteller immer mit Unsicherheit behaftet sind. Schlechtes Wetter kann z. B. an einem Standort für deutlich geringere Einnahmen als vorgesehen sorgen. Mit gutem Wetter steigen die Chancen auf Gewinne. Zudem kommt es darauf an, welche Stimmung auf dem Volksfest herrscht und wie hoch die Standmiete ausfällt. All diese Faktoren haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten auf der Kirmes als Schausteller.
Von den Bruttoeinnahmen einer Saison bleibt zudem weniger übrig, als die Kasse an einem gut besuchten Samstag vermuten lässt. Abzuziehen sind insbesondere:
- Standmiete bzw. Platzgeld – bei großen Festen oft umsatzabhängig gestaffelt
- Energiekosten – ein größeres Fahrgeschäft ist ein erheblicher Stromverbraucher
- Transport- und Rüstkosten zwischen den Standorten, inklusive Schwertransporten
- Wiederkehrende Prüfungen, Wartung und Ersatzteile
- Personalkosten für Auf- und Abbau sowie den laufenden Betrieb
- Finanzierungsraten für das Geschäft, die auch in der Winterpause weiterlaufen
- Winterlager für Geräte und Wagen
An dieser Stelle sei nochmals auf die Erfahrungsberichte langjähriger Betreiber verwiesen. Viele sehen sich eher als Glücksritter denn als Kaufmann. Schwankungen in den Einnahmen liegen in der Natur der Sache, eine verlässlich planbare Einnahmebasis gibt es nicht. Gewinne sind aber bei hoher Auslastung, durchdachten Preisen und einer schlanken Kostenstruktur durchaus möglich. Viele Schausteller leben mit diesem Geschäft einen Traum, der sie nicht reich, aber glücklich macht. Daher sollte sich jeder Interessent vor Aufnahme der Geschäftsplanung ehrlich hinterfragen, was er für die Umsetzung dieser Geschäftsidee bereit ist einzubringen.
Weil die Einnahmen in wenigen Monaten anfallen, die Steuer aber auf das gesamte Jahr berechnet wird, sind Rücklagen für Einkommen- und Gewerbesteuer im Schaustellergewerbe besonders wichtig:
Tücken und häufige Fehler im Schaustellergewerbe
- Stellplätze zu spät beantragt: Bewerbungsfristen der Marktämter liegen häufig ein Jahr vor der Veranstaltung – wer sie verpasst, verliert eine ganze Saison.
- Nur mit der Hauptsaison kalkuliert: Die Fixkosten laufen zwölf Monate, die Einnahmen fallen in wenigen an.
- Prüffristen aus dem Blick verloren: Ohne gültige Ausführungsgenehmigung und Gebrauchsabnahme bleibt das Geschäft stehen, obwohl der Platz bezahlt ist.
- Energiekosten unterschätzt: Bei großen Fahrgeschäften ist der Strom ein Kostenblock, kein Nebenposten.
- Gebrauchtkauf ohne technische Prüfung: Ein günstiger Preis relativiert sich schnell, wenn Nachrüstungen für die Abnahme nötig werden.
- Zu geringe Deckungssumme in der Haftpflicht: Bei Personenschäden an Fahrgeschäften geht es um Summen, die einen Betrieb ohne ausreichenden Schutz beenden.
- Reisegewerbekarte für nicht erfasst gehalten: Die Ausnahme des § 55a GewO gilt nur für vorübergehende Tätigkeiten, nicht für den Dauerbetrieb.
Entwicklungen, die die Branche derzeit prägen
Mehrere Entwicklungen verändern das Geschäft spürbar. Die Sicherheitsanforderungen an Veranstaltungen sind gestiegen, was für Veranstalter höhere Auflagen und für Beschicker längere Vorlaufzeiten bedeutet. Beim Bezahlen setzen sich bargeldlose Verfahren auch am Kassenhäuschen durch, was Investitionen in Technik erfordert, zugleich aber den Kassiervorgang beschleunigt. Beim Energieverbrauch hat sich der Kostendruck der vergangenen Jahre in einen Modernisierungsschub übersetzt: LED-Beleuchtung und effizientere Antriebe senken laufende Kosten, viele Feste werben inzwischen mit dem Betrieb über Ökostrom. Und schließlich gewinnt die Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken an Bedeutung – nicht für die Laufkundschaft vor Ort, sondern für die Bewerbung um Plätze: Veranstalter sehen sich an, welche Geschäfte Aufmerksamkeit erzeugen.
Welche Versicherungen braucht ein Schausteller?
Auch wenn Fahrgeschäfte an jedem Standort sicherheitstechnisch überprüft und abgenommen werden müssen, lassen sich Unfälle und Verletzungen nicht zu 100 % ausschließen. Schausteller würden sich bei eigenem Verschulden sehr schnell mit hohen Forderungen auf Schmerzensgeld und/oder Schadenersatz konfrontiert sehen. Daher ist der Abschluss einer leistungsstarken Betriebshaftpflichtversicherung ein absolutes Muss. Für das Fahrgeschäft sollte eine individuelle Risikoanalyse erfolgen, aus der sich ein maßgeschneiderter Versicherungsbedarf ergibt. Es versteht sich von selbst, dass Risiken bei einer Achterbahn um ein Vielfaches höher sind als beim Blechdosenwerfen.
Hinzu kommt die gesetzliche Unfallversicherung: Schausteller sind über die zuständige Berufsgenossenschaft pflichtversichert, was auch für mitarbeitende Familienangehörige und Aushilfen zu klären ist. Wer als Inhaber längere Zeit ausfällt, hat zudem ein Einkommensproblem, das keine Sachversicherung löst – hier lohnt der Blick auf die Absicherung des Verdienstausfalls:
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Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Schausteller'
Warum selbstständig machen als Schausteller?
Diese Frage sollten angehende Gründer aufgrund des komplexen Anforderungsprofils selber mit der notwendigen Leidenschaft beantworten können. Schausteller können gutes Geld verdienen, Jahrmärkte und Volksfeste spielen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Da der Markt aber sehr umkämpft ist, muss mit der Ausarbeitung des Businessplans eine durchdachte strategische Ausrichtung erfolgen.
Wer kann sich als Schausteller selbstständig machen?
Traditionellerweise werden Schausteller in Familienbetrieben in diesen Beruf geboren. Er ist aber formal nicht geschützt, sodass sich auch Quereinsteiger mit Erfahrungen in diesem Bereich (z. B. nach mehreren Ferienjobs) als Schausteller selbstständig machen können.
Welches Gewerbe müssen Schausteller anmelden?
In aller Regel ein Reisegewerbe: Wer außerhalb einer Niederlassung unterhaltende Tätigkeiten als Schausteller ausübt, braucht nach § 55 GewO eine Reisegewerbekarte. Nur wer ausschließlich vorübergehend aus Anlass einzelner Veranstaltungen tätig wird, fällt unter die Ausnahme des § 55a GewO.
Wie viel verdient man als Schausteller?
Auf diese Frage müssen angehende Schausteller im Businessplan selbst eine Antwort geben können. Reich werden nur die wenigsten Schausteller, zumal das Wetter als unberechenbare Variable einen erheblichen Einfluss auf die Umsätze eines Schaustellergewerbes haben kann. Vom Umsatz gehen zudem Standmiete, Energie, Transport, Prüfungen und Personal ab. Rücklagen sind in jedem Fall zu bilden, damit der Geschäftsbetrieb trotz Umsatzschwankungen immer liquide ist.
Was passiert mit meiner Krankenversicherung wenn ich mich selbstständig mache?
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