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Selbstständig machen mit einem Sicherheitsdienst

Ob der Weg in die Selbstständigkeit mit einem Security Dienst für einen selbst eine sichere Sache wird, hängt nicht zuletzt von einer ganzheitlichen Planung und den persönlichen Startvoraussetzungen ab. Insofern sollen in diesem Beitrag die formalen und strategischen Anforderungen der Selbstständigkeit mit einem Sicherheitsdienst kompakt beleuchtet werden. Insbesondere was die Gewerbeanmeldung geht, so ist in diesem Bereich mit zusätzlichen Hürden zu rechnen, auf die hier ebenfalls eingegangen werden soll. Ziel soll es sein, auf zentrale Aspekte der Selbstständigkeit in diesem Bereich aufmerksam zu machen, um eine nachhaltige Geschäftsbasis von Beginn an konsequent zu verfolgen.

Selbstständig machen mit Sicherheitsdienst: Was interessierte Gründer hier erfahren

  • Ausgangsbestimmung: die Chancen in diesem Bereich
  • formale Voraussetzungen und Erfordernisse rund um die Gewerbeanmeldung
  • persönliche Voraussetzungen
  • strategische Entscheidungen und Geschäftsausrichtung
  • Checkliste: benötige Dokumente für die Selbstständigkeit mit einem Sicherheitsdienst
     

Ausgangslage und strategische Implikationen

Obwohl Deutschland im weltweiten Vergleich ein sehr sicheres Land ist, boomt der Markt für professionelle Sicherheitsdienstleistungen. So rechnet die Sicherheitsbranche in diesem Jahr mit Umsätzen von ca. 6 Milliarden Euro, wobei sich mit Blick auf die Entwicklungen in den letzten Jahren ein weiterer Wachstumskurs abzeichnet. Zum Vergleich: 2009 lagen die Umsätze von bei 4,4 Milliarden Euro. Die deutsche Sicherheitsbranche zählt etwa 170.000 Beschäftigte. Die 300 größten Unternehmen teilen sich 85 % des Marktes auf, wobei der Konkurrenzkampf laut Experten sehr hoch ist. Insofern dürfte es je nach Standort und Nachfrage schwer werden, mit einem neuen Unternehmen Fuß zu fassen.
 

Aggressive Preisstrategien neuer Unternehmen führen nur selten zum Erfolg

Marktanalysen zeigen, dass kleine Unternehmen oft beim Preis sehr aggressiv vorgehen. Langfristig wird so aber die eigene Geschäfts- bzw. Einnahmebasis erodiert. Insofern ist eine gründliche Standortanalyse erforderlich: Welchen Bedarf gibt es noch in puncto Sicherheit? Wie gestaltet sich die Konkurrenzsituation? Ist eine Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich sinnvoll? Zu beachten ist gerade in Bezug auf den gewerblichen Bereich, dass nicht wenige Unternehmen einen betriebseigenen Wachschutz nutzen, sodass potenzielle Kunden/Aufträge wegfallen. In Anbetracht der Ausgangssituation wird deutlich, dass die Gründung in diesem Bereich kein Selbstläufer ist und einer gründlichen und ehrlichen Analyse bedarf. Diese sollte eine tatsächliche Marktlücke offenbaren, in die konsequent vorgestoßen wird. Die Verdienstmöglichkeiten indes variieren stark je nach Region und Tätigkeit, was auch für die Anstellung von Mitarbeitern bzw. die Kostenstruktur eine Rolle spielen wird. Entscheidend ist die Berufsgruppe bzw. das Tarifgehalt. Wachmänner verdienen so in der Regel deutlich weniger als Fahrer von Geldtransportern.
 

Inhalte und Anforderungen (auch an die eigene Persönlichkeit)

Wie oben bereits angedeutet, können die Tätigkeiten eines Sicherheitsdienstes breit gefächert sein: Gebäude oder Produktionsmaschinen können überwacht werden, es kann für Sicherheit auf Festivals gesorgt werden und auch Personenschutz gehört zum potenziellen Leistungsspektrum. Die eigenen Erfahrungen und Qualifikationen sollten neben den Erfordernissen am Markt den Ausschlag für die strategische Ausrichtung des Sicherheitsdienstes geben. Gründer sollten sich ehrlich selbst hinterfragen, schließlich ist diese Arbeit immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Auch die Arbeitszeiten werden zum Teil unkonventionell sein und sich nicht immer mit dem Familien- und Privatleben vereinbaren lassen. Loyalität, Kontaktfreudigkeit und die Bereitschaft, sich auch mit betriebswirtschaftlichen Themen und Entscheidungen zu beschäftigen, sollten Gründer in diesem Bereich mitbringen. Denn neben der eigentlichen Sicherheitstätigkeit will ja auch ein profitabler Geschäftsbetrieb geführt werden. Nicht zuletzt müssen auch Mitarbeiter geführt und motiviert werden, schließlich sind von Beginn an hohe Qualitäts- bzw. Sicherheitsstandards gefragt, um die angestrebte Kundenbindung zu erreichen.
 

Eine Unternehmensgründung scheint alternativlos

Die kurze Analyse der Ausgangssituation offenbart, dass eine Unternehmensgründung alternativlos erscheint, schließlich werden je nach Leistungsspektrum gewisse personelle Ressourcen erforderlich werden. Insofern ist die Selbstständigkeit in diesem Bereich mit zum Teil erheblichen Kosten und Risiken verbunden, die auch direkt von der gewählten Rechtsform abhängen. In einem Businessplan werden die Weichen von Beginn an auf Erfolg gestellt, indem alle zentralen Faktoren und insbesondere die erfolgskritische Finanzierung beleuchtet werden. Ein solches Dokument ist als Visitenkarte unerlässlich, um Geldgeber bzw. Banken zu überzeugen. Vor möglichen finanziellen Risiken schützt eine Betriebshaftpflichtversicherung. Vor allem die Kosten von möglichen Personenschäden können schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Entsprechend zu berücksichtigende Versicherungssummen werden übrigens in Paragraf 6 der Bewachungsverordnung (BewachV) genannt.
 

Kunden gewinnen für professionelle Sicherheitsdienstleistungen

Was die Kundengewinnung angeht, so sollte idealerweise ein funktionierendes Netzwerk schon vorhanden sein. Eventuell konnten sich Gründer auch schon bei einem Angestelltenverhältnis einen Namen machen. In jedem Fall sollte mit dem Sicherheitsdienst auch eine entsprechend suchmaschinenoptimierte Seite an den Start gehen, um für potenzielle Kunden zu jeder Tageszeit eine Anlaufstelle zu bieten.
 

Grundlegende formale Voraussetzungen für die Unternehmensgründung

Die berufliche Selbstständigkeit mit einem Sicherheitsdienst erfordert eine Gewerbeanmeldung. Allerdings reicht eine ‚einfache‘ Gewerbeanmeldung nicht aus, da es sich laut Paragraf 34a der Gewerbeordnung um eine genehmigungspflichtiges Gewerbe handelt. Wer sich mit den gesetzlichen Details auseinandersetzen will, sollte einen Blick in diesen entsprechenden Paragrafen der Gewerbeordnung werfen. Im Rahmen der formalen und persönlichen Überprüfung geht es darum, die Vertrauenswürdigkeit so gut wie möglich einzuschätzen, schließlich geht es um einen sehr sensiblen Bereich. Was ein Bewachungsgewerbe als mögliche konkrete Form des Sicherheitsdienstes angeht, so zählen hierzu Dienstleistungen, die über eine nur warnende Tätigkeit deutlich hinausgehen. Die formalen Voraussetzungen nach Paragraf 34 der Gewerbeordnung zeigen, dass eine berufsspezifische Qualifikation bzw. eingehende Berufserfahrungen erforderlich sind. Die Genehmigung für das Sicherheitsgewerbe wird durch das das zuständige Gewerbeamt ausgesprochen, wobei Kosten von bis zu 1.000 Euro oder sogar etwas mehr entstehen können.
 

Checkliste: notwendige Nachweise für die Genehmigungspflicht im Sicherheitsgewerbe

  • Berufshaftpflichtversicherung, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht
  • finanzielle Reserven/Sicherheiten für das erste halbe Jahr nach der Gründung (Auszug aus Schuldnerverzeichnis)
  • Gewerbezentralregisterauszug
  • Auszug aus dem Handels- sowie Genossenschaftsregister
  • polizeiliches Führungszeugnis
  • Bewachungserlaubnis
     

Lehrgangsnachweis der IHK

Ein Lehrgangsnachweis kann über die Industrie- und Handelskammer erlangt werden. Nach 80 Unterrichtsstunden inklusive Prüfung halten Interessenten den Wisch in der Hand, der für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit nötig ist. Dementsprechend ist, sofern Berufs- oder Branchenkenntnisse nicht nachgewiesen werden können, ein gewisser zeitlicher Vorlauf im Vorfeld der Existenzgründung einzuplanen. Sofern kein gültiger Versicherungsschutz vorhanden ist oder dieser entzogen wird, so informieren Versicherungen in aller Regel das Ordnungsamt. Dieses wird in einem solchen Fall die für den Geschäftsbetrieb notwendige Gewerbeerlaubnis entziehen.
 

Fazit und Ausblicke zur Selbstständigkeit mit einem Sicherheitsdienst

Da der Markt stetig wächst und die Nachfrage trotz guter Sicherheitslage hoch ist, kann eine Unternehmensgründung nach sorgfältiger Planung gelingen. Allerdings ist der Markt hart umkämpft und von einem großen Preisdruck geprägt. Große Unternehmen teilen sich fast den gesamten Markt, sodass es für kleinere Neulinge je nach Standort und Nachfragesituation schwer wird. Aggressive Preisstrategien, wie sie von Experten beobachtet werden, sind langfristig gesehen kein Erfolgsrezept, um am Markt zu bestehen. Durch die aktuelle terroristische Bedrohungslage jedoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage in naher Zukunft drastisch steigen könnte.
 

Selbstständig mit einem Sicherheitsdienst: Zusammenfassung und Praxisaspekte

  • Es handelt sich um ein genehmigungspflichtiges Gewerbe, für das zahlreiche Nachweise und Unterlagen einzureichen sind (s.o.).
  • Die gesetzlichen Grundlagen bzw. formalen Anforderungen werden in Paragraf 34a der Gewerbeordnung dargelegt
  • In aller Regel wird das Leistungsspektrum eines Sicherheitsdienstes eine Bewachungserlaubnis erfordern
  • Ausgangslage: der Markt für Sicherheitsdienstleistungen wächst seit Jahren konstant, wobei sich 300 größere Unternehmen fast den gesamten Markt teilen
  • Der Standortanalyse kommt somit eine entscheidende strategische Bedeutung zu (Kann eine vorhandene Marktlücke durch eine Spezialisierung auf eine Nische besetzt werden?)
  • Für Branchenfremde kann die Gründung schwierig werden. Sie ist aber möglich, da über einen 80 stündigen IHK Kurs Fachkenntnisse erworben und nachgewiesen werden können
  • Die eigene Persönlichkeit und Lebenssituation hinterfragen: Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Themen (Buchführung, Personalführung etc.), ungeregelte Arbeitszeiten, generelles Sicherheitsrisiko für einen selbst im Arbeitsalltag etc.
  • Neben einer unabdingbaren Haftpflichtversicherung in vorgeschriebener Höhe ist auch die eigene Arbeitskraft abzusichern. Handlungsbedarf kann auch jenseits der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung bestehen (ggf. bietet sich eine Risikolebensversicherung an).

Wichtig: Das passiert mit Ihrer Krankenversicherung, wenn Sie selbstständig sind!

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2017 zwischen 369,27 € und 793,88 € monatlich (Mindest- und Höchstbeitrag)....

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