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Selbstständig machen als Trockenbauer

Beim Trockenbau handelt es sich um einen stark nachgefragten Bereich im so genannten Ausbaugewerbe. Trockenbauer können schnell und flexibel Wände installieren, um neue Raumaufteilungen zu ermöglichen. Auf vielen Baustellen und auch in Neubauten sind die Dienste von Trockenbauern daher unverzichtbar. Jedoch gilt es in diesem Bereich, einige formale Besonderheiten als Rahmenbedingungen zu beachten. Diese und weitere Schlüsselaspekte für die Selbstständigkeit als Trockenbauer sollen in diesem Beitrag kompakt beleuchtet werden.
 

Rechtlicher Rahmen als Orientierung: Existenzgründung als Trockenbauer

Vor einigen Jahren war der Trockenbau noch regelmäßig ein Streitpunkt: Seit einer Neuregelung im Jahr 2000 ist es nun nicht mehr nötig, einen Meistertitel inne zu haben, um sich als Trockenbauer selbstständig machen zu können. Insofern ist es der IHK zugehörigen Betrieben erlaubt, professionelle Arbeiten im Trockenbau auch ohne Meister anzubieten. Es handelt sich somit um keine ‚wesentliche Tätigkeit eines Vollhandwerks‘, was der Meisterpflicht in Anlehnung an Anlage A der Handwerksordnung entspräche. Somit dürfen auch Unternehmen diese Arbeiten ausführen, die nicht in die Handwerksrolle eingetragen sind. Weiterhin handwerksrollenpflichtig bleiben dagegen Unternehmen, die abgesehen vom Trocken- und Akustikbau weitere Leistungen anbieten, welche zum Kernbereich eines anderen Handwerks zählen. Gemäß Paragraf 3 Absatz 1 der Handwerksordnung kann aber auch hierbei die Eintragungspflicht entfallen, wenn dieser handwerkliche Teil einen unerheblichen Umfang als Nebenbetrieb ausmacht.
 

Sicherheitsaspekte und die Meisterpflicht im Handwerk

Maßgeblich für die Meisterpflicht im Handwerk ist der Sicherheitsaspekt. Der Gesetzgeber sieht vor, dass für sicherheitsrelevante Arbeiten (man denke etwa an den Gerüstbau) ein Meistertitel erforderlich ist. ‚Einfache‘ Aufgaben, die auf die Sicherheit von Bewohnern keinen gravierenden Einfluss haben, dürfen auch ohne Meister selbstständig ausgeführt werden. Da es sich beim Trockenbau um keine tragenden Wände handelt, spielt der Sicherheitsaspekt keine große Rolle. Anders sieht es aus, wenn im Rahmen des Leistungsspektrums auch bauliche Maßnahmen angeboten werden, die sicherheitsrelevant sind. Da diese ohnehin im Rahmen der Gewerbeanmeldung beschrieben werden müssen, ergibt sich hier im Einzelfall der Nachweis des Meistertitels. Generell gilt, dass der Trockenbau von verschiedenen Gewerken ausgeführt werden darf, man denke etwa an Maurer und Stuckateure. In dieser Hinsicht können erfahrene Handwerker prüfen, in welchem Rahmen sie den Trockenbau anbieten wollen oder können. Für die Gewerbeanmeldung ist eine Handwerkskarte vorzulegen, die die örtliche Industrie- und Handelskammer ausstellt, sofern die notwendige berufliche Qualifikation gegeben ist.
 

Erste formale Schritte in die Selbstständigkeit als Trockenbauer

Generell handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit, sodass die Gewerbeanmeldung im Vorfeld der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit zu erfolgen hat. Um die notwendigen fachlichen Fähigkeiten im Rahmen der Gewerbeanmeldung vorweisen zu können, sollten Gesellen über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen. Natürlich ist es auch immer eine Option, den Meister noch im Vorfeld zu machen, da ein solcher Titel auf (potenzielle) Kunden eine nicht zu unterschätzende Wirkung hat. Ein Blick auf die wirtschaftliche Praxis zeigt, dass sich viele Existenzgründer als Subunternehmer im Bereich Trockenbau selbstständig machen. In diesem Falle wird eine Unbedenklichkeitserklärung erforderlich, die das Finanzamt ausstellt. Vorsicht ist vor vermeintlich selbstständigen Geschäftsmodellen geboten, die schnell in die Scheinselbstständigkeit führen: Wer nach der Existenzgründung auf diversen Baustellen arbeitet und in Prozesse und Strukturen von Auftraggebern eingebunden wird, arbeitet unter Umständen weisungsgebunden. In diesem Fall kann nicht mehr von einer beruflichen Selbstständigkeit ausgegangen werden.
 

Die Rolle der Finanzen sorgfältig planen

Es dürfte schwierig werden, sich mit einem Ein-Mann-Unternehmen im Trockenbau selbstständig zu machen, da großflächige Arbeiten oft innerhalb weniger Tage erledigt werden müssen. Insofern sollten zu Beginn die Kosten kalkuliert werden, die für Angestellte entstehen. Zu den reinen Lohnkosten, die im Arbeitsvertrag verabredet werden, kommen noch die Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung). Da die Geschäftsentwicklung zu Beginn nicht völlig sicher ist, sollte flexible Anstellungsformen vorgezogen werden. Die Selbstständigkeit als Trockenbauer kann recht kapitalintensiv werden, da auch sämtliche Arbeitsgeräte angeschafft werden müssen, wobei auch für funktionalen Ersatz gesorgt werden muss. Ein Transporter gehört ebenfalls zur Geschäftsausstattung, um zu den Auftragsorten zu gelangen und das benötigte Material transportieren zu können. Insofern ergeben sich recht hohe Investitions- und monatliche Fixkosten, die in einem professionellen Businessplan möglichst realistisch betrachtet werden sollten. Wer keine große Eigenkapitaldecke mitbringt, ist auf einen guten und in sich stimmigen Businessplan angewiesen. Dieser kann auch externe Geldgeber bzw. Banken überzeugen. Zudem gibt es zahlreiche Förderprogramme, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.
 

Liquidität planen und managen, um finanzielle Risiken zu minimieren

Ohne eine gewisse Decke an Eigenkapital könnte es also schwierig werden, zumal die Liquidität zu wahren ist, um als Unternehmen handlungsfähig zu bleiben. In diesem Sinne spielt auch das Rechnungs- und Mahnwesen eine wichtige Rolle (auch wenn viele Handwerker nicht wirklich Zeit und Muße haben werden, sich mit diesem Thema zu befassen). Im Arbeitsalltag kann es vorkommen, dass Rechnungen erst später oder gar nicht bezahlt werden. Der Trockenbauer aber geht schon in Vorleistung, indem er Materialien und seine Arbeitskraft vor Ort einbringt. Insofern sollten die Zahlungsmodalitäten klug gewählt werden, um nicht in eine finanzielle Schräglage zu geraten. Generell sollte der Zahlungseingang zeitlich möglichst nah an der Rechnungsstellung sein, um Liquidität zu wahren. In der Praxis gangbar wäre es etwa, die Materialkosten sofort in Rechnung zu stellen. Unternehmerische Risiken können so minimiert werden und die Liquidität wird nachhaltig verbessert.

Was die Reduzierung des unternehmerischen Risikos angeht, so spielt die Wahl einer Rechtsform eine große Rolle. Die Haftungsverhältnisse regeln, in welchem Umfang im Falle einer Pleite gehaftet werden muss, unter Umständen sogar auch mit dem eigenen Vermögen. Wer eine breitere Kapitalbasis und ein insgesamt für den einzelnen geringeres unternehmerisches Risiko genießen möchte, kann sich auch mit mehreren Handwerkern zusammenschließen und ein gemeinsames Unternehmen (ggf. auch mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten) gründen.
 

Strategische Ausrichtung durch das Leistungsspektrum

Von grundlegender Bedeutung ist die Frage, ob die Selbstständigkeit sich nur auf den Trockenbau beziehen soll, oder ob für Kunden auch andere Leistungen am Bau erbracht werden. Letzteres hat für Kunden den Vorteil, dass sie vielfältige Leistungen aus einer Hand bekommen, ohne Arbeiten aufwändig koordinieren zu müssen. Und auch für den Selbstständigen ergäbe sich so eine größere Zielgruppe. Wer sich nur auf den Trockenbau konzentriert, braucht ein funktionierendes Netzwerk oder einen festen Kundenstamm, um genügend Aufträge generieren zu können. Zu denken ist etwa an Kooperationen mit anderen Handwerksunternehmen. Um diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen, spielt neben den eigenen Fähigkeiten natürlich auch die Wettbewerbssituation eine wichtige Rolle. Angehende selbstständige Trockenbauer sollten den Wettbewerb genau analysieren, um die eigene potenzielle Auftragslage abschätzen zu können. Zudem ist auch der eigene Handlungsradius zu bestimmen: Bis zu welchem Umkreis sollen Leistungen angeboten werden? Bis zu welcher Entfernung sind Angebote lohnenswert? Hier zeigt sich, welche Rolle einer nachhaltigen Angebotskalkulation zukommt. Alle Leistungen müssen abzüglich der Materialkosten und Aufwendungen für Steuern und die eigene Vorsorge einen angemessenen Gewinn erlauben, wobei dies natürlich stark von den eigenen Zielen und Vorstellungen abhängt. Der Versuch, Kunden mit Billigangeboten zu locken, wird schnell zu finanziellen Engpässen führen. Zu bedenken ist auch, dass das Handwerk hierzulande einen hohen Stellenwert genießt. Qualität hat ihren Preis, deshalb werden längst nicht alle Kunden dem billigsten Anbieter ihr Vertrauen schenken.
 

Kundengewinnung und Absicherung der eigenen Arbeitskraft

Idealerweise wird die Kundengewinnung irgendwann von der Mund-zu-Mund-Propaganda unterstützt. Kundenempfehlungen spielen gerade im Handwerk eine wichtige Rolle, sodass zuverlässige Arbeiten und ein freundlicher Kundenservice im Berufsalltag sehr wichtig sind. Natürlich sollten aber auch traditionelle Handwerker nicht auf ihre virtuelle Präsenz verzichten! Mit einer keywordoptimierten Homepage können sie genau dort für Kunden präsent sein, wo nach fachlichen Leistungen gesucht wird. Eine erste Kontaktmöglichkeit zur Kundenakquise ist so vollautomatisch rund um die Uhr gegeben. Jeder Selbstständige und gerade Handwerker sollten ihre Arbeitskraft absichern, da sie die Basis für den Lebensunterhalt sind. Neben einer unverzichtbaren Krankentagegeldversicherung sollte auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Betracht gezogen werden. Im Rahmen der privaten Krankenversicherung, die Selbstständigen unabhängig von der Höhe des Einkommens offensteht, kann der individuelle Gesundheitsschutz optimal zugeschnitten werden.
 

Selbstständig machen als Trockenbauer: Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte

  • Es handelt sich um eine gewerbliche Tätigkeit, die beim Gewerbeamt angemeldet werden muss
  • Für den Trockenbau selbst ist seit dem Jahr 2000 keine Meisterpflicht mehr vorgesehen, zudem kann dieses Gewerke von verschiedenen Handwerkern ausgeübt werden
  • Werden jedoch neben dem Trockenbau im Leistungsspektrum noch weitere Dienste angegeben, die ein anderes Vollhandwerk betreffen, so kommt eine Meisterpflicht ggf. doch in Frage (die jeweiligen Voraussetzungen gilt es im Einzelfall zu klären)
  • Finanzen und Liquidität sind im Businessplan sorgfältig zu planen: Investitionskosten und laufende fixe Kosten sind nicht zu unterschätzen
  • Wer nur eine geringe Decke an Eigenkapital mitbringt, sollte Fördermöglichkeiten prüfen und konsequent nutzen (diese variieren von Bundesland zu Bundesland)
  • strategische Ausrichtung vornehmen (inklusive Standortanalyse): Soll der Fokus auf Trockenbau liegen oder soll für Kunden ein ganzheitliches Leistungsspektrum angeboten werden?
  • Kundengewinnung: durch eine suchmaschinenoptimierte Internetseite rund um die Uhr auffindbar sein
  • Ein Muss für Selbstständige (nicht nur im handwerklichen Bereich): Absicherung der eigenen Arbeitskraft sowie die Altersvorsorge langfristig planen

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