Selbstständig machen als Goldschmied

    Goldschmied
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    „Jeder ist seines Glückes Schmied“, so lautet ein bekanntes Sprichwort. In diesem praxisorientierten Beitrag für Gründer soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern für den traditionellen Handwerksberuf Goldschmied der Weg in die berufliche Selbstständigkeit zum persönlichen Glück beitragen kann. Auch wenn ein Goldschmied natürlich nicht nur mit dem namensgebenden Edelmetall arbeitet, so hat dieses in den letzten Jahren eine deutliche Wertsteigerung bzw. –stabilität erfahren. Es handelt sich um eine krisenfeste Anlageform, die sich im langjährigen Vergleich als sehr wertstabil erweist. Insofern arbeitet ein Goldschmied nicht nur mit Schmuck im engeren Sinne…

    Selbstständig machen als Goldschmied: Diese Fragen werden hier beantwortet

    • Wie gestalten sich die Erfolgsaussichten in diesem Handwerksberuf?
    • Welche formalen Voraussetzungen sind zu erfüllen?
    • Welche handwerklichen Leistungen sind möglich?
    • Wie kann das eigene Geschäft erfolgsorientiert platziert werden?

       

    Orientierungshilfe: der relevante Markt samt Zielgruppe

    Der Markt für Schmuck ist in Deutschland sehr groß. Die konstant wachsenden Umsätze erreichen ein jährliches Volumen von etwa 7 Milliarden Euro. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist, dass Schmuckkreationen ein sehr beliebtes Geschenk darstellen. Und auch zu diversen Lebensanlässen wie insbesondere Hochzeiten gehört Schmuck als fester kultureller Bestandteil dazu. Insofern ist der Markt für dieses wertvolle Kulturgut sehr attraktiv. Mit einem guten Standort, professioneller Handwerks-Qualität und einem passenden Leistungsspektrum können selbstständige Goldschmiede gutes Geld verdienen.
     

    Was ein Goldschmied leistet: Orientierung für ein mögliches Leistungsspektrum

    In der Ausbildung können Goldschmiede schon eine Vertiefung wählen und sich so beispielsweise auf Schmuck, Ketten oder Juwelen fokussieren. Insofern weist die notwendige Berufsausbildung schon auf den möglichen Schwerpunkt der selbstständigen Tätigkeit hin. Beim Goldschmied handelt es sich um einen geschützten Ausbildungsberuf, sodass diese eingehende Berufsbezeichnung nicht von jedermann gewählt werden kann. Es spricht aber auch nichts dagegen, dass sich selbstständige Goldschmiede gezielt weiterbilden und so ihr aus Kundensicht möglichst attraktives Leistungsspektrum ausbauen. Goldschmiede können beispielsweise individuelle Schmuckstücke schaffen und so für besondere Lebensanlässe die Bereitschaft von Kunden, tief in die Tasche zu greifen, unternehmerisch nutzen.
     

    Übersicht: mögliche Inhalte des Leistungsspektrums als selbstständiger Goldschmied

    • schmieden von Schmuck diverser Art (oder Fokus auf Produkte wie Eheringe)
    • Reparatur von alten Schmuckstücken/wertvollen Erbstücken
    • kreative Gestaltung von diversen Materialien (inklusive schmelzen und gießen)
    • Bearbeitung und Verzierung von Oberflächen
    • Einarbeitung von Edelsteinen
    • Umsetzung individueller Kundenwünsche
       

    Standortanalyse und strategische Geschäftsausrichtung

    Für die Ausrichtung des eigenen Geschäfts spielt nicht nur der eigene Qualifikationshintergrund, sondern vor allem auch der Standort bzw. das mögliche Absatzpotenzial eine Rolle. Wie viele Goldschmiede-Betriebe gibt es? Welche Dienstleistungen werden dort angeboten? In welche Marktlücke kann demnach gestoßen werden? Für die Geschäftsräume mit angeschlossener Werkstatt ist ein guter Standort zu wählen, der viel Laufkundschaft anzieht. Ideal sind Standorte in belebten Innenstädten oder gut frequentierten Einkaufszentren. Ein guter Standort kann ganz in diesem Sinne höhere Fixkosten für die Anmietung von Geschäftsräumen rechtfertigen.
     

    Eigenes Atelier: spezifische Vorteile der Selbstständigkeit in diesem Handwerksbereich

    Goldschmiede üben zweifelsohne einen kreativen Beruf aus. Wer diese handwerkliche Tätigkeit selbstständig ausübt, kann seiner gestaltenden Kreativität mit Formen und Materialien noch mehr freien Lauf lassen. Angestellte Goldschmiede sind an die Anweisungen ihres Chefs bzw. die Geschäftsausrichtung gebunden. Mit einem eigenen Geschäft jedoch kann das Leistungs- und somit letztlich auch Arbeitsspektrum ganz nach den eigenen Vorstellungen ausgerichtet werden. So ist es möglich, auch Alleinstellungsmerkmale für eine strategisch vorteilhafte Positionierung des eigenen Geschäfts zu nutzen. Zu denken ist etwa an gefragte Spezialtechniken wie Ziselieren oder Emaillieren. Die Kehrseite der großen Freiheit für die berufliche Selbstverwirklichung ist die unternehmerische Verantwortung inklusive Risiken, die aber jede Geschäftsidee mit sich bringt.
     

    Es ist nicht alles Gold, was im notwendigen Businessplan glänzt…

    Um die angesprochenen unternehmerischen Risiken (vor allem solche finanzieller Art) so gut wie möglich zu minimieren, sollte am Anfang der Planungen für den Weg in die Selbstständigkeit ein tragfähiger Businessplan ausgearbeitet werden. Darin nimmt die solide respektive realistische Planung der Finanzen eine erfolgskritische Schlüsselrolle ein. Kosten können für die Einrichtung des Geschäfts und die Anschaffung von Arbeitsutensilien sowie Material entstehen. Hinzu kommt, dass für den Kauf von Schmuckstücken bzw. Edelmetallen in Vorkasse gegangen werden muss. Alles, was sich in der Werkstatt an Material befindet und noch nicht verkauft ist, bindet viel Kapital. Insofern sollten die Lagerbestände nie zu groß sein. Wer sich ohnehin auf kundenspezifische Auftragsarbeiten fokussieren will, wird dieses Problem von Haus aus eher weniger haben.

    Zudem soll die Einzigartigkeit bzw. Attraktivität des Geschäfts aus Kundensicht deutlich werden. Externe Geldgeber, die mit diesem Schriftstück überzeugt werden wollen, sind an solchen Erfolgspotenzialen überaus interessiert. Zudem sind Überlegungen für das Marketing und die Preisgestaltung wichtig. Mit dem Businessplan kümmern sich Gründer auch um das notwendige geschäftliche Netzwerk: Woher und zu welchen Konditionen stammen die Materialien (Edelmetalle etc.)? Natürlich soll die Geschäftsidee glänzen und so vollends überzeugen können. Aber auch Risiken sollten offensiv benannt werden. Guten Gründern gelingt es, überzeugende Konzepte zu entwickeln, um Risiken weitmöglich zu regulieren. Was den späteren Geschäftsbetrieb angeht, so ist unternehmerische Flexibilität gefragt: Trends sind zu erkennen und nicht funktionierende Teile des Leitungsspektrums zu hinterfragen.
     

    Preiskalkulation bzw. generelle kaufmännische Herangehensweise für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung

    Der Weg in die Selbstständigkeit als Goldschmied bedeutet auch, dass neben der handwerklichen Tätigkeit ein weiteres Aufgabenfeld dazukommt: die Rede ist von der Buchführung bzw. generell von der erfolgsorientierten Geschäftsführung. Insofern sollten alle zu treffenden Entscheidungen mit Blick auf die Finanzen kritisch hinterfragt werden. Besonders der Preiskalkulation kommt eine wichtige Rolle zu: Der von Kunden akzeptierte Verkaufspreis muss abzüglich Materialeinsatz und Arbeitszeit ansprechende Gewinnmargen zulassen.
     

    Formale Voraussetzungen für eine selbstständige Tätigkeit als Goldschmied

    Berufliche Erfahrungen und handwerkliches Geschick sind Gold wert, wenn anspruchsvollen Kunden ein überzeugendes handwerkliches Leistungsspektrum angeboten werden soll. Wer sich als Goldschmied selbstständig machen möchte, braucht für diesen Schritt seit 2004 keinen Meistertitel mehr. Damals wurden einige Berufe von der Meisterpflicht befreit, um mehr wirtschaftliche Dynamik durch mehr Neugründungen zu ermöglichen. Viele Goldschmiede mit Meistertitel sahen und sehen diese Entwicklung kritisch. Letztlich aber wird sich Qualität auf dem Markt immer durchsetzen. Auch wenn er keine formale Zugangsvoraussetzung mehr ist, so genießt der Meistertitel im Handwerksbereich hier in Deutschland einen hohen Stellenwert. Ein Goldschmied mit Meistertitel hat es tendenziell einfacher, höhere Preise gegenüber Kunden durchzusetzen und generell mehr Kunden zu gewinnen.
     

    Gewerbeanmeldung als Goldschmied oder freiberufliche Tätigkeit?

    Ungeachtet der nicht mehr nötigen Pflicht für einen Meistertitel für die Selbstständigkeit als Goldschmied ist eine Gewerbeanmeldung vor Aufnahme der eigentlichen Geschäftstätigkeit vorzunehmen. In aller Regel wird diese handwerkliche Tätigkeit als gewerblich eingestuft, womit sich auch eine Pflichtmitgliedschaft in der Handwerkskammer begründet. Eine freiberufliche Tätigkeit als Goldschmied lässt sich wohl nur in Einzelfällen legitimieren bzw. gegenüber dem Finanzamt als Ansprechpartner rechtfertigen. Die rechtliche Grundlage hierfür beschreibt Paragraf 18 des Einkommenssteuergesetzes. Wer als Freiberufler eingestuft werden möchte, muss sich quasi als Künstler verkaufen oder eine besondere Qualifikation vorweisen, die eine notwendige ‚Schöpfungshöhe‘ möglich macht. Ein zusätzliches Designstudium könnte eine solche formale Legitimation sein. In jedem Falle ist eine Prüfung der persönlichen Voraussetzungen vorzunehmen.
     

    Fazit: goldene Berufsaussichten für den traditionellen Handwerksberuf Goldschmied?

    Der Markt für Schmuck bzw. die Bereitschaft, Geld dafür auszugeben, sind in Deutschland groß. Bei Schmuck (vor allem mit Edelmetallen) handelt es sich um ein fest verankertes Kulturgut, für das immer ein Absatzmarkt vorhanden ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich ein selbstständiger Goldschmied auf die Anfertigung von individuellen Trauringen spezialisiert. Generell gilt: je exklusiver und ausgefallener Materialien und Design sind, desto höher sind die erzielbaren Preise. Der immaterielle Wert eines exklusiv gefertigten Schmuckstückes kann seinen realen Wert nochmals steigern. Es liegt in jeder Hinsicht in der Hand des selbstständigen Goldschmieds, aus erzielten Preisen zufriedenstellende Einnahmen bzw. Gewinne zu erzielen. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Onlinehandels kann das Internet als alternativer Vertriebsweg die Zielgruppe ggf. weit über den gewählten Standort hinaus vergrößern. Dem traditionellen Handwerk wird virtuelles Marketing in Form einer optimierten Homepage sicher gut tun. Sei es nur, um potenzielle Kunden in der Umgebung auf die professionellen Handwerksdienstleistungen hinzuweisen.
     

    Selbstständig machen als Goldschmied: Kurzzusammenfassung aller praxisorientierten Schlüsselaspekte

    • In Deutschland weist der Markt für Schmuck jährliche Umsätze von etwa 7 Milliarden Euro auf. Die Absatzchancen sind demnach gut, zumal es sich um ein unverzichtbares Kulturgut handelt
    • Für eine selbstständige Berufsausübung als Goldschmied ist seit 2004 kein Meistertitel mehr nötig
    • Vor Aufnahme des Geschäftsbetriebes ist ein Gewerbe anzumelden (in Einzelfällen ist eine Anerkennung einer freiberuflichen Tätigkeit nach Prüfung durch das zuständige Finanzamt denkbar)
    • Mit einem Businessplan richten selbstständige Goldschmiede alle Geschäftsfaktoren auf nachhaltigen Erfolg aus. Der Finanzplanung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu
    • Das angebotene Leistungsspektrum sollte zum Standort und zur Zielgruppe passen sowie den eigenen Qualifikationshintergrund widerspiegeln.

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