Selbstständig machen als Oberflächenbeschichter

Mann besprüht Metall

Wer eine Geschäftsidee sucht, bei der in jeder Hinsicht die Chemie stimmt, kann sich hier mit der Option selbstständig machen als Oberflächenbeschichter (Galvaniseur)‘ praxisorientiert befassen. Mit einer fundierten Ausbildung und einer ganzheitlichen Planung bestehen gute Chancen, um sich mit diesem Handwerk erfolgreich selbstständig zu machen. Oberflächenbeschichter sorgen dafür, dass Bauteile lange halten und vor allem funktional sind. Bei Brücken oder Flugzeugen dürfen Bauteile nicht rosten, ferner muss Metall langfristig vor Verschleiß geschützt werden. Und auch das Ableiten von Elektrizität gehört von in den Aufgabenbereich von Oberflächenbeschichtern. Die Chemie muss insofern stimmen, als dass für das jeweilige Objekt der passende metallische Überzug zu wählen und fachmännisch anzubringen ist.
 

Existenzgründung schon mit der Ausbildung perspektivisch planen

Darüber hinaus kann sich die Handwerkskunst von Oberflächenbeschichtern auch auf die Veredelung von Kunststoff- oder Metalloberflächen beziehen. Schon während der Ausbildung gilt es mit Blick auf die langfristige Perspektive der Existenzgründung, eine Vertiefung zielfokussiert zu wählen. Diese wird für das spätere Leistungsspektrum und die anzuvisierende Zielgruppe von großer Bedeutung sein. Im Bereich der Oberflächenbeschichtung stehen folgende Vertiefungsmöglichkeiten offen: Feuerzinken, Dünnschichttechnik, chemische sowie elektrochemische Abscheidung von Legierungen/Metallen. Gerade mit Blick auf den Weg in die Selbstständigkeit spielt das Thema Weiterbildung eine Schlüsselrolle. Zu einem lässt sich das eigene Profil als Experte dadurch schärfen. Auf der anderen Seite können Kunden von einem modernen und umfangreichen Leistungsspektrum profitieren, das viele geschäftliche Chancen eröffnet. Denkbar ist es z.B., den Industriemeister für Oberflächenbeschichtung abzulegen, um sich als Meisterbetrieb vermarkten zu können. Aber auch über ein Studium, das sich ggf. an die Berufsausbildung anschließt, lässt sich die Existenzgründung als Oberflächenbeschichter perspektivisch meistern. Zu prüfen sind für dieses Vorhaben Studiengänge im Bereich der Kunststoff- bzw. Werkstofftechnik.
 

Existenzgründung als Oberflächenbeschichter: selbstständig machen mit der richtigen Chemie

  • Analyse der Ausgangslage

  • Themen für die Existenzgründung als Oberflächenbeschichter

  • Marketing und Kunden gewinnen

  • Voraussetzungen, um sich als Oberflächenbeschichter selbstständig zu machen

  • Verdienst als selbstständiger Oberflächenbeschichter?

     

Analyse der Ausgangslage

Zu Beginn der Existenzgründung gilt es, die Geschäftsidee Oberflächenbeschichtung vom Markt her potenzialorientiert zu betrachten, wobei die wirtschaftlichen Chancen am konkreten Standort genau untersucht werden müssen. Nur so wird sich eine solide Basis für eine nachhaltige Entwicklung nutzen lassen. Natürlich sollten sich Oberflächenbeschichter angesichts guter Chancen auf dem Arbeitsmarkt auch fragen, ob sie wirklich bereit für diesen Schritt sind? Ist dies der Fall, kann die Planung zielfokussiert aufgenommen werden.
 

Selbstständig machen als Oberflächenbeschichter?

Als begehrte Fachkraft stehen Oberflächenbeschichtern in der Industrie attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung. Je nach Position bringt auch das Angestelltendasein teils die Möglichkeit mit sich, eigene Entscheidungen zu treffen. Wer aber zu 100 % sein eigener Chef sein und alle Entscheidungen selbst treffen möchte, muss sich für den Weg in die Selbstständigkeit als Oberflächenbeschichter entscheiden. Die Vor- und Nachteile muss jeder Gründer individuell abwägen, vor allem auch vor dem Hintergrund der eigenen Lebenssituation und -planung. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine Existenzgründung gewisse finanzielle Risiken und Unwägbarkeiten mit sich bringt. Wer sich als Oberflächenbeschichter selbstständig machen will, wird angesichts notwendiger personeller Ressourcen in der Regel einen Fachbetrieb gründen müssen.
 

Ein genauerer Blick auf Markt & Nachfrage

Grundsätzlich ist im Businessplan darzulegen, ob die Tätigkeit als Oberflächenbeschichter sich eher auf funktionale oder dekorative Aspekte ausrichten soll. Damit wird auch die Zielgruppe näher bestimmt. Funktionale Aspekte rücken vor allem in der Industrie in den Fokus, dekorative Aspekte eher im Privatkundenbereich.

Generell sind die Industriezweige, in denen Technologien für die Oberflächenbeschichtung eingesetzt werden, sehr vielfältig. Zur größten Zielgruppe gehören mit etwa 40 % jedoch Betriebe im Automobilbereich. Darüber hinaus können selbstständige Oberflächenbeschichter mit Unternehmen im Maschinenbau, der Medizintechnik, in der Bauindustrie oder in der Elektro- sowie Verpackungsindustrie zusammenarbeiten. Es gilt für die Existenzgründung, je nach Ergebnissen der Standortanalyse und mit Blick auf das eigene Qualifikationsprofil seine persönliche Nische am Markt zu finden. Eine strategische Fokussierung auf die Automobilbranche als Hauptabnehmer mag logisch erscheinen, allerdings ist in diesem Umfeld angesichts der traditionellen Stärke deutscher Autobauer auch mit großer Konkurrenz zu rechnen. Und als neues Unternehmen muss es erstmal gelingen, Kunden und Kooperationen für sich zu gewinnen. Insofern kann aus den genannten Marktdaten ebenfalls der strategische Schluss gezogen werden, sich auf eine kleine, aber sehr profitable Nische zu fokussieren. Dabei sollte Zukunftsorientierung als wichtiger Faktor für Nachhaltigkeit konsequent mit einbezogen werden. In der Medizintechnik leisten funktionale Oberflächenbeschichtungen beispielsweise einen zentralen Beitrag dazu, dass sich Keime effektiver eindämmen lassen. Hierbei handelt es sich angesichts von zunehmenden Fällen von multiresistenten Keimen sicherlich um ein vielversprechendes Zukunftsfeld. Ein weiteres innovatives Zukunftsfeld ist die Luftfahrt.
 

Der Großteil der Branche ist mittelständisch geprägt

Zur besseren Einordnung dieser Geschäftsidee sei darauf verwiesen, dass diese Branche mittelständisch geprägt ist. Aktuell gibt etwa 800 Unternehmen, die mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Der erwirtschaftete Umsatz dieser Unternehmen liegt pro Jahr bei ca. 5 Milliarden Euro. In der gesamten Branche werden deutlich über 15 Milliarden Euro erwirtschaftet. In diesem Umfeld wird sich ein Existenzgründer mit seinem Unternehmen strategisch klug platzieren müssen. In jedem Falle handelt es sich um einen attraktiven Zielmarkt, der vielversprechende Wachstumsperspektiven eröffnet. Stetige Innovationen und Investitionen in die Infrastruktur werden dafür sorgen, dass Oberflächenbeschichter sich vor allem in konjunkturell stabilen Phasen über eine gute Auftragslage freuen dürfen. Ein Ein-Mann-Unternehmen dürfte schwierig umzusetzen sein, vor allem mit Blick auf erforderliche Ressourcen für Geschäftskunden im Industriebereich.
 

Perspektiven für die Selbstständigkeit im Businessplan entwickeln

Im Businessplan müssen die genannten Marktdaten für die Umsetzung der Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Oberflächenbeschichter‘ potenzialorientiert auf den Punkt genutzt werden. Dazu sind alle Geschäftsfelder auszuarbeiten und mit Blick auf ein konkretes Ziel auszurichten. Wer ein Unternehmen für Oberflächenbeschichtung gründen will, muss vor allem die Finanzen sehr sorgfältig planen. Nur so werden sich Banken oder sonstige Geldgeber überzeugen lassen, in diese Geschäftsidee zu investieren. Wer den Fachbetrieb für Oberflächenbeschichtung im Mittelstand platzieren will, sollte die Ressourcen daraufhin genau abstimmen. Für den Mittelstand bzw. das Handwerk sind jenseits der Bankenfinanzierung weitere Optionen zu prüfen. Hier auf selbststaendig.de finden Gründer praxisorientierte Informationen für den erfolgskritischen Bereich der Unternehmensfinanzierung (https://www.selbststaendig.de/wissen/private-investoren-finden).
 

Qualitätskriterien für den Businessplan?

Wann ist ein Businessplan gut bzw. was wollen potenzielle Investoren darin lesen? Zunächst muss ein guter Businessplan in der Lage sein, dass sich Außenstehende schnell einen Überblick verschaffen können. Gefragt sind Zielorientierung und Realismus, was vor allem für den Teil der Finanzplanung gilt. Insgesamt muss im Businessplan für Oberflächenbeschichter deutlich werden, welche Berechtigung und somit Chancen das Unternehmen am Markt hat? Welche vorhandene Nachfrage wird genutzt und inwiefern trägt die Geschäftsführung durch Kostenstrukturen und Preiskalkulationen zu einer wünschenswerten Gewinnorientierung bei? Unerfahrene Gründer können eine Vorlage für einen Businessplan (https://www.selbststaendig.de/vorlagen-und-muster/businessplan) nutzen, um Struktur in die Planung zu bringen und keine wichtigen Aspekte zu vergessen. Von Vorteil ist, dass mittlerweile Vorlagen für diverse Branchen vorhanden sind, sodass die Treffgenauigkeit bzw. Überzeugungskraft von Beginn an erhöht werden kann.
 

Marketing: Kunden gewinnen als Oberflächenbeschichter?

Für jede Existenz- bzw. Unternehmensgründung ist ein reichweitenstarkes Netzwerk eine wichtige Voraussetzung für Erfolg. Gründer sollten sich durch ihr Knowhow und ihre Berufserfahrungen idealerweise schon einen Namen in der Branche erarbeitet haben. Das erleichtert in der Startphase die Kundengewinnung merklich, zumal aus geschäftlichen Kontakten langfristige Kooperationen werden können. Ohnehin sollte überlegt werden, wie die Auftragslage möglichst positiv gestaltet werden kann.

Generell ist es immer von Nachteil, sich nur von einem großen bzw. sehr wenigen Kunden abhängig zu machen. Endet diese Zusammenarbeit unvorhergesehen, so wird der Betrieb sofort vor sehr großen Problemen stehen. Daher sollte das Marketing dazu beitragen, das Unternehmen für Oberflächenbeschichtung möglichst breit und somit sichtbar aufzustellen. Geschäftliche Reichweite bzw. Sichtbarkeit definiert sich heutzutage vor allem über das Internet. Hier gilt es, mit einer professionellen und auf relevante Keywords abgestimmte Homepage auf Kundenfang zu gehen. Egal, ob die Zielgruppe im Geschäftsbereich oder bei Privatkunden liegt.
 

Das Internet und seine Bedeutung im Handwerk

Immer mehr potenzielle Kunden nutzen das Internet, um nach professionellen Dienstleistungen zu suchen und Angebote zu vergleichen. In nicht wenigen mittelständischen Betrieben spielt das Internetmarketing noch nicht die Rolle, die es mit Blick auf die Vermarktungs- und somit Wachstumschancen spielen sollte. Angesicht dessen besteht mit einem modernen und reichweitenstarken Marketing mix die Möglichkeit, am Markt etablierten Betrieben in dieser Hinsicht einen wichtigen Schritt voraus zu sein und die Kundenakquise zu großen Teilen automatisieren zu können. Für das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung sind im Leistungsspektrum Angebote anzulegen, die Folgeaufträge ermöglichen. Wie das genau aussehen kann, hängt von der Zielbranche und deren spezifischen Bedürfnissen ab.
 

Voraussetzungen, um sich als Oberflächenbeschichter selbstständig zu machen?

Da es sich um einen Handwerksberuf handelt, muss mit Blick auf die Prüfung der Zugangshürden ein Blick in die Handwerksordnung geworfen werden. Dort ist in Anlage B der Beruf Galvaniseur zu finden, der dem Oberflächenbeschichter entspricht. Diese neue Bezeichnung ersetzt seit einigen Jahren den Begriff Galvaniseur. Es handelt sich also um ein zulassungsfreies Handwerk, für dessen Ausübung keine Meisterpflicht vorgesehen ist. Ausnahmen können sich jedoch durch das Leistungsspektrum ergeben. Werden andere handwerkliche Bereiche sicherheitsrelevanter Natur berührt, so muss ein Meistertitel nachgewiesen werden. Die zulassungspflichtigen Berufe in Anlage A der Handwerksordnung zeigen, um welche Tätigkeiten es sich handeln kann.
 

Meistertitel als wichtiger Imagefaktor im Handwerk

Auch wenn ein Meistertitel keine unmittelbare Pflicht für die Selbstständigkeit als Oberflächenbeschichter ist, so können sich daraus Chancen für die Vermarktung ergeben. Und da Meisterbetriebe ausbilden dürfen, kann dem Fachkräftemangel vor Ort entgegengewirkt werden. Dazu ist es allerdings nötig, Anreize für Azubis zu setzen, um sich gegenüber großen Konkurrenzbetrieben behaupten zu können. Sollte das Leistungsspektrum des Unternehmens einen Meistertitel erforderlich machen, so kann dieser auch auf Umwegen eingebunden werden. Wer selbst keinen Meistertitel hat, kann einen Meister in leitender Position einstellen. Zu den wichtigen formalen Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Oberflächenbeschichter zählt ferner die Gewerbeanmeldung. Hiermit greift abgesehen von der Buchführungspflicht die Notwendigkeit, Gewerbesteuer jenseits des jährlichen Freibetrages abzuführen.

Tipp für Existenzgründer in der neuen Rolle als Chef

Wer Personal für die Umsetzung der Geschäftsidee braucht, sollte angesichts des Fachkräftemangels sehr früh mit der Suche beginnen und diese professionell organisieren. Schließlich sollte das Unternehmen für Oberflächenbeschichtung mit überzeugender Leistungsstärke auf den Markt kommen. In der Rolle als Arbeitgeber sehen sich Existenzgründer mit vielen Aufgaben und Pflichten konfrontiert. Hier (https://www.selbststaendig.de/mitarbeiter-angestellte) können sich angehende Selbstständige mit den wichtigsten Themen in kompakter Form auseinandersetzen.


Verdienst als selbstständiger Oberflächenbeschichter?

Angestellte Oberflächenbeschichter können mit einem mittleren Bruttogehalt von etwa 2.500 Euro pro Monat rechnen. Dieses kann sich mit relevanten Berufserfahrungen aber deutlich nach oben entwickeln. Wer sich selbstständig als Oberflächenbeschichter macht und ein Unternehmen gründet, wird sich im Falle eines gut laufenden Betriebes ein weitaus höheres Gehalt auszahlen können. Dies setzt aber voraus, dass…

  1. die Auftragsbücher möglichst immer voll sind

  2. das Unternehmen eine schlanke Kostenstruktur aufweist

  3. Preise/Angebote gewinnorientiert kalkuliert werden

  4. Das Zahlungs-/Forderungsmanagement einen effektiven Beitrag zur Wahrung der lebenswichtigen Liquidität leistet.

In einem erfolgreichen Unternehmen für Oberflächenbeschichtung sollte ein fünfstelliger Lohn für den Chef keine Utopie sein. Generell hängen die Verdienstchancen als Oberflächenbeschichter davon ab, wie gut Gründer ihr Handwerk und die Materie der kaufmännischen Betriebsführung beherrschen. In diesem Bereich weisen nicht wenige Gründer im Handwerksbereich Defizite auf, die möglichst in einer frühen Phase der Existenzgründung abgestellt werden sollten (etwa durch praxisorientierte Seminare für Existenzgründer).
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Oberflächenbeschichter‘

  1. Es handelt sich um eine chancen- und perspektivenreiche Geschäftsidee, da die Bearbeitung von Oberflächen auch zukünftig wichtig sein wird (aus funktionalen oder optischen Gründen je nach Einsatzbereich)

  2. Die Automobilindustrie erweist sich als größter Abnehmer für diese Geschäftsidee. Daraus muss aber nicht automatisch die strategische Ausrichtung für die Existenzgründung abgeleitet werden: Je nach Standort und analysierter Konkurrenzsituation kann sich eine Nischenstrategie als erfolgreich erweisen

  3. Beim Marketing im Handwerksbereich spielt das Internet für die geschäftliche Reichweite eine immer größere Rolle. Gerade im Mittelstand zeigt sich hier oft Nachholbedarf, sodass das neue Unternehmen der Konkurrenz sofort einen Schritt voraus sein kann (sollte!)

  4. Laut Anlage B der Handwerksordnung handelt es sich beim Galvaniseur um ein zulassungsfreies Handwerk, für dessen selbstständige Berufsausübung kein Meistertitel verpflichtend vorgesehen ist

  5. Vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebes ist ein Gewerbe anzumelden

  6. Die Verdienstchancen als Oberflächenbeschichter hängen im Wesentlichen von der Auftragslage, der Qualifikation und gesunden Geschäftsstrukturen ab. Wer als selbstständiger Oberflächenbeschichter gut verdienen will, muss auch das ‚Handwerk‘ der kaufmännischen Betriebsführung verstehen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

 

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