Selbstständig machen als Biologe

Biologe entnimmt Wasserprobe

Wer Biologie studieren will, entscheidet sich für ein klassisches Studienfach, das vor allem im Bereich der Lehrerausbildung eine Rolle spielt. Wer aber nicht mit dem Ziel studiert, Lehrer zu werden oder in der universitären Forschung und Lehre zu arbeiten, wird sich zwangsläufig mit den Karriereoptionen in der freien Wirtschaft auseinandersetzen müssen. Der Arbeitsmarkt für Biologen ist sehr schwierig. Aktuellen Zahlen des Portals karista zufolge kommen auf eine offene Stelle bis zu 60 Bewerber. Insofern wird deutlich, dass eine Anstellung als Biologe trotz gutem Studium keine Selbstverständlichkeit ist. Vor dem Hintergrund dieser doch herausfordernden Situation wagen nicht wenige Biologen den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Absolventen müssen oder wollen sich ganz im Sinne der naturwissenschaftlichen Mentalität auf ein Experiment namens ‚selbstständig machen als Biologe‘ einlassen.
 

Damit aus dem ‚Experiment‘ Existenzgründung ein Erfolg wird…

Es soll hier nicht der falsche Eindruck erweckt werden, aus der Not bei der Stellensuche einen Zwang zur Existenzgründung abzuleiten. Letztlich muss dieser Schritt gut überlegt bzw. geplant werden. Biologen sollten intrinsisch motiviert sein und diesen Schritt auch gehen wollen, denn ein gewisses unternehmerisches Risiko lässt sich nicht leugnen. Mit der Ausarbeitung der Geschäftsidee und der anschließenden Umsetzung müssen Existenzgründer den Wandel vom Naturwissenschaftler zum Unternehmer vollziehen. In diesem Beitrag sollen wesentliche Rahmenbedingungen und strategische Planungsaspekte beleuchtet werden, damit die Existenzgründung als Biologe auf eine nachhaltige Basis gestellt werden kann.
 

Existenzgründung als Biologe: selbstständig machen mit einer innovativen Geschäftsidee

  • Existenzgründung als langfristiges Projekt

  • Analyse der Ausgangsbedingungen

  • Wie eine Geschäftsidee entwickeln?

  • Welche Geschäftsfaktoren sind erfolgskritisch?

  • Anregungen für Geschäftsideen

  • Verdienstmöglichkeiten als selbstständiger Biologe

  • Voraussetzungen, um sich selbstständig als Biologe zu machen
     

Selbstständig machen als Biologe: besser langfristig planen…

…als aus der Not heraus ohne Vorbereitung gründen. Wer sich getreu diesem Motto als Biologe selbstständig machen möchte, sollte dieses Ziel möglichst schon in einer frühen Phase des Studiums konkretisieren, um die Weichen zu stellen. Dies geschieht ganz praktisch mit einer am Markt gefragten Spezialisierung (Fachwissen), das spätestens mit dem Masterstudium erworben wird. Zu denken ist etwa an spezielle Verfahren im Bereich der Mikrobiologie, die optimalerweise zukunftsorientierte Züge aufweisen. Wer sich für einen interdisziplinären Studiengang im Bereich der Biochemie entscheidet, kann ein noch breiteres Feld mit innovativen Lösungen abdecken.

In den letzten Jahren hat der Spezialisierungsgrad von Studiengängen durch die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse zugenommen. Daraus ergeben sich neue Chancen für eine erfolgreiche Existenzgründung! Abgesehen davon gilt es, sich als Student schon ein Businessnetzwerk aufzubauen und sich durch Praktika und Nebenjobs ein Bild von geschäftlichen Abläufen zu machen. Nicht selten entsteht hierbei die eine oder andere innovative Geschäftsidee, die durchaus verfolgt werden kann. Für Naturwissenschaftlicher erscheint es essentiell, vor allem kaufmännische Erfahrungen zu sammeln. Letztlich kann der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit nur gelingen, wenn Biologen auch zu Unternehmern werden und als solche konsequente bzw. gewinnorientierte Entscheidungen treffen.
 

Analyse der Ausgangsbedingungen

Der akademische Pfad kann nur für die wenigsten Absolventen der Biologie eine erstrebenswerte Option sein. Natürlich bringt eine Existenzgründung als Biologe nicht zu leugnende Risiken mit sich. Aber diese wären im Falle der Anstellung an einer Universität auch vorhanden, denn viele Wissenschaftler stehen auf einmal mit 40 Jahren vor dem nichts. Insofern ist die langfristige Option der Existenzgründung in jungen Jahren eindeutig vorzuziehen. Die Berufsvertretung Deutscher Biologen e.V. weist auf den Trend der letzten Jahre hin, dass angesichts der komplexen Arbeitsmarktsituation immer mehr Biologen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Je nach fachlicher Vertiefung sind Biologen dabei gut beraten, sich eine Nische zu suchen, die sie mit einer durchdachten Geschäftsidee strategisch klug besetzen können.

Grundsätzlich ist das Fachwissen dieser Naturwissenschaft gefragt, vor allem mit Blick auf die umweltbewusste und ressourcenschonende Gestaltung von Prozessen. Die zu besetzende Nische sollte zudem innovativ sein, um potenziellen Partnern/Kunden zugkräftige Mehrwerte bieten zu können. Darüber hinaus erweist sich eine zukunftsorientierte Geschäftsidee als erfolgskritisch. Wie kann ein Verfahren oder eine Dienstleistung dazu beitragen, mit knappen Ressourcen wirtschaftlich umzugehen oder aber die Umwelt nachhaltig zu schonen? Angesichts andauernder Diskussionen rund um die Klimaerwärmung und knapper werdende Ressourcen kann eine Geschäftsidee genau an diesen Punkten ansetzen. Generell erweisen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren als sehr stabil, sodass eine Existenzgründung als Biologe in dieser Hinsicht auf einen belastbaren Wachstumsrahmen setzen kann. Und selbst im Falle einer Rezession kann die Auftragslage gut bleiben, sofern die Geschäftsidee ein elementares Bedürfnis erfüllt, an dem nicht gespart werden kann.
 

Fachgrenzen: Wie weit wollen selbstständige Biologen gehen?

Zu Beginn muss jeder Existenzgründer sich die Frage stellen, inwieweit er seinem Fachgebiet treu bleiben will. Aufgrund der erworbenen Fachkenntnisse liegt es nahe, eine Geschäftsidee im Bereich der Biologie umzusetzen. Wenn aber Erfahrungen in anderen Bereichen schon gesammelt wurden, spricht auch nichts gegen eine ‚fachfremde‘ Existenzgründung. Auf jeden Fall bringen Biologen als Naturwissenschaftler eine analytische Denkweise mit, die in sehr vielen Geschäftsbereich gefragt ist. Hier auf selbststaendig.de finden sich zahlreiche Geschäftsideen, die geprüft werden können. Ganz in dieser Hinsicht ist auch fachübergreifend an den Bereich der Chemie (= https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/chemiker) zu denken, da es hier zu Überschneidungen kommt. Es spricht vieles dafür, sich mit anderen Naturwissenschaftlern zusammenzuschließen und Kompetenzen und finanzielle Ressourcen für eine innovative Geschäftsidee zu bündeln. Auch solche Kontakte sollten schon während des Studiums geknüpft werden. Nicht selten entstehen bei der Forschungsarbeit im Labor geniale Ansätze, die unternehmerisch verfolgt werden können…

Tipp: Keinen Plan vom Business? Beraten lassen!

Wer unerfahren in der Gründungsmaterie ist, sollte sich professionell beraten lassen. So wird eine ganzheitliche und möglichst objektive Betrachtung des Projekts möglich. Etwaige Defizite kaufmännischer Natur (‚Gründungshemmnisse‘) können abgebaut werden. In finanzieller Hinsicht gilt es, alle Fördermöglichkeiten und -programme auszuschöpfen. Gerade im Bereich der Forschung gibt es viele Förderprogramme, die genutzt werden können. Insofern sollte das Angebot im jeweiligen Bundesland geprüft werden. Auch Unternehmen bieten regelmäßig Förderprogramme an. Wer hier den Zuschlag erhält, kann ggf. die Basis für eine langfristige Zusammenarbeit schaffen.


Geschäftsidee entwickeln: Darauf kommt es an!

Wer als Biologe die Existenzgründung angehen möchte, braucht neben Mut und Ausdauer vor allem eines: Eine gute Geschäftsidee. Wie bereits angedeutet, sollte diese einen hohen Innovationsgrad und eine Zukunftsorientierung aufweisen, um direkt zu Beginn langfristige Perspektiven ansteuern zu können. Neben eigenen fachlichen und unternehmerischen Fähigkeiten sind Branchenkenntnisse in Bezug auf den Zielmarkt unverzichtbar. Letztlich gilt es, ein Problem der Zielgruppe zu erkennen und dieses möglichst ressourcenschonend zu lösen. Im Businessplan muss angesichts dessen klar werden, was das Unternehmen im Gegensatz zur Konkurrenz leisten kann und inwiefern dabei Gewinne erwirtschaftet werden können. Der Gründer muss sein fachliches und kaufmännisches Wissen in diesem bedeutenden Dokument unter Beweis stellen. Nur so werden sich Kapitalgeber gewinnen lassen, denn je nach Umfang der Unternehmensgründung werden hohe Geldsummen zu investieren sein. Um die Erfolgschancen der Existenzgründung zu untermauern, sollten möglichst belastbare Marktdaten genutzt werden.
 

Erfolgsfaktoren für eine tragfähige Geschäftsidee?

Ist eine Geschäftsidee gefunden und ausgearbeitet, so muss natürlich noch die Tragfähigkeit analysiert werden. Letztlich werden erst die Geschäftsaktivitäten zeigen, wie es um die tatsächliche Tragfähigkeit der Geschäftsidee bestellt ist. Folgende Faktoren erweisen sich diesbezüglich in der Praxis als sehr relevant:

  1. Kostenstruktur: Welche Gewinne lassen sich angesichts der Kosten erzielen?

  2. Wettbewerb (am Standort): Welche Konkurrenz ist vorhanden? Welche Alleinstellungsmerkmale ermöglichen es, sich von Konkurrenten abzuheben)

  3. Kundenstruktur: Wie groß ist die Zielgruppe? Welche Auftragsvolumina lassen sich generieren?

  4. Der Gründer als Unternehmer: Gefragt sind Gründertypen, die neben Risikobereitschaft auch eine hohe Belastbarkeit und eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen. Ein ausgeprägter Realitätssinn und soziale Fähigkeiten sind wichtige soft skills, um ein Unternehmen nachhaltig auf dem Markt zu platzieren.
     

Ideen, um sich selbstständig als Biologe zu machen

Die Ausgangslage und die Theorie für die Existenzgründung sind beschrieben, nun geht es im Sinne des Gründergeistes an die Umsetzung. Klar dürfte sein, dass es nicht DIE Geschäftsidee für selbstständige Biologen geben kann. Je nach fachlicher Vertiefung und vorhandenen (Berufs)erfahrungen ist der Rahmen für die Existenzgründung in vielen Fällen aber bereits vorgegeben. Im Folgenden sollen einige Praxisbeispiele als Inspiration vorgestellt werden.
 

Selbstständiger Gutachter/freiberufliche Tätigkeit als Biologe

Ob in der Lehre oder in der freien Wirtschaft: Aufgrund ihrer besonderen fachlichen Qualifikation können Biologen auf freiberuflicher Basis als Fachexperten in lehrender oder auch beratender Hinsicht tätig sein. Die freiberufliche Berufsausübung hat den Vorteil, kein Gewerbe anmelden zu müssen. Viele Biologen haben sich in den letzten Jahren als Gutachter selbstständig gemacht. Oft sind im Zuge von Bauvorhaben zahlreiche umweltrelevante Kriterien zu prüfen. Mit der notwendigen Qualifikation können Biologen entsprechende Gutachten erstellen und z.B. mit Kommunen oder Auftraggebern zusammenarbeiten. Die Voraussetzungen für eine gutachterliche Tätigkeit als Biologe sind im Einzelnen zu klären.
 

Gründung eines Forschungsunternehmens

Wer ein Unternehmen gründen will, wird im Gegensatz zur freiberuflichen Berufsausübung ein Gewerbe anmelden müssen. Ein innovatives Unternehmen im Bereich der Biologie wird sich mit einem Analyse- oder Herstellungsverfahren befassen müssen, das eine hohe Nachfrage aufweist. Ganz in diesem Sinne kann es um Methoden gehen, um mit knappen Rohstoffen sorgfältiger umzugehen oder Verfahren im Bereich der Fertigung so zu optimieren, da sie umweltfreundlicher sind. Die Biologie ist die Wissenschaft des Lebens: Insofern kann sich die Forschung auch auf Fragen der Gesundheit beziehen und neue Ansätze auf den Markt bringen. Hier wäre eine Kooperation mit Medizinern sinnvoll bzw. zu prüfen.
 

Beratende Tätigkeit im Sinne der Dienstleistungsorientierung

Der Dienstleistungssektor wird in den kommenden Jahren einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen. Und Unternehmen sind ihrerseits daran interessiert, mit freiberuflichen Experten auf flexibler Basis zu kooperieren. Insofern sind gute Chancen gegeben, um sich als gefragter Experte in einem Fachgebiet der Biologie zu profilieren und Unternehmen/Kunden zu beraten (z.B. im Hinblick auf Prozessoptimierungen). Es versteht sich von selbst, dass für diesen Weg ein reichweitenstarkes Netzwerk und eine aktive Vermarktung der eigenen Person nötig sind. Hier zeigt sich erneut, dass der Weg in die Selbstständigkeit als Biologe idealerweise von langer Hand geplant wird. Erfolge während und nach dem Studium (Forschungspreise etc.) sollten für die Vermarktung der eigenen Person gezielt genutzt werden.
 

Orientierung: Was verdient man als selbstständiger Biologe?

Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, auch wenn sie verständlicherweise noch so sehr unter den Nägeln brennt. Was Biologen als Lehrer bzw. in Forschung und Lehre verdienen können, lässt sich mit einem Blick auf die relevanten Listen des öffentlichen Dienstes schnell nachvollziehen. Tendenziell bestehen in der freien Wirtschaft bessere Verdienstaussichten. Für Biologen werden in dieser Hinsicht Spitzenverdienste von bis zu 7.500 Euro / Monat angegeben.

Im Falle der Selbstständigkeit kann der monatliche Verdienst noch höher ausfallen, wobei aber gerade die ersten Jahre der Existenzgründung finanziell eher mau ausfallen werden. Das gehört zu einer ehrlichen Einschätzung der Gesamtlage dazu! Wer als Biologe ein Unternehmen gründet, wird in der Startphase keine hohen Gewinne einfahren. Selbst wenn dies der Fall ist, so müssten diese für den weiteren Wachstumskurs reinvestiert werden. Wer sich allerdings mit seiner Geschäftsidee am Markt fest etabliert hat, wird ein hohes Monatsgehalt einfahren können. Dieses hängt in erster Linie von der Auftragslage und einer optimalen Kostenstruktur ab, die schon im Businessplan darzulegen ist. Tendenziell müssen Selbstständige von Natur aus besser verdienen als Angestellte, da alle Kosten für die Sozialversicherungen und die Altersvorsorge allein getragen werden müssen.
 

Voraussetzungen, um sich als Biologe selbstständig zu machen

Da die Voraussetzungen mit Blick auf das Facettenreichtum an möglichen Geschäftsideen nicht pauschalisiert werden können, müssen sie frühestmöglich im Einzelfall in Erfahrung gebracht werden. Aufgrund der besonderen fachlichen Qualifikation ist es im Falle einer beratenden Tätigkeit möglich, den Status ‚Freiberufler‘ zu nutzen. Sobald ein Unternehmen gegründet wird, ist eine Gewerbeanmeldung zwingend erforderlich. Im Einzelfall ist zu prüfen, ob es sich um ein erlaubnispflichtiges bzw. überwachungsbedürftiges Gewerbe handelt. Dies kann im Bereich der Biologie der Fall sein, wenn im Labor mit gefährlichen Substanzen gearbeitet wird o.ä. Entsprechende Auflagen (auch baulicher Natur) sind im Vorfeld zu prüfen. Sollte eine Erlaubnispflicht für die Geschäftsidee als Biologe bestehen, so müssten Gründer ihre persönliche Eignung nachweisen (z.B. durch ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister).
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Biologe‘

  1. Der Arbeitsmarkt für Biologen ist trotz guter Konjunkturlage schwierig, sodass sich in den letzten Jahren immer mehr Absolventen für eine Existenzgründung entscheiden

  2. Idealerweise wird die Existenzgründung als Biologe nicht aus der Not, sondern aus langfristiger Planung heraus geboren

  3. Bereits im Studium können mit der fachlichen Ausrichtung (=> Angebotsnische) und relevanten Berufserfahrungen wichtige Meilensteine für eine erfolgreiche Geschäftsidee gelegt werden

  4. Eine innovative und zukunftsorientierte Nischenstrategie kann die Basis für die erfolgreiche Existenzgründung als Biologe sein. In den letzten Jahren lässt sich der Trend erkennen, dass selbstständige Biologen im Sinne der Dienstleistungsorientierung als beratende Fachexperten arbeiten

  5. Wer sich selbstständig als Biologe machen möchte, sollte die individuellen Voraussetzungen schnellstmöglich in Erfahrung bringen, um Verzögerungen zu vermeiden bzw. die Umsetzbarkeit von Beginn an realistisch einzuschätzen.

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