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Selbstständig machen als Buchbinder

Bücher

Seit der einst revolutionären Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg hat sich zweifelsohne viel getan. Die Buchdruck- sowie Bindeverfahren sind heutzutage sehr vielfältig und zum Teil von komplexer Technik gekennzeichnet. Zudem hat auch die rasant voranschreitende Digitalisierung den Buchmarkt erfasst, denn E-Books erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Insgesamt betrachtet ist der Handel mit Büchern ein sehr lukrativer Markt mit Umsätzen von fast 10 Milliarden Euro im Jahr. Das Buch steht bei den Deutschen hoch im Kurs, vor allem als Geschenk.

Doch wie steht es eigentlich um das traditionelle Berufsbild des Buchbinders? Wie gestalten sich die heutigen Berufschancen? Lohnt sich der Weg in die berufliche Selbstständigkeit als Buchbinder (immer noch)? Wenn ja: Welche strategischen und formalen Aspekte sind in Bezug auf die Geschäftsausrichtung zu bedenken? Damit der Weg in die Selbstständigkeit kein ‚Buch mit sieben Siegeln‘ bleibt, soll diesen und weiteren Fragen im folgenden Beitrag praxisorientiert nachgegangen werden.
 

Selbstständig machen als Buchbinder: Was Interessenten hier erfahren

  • strategische Überlegungen für eine erfolgreiche Geschäftsausrichtung mit Nachhaltigkeit
  • formale Aspekte/Voraussetzungen im Zuge der Selbstständigkeit als Buchbinder
  • Optionen/Alternativen der Spezialisierung
  • Anregungen zum Leistungsspektrum: mögliche Tätigkeiten bzw. Schwerpunkte
     

Selbstständiger Buchbinder: Tätigkeiten, Schwerpunkte & strategische Ausrichtung

Generell ist die Liebe der Deutschen zu Büchern stark ausgeprägt, sodass Buchbinder auch im Zeitalter der Digitalisierung gute Berufsperspektiven für sich nutzen können. Zwar stellen E-books eine zukünftige Bedrohung dar, noch ist ein moderat wachsender Umsatzanteil unter 5 % aber kein Grund zur Besorgnis. Buchbinder bewegen sich in einem traditionellen Handwerk, für das es durchaus immer noch einen Markt gibt. Dabei handelt es sich aber eher um eine Nische, nicht um einen Massenmarkt. Gefragt sind beispielsweise Sonderanfertigungen für spezielle Anlässe (Jubiläen, Sondereditionen etc.), mit denen sich gutes Geld verdienen lässt.

Selbstständige Buchbinder sollten neben dem erforderlichen handwerklichen Fachwissen ihre Zielgruppe genau kennen und dementsprechend ihr Angebotsspektrum ausrichten: Welche Art von Bucherzeugnissen ist gefragt? Wofür findet sich eine dauerhafte Nachfrage? Grundsätzlich ist es so, dass das Berufsbild Buchbinder nichts mit industrieller Massenproduktion gemeinsam hat/haben sollte. Vielmehr handelt es sich um Auftragsarbeiten, die einen gewissen künstlerischen Wert aufweisen. Zum typischen Kundenkreis für selbstständige Buchbinder zählen etwa Universitäten, Staatsbibliotheken oder auch Anwaltskanzleien sowie Privatkunden. Daraus folgt, dass sich selbstständige Buchbinder ein gutes Netzwerk aufbauen sollten, um für eine tragfähige Einnahmebasis zu sorgen. Welche Leistungen kann ein Buchbinder seinen Kunden anbieten? Die folgende Auflistung zeigt, dass das professionelle Leistungsspektrum sich je nach Qualifikationshintergrund nicht nur auf das eigentliche Binden von Büchern beschränken muss, wobei alleine hier diverse Techniken zum Einsatz kommen können.
 

Inhalte eines möglichen Leistungsspektrums als selbstständiger Buchbinder

  • Bindung von Druckerzeugnissen mit diversen Verfahren
  • Prüfung von Beschädigungen und Reparatur von Büchern
  • professionelle Restauration von antiquarischen Büchern
  • Herstellung von Unikaten durch selbst gestaltete Einbände
  • professionelle Kundenberatung über die Möglichkeiten der modernen Buchbindung
     

Gerade was das Binden bzw. die eigentliche handwerkliche Tätigkeit angeht, so erscheinen fundierte Fachkenntnisse unabdingbar. Ohnehin handelt es sich um einen geschützten Ausbildungsberuf, in dem verschiedene Spezialisierungen gewählt werden können. Was die benötigten Maschinen und Werkzeuge angeht, so können mitunter hohe anfängliche Investitionskosten entstehen. Diese und weitere finanzielle sowie strategische Planungen sollten mit einem ganzheitlichen Businessplan stimmig zusammengefasst werden. Der Weg in die Selbstständigkeit als Buchbinder erfordert auch fundierte kaufmännische Kenntnisse, schließlich soll die Tätigkeit als Lebensunterhalt profitabel sein. Neben der Buchführung sollte der Kalkulation von Preisen eine besondere Relevanz zukommen. Welche Preise sind üblich bzw. wo liegt die Schmerzgrenze bei Kunden? Welcher Stundenlohn lässt sich für die Arbeit abzüglich aller Materialkosten realisieren? Da Buchbinder eigentlich per se eine Nischenstrategie fahren und somit eine ganz spezielle Nachfrage bedienen, lassen sich hohe Preise zumeist problemlos rechtfertigen. Dementsprechend sollte das Marketing so gestaltet werden, dass die eigenen Erzeugnisse als wertvolle Kunstwerke angepriesen werden. Insofern sollte auch bei diesem traditionellen Berufsbild das Internet für die Vermarktung der professionellen Dienstleistungen nicht fehlen. Eine entsprechend optimierte Homepage kann als virtueller show room genutzt werden, um die eigenen handwerklichen Fähigkeiten anzupreisen. Es lohnt sich, zielorientierte strategische Überlegungen diesbezüglich anzustellen: Wonach suchen Kunden bei Suchmaschinen, die einen professionellen Buchbinder beauftragen wollen?
 

Schwierige Aspekte, die direkt zu Beginn durchdacht werden sollten

Die Kenntnisse über die anvisierte Zielgruppe sind wesentlich für die zielorientierte Geschäftsausrichtung. Dementsprechend ist das Marketing so zu gestalten, dass die selbstständige berufliche Tätigkeit auf eine tragfähige Basis gestellt wird. Die oben angesprochene virtuelle Vermarktung erscheint umso wichtiger vor dem Hintergrund, dass sich die Kundenakquise schwierig gestalten kann. Der Kundenkreis ist eher klein, sodass fundierte Marktkenntnisse bzw. berufliche Erfahrungswerte unabdingbar erscheinen. Je nach angestrebter Ausrichtung und vorhandenem Qualifikationshintergrund kann es auch Sinn machen, über die folgenden Optionen nachzudenken.
 

Optionen der Weiterbildung bzw. Spezialisierung als Buchbinder

Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit als Buchbinder wird mit einem Meistertitel oftmals leichter, da Kunden dies als Qualitätsmerkmal einschätzen, das höhere Preise rechtfertigen kann. Mit einem Meistertitel in der Tasche können auch Auszubildende beschäftigt werden, sodass für den angestrebten Wachstumskurs neue Ressourcen genutzt werden können. Der Meistertitel kann den eigenen Wert bzw. den der Erzeugnisse nachhaltig steigern. Mit Blick auf den wachsenden Markt der E-books kann es sinnvoll sein, sich für die digitale Zukunft breiter aufzustellen. Weiterbildungen bzw. Spezialisierungen im Bereich digitaler Printmedien können daher sehr sinnvoll sein. Buchbinder könnten dann auch ein ganzheitliches Leistungsspektrum anbieten, indem sie auch den Druck von Erzeugnissen schon übernehmen. Durch eine Weiterbildung als professioneller Restaurator können sich selbstständige Buchbinder auf eine Nische ausrichten, mit der sich gutes Geld verdienen lässt. Allerdings gilt es hierbei, sich erst einen Namen zu erarbeiten.
 

Formale Aspekte für eine selbstständige Tätigkeit als Buchbinder

Wie bereits angesprochen, ist das professionelle Binden von Büchern eine handwerkliche Tätigkeit. Laut Anlage B1 der Handwerksordnung handelt es sich um ein so genanntes zulassungsfreies Gewerbe, sodass kein Meistertitel zwingend vorgeschrieben ist. Im Zuge der Gewerbeanmeldung ist eine entsprechende Eintragung in die Handwerksrolle vorzunehmen. Auch ergibt sich eine Pflichtmitgliedschaft in der Handwerkskammer, wobei die Beiträge in den ersten Jahren stark reduziert sind. Wer einen Handwerksberuf wie Buchbinder selbstständig ausüben möchte, muss sich in diesem Fall in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke eintragen. Entsprechende Qualifikationsnachweise sind dem Antrag, der bei der Handwerkskammer erhältlich ist, beizufügen. Darüber hinaus ist diese Tätigkeit beim Gewerbeamt anzumelden. Eine freiberufliche Tätigkeit lässt sich im Handwerksbereich kaum rechtfertigen. Je nach Qualifikationshintergrund und Spezialisierung kann im Einzelfall eine Prüfung durch das hierfür zuständige Finanzamt sinnvoll sein. Wer sich auf die Restauration von alten Büchern fokussiert, sollte eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen, da sich Beschädigungen an wertvollen Büchern nicht ausschließen lassen.
 

Fazit: Das traditionelle Berufsbild sollte in der Moderne ankommen

Dieser Beitrag dürfte deutlich gemacht haben, dass sich eine selbstständige Tätigkeit als Buchbinder auch im Zeitalter der Digitalisierung buchstäblich auszahlen kann. Es gilt, als handwerklicher Experte eine Nische für sich zu nutzen. Dies setzt voraus, seine Zielgruppe und den Markt für diese Art von Handwerksdienstleistungen genau zu kennen. Berufliche Weiterbildungen können auf lange Sicht sehr sinnvoll sein, um als Buchbinder mit den Möglichkeiten des modernen Buchdrucks bzw. der Digitalisierung insgesamt zu gehen.
 

Kompakte Zusammenfassung für die berufliche Selbstständigkeit als Buchbinder:

  • Es handelt sich um ein zulassungsfreies Handwerk ohne Meisterpflicht
  • Formale Grundvoraussetzungen: Eintragung in das Handwerksverzeichnis und Gewerbeanmeldung
  • Als Qualifikationshintergrund ist eine Berufsausbildung zum Buchbinder erforderlich
  • Buchbinder bedienen oftmals eine Nische, für die es eine Nachfrage von einem exklusiven Kundenstamm gibt (=> die Auftragsakquise gestaltet sich ohne Marktkenntnisse und funktionierendes Netzwerk schwierig)
  • Die geschäftliche Ausrichtung und finanzielle Aspekte (man denke etwa an notwendige Maschinen) sind im Businessplan ganzheitlich zu erörtern
  • Neben dem handwerklichen Fachwissen ist eine kaufmännische Sichtweise auf das Geschäft für nachhaltigen Erfolg unabdingbar. Dies gilt insbesondere für die Preiskalkulation
  • Das breite Tätigkeitsspektrum als Buchbinder eröffnet viele strategische Handlungsspielräume, die durch gezielte Weiterbildungen mit Blick auf zukünftige Entwicklungen konsequent genutzt werden sollten.

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