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Selbstständig machen als Physiotherapeut

Rückenschmerzen gehören als leidige Volkskrankheit in den Lebensalltag vieler Menschen. Physiotherapeuten können sich also auf Millionen von behandlungsbedürftigen Patienten freuen, wobei die Wahl eines guten Standortes als Grundsatzentscheidung natürlich nicht außer Acht gelassen werden sollte. Essentielle Voraussetzung für eine selbstständige Berufstätigkeit in diesem Bereich ist eine staatlich anerkannte Ausbildung, die aus fast 3.000 Stunden theoretischen und praktischen Unterrichts besteht. Was die Existenzgründung selber angeht, so sind zahlreiche formale Bestimmungen zu beachten. Die wichtigsten sollen in diesem Beitrag in aller Kürze ‚Praxis-orientiert‘ vorgestellt werden.
 

Grundsatzentscheidung ‚Betätigungsfeld‘: Kassenzulassung oder Privatpatienten

Grundsätzlich gilt als Rahmenbedingung hierzulande, dass professionelle (!) physiotherapeutische Behandlungen nur auf ärztliche Anordnung durchzuführen sind, etwa zur Unterstützung der körperlichen Regeneration nach einem Unfall. In solchen Fällen wird meistens eine Praxis gegründet, in der Patienten behandelt werden. Wer eine Kassenzulassung anstrebt, muss ein entsprechende Praxis einrichten, die genau definierten Anforderungen zu entsprechen hat: Wer alleine als Physiotherapeut arbeitet, muss eine minimale Nutzfläche von 50 Quadratmetern aufweisen können, wovon mindestens 32 auf die Therapiefläche entfallen. Je mehr andere Physiotherapeuten beschäftigt werden, desto größer müssen die Flächen sein. Zu bedenken ist, dass genügend Raum für notwendige Trainingsgeräte vorhanden sein muss. Existenzgründer in diesem Bereich sollten wissen, dass die Krankenkassen bzw. die zuständigen Berufsverbände über die Einhaltung der formalen Rahmenbedingungen wachen. Eine Alternative wäre, Privatpatienten auf eigene Rechnung ohne Praxis zu behandeln, wozu sich Hausbesuche anböten. Hierzu müsste ggf. der Standort näher analysiert werden: Wie sieht die Verteilung zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten aus? In welchem Umfang sind physiotherapeutische Leistungen in privaten Tarifen enthalten?
 

Neben der praktischen Berufstätigkeit darf die kaufmännische Seite nicht vernachlässigt werden

Ohne Praxis ist ein schnellerer und weniger kapitalintensiver Start möglich. Zu bedenken ist, dass neben laufenden Kosten für die Miete auch für die Anschaffung der Praxiseinrichtung mitunter hohe Kosten entstehen. Ohne entsprechende Rücklagen oder Sicherheiten dürfte die Finanzierung einer eigenen Praxis schwierig werden. Rein formal ist zu bedenken, dass ein selbstständiger Physiotherapeut nicht nur ein Dienstleister für Heilmittel, sondern mit Blick auf das Steuer- und Sozialrecht auch ein Unternehmer ist. Grundsätzlich kann ein Physiotherapeut als Freiberufler agieren, womit kein Gewerbe anzumelden ist. Eine Grundvoraussetzung hierzu ist, dass der Inhaber einer Praxis aufgrund seiner Fachkenntnisse eigenverantwortlich handelt. Ein wesentliches Orientierungsmerkmal ist, dass der Physiotherapeut auf die Behandlung eines jeden Patienten Einfluss nimmt. So führt er das Erstgespräch durch, betreut die Behandlung und kümmert sich um die Abrechnung. Die Grenzen zur Gewerbepflicht sind zum Teil fließend, wenn beispielsweise auch noch spezielle Salben verkauft werden, die nicht apothekenpflichtig sind. Solche Verkaufstätigkeiten können eine Gewerbepflicht begründen. Vorstellbar ist es auch, freiberufliche und gewerbliche Tätigkeiten steuerrechtlich zu trennen. Problematisch wird der Status Freiberufler bei Physiotherapeuten, die Personal beschäftigen. Rein theoretisch müsste der Praxisinhaber bei jedem Patienten die entscheidende Rolle spielen. Hier besteht noch keine eindeutige Rechtssicherheit, Interessenten sollten weitere aktuelle Gerichtsurteile verfolgen.
 

Der Aspekt der Umsatzsteuerpflicht

Grundsätzlich gilt, dass Heilbehandlungen im Kontext der Humanmedizin auf der Basis von Paragraf 4 Nr. 14 des Umsatzsteuergesetzes von der Umsatzsteuer befreit sind. Wer allerdings Heilmittel auf eigene Rechnung verkauft und somit gewerblich agiert, muss dafür ggf. Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen. Werden im ersten Jahr geringere Umsätze als 17.500 Euro erwartet, so kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind anerkannte Heilmittel, die auch von den Krankenkassen bezahlt werden. Bei Privatpatienten allerdings, die sich ohne konkrete ärztliche Indikation behandeln lassen, kommen womöglich in die Umsatzsteuerpflicht. Hier deutet sich schon an, wie komplex die Materie ist. Angehende selbstständige Physiotherapeuten tun gut daran, sich im Vorfeld ein klares Bild zu machen oder Fachberatung zu nutzen, um alle steuerlichen Vorgaben zu erfüllen.
 

Versicherungen und zu beachtende Pflichtmitgliedschaften

Selbstständige Physiotherapeuten sind immer ein Pflichtmitglied in der Berufsgenossenschaft, um mögliche Unfälle abzusichern (dies gilt selbst dann, wenn noch kein Personal vorhanden ist). Eine Rentenversicherungspflicht ist nur gegeben, sofern keine Angestellten vorhanden sind. Von unabdingbarer Wichtigkeit jedoch ist eine Berufshaftpflichtversicherung. Man bedenke, dass bei einem Fehlgriff oder einer falschen Therapie schnell große Schadenshöhen erreicht werden können. Eine entsprechende Police sollte also nicht zu knapp bemessen sein, um sich konsequent vor möglichen finanziellen Risiken zu schützen. Wer selbstständig als Physiotherapeut arbeitet, kann selber auch in die private Krankenversicherung wechseln, dies im Gegensatz zu Angestellten sogar unabhängig von der Höhe der Einkünfte. Die Verdienstmöglichkeiten als Physiotherapeut sind sehr gut, wobei der konkrete Arbeitsumfang natürlich maßgebend ist. Eine mittlere bis hohe fünfstellige Jahressumme liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
 

Wichtig: Für die Heilberufe gelten Werbebeschränkungen

Die Entscheidung für oder gegen eine Praxis ist getroffen, eine Praxis samt Inventar eingerichtet, alle Formalitäten (Anmeldung beim Finanzamt und ggf. beim Gewerbeamt) sind erledigt, nun fehlen nur noch die Patienten. An einem guten Standort (etwa in der Nähe von vielen weiteren Arztpraxen) sollte sich schnell von alleine ein Patientenstrom einstellen, doch in ländlicheren Gegenden ist ein wenig Marketing bzw. Werbung in eigener Sache nötig. Doch angehende selbstständige Physiotherapeuten sollten beachten, dass diesem Vorhaben enge Grenzen gesetzt sind. Neben einem Schild an der Praxistür und einer Webseite ist beispielsweise auch an eine Broschüre zu denken. Was allerdings den Inhalt angeht, so sind die gesetzlichen Werbeeinschränkungen strikt zu beachten. Grundsätzlich ist es untersagt, mit konkreten Kassenleistungen zu werben (nach dem Motto ‚Ihre Kasse zahlt alles‘). Wer gegen diese Regeln verstößt, muss mit hohen Geldbußen rechnen. Des Weiteren ist das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zu beachten. Patienten müssen in aller Regel 10 % der Kosten für Heilleistungen selber tragen. Es ist untersagt, mit der Übernahme dieser Kosten zu werben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Zu beachten ist auch das Heilmittelwerbegesetz: Bilder von sich selber in Berufsbekleidung mit Patienten bei der Behandlung sind demnach untersagt. In Bezug auf diesen kritischen Rechtsbereich sollten sich unerfahrene Existenzgründer beraten lassen. Natürlich ist auch in passiver Hinsicht an (Eigen)werbung zu denken. So legen immer mehr potenzielle Patienten Wert auf gute Bewertungen auf speziellen Portalen. Ein guter, professioneller und einfühlsamer Service sowie gut organisierte Praxisabläufe sind wichtige Grundvoraussetzungen für zufriedene Patienten.
 

Fazit: Selbstständigkeit als Physiotherapeut im Gesundheitsbereich

Wer es mit einer entsprechenden Berufsausbildung als seine Leidenschaft ansieht, anderen Menschen bei der Gesundung zu helfen, wird sich mit einer eigenen Praxis sicher verwirklichen können. Grundsätzlich sind recht hohe Kosten für die Praxisausstattung einzukalkulieren. Eine freiberufliche Berufsausübung ohne Gewerbe ist möglich, aber recht engen Grenzen gesetzt. Gleiches gilt für zahlreiche Bestimmungen, die zu beachten sind (man denke etwa an die Größe der Räume und die Formalitäten bei der Abrechnung mit Krankenkassen). Neben der eigentlichen Arbeit wird die Buchhaltung bzw. die Abrechnung mit Krankenkassen recht viel Zeit in Anspruch nehmen. Die völlige berufliche Selbstverwirklichung wird es angesichts der engen Rahmenbedingungen in diesem Bereich wohl kaum geben können. Der Bedarf an Physiotherapeuten wird aufgrund der rasant alternden Gesellschaft aber auch in Zukunft sehr hoch sein. Dieser zukunftssichere Faktor und attraktive Verdienstmöglichkeiten lassen die engen Rahmenbedingungen wieder etwas in den Hintergrund treten.
 

Selbstständig machen als Physiotherapeut: alles Wichtige in der Übersicht

  • Grundvoraussetzung zur Berufsausübung ist eine staatlich anerkannte Ausbildung
  • strategische Option: eigene Praxis (Kassenzulassung) vs. mobile Dienstleistungen
  • wer eine Physiotherapie Praxis eröffnen will, muss zahlreiche Auflagen bezüglich der Raumgröße beachten
  • grundsätzlich dürfen Behandlungen nur auf ärztliche Anweisung durchgeführt werden (für Patienten ohne Beschwerden kommt ggf. eine Unbedenklichkeitsbescheinigung in Betracht)
  • Physiotherapeuten können unter Beachtung der Vorgaben als Freiberufler arbeiten
  • eine Gewerbepflicht entsteht, wenn nicht apothekenpflichtige Salben o.ä. verkauft werden
  • Heildienstleistungen und von der Krankenkasse anerkannte Heilmittel sind von der Umsatzsteuer befreit (nicht aber alternative Heilmittel, die gewerblich auf eigene Rechnung verkauft werden)
  • Marketing mit Grenzen: für die Werbung in eigener Sache sind enge Grenzen und strenge Regeln zu beachten (hohe Bußgelder drohen)
  • ein guter Standort ist eine Grundvoraussetzung für viel ‚Laufkundschaft‘

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