Viele Selbstständige beantragen staatliche Unterstützung

Unternehmer in Krise

In der Akutphase des wirtschaftlichen Einbruchs in Folge der Coronavirus-Pandemie hat der Staat ein umfangreiches Hilfspaket auf den Weg gebracht, das sich explizit auch an Solo-Selbstständige, Freiberufler, Existenzgründer und Kleinunternehmer richtet. Für die Bewältigung der Akutkrise sind zahlreiche Liquiditätshilfen vorgesehen. Hier im Infokasten finden Sie eine Übersicht interessanter Artikel, um staatliche Hilfen in der Corona-Krise prüfen und zeitnah beantragen zu können.

Abgesehen von solchen außergewöhnlichen staatlichen Hilfen für Selbstständige wird im folgenden Abschnitt mit der Grundsicherung (Hartz 4) eine weitere Option vorgestellt, die gerade für Existenzgründer mit geringem Einkommen in der Startphase bereit steht.
 


 

Staatliche Hilfen: Können Selbstständige Hartz 4 beziehen?

Auch jenseits von Krisenzeiten beantragen ca. 100.000 Selbstständige Hartz 4, um ihre Einkünfte aufzustocken. Insofern kann diese staatliche Hilfe eine Option für Selbstständige sein, um eine finanziell schwierige Phase zu überstehen.

Grundsätzlich ist es rechtlich möglich, aus der Selbstständigkeit heraus das Einkommen mit Hartz 4 aufzustocken. Laut SGB II dürfen Selbstständige ihre Tätigkeit auch beim Bezug von Arbeitslosengeld 2 fortführen, wenn eine positive Prognose für die nahe Zukunft vorliegt. Anhand aussagekräftiger Zahlen müssen Selbstständige als ‚Aufstocker‘ nachweisen können, dass sie mit ihrer selbstständigen Tätigkeit die momentane Hilfsbedürftigkeit überwinden können.

Grundsätzlich ist das System rund um Hartz 4 nicht auf Selbstständige und ein schwankendes Einkommen zugeschnitten, vielmehr auf die Situation von Arbeitnehmern. Zahlen zufolge schaffen es etwa 50 % aller Haushalte mit Selbstständigen, nach etwa einem Jahr nicht mehr auf diese zusätzliche staatliche Hilfe angewiesen zu sein.


Der Traum der Selbstständigkeit und die finanzielle Seite

Viele Menschen sehen in der beruflichen Selbstständigkeit den Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit, schließlich gibt es keine Weisungsbefugnis und auch die Arbeitszeiten können meistens recht flexibel gewählt werden. Gerade in der Startphase jedoch gestaltet sich die Einnahmesituation recht schwierig und ungewiss, wobei staatliche Fördermaßnahmen in Anspruch genommen werden können. Bei den Gründern einer 1-Mann-Firma lag das Nettoeinkommen 2014 monatlich bei 1496 Euro. Selbstständige, die ihrerseits Personal beschäftigen, kamen hingegen durchschnittlich auf ein monatliches Nettoeinkommen von 2701 Euro. Zum Vergleich: bei abhängig Beschäftigten liegt das durchschnittliche Nettoeinkommen bei 1553 Euro, wodurch sich die Werte etwas relativieren. Grundsätzlich aber verzeichnet Deutschland seit dem Jahr 2000 einen Zuwachs der Selbstständigen von 1,84 auf 2,34 Millionen. Gemessen an der Gesamtzahl sind also knapp 5 % der Selbstständigen auf zusätzliche staatliche Unterstützung angewiesen.
 

Ohne Moos nix los: die zentrale Rolle der Finanzen im Zuge der Existenzgründung

Seit jeher ist bekannt, dass die Finanzen eine dominierende Schlüsselrolle spielen, gerade in der Startphase der Selbstständigkeit: Wer nicht richtig kalkuliert, riskiert relativ schnell sein Geschäft an die Wand zu fahren, vor allem wenn sich die Umsätze nicht so entwickeln wie gedacht. Eine gute Planung und ein tragfähiges Geschäftsmodell sind die besten Faktoren für florierende Einnahmen. Auf den ersten Blick mögen die genannten Zahlen erschreckend sein, insgesamt aber heben sie sich vom abhängigen Arbeitsmarkt keineswegs negativ ab. Die Tatsache, dass staatliche Unterstützung in Anspruch genommen wird (werden kann!), sollte im Sinne einer Überbrückung auch positiv gesehen werden.
 

Betriebswirtschaftliche Instrumente gezielt ergreifen, um die Einnahmen nachhaltig zu erhöhen

Langfristig muss sich die Existenzgründung aber schon im eigenen Interesse daran messen lassen, ob zufriedenstellende Einnahmen als Lebensgrundlage erzielt werden können. Sofern das Geschäftsmodell und die Einnahmesituation potenziell gut sind, gilt es an anderen betrieblichen Stellschrauben zu drehen, um die finanzielle Misere zu beenden: In erster Linie sollten die eigenen Preise ggf. neu kalkuliert werden und auch die Kostenstrukturen gehören auf den kritischen Prüfstand. Marketing und Werbung sind immer hilfreich, um das Geschäft anzukurbeln. Im Einzelfall kann die schlechte Einnahmesituation aber auch das Resultat eines nicht tragfähigen Geschäftsmodells sein, das von Kunden (in dieser Form) nicht angenommen wird.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?