Welche Rechtsform? Vorteile und Nachteile

Die Rechtsform stellt den zentralen formalen Rahmen eines Unternehmens dar, aus dem sich zahlreiche Konsequenzen bzw. Handlungsspielräume für die Finanzierung und Fragen der Haftung ergeben. Sie gibt die Strukturmerkmale eines Unternehmens vor und bestimmt, wie Geschäftsführer im Wirtschaftsverkehr agieren können. Beim Zusammenschluss mehrerer Gesellschafter ist es unabdingbar, einen Vertrag auszuarbeiten.

Um sich für eine der gängigsten Rechtsformen entscheiden zu können, sollten die Vor- und Nachteile geprüft werden. Im Einzelfall kann es ein entscheidender Faktor sein, wie viel Eigenkapital eingebracht werden kann bzw. je nach Rechtsform muss.


Rechtsformen in Deutschland: Grundlegendes

In Deutschland kann bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich die Rechtsform eines Unternehmens frei gewählt werden. Allerdings stehen im Rahmen einer Existenzgründung oft nicht alle Rechtsformen tatsächlich zur Verfügung. Dies liegt an bestimmten Voraussetzungen, die an die jeweilige Rechtsform geknüpft sind. Zur Auswahl stehen Rechtsformen für Ein-Personen-Gründungen sowie Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften, wenn es sich um mehrere Gründer handelt. Es gibt allerdings weder die optimale Rechtsform, die alle Wünsche erfüllt, noch die Rechtsform auf Dauer. Denn mit der Entwicklung des Unternehmens ändern sich auch die Ansprüche an dessen Rechtsform. Eine spätere Änderung der Rechtsform (Umfirmierung) ist oft ein unvermeidlicher Schritt, um für den Wachstumskurs neue finanzielle Handlungsspielräume zu erschließen.
 

Übersicht: Welche Rechtsform wird am häufigsten gewählt?

Die große Mehrheit der Existenzgründer firmiert als Einzelunternehmen (etwa 80 %). Auf die GmbH entfallen etwa 10 %. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts macht etwa 5 % aller Gründungen aus. Folglich machen alle übrigen Gesellschaftsformen zusammen weniger als 5 % aus. In Deutschland ist das Unternehmertum also klar von Einzelunternehmern gekennzeichnet. Dass Aktiengesellschaften nur einen recht kleinen Anteil ausmachen, liegt in der Natur der Sache, handelt es sich hierbei doch meistens um sehr große Unternehmen.
 

Zu den Personengesellschaften zählen unter anderem:

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

  • offene Handelsgesellschaft (OHG)

  • Kommanditgesellschaft (KG) und

  • stille Gesellschaft


Zu den Kapitalgesellschaften zählen unter anderem:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

  • Aktiengesellschaft (AG)

  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)


Daneben gibt es einige Mischformen, wie z.B. die GmbH & Co KG. Auch ist es in Deutschland möglich, eine ausländische Rechtsform zu wählen. Die bekannteste ist die Limited (Ltd.) aus England. In den letzten Jahren hat auch die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) an Bedeutung gewonnen, da sie ohne eine große Summe an Startkapital gegründet werden kann. Für Existenzgründer kommen hauptsächlich die nachfolgenden Rechtsformen infrage:
 

Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist die am weitesten verbreitete Rechtsform. Wenn Sie Ihr Gewerbe anmelden, nehmen Sie - soweit nicht anders gewünscht - automatisch die Rechtsform einer Einzelunternehmung ein. Als Einzelunternehmer sind Sie ausschließlich für sich selbst verantwortlich und haften im Falle des Scheiterns auch mit Ihrem Privatvermögen. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital ist nicht erforderlich. Der Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung oder Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ist anzuraten (auch für Freiberufler ohne Gewerbe). Ein Einzelunternehmer muss nicht zwingend alleine tätig sein, sondern kann beliebig viele Angestellte haben. Bei Bedarf ist ein Eintrag in das Handelsregister möglich. Das Handelsregister ist ein öffentliches Firmenverzeichnis, das Informationen zu einem Unternehmen bereithält. Mit einem Eintrag ist man offiziell “Vollkaufmann” und hat Vorteile in Bezug auf die Erteilung von Prokura, sowie bei Kreditgeschäften. Man ist als Vollkaufmann jedoch zur kaufmännischen Buchhaltung verpflichtet.
 

Rechtsform Einzelunternehmen: Vorteile

+ flexible Gründung, da kein Startkapital notwendig ist

+ minimale Gründungskosten und geringer Aufwand

+ alleinige Entscheidungsgewalt des Einzelunternehmers

+ durch persönliche Haftung in der Regel gute Reputation bei Banken

 

Rechtsform Einzelunternehmen: Nachteile

- uneingeschränkte Haftung auch mit dem Privatvermögen

- Pflicht zur doppelten Buchführung und Bilanzierung

- notwendiges Eigenkapital muss aus eigener Kraft realisiert werden


Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR)

Die Rechtsform der GbR kommt vor allem dann in Frage, wenn Sie gemeinsam mit Partnern eine Firma gründen wollen. Die GbR gilt als Personengesellschaft, daher steht auch hier der persönliche Einsatz der Gesellschafter im Vordergrund. Faktisch kann die GbR als Gegenstück zur Einzelunternehmung gesehen werden. Zur Gründung einer GbR bedarf es mindestens zwei Gesellschafter. Im Vordergrund steht hier der Wille, die Verpflichtung und eine Einigung darüber, den Zweck gemeinsam zu verfolgen und fördern. Die Haftung erstreckt sich über das Gesellschaftsvermögen hinaus auf das Privatvermögen der Gesellschafter. Dies stellt in vielen Fällen ein Risiko dar, zumal eine Person für das Handeln der anderen mithaftet. Nimmt Gesellschafter A im Namen der GbR einen Kredit auf, haftet Gesellschafter B in voller Höhe mit, wenn z.B. Zahlungsprobleme eintreten. In jedem Fall sollte man daher einen Gesellschaftervertrag vereinbaren, in dem die Haftung beschränkt wird. In einem Gesellschaftervertrag sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Wer darf wann und in welcher Höhe Einkäufe tätigen?

  • Wer darf Kredite aufnehmen? Mit oder ohne Rücksprache?

  • Was passiert, wenn der Mitgesellschafter aussteigt? Wer übernimmt? Erfolgt eine Auszahlung?

Generell sollten Sie immer einen GbR-Vertrag von einem Anwalt überprüfen lassen.

Eine GbR, die mehr als 500.000 Euro Umsatz oder 30.000 Euro Gewinn erwirtschaftet, wird durch einen Eintrag ins Handelsregister automatisch zur OHG.


Rechtsform GbR: Vorteile

+ einfache Gründung, kein vorgeschriebenes Mindestkapital

+ mehrere Gesellschafter können mit dieser Rechtsform erfolgreich zusammenarbeiten

+ der bürokratische Aufwand hält sich in Grenzen, auch mit Blick auf die Buchführung
 

Nachteile der Rechtsform GbR:

- die Haftung ist persönlich und gesamtschuldnerisch (also für alle Schulden der Gesellschaft)

- das Ausscheiden von Gesellschaftern kann sich als schwierig erweisen, wenn im Gesellschaftsvertrag keine Lösungen fixiert sind

- keine Besteuerung nach der Körperschaftssteuer, sondern nach der Einkommenssteuer (bis zu 45 %)


Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Bei der OHG handelt es sich ebenfalls um eine Personengesellschaft. Im Vergleich zur GbR gibt es hier jedoch zwei wesentliche Unterschiede: Anders als bei der GbR ist die OHG auf den Betrieb eines Handelsgewerbes (z.B. Kaufleute, Dienstleister, Handwerker, produzierende Betriebe) gerichtet. Eine Eintragung im Handelsregister ist demnach Voraussetzung. Bei der OHG müssen sich wie bei der GbR mindestens zwei Kaufleute zusammenschließen, die persönlich und gesamtschuldnerisch auch mit ihrem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der OHG haften. Ein Mindestkapital ist für die Gründung nicht vorgeschrieben. Die Verhältnisse in der OHG richten sich wie bei der GbR nach dem Gesellschaftervertrag. Wenn hier keine besonderen Regelungen festgesetzt sind, finden die gesetzlichen Vorgaben Anwendung. Die OHG ist als Rechtsform für kleinere und mittelständische Unternehmen geeignet. Aufgrund der gesamtschuldnerischen Haftung basiert die Zusammenarbeit auf einem sehr engen Vertrauensverhältnis. Man sollte sich daher genau überlegen, mit wem man eine OHG gründet.
 

Vorteile OHG (offene Handelsgesellschaft)

+ kein Mindestkapital vorgesehen

+ vergleichsweise einfacher Gründungsvorgang

+ durch die persönliche Haftung gelten Gesellschafter oft als kreditwürdig
 

Nachteile der Rechtsform offene Handelsgesellschaft

- Haftung auch mit dem gesamten Privatvermögen

- Eintragung ins Handelsregister ist Pflicht, woraus sich zahlreiche Anforderungen mit Blick auf die Buchführung ergeben


Kommanditgesellschaft (KG)

Die Kommanditgesellschaft ist ebenfalls eine Personengesellschaft und gilt als eine Sonderform der OHG. Das Besondere an der KG ist, dass sie neben mindestens einem persönlich haftenden Gesellschafter (Komplementär) auch noch Kommanditisten (Gesellschafter) umfasst. Während die Kommanditisten nur mit der Höhe ihrer Einlage haften, haftet der Komplementär in voller Höhe auch mit seinem Privatvermögen. Der Kommanditist ist von der Geschäftsführung ausgeschlossen. Er hat lediglich Informations- und Widerspruchsrechte. Er kann z.B. den Jahresabschluss beantragen und diesen auf Richtigkeit prüfen. Die Rechtsform einer KG ist besonders dann sinnvoll, wenn eine Firma auf eine breite Kapitalbasis gestellt werden soll. Die Partner können so zwar am Geschäftserfolg beteiligt werden, haften jedoch bei Risiken nur mit der geleisteten Einlage.
 

Vorteile der Rechtsform Kommanditgesellschaft:

+ geringe Hürden: für die Gründung ist kein Mindestkapital einzubringen

+ durch Aufnahme weiterer Kommanditisten kann das Kapital erhöht werden

+ der Komplementär fungiert mit großer Entscheidungsfreiheit
 

Nachteile Kommanditgesellschaft:

- der Komplementär haftet auch mit seinem gesamten Privatvermögen

- es kann zu Interessenskonflikten kommen
 

UG haftungsbeschränkt (Unternehmergesellschaft) als moderne Alternative

Mit der Einführung der Rechtsform UG wollte der deutsche Gesetzgeber eine Alternative für die englische Limited ins Leben rufen.

Für viele Existenzgründer kann die UG (die zwingend mit dem Zusatz haftungsbeschränkt zu führen ist) als Alternative zum Einzelunternehmen gesehen werden. Es handelt sich bei einer UG um eine Kapitalgesellschaft, womit im Gegensatz zum Einzelunternehmen eine juristische Person gegründet wird. Da eine UG zunächst ohne Kapital gegründet werden kann, kann sie langfristig in eine GmbH umgewandelt werden. Und zwar dann, wenn die Mindestsumme für das Startkapital von 25.000 Euro erreicht ist. Theoretisch ist es möglich, eine UG mit nur 1 Euro Startkapital zu gründen. Daraus entsteht aber die Verpflichtung, 25 % des Jahresgewinns als Rücklage einzubehalten, bis das Mindestkapital einer GmbH erreicht ist.
 

Vorteile der Rechtsform Unternehmergesellschaft (UG)

+ keine Haftung mit privatem Vermögen

+ recht unkomplizierte Umwandlung in eine GmbH

+ schnelle Gründung ohne großen Aufwand möglich

+ später können weitere Gesellschafter hinzustoßen (der Gesellschaftsvertrag ist dann anzupassen)
 

Nachteile der Rechtsform Unternehmergesellschaft

- die beschränkte Haftung kann sich auf Geldgeber oder Geschäftspartner abschreckend auswirken

- durch ein geringes Stammkapital steigt die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz

- Gewinne können u.U. nicht vollständig ausgeschüttet werden

- relativ komplexe Regeln für die Ausschüttung von Gehältern und Betriebsrenten (hierbei fallen weitere Steuern an)


Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Bei der GmbH handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, also eine juristische Person. Alle Geschäfte werden nicht den einzelnen Gesellschaftern, sondern der Gesellschaft selbst zugerechnet. Der Schutz des Privatvermögens ist das zentrale Argument für eine GmbH. Die Gesellschafter haften maximal bis zur Höhe ihrer Einlagen. Die Einlagen können auch in Sacheinlagen geleistet werden. Ein Stammkapital bei Gründung von 25.000 Euro ist Voraussetzung. Jeder Gesellschafter muss mindestens 100 Euro Stammeinlage leisten. Hierbei gilt: Je mehr Kapital in einer GmbH steckt, desto höhere Sicherheiten können Sie einer Bank bieten. Mit der GmbH wird auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit gegeben, mit vergleichsweise geringem Kapital eine Firma ohne Privathaftung zu betreiben.
 

Vorteile der GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

+ die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt

+ Gründung ist alleine oder im Team möglich (=> Gesellschaftsvertrag ausarbeiten!)

+ besserer Zugang zum Finanzmarkt, breitere Finanzierungsstrategie möglich
 

Nachteile der Rechtsform GmbH

- die Gründungsformalitäten sind recht aufwändig

- Einstiegshürde: mindesten 25.000 Euro Stammkapital sind einzubringen

- Eintragung in das Handelsregister ist vorzunehmen, erhöhte Publikationspflichten


 

Aktiengesellschaft (AG)

Mit der AG Aktiengesellschaft steht Gründern eine weitere Rechtsform zur Verfügung, die sich vor allen für kapitalintensive Geschäftsmodelle anbietet. Der Unterschied zwischen AG und GmbH besteht formal darin, dass bei einer Aktiengesellschaft mindestens 50.000 Euro einzubringen sind. Zudem unterliegt eine AG erweiterten Publikationspflichten. Sie verfügt über Organe wie Aufsichtsrat, Vorstand und die Hauptversammlung. Eine AG bietet sich als Rechtsform für innovative Startups vor allem an, wenn binnen kurzer Zeit am Kapitalmarkt viel Geld eingesammelt werden muss. Im Gegensatz zur GmbH ist die Gründung einer Aktiengesellschaft komplexer und kostenintensiver.
 

Vorteile der Aktiengesellschaft (AG)

+ flexibles Fortbestehen auch bei Personalwechsel

+ sehr gute Finanzierungsoptionen am Kapitalmarkt

+ Unabhängigkeit von Banken, kurzfristige Kapitalerhöhungen sind möglich

+ mehr Kontrolle durch Teilung von Vorstand und Aufsichtsrat
 

Nachteile der Aktiengesellschaft

- hoher Gründungsaufwand

- keine Gründung ohne Mindestkapital von 50.000 Euro möglich

- hoher administrativer Aufwand durch die Organe der AG

- hohe Publikationspflichten
 

Zusammenfassung als FAQ: Häufige Fragen zu Rechtsformen für Unternehmen


Welche Rechtsform wählen? Was ist bei der Wahl der Rechtsform zu beachten?

Zu wählen ist eine Rechtform, die einen effizienten Rahmen für das anvisierte Geschäftsmodell ermöglicht. Dazu zählen insbesondere die Möglichkeiten, an Kapital für die Unternehmensfinanzierung zu gelangen und das Miteinander mehrerer Gesellschaft vertraglich sauber zu regeln. Für viele Gründer spielt die vorgesehene Haftung oder deren Beschränkung eine Schlüsselrolle. DIE perfekte Rechtsform gibt es nicht, zumal zu einem späteren Zeitpunkt auch ein Wechsel der Rechtsform in Frage kommen kann.
 

Wie finde ich die richtige Rechtsform?

Die oben genannten Vor- und Nachteile bieten aussagekräftige Anhaltspunkte, wobei sie mit Blick auf Ziele und die individuelle Ausgangssituation zu gewichten sind. Ansonsten spielen als Faktoren in Praxis vor allem das Risiko (Haftung), Finanzierungsoptionen und Möglichkeiten der Entscheidungsfindung eine Rolle. Rein formal können Vorgaben für die Höhe des einzubringenden Startkapitals im Einzelfall darüber entscheiden, welche Rechtsform überhaupt in Frage kommt. Zum Teil ist die Rechtsform auch durch den Status vorgegeben.
 

Welche Rechtsform für Freiberufler?

Wenn sich Freiberufler zusammenschließen, tun sie dies in einer dafür vorgesehenen Partnergesellschaft. In der Praxis ist das z.B. in Sozietäten oft der Fall.
 

Rechtsform: Welche Kosten entstehen für den Gründungsvorgang?

Das ist je nach Rechtsform sehr unterschiedlich. Fraglich ist, ob man das einzubringende Startkapital bei einigen Rechtsformen wirklich als Kosten ansehen kann. Ansonsten entstehen im Gründungsprozess Kosten für notarielle Beglaubigungen, die Eintragung in das Handelsregister und notwendige Nachweise im Rahmen der Gewerbeanmeldung (z.B. bei einem erlaubnispflichtigen Gewerbe).

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