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Nebenberuflich selbstständig und hauptberuflich angestellt

Schuhe vor Pfeilen selbstständig oder angestellt

Nebenberufliche Selbstständigkeit bedeutet grundlegend, dass ein Hauptberuf (meistens im Angestelltenverhältnis) ausgeübt wird, neben dem quasi als zweites Standbein eine nebenberufliche Tätigkeit aufgebaut wird. Insofern ist die nebenberufliche Variante der Selbstständigkeit eine risikoärmere, aber arbeitsintensivere Form, um eine Geschäftsidee oder innovative Produkte und Dienstleistungen am Markt zu testen. Genauso wie bei einer hauptberuflichen Existenzgründung will auch ein nebenberufliches Standbein gut geplant und organisiert sein. Insofern sollte ein professioneller Businessplan nicht fehlen, falls langfristig der Wunsch einer hauptberuflichen Selbstständigkeit anvisiert wird. Auch ein Existenzgründerseminar oder die Lektüre von Tipps zur Existenzgründung können gerade zu Beginn der nebenberuflichen Selbstständigkeit sehr sinnvoll sein. Laut offiziellen Zahlen waren etwa im Jahre 2012 ca. 50 % aller Existenzgründer zunächst nebenberuflich aktiv. Dies zeigt, dass es sich keinesfalls um ein 'Nischenprodukt' handelt.
 

Die wesentlichen Merkmale der nebenberuflichen Selbstständigkeit kompakt zusammengefasst

Generell wird eine Selbstständigkeit nur als nebenberuflich eingestuft, falls die erste (oftmals abhängige) Beschäftigung den Arbeitsschwerpunkt bildet. Dementsprechend sollte die nebenberufliche Arbeitszeit nicht über 18 Stunden in der Woche beanspruchen, auch sollte das Gehalt nicht höher sein als das Arbeitseinkommen. Für die Anmeldung einer nebenberuflichen Tätigkeit gelten formal die gleichen Anforderungen wie zur Existenzgründung.
 

Gibt es eine Genehmigungspflicht durch den Arbeitgeber?

Prinzipiell hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Es empfiehlt sich, den Chef einzuweihen und um Erlaubnis zu bitten, zumal in nicht wenigen Arbeitsverträgen diesbezügliche Regelungen fixiert sind. Grundsätzlich wird der Chef eine nebenberufliche Tätigkeit nicht unbedingt ablehnen, wenn die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  • die nebenberufliche Tätigkeit darf keine negativen Auswirkungen auf den Hauptjob haben
  • dem Arbeitgeber darf keine direkt Konkurrenz entstehen
  • Haupt- und Nebenjob sind klar voneinander zu trennen
  • Urlaub und Krankheit sind nicht dazu da, um im Nebenjob voll loszulegen

Sofern gegen einen dieser Punkte nachweislich verstoßen wird, ist der Arbeitgeber rechtlich in der Lage, die Ausübung der nebenberuflichen Tätigkeit zu untersagen und den Arbeitsvertrag zu kündigen.
 

Was ist in Bezug auf die gesetzliche Sozialversicherung
zu beachten?

Wer nebenberuflich gemeldet ist, muss in der Regel keine zusätzlichen Sozialversicherungskosten tragen, da diese ja schon über den 'Hauptlohn' abgezogen werden. Allerdings sollte die Krankenkasse auf jeden Fall informiert werden, da in einigen Fällen zusätzliche Kosten entstehen können (hier zeichnet sich kein einheitliches Bild ab). Auch ist die Krankenkasse regelmäßig zu informieren, sobald sich am Status etwas ändert. In der Regel meldet sich die Krankenkasse ohnehin ein Mal pro Jahr, um den aktuellen Status erfassen. Dies ist z.B. konkret der Fall, wenn die nebenberufliche Tätigkeit mit Blick auf die Arbeitszeit und das erzielte Einkommen überwiegt: In diesem Fall bekommen Betroffene den Status der Selbstständigkeit, womit sie 'versicherungsfrei' werden. Das bedeutet, dass keine Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind. Um jedoch Nachzahlungen in Bezug auf Kranken- und Rentenversicherung im Vorfeld zu vermeiden, sollten Sie von sich aus in regelmäßigem Kontakt mit Ihrer Krankenkasse stehen. Nebenberuflich Selbstständige sind somit in aller Regel über ihren Hauptberuf krankenversichert.

Mit Blick auf die Krankenversicherung als hauptberuflich Selbstständiger besteht grundsätzlich die Wahl zwischen der gesetzlichen und der privaten Variante. Zwar fällt der Zwang zur Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse weg, dennoch ist es dringend geboten, privat für das Alter vorzusorgen, zumal diese Aufwendungen fast vollständig von der Steuer absetzbar sind.
 

Im Zweifel ein Statusfeststellungsverfahren
für die Sozialversicherung in Erwägung ziehen

Oftmals herrscht bei einer nebenberuflichen Tätigkeit keine Klarheit über den Status, sodass eine freiwillige Statusanfrage bei der Deutschen Rentenversicherung im Vorfeld durchaus Sinn macht, um Handlungs- und Planungssicherheit zu erlangen.
 

Steuerliche Aspekte für nebenberuflich Selbstständige

Generell kann mit Blick auf die Besteuerung festgehalten werden, dass es unerheblich ist, ob jemand nebenberuflich oder hauptberuflich selbstständig ist. Auch wer nur sehr geringe Nebeneinkünfte erzielt, muss diese in der Steuerklärung angeben, wobei gewisse Pauschalen steuerfrei sind. Ansonsten sind alle selbstständigen Einkünfte in der entsprechenden Rubrik der Steuererklärung anzugeben und zu versteuern. Entgegen oft lesbarer Verlautbarungen sind der Kleinunternehmerstatus und die nebenberufliche Selbstständigkeit nicht identisch. Unternehmer, die nur sehr geringe Umsätze erzielen, können die Kleinunternehmerregelung beanspruchen, um von der Umsatzsteuerpflicht befreit zu werden. Sofern ein Gewerbe anzumelden ist, muss auch die Gewerbesteuer abgeführt werden (mehr dazu weiter unten).
 

Das Phänomen der Scheinselbstständigkeit:
Diese Kriterien geben Klarheit

In puncto Selbstständigkeit ist das Kriterium der Weisungsgebundenheit aus rechtlicher Perspektive maßgebend. Wer selbst frei entscheidet und bestimmt, ist in der Regel als selbstständig anzusehen. Eine Scheinselbstständigkeit liegt tendenziell vor, wenn Folgendes der Fall ist:

  • Arbeitszeiten werden nicht selber bestimmt 
  • die Arbeit beschränkt sich auf einen Kunden / Auftraggeber
  • es existieren keine eigenen Geschäfts-/Büroräume
  • Preise werden nicht selber festgelegt

Nebenberuflich Selbstständige, die diese Kriterien erfüllen, sind nicht als Selbstständig anzusehen. Wer weisungsgebunden ist, handelt nach dem Gesetz in keinem Falle als Selbstständiger. Wird erst hinterher festgestellt, dass in den Jahren zuvor eine Scheinselbstständigkeit vorlag, sind hohe Nachzahlungen von Krankenversicherungsbeiträgen und Rentenversicherungsbeiträgen die Folge.


Der Kontakt zur Krankenkasse ist wichtig

Die Krankenkasse muss stets über Arbeitszeit und Einkommen der nebenberuflichen Selbstständigkeit informiert werden. Sobald jedoch der Verdienst oder die Arbeitszeit für die Selbstständigkeit überwiegen, werden Sie als hauptberuflich Selbstständiger eingestuft. Die Beiträge richten sich dann nach dem Gesamteinkommen. Besonders, wenn dann eine Meldung durch Sie nicht rechtzeitig erfolgte, kann dies zu Nachzahlungen führen.

Wenn Ihre Tätigkeit der Selbstständigkeit nach Arbeitszeit oder Einkommen überwiegt, sollten Sie einen Wechsel in die Private Krankenversicherung anstreben. Die Beiträge richten sich hier nicht nach Ihrem Einkommen, und sind dann in vielen Fällen deutlich günstiger.
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Behördengänge und Formalitäten sind auch bei der
nebenberuflichen Selbstständigkeit unerlässlich

Wer kein Freiberufler ist, muss beim Gewerbeamt ein Gewerbe anmelden. Die Art der angemeldeten Tätigkeit sollte nicht allzu eng gefasst werden, um sich späteren Änderungsaufwand zu ersparen. Das Gewerbeamt seinerseits meldet alle relevanten Daten an das Finanzamt und die IHK (Industrie- und Handelskammer) sowie an die Berufsgenossenschaft zwecks Unfallversicherung. In diesem Sinne sollte auch zu Beginn geprüft werden, ob ein weiterer Versicherungsschutz nötig ist bzw. inwieweit dieser schon abgedeckt ist (man denke etwa an die Betriebshaftpflichtversicherung / Berufshaftpflichtversicherung).

Als Gewerbetreibender wird man automatisch Zwangsmitglied bei der IHK mit entsprechenden Mitgliedsbeiträgen. Mittlerweile gibt es aber auch Gewinnmindestgrenzen, bis zu deren Erreichen die Mitgliedschaft kostenlos ist. Bei einem Gewerbe sollte natürlich auch eine entsprechende Rechtsform gewählt werden, die möglichst wenig Haftungsrisiken und attraktive (finanzielle) Handlungsspielräume eröffnet. Sofern es sich nicht um einen Einzelunternehmer handelt (klassischerweise ist dies der eingetragene Kaufmann), entstehen weitere Buchführungs- bzw. ggf. Publizitätspflichten. Wird aber ein solches Stadium erreicht, ist in der Regel nicht mehr von einer nebenberuflichen Selbstständigkeit zu sprechen. In der Praxis fangen nebenberufliche Existenzgründer klein an, sodass die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung oftmals für eine erhebliche Einsparung an Formalitäten sorgt (Gewinne werden in der Steuererklärung einfach mittels Einnahme-Überschuss-Rechnung EÜR ermittelt).
 

Fazit: Die Vorteile und Gefahren der nebenberuflichen
Selbstständigkeit im Überblick

Der große Vorteil der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist, dass eine Geschäftsidee zunächst ohne großes Risiko und ohne allzu viele Formalitäten am Markt getestet werden kann, wobei der Hauptberuf das Einkommen sicherstellt. Insofern lässt sich gut abschätzen, ob die Geschäftsidee Potenzial hat und ob man überhaupt für eine Selbstständigkeit 'geboren ist'. Im Falle einer drohenden Arbeitslosigkeit kann die nebenberufliche Selbstständigkeit neue Perspektiven eröffnen und das Einkommen sichern. Wer zweigleisig fährt, erhöht natürlich auch sein Einkommen. Diesbezüglich sollte aber nicht übersehen werden, dass eine Doppelbelastung auf Dauer auch mehr (Frei)zeit und Kraft fordert. Insofern sind wie bei einer vollerwerblichen Existenzgründung Kompetenzen für das Zeit- und Aufgabenmanagement unerlässlich.

7 Schritte zur Selbstständigkeit

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