So viel verdienen Selbstständige in Deutschland

Kind als Chef am Schreibtisch mit Geld
Zuletzt aktualisiert: 04.05.2026

Was verdienen Selbstständige in Deutschland? Diese Frage beschäftigt viele Existenzgründer, wenn sie den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit wagen. Auch wenn niemand im Berufsleben gerne über Geld redet, so werden attraktive Verdienstmöglichkeiten doch fast immer unter den wichtigsten Gründen genannt, die für den Schritt in die Selbstständigkeit sprechen. Insofern lohnt es sich, einen differenzierten Blick auf das Einkommen von Selbstständigen in Deutschland zu werfen.

Erwartungshaltungen auf dem Prüfstand

Klischees vom großen Geld und reichlich Freizeit prägen die Vorstellungen vieler angehender Existenzgründer. Doch was ist wirklich dran an diesen Vorstellungen? Wie viel verdienen Selbstständige in Deutschland? Welche Faktoren sind für das Einkommen relevant? Und wie sieht der direkte Vergleich zum Angestelltenverhältnis aus? Diesen Fragen gehen wir auf Basis aktueller Erhebungen nach.

Was verdienen Selbstständige in Deutschland: Themenüberblick

  • Motive für die Selbstständigkeit: des Geldes wegen?
  • Der Traum vom großen Geld?
  • Ein differenzierter Blick auf Selbstständige
  • Verdienst als Selbstständiger: den eigenen Marktwert bestimmen
  • Faktoren, die das Einkommen beeinflussen
  • Tücken bei der Einschätzung des eigenen Verdienstes
  • Trends in der Selbstständigkeit
  • Versicherungen: Pflicht und empfohlen
  • Verdienst als Existenzgründer
  • Fazit und Perspektiven

Warum selbstständig machen: Nur des Geldes wegen?

Viele Studien zeigen, dass Selbstständige oft deutlich länger arbeiten als Angestellte. Trotzdem sind sie insgesamt zufriedener als abhängig Beschäftigte, weil Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung stärker gewichtet werden. Aktuelle Branchenerhebungen wie der Freelancer-Kompass weisen Zufriedenheitsquoten um die 73 Prozent aus; gut acht von zehn Befragten würden sich erneut für die Selbstständigkeit entscheiden. Ein weiterer wichtiger Punkt, der für den Weg in die Selbstständigkeit spricht, ist die freie Zeiteinteilung bzw. das Auffinden einer individuellen Work-Life-Balance. Und natürlich ist das liebe Geld eines der wichtigsten Motive für den Schritt in die Selbstständigkeit. Gerade mit gefragtem Expertenwissen besteht die Chance, sich finanziell unabhängig zu machen und seinen Lohn weitestgehend selbst bestimmen zu können.

Generell ist es so, dass Selbstständige tendenziell besser verdienen als Angestellte, doch das gilt freilich nicht für alle. Wer wissen will, wie viel Selbstständige in Deutschland verdienen, sollte die Frage differenziert angehen. Genau das soll in diesem Beitrag geschehen.

Markt im Überblick: Wie viele Selbstständige gibt es?

Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes gehen rund 3,6 Millionen Menschen in Deutschland einer hauptberuflichen selbstständigen Tätigkeit nach. Davon sind etwa 1,8 Millionen sogenannte Solo-Selbstständige – also Selbstständige ohne weitere Beschäftigte. Frauen stellen rund ein Drittel der Selbstständigen, Männer rund zwei Drittel. Seit 2012 ist die Zahl der Selbstständigen leicht rückläufig, insbesondere bei den Solo-Selbstständigen. Inhaltlich verteilt sich die Selbstständigkeit auf einen schmalen, aber heterogenen Sektor: vom Garten- und Landschaftsbau über den freiberuflichen Mittelstand bis zu hochpreisigen IT-Spezialisten und niedergelassenen Heilberuflern.

Selbstständig machen: Über den Traum vom großen Geld

Wer sich mit dem Einkommen von Selbstständigen befasst, muss zur Einschätzung konkreter Zahlen wissen, dass es ein starkes Gefälle gibt. Auswertungen des DIW und des Statistischen Bundesamtes zeigen seit Jahren, dass die Einkommen von Selbstständigen rund dreimal stärker streuen als die von Arbeitnehmern: Spannen vom unteren dreistelligen Bereich bis weit jenseits der 5.000 Euro netto pro Monat sind keine Seltenheit. Durchschnittswerte sind also mit Vorsicht zu genießen. Ein Blick auf Branchen, Berufe und Betriebsformen liefert weitaus aussagekräftigere Ergebnisse.

Auch heute noch verdient ein nennenswerter Teil der Selbstständigen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn (seit 1. Januar 2026: 13,90 Euro pro Stunde, ab 1. Januar 2027: 14,60 Euro). Die Realität zeigt also, dass die berufliche Selbstständigkeit auf keinen Fall automatisch mit einem hohen Verdienst einhergeht. In jedem Fall ist eine ganzheitliche Planung für nachhaltigen Erfolg unabdingbar – wer die Ausgangslage und damit die Nachfrage falsch einschätzt, baut letztlich auf Sand.

Orientierung: durchschnittliche Verdiensthöhe von Selbstständigen

Wer Werte für ein durchschnittliches Einkommen von Selbstständigen heranziehen will, kann sich auf Auswertungen des Mikrozensus und des Instituts für Mittelstandsforschung berufen. Aktuelle Mikrozensus-Auswertungen für Nordrhein-Westfalen zeigen beispielhaft, dass mehr als ein Drittel aller Selbstständigen ein persönliches Nettoeinkommen von 3.500 Euro pro Monat oder mehr erzielt – bei abhängig Beschäftigten ist es nur rund ein Sechstel. Tendenziell verdienen Selbstständige also besser als Angestellte. Im Detail steckt der Teufel allerdings im Beschäftigungsmodell:

  • Rund 47 Prozent der Selbstständigen mit Beschäftigten erzielen ein Nettoeinkommen von 3.500 Euro oder mehr im Monat.
  • Bei den Solo-Selbstständigen erreicht nur rund jeder Fünfte (etwa 19 Prozent) diese Marke.
  • Umgekehrt liegen rund 20 Prozent der Solo-Selbstständigen mit ihrem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro im Monat.

Rein strukturell sind Selbstständige zudem gezwungen, mehr als Angestellte zu erwirtschaften. Denn es gibt keinen Arbeitgeber, der sich zur Hälfte an den Sozialversicherungsbeiträgen beteiligt – Beiträge zu Krankenversicherung, Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit müssen vollständig aus dem eigenen Honorar gedeckt werden.

Vom Bruttoumsatz zum Nettoeinkommen rechnen

Regionale Unterschiede: West versus Ost, Nord versus Süd

Auch der Wohnort spielt eine zentrale Rolle. Eine Auswertung der Steuer-App Accountable auf Basis von mehr als 30.000 Selbstständigen (ohne umsatzsteuerliche Kleinunternehmer) weist im Bundesschnitt einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 52.600 Euro aus. Zwischen den Bundesländern öffnet sich allerdings eine erhebliche Schere:

RegionDurchschnittlicher Jahresumsatz
Rheinland-Pfalzrund 63.100 Euro
Mecklenburg-Vorpommernrund 51.600 Euro
Berlinrund 51.000 Euro
Nordrhein-Westfalenrund 50.500 Euro
Saarlandrund 31.800 Euro
Sachsen-Anhaltrund 31.600 Euro
Schleswig-Holsteinrund 31.400 Euro

Der Abstand zwischen dem stärksten und dem schwächsten Bundesland beträgt damit mehr als das Doppelte – ein Hinweis darauf, wie sehr Wirtschaftskraft, Branchenmix und Kaufkraft der Region das Honorarniveau beeinflussen.

Differenzierte Betrachtung nach Branchen

Zu den Selbstständigen mit sehr hohen Einkommen zählen in Deutschland traditionell Notare, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Patentanwälte sowie spezialisierte IT-Fachkräfte und niedergelassene Ärzte. Generell kann ein Hochschulabschluss formal eine Berechtigung darstellen, um höhere Preise für eine fachlich anspruchsvolle Arbeit durchzusetzen. In der Praxis ist es zweifelsohne so, dass freiberufliche Experten mit einem Hochschulabschluss zu den bestverdienenden Selbstständigen zählen. Auswertungen der amtlichen Lohn- und Einkommensteuerstatistik zeigen, dass siebenstellige Jahreseinkommen in Deutschland fast ausschließlich von Selbstständigen erzielt werden – nur ein knappes Sechstel der Top-Verdiener ist abhängig beschäftigt.

Top-Verdiener und Niedriglohngruppen im Überblick

BerufsgruppeTendenzielle Einkommensspanne (Jahresgewinn)
Notare (hauptberuflich)häufig sechs- bis siebenstellig
PatentanwälteGrößenordnung 150.000–200.000 Euro
Zahnärzte (niedergelassen)Größenordnung 130.000–170.000 Euro
Praktische Ärzte (niedergelassen)Größenordnung 100.000–150.000 Euro
Hafen- und Seelotsenetwa 130.000–160.000 Euro
Steuerberater, Wirtschaftsprüfertypischerweise sechsstellig
IT-Freelancer / SAP-Spezialistenrund 80.000–150.000 Euro
Handwerksmeister mit Betriebrund 60.000–100.000 Euro
Friseur:innen, Kosmetiker:innen, Schneider:innenhäufig im niedrigen fünfstelligen Bereich

Zu den Niedrigverdienern gehören bei Selbstständigen Taxifahrer, Kosmetikerinnen und klassische Handwerksberufe wie Schneider oder Friseure. Selbstständige in den Bereichen Handel, Transport und Gastronomie haben aufgrund komplexer Rahmenbedingungen – Konkurrenz, Preisdruck, geringe Margen – dauerhaft Probleme damit, hohe Gewinne zu erwirtschaften. Im klassischen Dienstleistungsbereich lassen sich je nach Geschäftsidee und Konkurrenz mittlere Einkommen erzielen.

Die Betrachtung nach Branchen zeigt, warum eine umfassende Analyse der Ausgangslage im Businessplan unverzichtbar ist: Nur wer sich mit allen relevanten Faktoren befasst, wird die Nachhaltigkeit einer Geschäftsidee – und damit die Verdienstchancen – realistisch beurteilen können. Ganz pauschal lässt sich freilich nicht sagen, dass ein akademischer Beruf automatisch zu einem hohen Verdienst führt. Auch unter Freiberuflern gibt es einen relevanten Anteil, der weniger als den gesetzlichen Mindestlohn pro Stunde erwirtschaftet. Gerade im künstlerischen Bereich verdienen Selbstständige unterdurchschnittlich schlecht, da sie sich von Projekt zu Projekt hangeln müssen. Ist keine konstant hohe Auftragslage gegeben, leidet der Verdienst als Selbstständiger naturgemäß unmittelbar darunter.

Selbstständige und Arbeitnehmer im Vergleich

Fasst man Studien zum Verdienst von Selbstständigen zusammen, so kommt man – jenseits der Durchschnittswerte – zu der Erkenntnis, dass es bei Selbstständigen eine breite Streuung beim Verdienst gibt. Das DIW Berlin hat in einer vielzitierten Untersuchung ermittelt, dass Solo-Selbstständige im Schnitt nur einen geringfügig höheren Stundenlohn als Angestellte erzielen, während Selbstständige mit Beschäftigten pro Stunde deutlich mehr verdienen. Hierbei handelt es sich wohlgemerkt um Mittelwerte, sodass die Unterschiede in einzelnen Branchen weitaus größer oder auch geringer sein können. Wer sich selbstständig machen und eine Firma gründen will, hat den Werten zufolge bessere Chancen auf ein höheres Einkommen. Ein Blick auf die Details zeigt zudem: Selbstständige ohne Mitarbeiter weisen die höchste Standardabweichung auf – ein Hinweis auf das deutlich höhere Einkommensrisiko dieser Gruppe.

Was verdienen Selbstständige? Faktor Stundenlohn

Aus den genannten Gehaltsspannen ließe sich rechnerisch ein Stundenlohn ableiten. Dieser ist allerdings wenig aussagekräftig, denn viele Selbstständige arbeiten deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche – und damit mehr als typische Angestellte. Für mehr Aussagekraft sollte der übliche Preis bzw. Stundenlohn in der betreffenden Branche als Orientierung dienen, zumal daran auch die eigene strategische Positionierung zu erfolgen hat. Für IT-Freelancer liegt der durchschnittliche Stundensatz aktuell im Bereich um die 100 bis 105 Euro, in Spitzensegmenten wie SAP, Cloud oder KI deutlich darüber. Im Handwerk bewegen sich die Verrechnungssätze für Meisterbetriebe je nach Gewerk und Region grob zwischen 65 und 95 Euro pro Stunde.

Wer einen bestimmten Verdienst als Selbstständiger anvisiert, muss zu diesem Wert sämtliche Kosten und Ausgaben addieren: Erst diese Summe zeigt die Einnahmen, die tatsächlich zu erwirtschaften sind. Will ein Selbstständiger 2.000 Euro pro Monat netto verdienen, muss er einen weitaus höheren Umsatz erzielen, um alle Kosten – vor allem für Krankenversicherung, Altersvorsorge und Steuern – decken zu können. Jeder Stundenlohn bzw. jedes Angebot muss insofern genau kalkuliert werden, um als Selbstständiger gut verdienen zu können. Denn letztlich müssen abzüglich aller Kosten Gewinne bleiben. Idealerweise ist es neben der Auszahlung des eigenen Lohns möglich, Rückstellungen für schlechte Zeiten oder anstehende Investitionen zu bilden.

Stundensatz im Branchenvergleich berechnen

Bestimmung des eigenen Marktwertes

Die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten von Selbstständigen hängt direkt mit dem eigenen Marktwert zusammen. Wie gefragt ist das Wissen, wie ausgeprägt die Konkurrenzsituation? Je mehr es gelingt, sich als gefragter Experte und überlegene Alternative zur Konkurrenz zu vermarkten, desto höher kann der Verdienst als Selbstständiger ausfallen. Der Vorteil der Selbstständigkeit ist, dass der Lohn im Grunde selbst bestimmt werden kann. Allerdings setzt das Marktübliche gewisse Grenzen, denn utopische Vorstellungen werden sich in vielen Branchen angesichts der (globalen) Konkurrenz nicht durchsetzen lassen.

Vom Wunschlohn zum Zielumsatz

Wer den eigenen Marktwert ermittelt hat, sollte den nächsten Schritt nicht überspringen: die saubere Rückrechnung vom gewünschten Nettoeinkommen über alle Steuern, Sozialabgaben und Betriebskosten bis hin zum nötigen Jahres- und Monatsumsatz. Erst dieser Zielumsatz zeigt, ob die geplanten Honorare und Auslastungen realistisch sind oder nachjustiert werden müssen.

Zielumsatz für das gewünschte Einkommen ermitteln

Welche Faktoren bestimmen das Einkommen von Selbstständigen?

Wie oben bereits angedeutet, ist ein differenzierter Blick sinnvoll, um die Verdienstmöglichkeiten von Selbstständigen aussagekräftig einschätzen zu können. Generell steigt das Einkommen als Selbstständiger mit dem Alter und mit beruflichen Erfahrungen, auch was die Notwendigkeit der gewinnorientierten Betriebsführung angeht. Im Falle der Selbstständigkeit zahlen sich Fleiß und Durchhaltevermögen im wahrsten Wortsinn aus. Relevantes Knowhow und Alleinstellungsmerkmale sind weitere wichtige Faktoren für den Verdienst als Selbstständiger.

Gender Gap: Frauen verdienen als Selbstständige deutlich weniger

Erhebungen zeigen freilich auch, dass es zwischen Männern und Frauen ein erhebliches Gefälle gibt. Genau wie in Angestelltenverhältnissen verdienen selbstständige Frauen deutlich weniger als Männer – nur fällt der Abstand bei Selbstständigen sogar noch markanter aus. Während der unbereinigte Gender Pay Gap bei Angestellten zuletzt bei rund 16 Prozent lag, weisen Studien für die Gruppe der Selbstständigen einen unbereinigten „Gender-Income-Gap" von bis zu rund 44 Prozent aus. Nur etwa die Hälfte davon lässt sich durch beobachtbare Faktoren wie Branche, Arbeitszeit oder Qualifikation erklären – der Rest gilt als ungeklärt.

Steuern, Krankenkasse, Vorsorge: Wo das Honorar wirklich landet

Vom Honorar bzw. Umsatz bleibt netto deutlich weniger übrig, als viele Existenzgründer erwarten. Einkommensteuer, gegebenenfalls Gewerbesteuer, Krankenkassenbeiträge und Altersvorsorge schmälern den Gewinn spürbar. Insbesondere die Krankenkassenbeiträge belasten Solo-Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung relativ stark, weil sie diese in voller Höhe selbst tragen müssen. Wer zu hohen Brutto-Honoraren in die Selbstständigkeit startet, sollte den realen Steuersatz vorab überschlagen – sonst droht beim ersten Steuerbescheid die Ernüchterung.

Einkommensteuerlast überschlagen

Tipp: Wer sich jenseits von Mittelwerten einen genaueren Blick auf branchenübliche Honorare verschaffen will, sollte Gehaltsportale, Berufsverbände und Branchenstudien wie den Freelancer-Kompass oder den Preisatlas Handwerk nutzen. Auf diese Weise lässt sich mit wenigen Klicks eine realistische Gehaltsspanne in Erfahrung bringen, die auf realen Werten basiert.

Tücken und häufige Fehler bei der Einkommenseinschätzung

Wer Selbstständigkeit ausschließlich am Bruttoumsatz misst, verschätzt sich systematisch. In Beratungsgesprächen tauchen einige Stolpersteine immer wieder auf:

Bruttoumsatz wird mit Nettoeinkommen verwechselt

Ein Stundensatz von 80 Euro klingt im Vergleich zum Angestelltengehalt fürstlich – ist es aber nicht. Krankenversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer, Betriebskosten und Rücklagen für Krankheit oder Auftragsflauten verschlingen schnell die Hälfte oder mehr. Vom Bruttoumsatz auf das Nettoeinkommen zu schließen, geht nahezu immer schief.

Auslastung wird zu hoch angesetzt

Selbst bei guter Auftragslage sind selten mehr als 60 bis 70 Prozent der Arbeitszeit fakturierbar. Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung, Urlaub, Krankheit und Leerlauf werden bei der Stundensatzkalkulation regelmäßig unterschätzt. Wer mit 220 fakturierbaren Tagen pro Jahr plant, sollte stattdessen nüchtern mit 150 bis 180 rechnen.

Krankheit, Urlaub und Altersvorsorge fehlen in der Kalkulation

Anders als Angestellte erhalten Selbstständige weder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall noch bezahlten Urlaub – und auch keinen Arbeitgeberbeitrag zur Rente. Wer das nicht von Anfang an einpreist, lebt finanziell auf Pump bei sich selbst.

Steuern werden nicht zurückgelegt

Die erste Steuererklärung kommt häufig spät, die Nachzahlung samt Vorauszahlung dafür umso heftiger. Eine Steuerrücklage von 25 bis 35 Prozent des Gewinns ist insofern keine Buchhalter-Folklore, sondern schlicht überlebenswichtig.

Unterpreis-Akquise in der Anfangsphase

Aus Angst vor leeren Auftragsbüchern arbeiten viele Existenzgründer monate- oder jahrelang unterhalb ihres marktüblichen Honorars. Das senkt nicht nur das Einkommen, sondern auch die wahrgenommene Qualität – Kunden orientieren sich am Preis als Qualitätssignal.

Wichtig: Der gefährlichste Stolperstein liegt im Verwechseln von „verfügbarem Konto" und „Gewinn". Wer Steuer- und Sozialversicherungsrücklagen nicht konsequent vom Geschäftskonto trennt, plant unbewusst mit fremdem Geld. Die Quittung kommt mit dem Steuerbescheid – und ist oft fünfstellig.

Trends in der Selbstständigkeit

Wer den Verdienst als Selbstständiger einordnen will, sollte einige aktuelle Branchenentwicklungen mitdenken:

Rückläufige Projektzahlen, härterer Wettbewerb

Aktuelle Studien wie der Freelancer-Kompass zeigen, dass die durchschnittlichen Stundensätze nach Jahren des Wachstums zuletzt seitwärts laufen oder leicht zurückgehen. Rund 43 Prozent der befragten Freelancer haben aktuell keine gesicherte Auslastung für die kommenden Monate, etwa die Hälfte spürt eine Verschlechterung der Auftragslage. Insbesondere im IT-Bereich verschiebt sich der Markt vom Anbieter- zum Käufermarkt.

KI verändert Honorare und Aufgabenprofile

Aktuelle Erhebungen weisen aus, dass mittlerweile rund 85 Prozent der befragten Freelancer regelmäßig KI-Tools nutzen. Routineaufgaben in Recherche, Texterstellung, Code-Generierung und Bildbearbeitung lassen sich damit deutlich beschleunigen – was den Druck auf einfache Tätigkeiten erhöht und gleichzeitig spezialisierten Fachkräften neue, besser bezahlte Nischen eröffnet.

Hybride und Solo-Selbstständigkeit nehmen zu

Immer mehr Menschen kombinieren eine Festanstellung mit nebenberuflicher Selbstständigkeit (sogenannte hybride Selbstständigkeit). Daneben bleibt die Solo-Selbstständigkeit das dominierende Modell – mehr als die Hälfte aller Selbstständigen arbeitet ohne weitere Beschäftigte.

Ortsunabhängiges Arbeiten ist Standard

Bei wissensbasierten Tätigkeiten ist Remote-Arbeit längst die Regel. Studien weisen aus, dass über 70 Prozent der befragten Freelancer überwiegend aus dem Homeoffice arbeiten; viele kombinieren das mit zeitweisen Einsätzen vor Ort beim Kunden oder „Workation"-Modellen.

Politische Baustellen: Scheinselbstständigkeit, Altersvorsorge, Mutterschutz

Themen wie eine mögliche Rentenversicherungspflicht für Solo-Selbstständige, der Mutterschutz für Selbstständige und die Reform der Statusfeststellung sind seit Jahren in der politischen Diskussion. Wer plant, sollte derartige Vorhaben aktiv im Blick behalten – sie können das Nettoeinkommen direkt beeinflussen. Insbesondere das Risiko Scheinselbstständigkeit bei nur einem oder wenigen Auftraggebern wird häufig unterschätzt: Im Worst Case drohen Beitragsnachforderungen über mehrere Jahre.

Risiko Scheinselbstständigkeit prüfen

Präzisierung: Verdienst als Existenzgründer

Wer sich mit den Verdienstmöglichkeiten in der Selbstständigkeit befasst, sollte die Startphase der Existenzgründung gezielt herausnehmen und in finanzieller Hinsicht separat bewerten. In der Praxis ist es so, dass die ersten zwei bis drei Jahre finanziell eher mau sind, da das Geschäft erst anlaufen muss. Die oben genannten Werte taugen also explizit nicht als Orientierung für den Start. Natürlich kann es sein, dass eine brillante Geschäftsidee sofort ein hohes Einkommen ermöglicht – in der Mehrheit der Fälle wird das erfahrungsgemäß nicht der Fall sein.

Hinzu kommt, dass am Anfang einige Pflicht- und Verwaltungsaufgaben zu erledigen sind: vom Steckbrief der Geschäftsidee über die Wahl der passenden Rechtsform bis zur Anmeldung beim Finanzamt. Wer ein Gewerbe ausübt – also keinen freien Beruf nach § 18 EStG –, muss vorher beim Gewerbeamt anmelden.

Gewerbeanmeldung Schritt für Schritt durchgehen

Auch in puncto Krankenversicherung lohnt sich ein nüchterner Blick. Während die GKV einkommensabhängig abrechnet (mit einem Mindestbeitrag, der gerade Geringverdiener spürbar belastet), kann die PKV gerade in der Gründungsphase mit jungen, gesunden Versicherten attraktive Konditionen bieten – allerdings mit Folgen, die sich erst Jahre später zeigen. Existenzgründer sollten beide Welten frühzeitig durchrechnen, statt sich blind für die günstigste Sofort-Variante zu entscheiden.

PKV-Angebot für Existenzgründer prüfen

Fazit und Ausblick zu den Verdienstmöglichkeiten als Selbstständiger

Die genannten Werte zeigen, dass nur ein geringer Teil der Selbstständigen Spitzengehälter erzielt. Gleichwohl lässt sich die Tendenz festhalten, dass Selbstständige mit Angestellten bessere Verdienstchancen haben als sogenannte Solo-Selbstständige. Um den Verdienst als Selbstständiger so hoch wie möglich zu gestalten, sind vor allem zwei Grundbedingungen zu erfüllen: eine gute Auftragslage und eine schlanke Kostenstruktur. Auch wenn Selbstständige ihren Lohn im Wesentlichen selbst bestimmen und mehr Gestaltungsfreiheit genießen, so lässt sich das höhere Risiko nicht leugnen. Zudem ist eine stärkere Abhängigkeit von konjunkturellen Entwicklungen zu beachten, als es bei einem Angestelltenverhältnis der Fall ist. Das höchste Gut für jeden Selbstständigen ist letztlich die eigene Arbeitskraft – also Gesundheit. Daher sollten frühzeitig Vorkehrungen getroffen werden, um im Krankheitsfall, in Auftragsflauten und für das Alter nicht ohne Verdienst dazustehen.

Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse: Das verdienen Selbstständige in Deutschland

  • Während Solo-Selbstständige nicht zwangsläufig mehr verdienen als Angestellte, ist dies bei Selbstständigen mit Mitarbeitern in der Regel der Fall.
  • Mehr als ein Drittel aller Selbstständigen erzielt ein Nettoeinkommen ab 3.500 Euro pro Monat – gleichzeitig liegt rund jeder fünfte Solo-Selbstständige unter 1.000 Euro netto.
  • Kennzeichnend für den Verdienst von Selbstständigen ist eine sehr große Streuung: Vom Einkommen unterhalb des Existenzminimums bis zu siebenstelligen Spitzeneinkommen ist alles vertreten.
  • In der Anfangsphase der Existenzgründung müssen Selbstständige sehr oft kleinere Brötchen backen, bis das Geschäft angelaufen ist.
  • Um den Verdienst als Selbstständiger einschätzen zu können, sollte der eigene Marktwert bekannt sein. Nachfrage und Alleinstellungsmerkmale sind wichtige Faktoren, um ein hohes Einkommen zu erzielen – allerdings nur, wenn die Kosten sich in Grenzen halten.
  • Der Verdienst von Selbstständigen hängt von Branche, Region und Geschlecht ab. Nach wie vor erzielen Männer in der Selbstständigkeit deutlich höhere Einkommen als Frauen.

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