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Selbstständig machen als Gebäudereiniger

Wer nicht nur sprichwörtlich mit sich ins Reine kommen und eine berufliche Neuausrichtung wagen möchte, sollte die Option in Betracht ziehen, sich als Gebäudereiniger selbstständig zu machen. Generell besteht die Option, ein eigenes Unternehmen mit Angestellten hochzuziehen oder aber ein Ein-Mann-Unternehmen als mobile Reinigungskraft mit festem Kundenstamm zu verwirklichen. Grundsätzlich gilt wie bei jeder Existenzgründung: Die Basis für wirtschaftlichen Erfolg wird im Vorfeld durch eine ganzheitliche und gewissenhafte Planung gelegt. Im folgenden Beitrag sollen diesbezüglich wichtige Faktoren praxisorientiert beleuchtet werden.
 

Selbstständig machen als Gebäudereiniger: Was Gründer hier nachlesen können

  • Ausgangslage: Welche wichtigen Rahmenbedingungen sind zu bedenken?
  • Wie gestaltet sich die Konkurrenzsituation?
  • Welche (formalen) Voraussetzungen sind in diesem Bereich zu beachten?
  • Wie können mögliche Risiken abgeschwächt werden?
  • Was sollten Existenzgründer in puncto Kundengewinnung und strategische Ausrichtung bedenken?
     

Grundsätzliches zur einleitenden Orientierung

Beim Gebäudereiniger handelt es sich um einen staatlich anerkannten und somit rechtlich geschützten Ausbildungsberuf. Wer diese offizielle Bezeichnung tragen will, muss also eine Fachausbildung vorweisen können oder auch auf eine alternative Bezeichnung ausweichen. Konkret handelt es sich um einen handwerklichen Beruf, in dem auch ein Meistertitel angestrebt werden kann. Für den Schritt in die Selbstständigkeit ist dies allerdings keine Voraussetzung. Es kann sich aber als Vorteil auf dem freien Markt erweisen, um sich von Billigkonkurrenz abzuheben. Von Beginn an sollten sich Existenzgründer wahrlich gründliche Gedanken über das schwierige Umfeld machen: Das Handwerk der Gebäudereiniger ist das beschäftigungsstärkste in Deutschland. Insofern ist die Konkurrenzsituation je nach Standort sehr groß.

Noch wichtiger aber ist, dass der Preiskampf sehr hart ist. Da es sich in der Regel nicht um sehr hochpreisige Dienstleistungen handelt, haben Existenzgründer gerade zu Beginn nur geringe preisliche Spielräume. Generell aber können selbstständige Gebäudereiniger deutlich mehr verdienen als angestellte Kollegen. Für letztere greift der branchenrelevante Mindestlohn, der ab März 2016 z.B. für die Bereiche Glas- und Fassadenreinigung in Westdeutschland auf 12,98 Euro steigt (11,10 Euro im Osten). Hier können sich Existenzgründer schon einen Eindruck machen, mit welchen Lohnkosten zu rechnen ist. Allerdings variieren die Löhne je nach Arbeitsbereich. Selbstständige sollten sich überlegen, ob die Preise nach dem Faktor Zeit oder pro zu reinigender Einheit berechnet werden. Letztere Option hätte für Kunden den direkten Mehrwert, sofort mit den Endkosten kalkulieren zu können. Das unternehmerische Risiko (der Faktor Zeit) bliebe dann beim Gebäudereiniger. Jedenfalls sollte sich die Preise am Ortsüblichen orientieren.
 

Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Gebäudereiniger

In diesem Handwerk gibt es keine Meisterpflicht. Wer sich Gebäudereiniger offiziell nennen will, braucht eine staatlich anerkannte Ausbildung. Um die Geschäftstätigkeit aufnehmen zu können, muss zunächst ein Gewerbe angemeldet werden. Erst mit dem erhaltenen Gewerbeschein halten Existenzgründer die formale Legitimation für die Selbstständigkeit in der Hand. Im Rahmen der Gewerbeanmeldung werden die angebotenen Tätigkeiten möglichst umfassend und exakt beschrieben. An dieser Stelle müssen Existenzgründer auch auf dem Papier angeben, ob sie ein Unternehmen mit Mitarbeitern oder ein Ein-Mann-Unternehmen gründen wollen.
 

Ein klarer Durchblick ist für jeden erfolgreichen Gebäudereiniger eine Grundvoraussetzung

Von strategischer Bedeutung ist es, zu Beginn die richtige Ausrichtung der Reinigungsfirma vorzunehmen. Sollen nur Privatkunden bedient werden? Oder liegt der Fokus auf Geschäftskunden (Unternehmen, Büroräume, Arztpraxen etc.)? Natürlich sollte auch das Leistungsspektrum genau beschrieben bzw. dementsprechend angepasst werden. Je nach Bedarf in der Umgebung und den eigenen Fähigkeiten kann es entweder breit angelegt werden oder aber eine Nische besetzen, die in der näheren Umgebung bis dato noch nicht abgedeckt wird (z.B. professionelle Fassadenreinigung, Reinigung von Bodenbelägen o.ä.). Die konkrete strategische Ausrichtung hängt in erster Linie von der Nachfrage vor Ort ab, die möglichst detailliert im Vorfeld analysiert werden sollte. Gleichzeitig sollte auch der Geschäftsradius definiert werden: Bis zu welcher maximalen Entfernung werden Aufträge angenommen? Wie verhält es sich mit den Anfahrtskosten? Lohnen sich Aufträge in X Kilometer Entfernung überhaupt noch?
 

Überblick: mögliche Leistungen/Spezialisierungen für selbstständige Gebäudereiniger

  • Grundausrichtung: privat oder gewerblich?
  • ganzheitliche Gebäudereinigung (Komplettlösungen)
  • Fassadenreinigung
  • Glasreinigung
  • Spezialisierung auf industrielle Reinigung (z.B. Reinigung von Anlagen)
  • Textilreinigung (Teppichböden)
  • professionelle Klinikreinigung
  • Baustellenreinigung

Die eigenen Erfahrungen und Fachkenntnisse sowie eine ausführliche Marktanalyse erlauben es, die eigene strategische Ausrichtung geschickt zu wählen. Immer beachtet werden muss, wie groß der Bedarf in der Region ist, wie zahlungskräftig (und –willig!) Kunden sind und wie sich die unmittelbare Konkurrenzsituation gestaltet. Da es sich um einen Markt mit starker Konkurrenz handelt, gilt es, sich in der Kundenwahrnehmung als einmalig zu platzieren. Dieser attraktive Firmenmehrwert kann sich für eine wirksame Produktplatzierung auch im Unternehmensnamen sprachlich widerspiegeln.
 

Wie umfangreich soll die Selbstständigkeit ausfallen?

Wer sich selber als mobile Fachkraft selbstständig macht, muss ‚nur‘ für sich Sorge tragen. Wer ein ganzes Unternehmen hochziehen will, hat zu Beginn natürlich wesentlich mehr zeitraubende Aufgaben zu erledigen: ein Büro und fähige sowie verlässliche Mitarbeiter müssen gefunden werden, ggf. ist an eine Fahrzeugflotte zu denken. Die Löhne müssen erwirtschaftet werden, was in der schwierigen Startphase nicht immer einfach ist. Insofern kommt einer durchdachten Finanzplanung eine wichtige Rolle zu. Idealerweise kann eine gewisse Decke an Eigenkapital mit eingebracht werden. Die Wahl der Rechtsform ist ein erster Schritt, um mögliche unternehmerische Haftungsrisiken zu begrenzen. Wer nur für sich verantwortlich sein und die Zeit selbstbestimmt einteilen will, fährt mit der ‚kleineren‘ Lösung der Existenzgründung in diesem Bereich sicherlich besser.
 

Unnötige Risiken für die gegründete Reinigungsfirma proaktiv umgehen

Wo gehobelt wird, da fallen Späne: Nicht selten kommt es vor, dass Glas zu Bruch geht oder Flecken durch aggressive Reinigungsmittel entstehen, die nicht sachgemäß verwendet werden. Überall dort, wo Gebäudereiniger tätig sind, können Schäden entstehen. Diese sollten durch eine leistungsstarke Betriebshaftpflichtversicherung abgedeckt werden, um sich gerade in der finanziell heiklen Startphase vor allzu großen Zusatzbelastungen zu schützen. Und auch in der professionellen Kommunikation gegenüber Kunden kann es nur als Vorteil gesehen werden, dass etwaige Schäden versichert sind.
 

Fazit: geschäftlicher Erfolg vor dem Hintergrund der Kundengewinnung und einer notwendigen Umfeldanalyse

Auch wenn der Markt sehr groß und hart umkämpft ist, so wächst er weiter: Immer mehr Firmen und auch Privatleute (in Deutschland leben immer mehr Rentner als potenzielle solvente Kunden!) nutzen professionelle Reinigungsdienstleistungen. Wer Erfolg haben will, muss sich in seinem Umfeld geschickt platzieren. Dies gilt sowohl für Unternehmensgründer als auch Einzelkämpfer in Bezug auf die Leistungen und die Preise. Es versteht sich von selbst, dass buchstäblich gründliche Arbeitsergebnisse die Grundlage für zufriedene und somit treue Kunden sind, sodass nach und nach ein Stamm mit festen Aufträgen aufgebaut werden kann. Hervorragende Arbeitsergebnisse aktiven auch die kostenlose, aber dennoch sehr wirksame Mund-zu-Mund-Propaganda. Für einen alternativen Weg der Kundenakquise kann das Internet mit einer suchmaschinenoptimierten Webseite sorgen. Flyer, Imagebroschüren, Eintragungen in einschlägigen Online-Portalen und Anzeigen in Tageszeitungen können werbewirksame Marketinginstrumente sein, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen.
 

Worauf es besonders anzukommen scheint…

Insgesamt erscheint es sehr wichtig, sich von Beginn an durch wahrlich gründliche Professionalität von der Konkurrenz abzuheben. Ein erstklassiger und umfassender Service ist auch ein probates Mittel, um höhere Preise als die Billigkonkurrenz durchsetzen zu können. Günstige Preise zum Kennenlernen sind ein möglicher Weg, um an neue Kunden zu kommen. Auf lange Sicht gesehen entziehen sich Unternehmer durch eine Billig-Strategie aber die Grundlage für zufriedenstellende Einnahmen. Wenn dann irgendwann an der Gründlichkeit gespart werden muss, wird der Untergang des Unternehmens nicht lange auf sich warten lassen. Versteht man es allerdings, Kunden dieses Handwerk professionell näherzubringen, so steigt auch die Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen.
 

Selbstständig machen als Gebäudereiniger: zentrale Erfolgsfaktoren im Überblick

  • der Ausbildungsberuf Gebäudereiniger ist staatlich anerkannt und geschützt
  • Umfeldanalyse/Startvoraussetzungen würdigen: dieser gewerbliche Sektor ist einer der größten in Deutschland, folglich ist der Konkurrenz- und vor allem Preisdruck enorm
  • für eine selbstständige Tätigkeit in diesem Bereich ist eine Gewerbeanmeldung Pflicht (allerdings besteht kein Meisterzwang für diesen Handwerksberuf)
  • strategische Grundausrichtung definieren: private oder gewerbliche Kunden? Ein-Mann-Betrieb oder Reinigungsfirma gründen? Welche Leistungen sollen angeboten werden (=> Alleinstellungsmerkmal? wahrgenommener Mehrwert aus Kundensicht?)
  • den Umkreis der Geschäftsausrichtung definieren: Bis zu welcher maximalen Entfernung soll mit einem mobilen Reinigungsservice auf Kundenfang gegangen werden?
  • gründliche Professionalität: überzeugende Arbeitsergebnisse sind die beste Visitenkarte, um die wichtige Mund-zu-Mund-Propaganda aktivieren zu können

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