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Ein junges Startup verkaufen – was zu beachten ist

Junges Team klatscht sich ab

Große Unternehmen wie Amazon, SAP oder Adidas kaufen regelmäßig junge Startups mit großem Potenzial. Deshalb ist der Bedarf an innovativen Jungunternehmen im Grunde nie gedeckt. Wirklich gute Ideen haben immer eine Chance.

Wer sich als Jungunternehmer mit seinem Startup selbstständig macht und gleichzeitig schon vor und während der Gründung an den Exit, also den Verkauf des Startups denkt, sollte dabei einiges beachten. Außerdem ist es, sobald der Drang größer wird, den Verkauf durchzuziehen, wichtig, dass man gut über den passenden Zeitpunkt informiert ist und dass es überhaupt ausreichend Gründe gibt, zu verkaufen.

 

Bereits vor dem Gründen die Weichen stellen

Bereits vor dem Gründen eines Startups, bei dem von Anfang an das Ziel gesetzt wird, das es noch in einer recht frühen Phase, zu der sich aber bereits das Potenzial größeren Erfolgs abzeichnet, verkauft werden soll, gilt es vor allem zwei Dinge zu beachten.

Zum einen gilt es, das Thema Versicherungen, so anstrengend es für viele auch sein mag, von Anfang an gut zu durchdenken und abzudecken. Bei späteren Verhandlungen, bei denen das Startup zu einem möglichst hohen Preis verkauft werden soll, bringt es Unternehmern immer einen Vorteil, wenn das Startup lückenlos versichert ist. Denn wenn das gesamte operative Geschäft seit der Gründung versichert ist, macht das nicht nur einen professionellen Eindruck, es schmälert auch die auf die Käufer zukommenden Arbeiten – sie investieren sozusagen in ein kompletteres Produkt. Und wer einigt sich da denn nicht schneller auf einen Deal?

Oftmals ändert sich beim Verkauf eines Startups auch die Gesellschaftsstruktur des Unternehmens, was sich direkt auf die Geschäftsführer auswirkt. Somit kann es sich lohnen, sich auch zum Thema D&O-Versicherungen (Directors-and-Officers-Versicherungen) zu informieren, welche Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen für leitende Angestellte darstellen. Denn damit sind im Falle einer Umstrukturierung auch vergangene Entscheidungen im Haftungsfall versichert – selbst, wenn die Anteile schon bei einem neuen Gesellschafter liegen.

Zum anderen sollten junge Gründer sich von Beginn an mit dem Thema Steuern, bzw. Steuern-Sparen auseinandersetzen. Gerade für diejenigen, die etwa ein technologieorientiertes, hochschulnahes Startup gründen, welches für finanzstarke Investoren attraktiv ist, kann es sich lohnen, eine steueroptimierte Holding zu gründen. Sie stellt eine Kapitalgesellschaft dar, die eine Beteiligung an mindestens einer zweiten Kapitalgesellschaft besitzt. Wird ein sogenanntes Tochterunternehmen in einer Holdingkonstruktion verkauft, sind ganze 95 Prozent des Verkaufsgewinns steuerfrei. Lediglich die restlichen 5 Prozent werden als Bemessungsgrundlage herangezogen. Sie werden nach den üblichen Regelungen besteuert, also mit knapp 30 Prozent. Von der Gesamtsumme fließen somit gerade einmal etwa 1,5 Prozent an Steuergeldern ab. Damit diese Regelung gilt, muss die Holding mindestens 10 Prozent für den Wegfall der Körperschaftssteuer beziehungsweise 15 Prozent für den Wegfall der Gewerbesteuer an der Tochtergesellschaft halten. Wichtig ist, gleich bei der Neugründung eines Startups mit Mutter- und Tochtergesellschaft eine Holding zu gründen, da sonst eine Wartezeit von sieben Jahren gilt, um steuerliche Vorteile nutzen zu können.

 

Gute Gründe, um das Startup zu verkaufen

Nicht immer steht von Anfang an fest, dass das Startup bald verkauft werden soll. Und doch gibt es auch für alle anderen Jungunternehmer driftige Gründe, die dafür sprechen, das Startup bald zu verkaufen. Die drei üblichsten dieser Gründe haben wir im Folgenden aufgelistet:
 

1. Ein gutes Angebot lockt

Ist die Geschäftsidee eines Startups extrem vielversprechend und laufen die ersten Jahre oder vielleicht sogar schon Monate sehr erfolgreich ab, wird oftmals schnell ein großer Konzern oder die Konkurrenz aufmerksam. Selbst zu Zeitpunkten, an denen manche Gründer vielleicht noch gar nicht darüber nachdenken, zu verkaufen, kann es sein, dass ein Angebot eintrifft. Ein lukratives Angebot kann in jeden Fall ein lukratives Angebot, gerade für junge Unternehmen sein, weshalb viele Gründer ein frühes und ordentliches Angebot auch annehmen.
 

2. Ein neuer Entwicklungsschritt steht an

Jedes Startup fängt klein an und entwickelt sich nach und nach weiter. Eventuell wurde bereits Kapital eingeworben oder das Unternehmen hat sich per Bootstrapping langsam hochgearbeitet; die Marke etwa ist nun etabliert, oder eine Software zum Laufen gebracht und das Produkt weiterentwickelt. Dann steht ab einem bestimmten Zeitpunkt der nächste Entwicklungsschritt an. Nun kommt wieder einmal die Finanzierung ins Spiel. Dafür bedarf es in einigen Fällen eines Investors oder Kooperationspartners, der diesen Entwicklungsschritt vollziehen kann. Denn nicht immer die Gründer selbst müssen diese Rolle übernehmen – stattdessen kann es auch die beste Entscheidung sein, dass junge Startup zu verkaufen, damit es weiterhin rapide wachsen und sich seine Position am Markt sichern kann.
 

3. Eine neue Idee kommt auf

Ein dritter häufiger und berechtigter Grund, das noch junge Startup zu verkaufen ist jener, dass dem Gründer mit seinem Startup langweilig wird. Es hat vielleicht Spaß gemacht, die Idee zu verwirklichen und es war interessant, zu beobachten, wie das Produkt am Markt ankommt; irgendwann hat man aber vielleicht alles gelernt, was man lernen wollte und möchte nun andere Schwerpunkte setzen, sich neuen Herausforderungen stellen. Eventuell hat der Gründer auch gemerkt, dass ihm die Rolle als Chef ganz einfach nicht gefällt. Zusätzlich ist plötzlich eine neue Idee aufgekommen, die am liebsten so schnell wie möglich umgesetzt werden soll und die Zeit und Geld in Anspruch nehmen wird. Auch dies kann ein driftiger Grund für einen Exit sein.

 

Der optimale Zeitpunkt nach Expertenmeinung

Abseits der vorab vorgestellten guten Gründe, ein junges Startup zu verkaufen, gibt es nach Expertenmeinung auch einen ganz bestimmten Zeitpunkt, der sich für Gründer hierfür empfiehlt. So zeigte eine Analyse der Startup-Datenbank Crunchbase, dass der Gewinn umso höher ausfällt, je früher ein Startup verkauft wird. Die Wertsteigerung eines Startups und des für die Gründung investierten Kapitals liege im Schnitt in einer frühen Verkaufsphase beim Fünffachen des Einsatzes; in einer späteren Phase ist es nur noch das Dreifache. Für die Analyse wurden Verkäufe, Fusionen und Börsengänge von amerikanischen Startups zwischen 2008 und 2018 betrachtet. Alle Unternehmen hatten mindestens zwei Finanzierungsrungen abgeschlossen.

Eine frühere Analyse von Crunchbase kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass junge Startups, die noch weniger Geld eingesammelt haben beim Exit tendenziell eine größere Wertsteigerung erreichen, als größere Unternehmen, in die bereits mehr Kapital geflossen ist.

 

Schwierigkeiten, die auftreten können

  • Zwar werden häufig junge und ambitionierte Startups aufgekauft, einige Unternehmenskäufer jedoch suchen nach etablierteren Unternehmen mit enormem Wachstumspotenzial. Um die Nachhaltigkeit und die Erfolgsfähigkeit eines Unternehmens dokumentieren und nachvollziehen zu können, wird nicht selten die Historie des Unternehmens herangezogen. Dies ist einer der kritischen Punkte für viele Startups, denn es fehlt ihnen oftmals ganz einfach an Nachweisen für eine Etabliertheit und Ertragsfähigkeit. Allerdings sind diese Nachweise für viele Unternehmenskäufer unbedingt notwendig. Denn die meisten Käufer verfügen nicht über genügend Eigenmittel, um den Kauf zu tätigen, das heißt, sie sind auf eine Bankenfinanzierung angewiesen. Die Bank möchte sich aber anhand der Jahresabschlüsse und historischen Gewinne ein Bild machen – mangelt es an diesen, wird es schwierig

  • Auch an den personalen Anforderungen scheitert der Verkauf eines Startups an einen Konzern häufig. Denn die Mitarbeiter großer Konzerne sind nicht selten stark spezialisiert und erfüllen eine bestimmte Funktion, während in Startups häufig alles etwas schwammiger geregelt ist. So gibt es in Großkonzernen Spezialisten für Marketing, Buchhaltung, Recht Personal oder den Vertrieb. In jungen Startups machen oftmals alle Angestellten irgendwie alles. Dadurch sind sie schneller und flexibler am Markt, könnten beim Verkauf an einen großen Konzern aber Probleme bekommen. Denn dort gibt es eben meistens zu wenig Personal mit derlei disziplinübergreifenden Fähigkeiten, die zum Ausbau des Startups unabdingbar sind

  • Die Zusammenarbeit mit einem Investor, bzw. Käufer läuft außerdem nicht immer genauso ab, wie man sich das als junges Startup vielleicht wünschen würde. Denn nicht immer können alle Ideen, die man als Jungunternehmer hat in die Welt des Großkonzerns eingebracht werden. Auch Abläufe und Freiheiten, die man vorher vielleicht hatte sowie Entscheidungskompetenzen können nach einem Verkauf vollkommen verlorengehen. Die Selbstständigkeit, die für viele junge Gründer eine der wichtigsten und entscheidendsten Sachen bei der Startup-Gründung war, fällt plötzlich weg. Besser ist in diesem Fall vielleicht sogar die Kooperation zweier gleichgestellter Partner.

 

Asset Deal oder Share Deal?

Grundsätzlich stehen jungen Gründern, die ihr Startup verkaufen möchten, zwei Wege offen: Sie können einen Share Deal oder einen Asset Deal eingehen. Beide Wegen haben Vor- und Nachteile:
 

Der Asset Deal

Bei einem Asset Deal werden die Wirtschaftsgüter eines Unternehmens (Assets) einzeln erworben und auf den Käufer übertragen. Somit kauft der Käufer jeden einzelnen Gegenstand, der Teil des Startups ist. Dies alles wird im Vertrag einzeln aufgelistet. Alles, was nicht im Vertrag steht, gilt auch nicht als verkauft.

Der Vorteil dieses Deals ist, dass, wie bereits gesagt, alle Vermögensgegenstände, die im Vertrag nicht erwähnt werden, beim Gründer bleiben.

Allerdings – und das ist der größte Nachteil des Asset Deals – kann er, angesichts der Vielzahl an Wirtschaftsgütern vieler Startups, schnell auch übersichtlich werden. Das bedeutet einen größeren Aufwand und mehr Zeitinvestition.
 

Der Share Deal

Beim Share Deal erfolgt der Unternehmenskauf durch den Erwerb von Anteilen der zum Verkauf stehenden Gesellschaft. Somit kauft der Käufer das Startup als Ganzes, wobei die Auflistung einzelner Gegenstände nicht notwendig ist.

Der Vorteil des Share Deals ist, dass er zeitsparender und weniger aufwendig ist.

Der Nachteil: Beim Share Deal gehen alle Haftungsrisiken und Verbindlichkeiten auf den Käufer über. Deshalb müssen im Vertrag bestimmte Haftungsregelungen aufgestellt werden, mit denen sichergegangen wird, dass der Verkäufer auch für den Bestand sowie für die Beschaffenheit der vom Käufer erworbenen Vermögensgegenstände haftet.

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